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Religionsunterricht zwischen Bildung und Seelsorge


Datum: 
12.05.2017

Fachgespräch mit Bischof Dr. Stefan Oster SDB über Religionsunterricht heute mit seinen besonderen Herausforderungen der Lebens- und Glaubensbegleitung

 

Im Fach Religion sind mit dem Bildungsauftrag auch Glaube und Kirche Fragestellungen, mit denen sich Kinder und Jugendliche auseinandersetzen. Aber mit den pluralen und säkularen Lebenswelten ihrer Schüler sehen sich die Lehrkräfte herausgefordert, das Interesse wachzuhalten.

Zu einem Fachgespräch über Religionsunterricht heute mit seinen besonderen Herausforderungen der Lebens- und Glaubensbegleitung trafen sich 60 kirchliche und staatliche RL mit Bischof Stefan Oster im Spektrum Kirche in Passau. Eingeladen hatte der Arbeitskreis Bildung und Erziehung des Diözesanrates zusammen mit dem Schulreferat des Bistums, um sich ausgehend von persönlichen Erfahrungsberichten und Sichtweisen über Herausforderungen und gelingende Ansätze auszutauschen.

Helga Grömer, Moderatorin des Abends, lädt zu kurzen Statements ein:
Die Lebenswelt der Schüler und der Kontakt mit Kirche habe sich auch in Niederbayern grundlegend verändert: meist ist der RU der einzige Zugang zur Faszination des christlichen Glaubens, konstatiert ein Lehrer der Mittelschule. Da kommt es darauf an, Eltern teilhaben zu lassen an den Fragestellungen, die die Kinder mit nach Hause bringen: Was ist eigentlich die Bibel? Was bedeutet das Kreuz? Wer ist Gott überhaupt? Es geht darum, zum religiösen Gespräch anzustiften. Wie von selbst kommen dann auch Lebensfragen zur Sprache, die die Kinder umtreiben und gleichzeitig ihren Eltern Impulse liefern zum Nachdenken über Sinnfragen.
Religionslehrer sind nahe an den Sorgen der Schüler dran und damit sind wir auch oft „Sozialarbeiter, Nothelfer und Seelsorger“ merkt die Lehrkraft an einer Förderschule an. Als wichtigste Botschaft gilt es zu vermitteln: Du bist gut, so wie Du bist!

 

In den Erfahrungsberichten aus allen Schularten wird spürbar, wie vielfältig und kreativ Kinder und Erwachsene mit Glaubensfragen in Berührung kommen können. Einig war man sich aber, dass die wenigen Schulstunden nicht ausreichen für das, was Glaubensbildung bieten kann. Religionslehrer können eine wichtige Rolle fachübergreifend im Schulleben einnehmen: als Gesprächspartner für Schüler, bei fachübergreifenden Projekten, Gestaltung religiöser Feiern oder besonders bei Krisenintervention und seelsorglicher Begleitung.

Nach wie vor sind auch Tage der Orientierung eine gute Möglichkeit, außerhalb des Unterrichts Begegnung und Austausch zu erleben und damit auch ein Zugang zur Auseinandersetzung mit Glaubensfragen sein kann. Ehrlich und offen wird da gesprochen oder einfach nachgefragt, wie christlich gelebte Nächstenliebe geht. Die sehr gute Erfahrung mit freiwillig organisierten Maßnahmen, an denen sich die Schüler einlassen auf ein paar Tage gemeinsam verbrachte und gestaltete Zeit wird aber nur möglich mit dem großen Engagement und persönlichem Einsatz der Lehrkraft.

Man war sich einig: Religionsunterricht ist mehr als 45 Minuten.

Das Angebot der Schulpastoral mit einem zusätzlichen Stundenkontingent, vom Bistum finanziert, antwortet auf die Veränderung in allen Schularten hin zu immer mehr Ganztagsbetrieb. Über die Unterrichtszeiten hinaus werden dadurch mehr Sprechzeiten, Gemeinschaftstage, Begleitung in Krisen, geistliche Zeiten und Elterngesprächsabende möglich. Schulpastoral ist offen für alle, kann Schulleben mitgestalten und prägen.

Bischof Stefan Oster betonte Wert und Bedeutung des Religionsunterrichts und zollte großen Respekt für so viel persönlichen Einsatz. Religionsunterricht gelinge, wenn die Kinder und Jugendlichen merken, es geht um sie und sie entdecken die Sehnsucht nach einer heilvollen Lebensvertiefung im Glauben.

Gerade auch im Religionsunterricht ist die fortschreitende Veränderung in der Gesellschaft, die sich immer mehr löst von christlichen Werten hin zu säkularisiertem Leben spürbar. Als Kirche sind wir Zeugen der Botschaft, die Leben in Fülle ankündigt. Wir müssen uns selbst hinterfragen, wenn dann Jugendliche einen Gottesdienst als trostlos und öde erleben. Da scheint uns selbst oft die Sehnsucht nach der Quelle der Freude abhanden gekommen zu sein. Bischof Oster lädt dazu ein, gemeinsam Wege zu suchen, wie die guten genannten Erfahrungen noch sichtbarer und spürbarer werden können. Kinder und Jugendliche gehen unverstellt und direkt an die Themen heran. Als theologisch Gebildete sind wir oft diejenigen, die zwar viel Wissen haben, aber zu wenig selbst in Berührung kommen mit Christus. Je näher ich ihm komme, umso mehr ist Entscheidung gefragt. Es braucht auch unter uns das ehrliche Gespräch über unser Glaubensverständnis. Dann fällt es leichter, Möglichkeiten und Wege zu finden, junge Menschen heute an eine Entscheidungsfindung für Christus heranzuführen. Und grundsätzlich gilt, dass ich als Christ nicht an den Problemen und Fragen der Menschen vorbeischauen kann.  Und auch dafür muß die Zeit und der Raum an Schulen da sein. Hier ist Schulpastoral der richtige Ansatz.

Bischof Oster ermutigt dazu, selbst immer wieder geistlich aufzutanken und „stärkende Quellen“ für den Alltag in der Berufung als Religionslehrer/innen aufzusuchen.

>>>Peter Oberleitner