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Was hat für mich noch einen Wert?


Datum: 
01.03.2010

Niedernburger Schülerinnen debattieren mit Staatssekretär Dr. Max Stadler über Normen und Gewissen

 Passau (iop). Welche Werte sind tragfähig für das Leben? Nach welchen Prinzipien kann und soll man seinen Alltag gestalten? Die Schülerinnen der Oberstufe im Gisela-Gymnasium stellten beim „4. Niedernburger Podium“ eine höchst aktuelle Frage. Und Staatsekretär Dr. Max Stadler, die Sparkassenchefin Renate Braun, der Passauer Stadtrat Prof. Dr. Gerhard Waschler sowie Prof. Dr. Hans Mendl von Katholischen Departement blieben keine Antwort schuldig. Auch nicht auf die Frage, nach welchen Werten sie ihren ganz persönlichen Tagesablauf gestalten. Damit wurde auch ein klares Signal gegen den „Werteverfall“ gesetzt, den der Schulleiter Oberstudiendirektor Rudolf Nerl in seiner Eröffnung skizziert hatte.

Gerechtigkeit, Verantwortung, eben auch vor Gott, Solidarität. Verlässlich sein, mitmenschlich bleiben. Das waren Werte, die auf dem Podium, moderiert von Studienrat im Kirchendienst, Michael Preiß, genannt wurden. Max Stadler, Staatssekretär im Justizministerium, unterstrich die persönliche Freiheit. Das Grundgesetz, so der FDP-Politiker, bilde eine Wertordnung, etwa mit dem Schutz der Würde des Einzelnen. Allerdings, könne „der Staat in einer pluralistischen Gesellschaft nur ein ethisches Minimum setzen und Grundwerte zu definieren“. Jeder einzelne Bürger habe dann die Aufgabe, sein eigenes Wertesystem herauszubilden. Dabei sei auch die Orientierung und Wertebildung etwa durch die Religion entscheidend.

Die Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Passau, Renate Braun, erinnerte an die Gewissensbildung, in Familie, Schule, Kirche. Hier werde auch das Wertegefüge grundgelegt. Der Professor für Religionspädagogik, Hans Mendl, appelliert an die Schülerinnen, die Welt christlich zu gestalten. Beispiele, wie dies gelingen können, seien etwa die Heiligen der Kirche, aber auch alle Frauen und Männer, die überzeugend aus dem Glauben heraus leben und handeln. Mendl erinnerte dabei an Personen, die er in seiner Datenbank „Local Heroes“ sammelt.

Aktuell ging es auch um Moral und Werte im Wirtschafts- oder Bankenbereich. In der Debatte, etwa um Steuerhinterziehung wurde auch die ethische Verpflichtung der Banken unterstrichen. Es dürfe bei Auslandsaktivitäten keine Beratung zur Umgehung der Steuerpflicht im Inland geben, waren sich alle einig. Der CSU-Politiker Prof. Dr. Gerhard Waschler sprach sich für eine Transaktionssteuer bei internationalen Bankgeschäften aus.

Weil Wertefragen immer auch mit Bildung zusammenhängen, ging es bei dem intensiven Podiumsgespräch um grundsätzliche Schulfragen bis hin zur Ganztags- sowie Gemeinschaftsschule. Entscheidend, waren sich die Teilnehmer auf dem Podium einig, sei nicht die Struktur, sondern die Fähigkeiten und Talente der Schüler. Bildung dürfe nie an den finanziellen Möglichkeiten scheitern. Das System müsse eine Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Schularten zulassen.

Interessant war die Schlussfrage der Moderatorin Judith Duschl, aus der diesjährigen Abiturklasse, an die Teilnehmer: Was würden Sie uns in einer Abiturrede mit auf den Weg geben? In Kürze die Antworten:

  • Prof. Dr. Gerhard Waschler: An sich glauben und Ziele in den Blick nehmen. Sozial-caritatives Engagement verwirklichen und in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen.
  • Dr. Max Stadler: Entscheidungen selber treffen, moralisch gut zu Handeln und sich des Verstandes zu bedienen. Sich innerhalb der Gemeinschaft für andere einsetzen.
  • Prof. Dr. Hans Mendl: Eigene Vorstellungen vom Leben entwickeln. Mitwirken an einer solidarischen und werte-vollen Gesellschaft und somit dazu beitragen, dass die Welt besser wird.
  • Renate Braun: Mut eine Meinung zu haben und zu ihr zu stehen. Zivilcourage, um gegen gesellschaftliche Missstände aufzustehen. Neugierig bleiben im Leben. Und ganz wichtig: Gottvertrauen. Nämlich, dass das Leben eines jeden Menschen in der Hand Gottes Halt findet.

 

Die Podiumsgäste (von links) Prof. Dr. Gerhard Waschler, Prof. Dr. Hans Mendl, Dr. Max Stadler und Renate Braun.