Depot als Zeitzeugnis: Damit die Geschichte der Menschen im Bistum Passau erhalten bleibt


    Datum: 
    11.06.2014

    Diözese Passau will 2,7 Millionen in den Bau eines Depots zum Diözesanarchiv investieren

    Das Archiv des Bistums Passau ist weit über die Grenzen Nieder- und Oberbayerns sowie Ober- und Niederösterreichs hinaus bekannt. Für die allgemeine Bistumsgeschichte, die Kunstgeschichte, die Pfarr- und Ortsgeschichte ist es die zentrale Quelle. Für Privatpersonen ist das umfassende Archiv vor allem für die Familien- und Ahnenforschung eine beliebte und nützliche Anlaufstelle.

    Seit Jahren mahnt Diözesanarchivar Dr. Herbert Wurster an, dass viele empfindliche Zeitzeugnisse dringend eine „Heimat“ brauchen, denn das bisherige Archiv am Domplatz platzt aus allen Nähten. Das Bistumsarchiv beherbergt derzeit Archivalien im Umfang von etwa 8-9 km Regalfläche; die bestehenden Magazine fassen jedoch nur ca. 7,5 km und damit kann auf lange Sicht keine adäquate Unterbringung mehr gewährleistet werden. Schon jetzt werden Akten, Bücher oder Unterlagen auf Gängen, in Kellern oder anderen Gebäuden ausgelagert. „Es sind vor allem das Licht, die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit, die uns Sorgen bereiten. Die Archivalien müssen im Dunkeln gelagert werden und brauchen zudem möglichst stabile Raumtemperaturen und niedrige Luftfeuchtigkeit“, so Wurster. Um die Geschichte der Menschen im Bistum Passau zu erhalten und zu bewahren, wird die Diözese Passau in den Bau eines Depots für diese Archivalien, Unterlagen, Daten und Bücher rund 2,7 Millionen Euro investieren.

     

    Eine absolute Notlösung stellt die Lagerung vieler Bücher und Dokumente derzeit dar – wie hier im Haus St.
    Valentin in Passau. Damit die wertvollen Bestände dauerhaft erhalten werden können, wird nun ein neues
    Depot des Diözesanarchivs in Passau Hacklberg gebaut.

     

    Zeitgemäße und sichere Aufbewahrung für die Nachwelt

    „Der Bestand wird weiter wachsen, weil wir ja die gesamte Überlieferung der Pfarreien der Diözese verwahren“, erklärt Wurster. Die Bedeutung von Archiven als „Rettungsorte kirchlichen Kulturguts“ werde noch deutlich zunehmen. Die zentrale Archivierung hat sich bereits in den letzten Jahren gleich mehrfach als vorteilhaft erwiesen. Das belegt unter anderem die zunehmende Zahl von pfarr- und ortsgeschichtlichen Darstellungen, aber auch die allgemeinere Forschung, besonders die Kunstgeschichte würden vom zentralen Archiv profitieren. An erster Stelle steht jedoch, dass durch das zentrale Bistumsarchiv historisches Kulturgut für die Nachwelt sicher aufbewahrt werden kann. „Gerade durch die Reorganisation der Pfarrverwaltungsstrukturen, zu denen immer wieder Verkäufe und Vermietungen von Pfarrhöfen gehören, hätten der gesamten Region herbe Verluste drohen können“, weiß Wurster. Denn mit jedem Verkauf verlieren auch wertvolle Dokumente aus den Pfarrgemeinden ihre Heimat. „Wir heben im Archiv nur einen Bruchteil des produzierten Schriftguts auf, aber jedes archivwürdige Stück gibt uns Auskunft über das Leben der Menschen. Wenn wir das verlieren, verlieren wir die Geschichte der Menschen“, so Wurster. Schließlich hat sich beim Hochwasser 2013 gezeigt, dass die zentrale Aufbewahrung noch einen weiteren großen Vorteil bietet: sie schützt vor Schäden durch Naturkatastrophen. „Wir haben durch diese katastrophalen Überschwemmungen, von denen auch Kirchen, Pfarrhöfe und andere kirchliche Gebäude betroffen waren, kein einziges Pfarrarchiv verloren.“

    Leichte Nutzung für Pfarreien und Privatpersonen

    „Diese Baumaßnahme ist nicht nur dringend notwendig, sondern auch vorausschauend und nachhaltig“, betont Generalvikar Prälat Dr. Klaus Metzl. Die Zahl der Privatpersonen, die in Niederbayern Geschichtsforschung betreiben, steigt stetig an. Sie finden im Archiv und dem künftigen zugehörigen Depot alles in einer Hand und damit auch leicht zugänglich. Aber auch die Pfarreien profitieren enorm von diesem neuen Depot, weil sie von dieser sehr speziellen Arbeit und von den Kosten eigener Archivbauten entlastet werden. „Die Zentralisierung der Pfarrarchive mit den Pfarrmatrikeln ist eine Vorstufe für unsere bereits bekannten Internet-Projekte. Und diese dienen der Öffentlichkeit“, erklärt Wurster.

    Baubeginn im Herbst 2014

    Das Depot wird sich nicht am Domplatz befinden, sondern im Stadtteil Passau Hacklberg. Dort wird eine bisher brachliegende Fläche neben der Brauerei Hacklberg bebaut und „füllt so diese städtebauliche Lücke zwischen dem großen Wohnblock und den Lagerräumen der Brauerei“, wie Architekt Alfons Döringer vom Architekturbüro Koeberl-Doeringer in Passau erklärt.
    Zum geplanten Bau, über den die betroffenen Anwohner bereits im Vorfeld informiert wurden, können folgende Angaben gemacht werden:

    • die Geschossfläche beträgt 1345 Quadratmeter
    • Baubeginn Herbst 2014
    • Fertigstellung im Sommer 2015
    • Baukörper: - bleibt nahezu fensterlos, mit Putzfassade sowohl Luftfeuchtigkeit als auch Temperatur sollen im Jahresverlauf möglichst konstant bleiben mit einem geringen Luftwechsel
    • es handelt sich um ein nachhaltiges „low tech“ Gebäude mit einem sehr geringen Energiebedarf
    • das Gebäude ist wegen der Nähe zur Donau hochwassersicher konzipiert (selbst das Hochwasser 2013 hätte das geplante Archivgebäude nicht gefährdet)