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Kleine Schritte für ein großes Werk


Datum: 
16.02.2017

Martina Kosak engagiert sich seit 25 Jahren in Rumänien – Vor allem Kinder profitieren

 

 

„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“ Wer kennt sie nicht, die weisen Worte, die der Fuchs dem Kleinen Prinzen in der berühmtesten Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry mit auf den Weg gibt. Martina Kosak hat dieser Satz immer Kraft gegeben. Wenn sie nah dran war aufzugeben. Wenn das Elend sie überwältigte. Wenn Rückschläge sie frustrierten. Die gebürtige Breitenbergerin, die seit einigen Jahren in Passau lebt, engagiert sich seit 25 Jahren in Rumänien. Die Tagesstätte für behinderte Kinder in Oradea, das Altenheim in Sinzieni, den Kindergarten in Odorheiu-Secuiesc würde es in der Form ohne ihr Engagement nicht


1992 begann für Martina Kosak (hinten 2.v.l.) das Abenteuer Rumänienhilfe.
 

geben. Unentwegt hat die 47-Jährige Menschen zum Spenden animiert, Hilfstransporte und Arbeitstrupps organisiert. Mehr als 250.000 Euro an Hilfsgeldern hat die selbstständige Ergotherapeutin und Systemische Familientherapeutin in einem Vierteljahrhundert für Projekte in Rumänien gesammelt, allein 43 Mal war sie in der Zeit selber vor Ort.

Gemeinsam mit ihren Mitstreitern hat sie vor allem in der Anfangszeit haarsträubende Szenen erlebt: Sie wurde an der Grenze schikaniert, auf der Straße bedroht und einmal – beim Transport eines Mähdreschers – in einen Container gesperrt, weil die Zöllner sich keinen Reim daraus machen konnten, dass eine Frau bei dem Schwertransport die Federführung hat. „Das waren oft Horrortrips“, erinnert sich Martina Kosak. Inwischen ist gottlob vieles anders geworden.

Martina Kosak arbeitete noch als Kinderpflegerin, als ihre Rumänienhilfe begann. Bei einer Fortbildung bei den Heiligkreuz-Schwestern in Altötting hörte sie das erste Mal von einem Kindergarten-Projekt der Mallersdorfer Schwestern in Odorheiu-Secuiesc und bewarb sich um eine freie Stelle. Sie erinnert sich noch gut daran, wie sie in Suben in den Bus mit den Mallersdorfer Schwestern zustieg. Die Ordensfrauen hatten sich auf den Weg nach Rumänien gemacht, um bei der Einkleidung von Sr. Margit Boros – sie ist heute Oberin im dortigen Kloster – dabei zu sein. Für Martina Kosak war es eine Fahrt in eine andere Welt. „Die Armut war unvorstellbar, es gab sogar noch Kinder, die einfach verhungerten“, erinnert sie sich schaudernd. Für die junge Frau ohne rumänische Sprachkenntnisse war das  eine große mentale Belastung. „Ich wusste nicht, wie ich mich zurechtfinden soll und habe einfach brutal viel gearbeitet“. Halt habe ihr vor allem der Tagesablauf und Gebetsritus der Klosterschwestern gegeben.

Dank ihres Engagements und dank der vielen Helfer, die sie anspornte, konnten viele Projekte vor allem auch für Kinder realisiert werden.

 

Als sie nach einigen Monaten wieder in ihre Heimat zurückkehrte, ließ sie Rumänien nicht mehr los. Sie fand vor allem bei ihren Freunden in der Katholischen Landjugend, bei ihrer Familie, bei örtlichen Geschäftsleuten und beim Frauenbund Mitstreiter für ihre Projekte. Mehrmals brach sie mit Arbeitstrupps auf, um einen Kinderspielplatz zu bauen oder Gebäude zu sanieren.
 

Heute sind vor allem der Kindergarten und die Tagesstätte für behinderte Kinder ihre Herzensanliegen. Die Kinder werden von Dr. Simona Rosu betreut und Martina Kosak kann hier auch ihr fachliches Können und ihr Netzwerk einbringen. „Man kann gar nicht beschreiben, unter welchen Umständen diese Kinder gelebt haben und wo wir die rausgeholt haben“, erzählt sie. „Hier haben wir wirklich etwas erreicht“, ist sie überzeugt.

Dieses Gefühl hatte sie nicht immer bei ihrer Arbeit in Rumänien. Vor allem die allgegenwärtige Korruption sorgte immer wieder für Rückschläge und Demütigungen. Das Wichtigste sei für sie heute, immer in der Gegenwart zu leben, das Gefühl zu haben, mit kleinen Schritten, Disziplin, Geduld und Durchhaltevermögen doch etwas zu erreichen.
Auch wenn die Fortschritte oft nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. Und vielleicht erinnert sich Martina Kosak dann ja an ein weiteres Geheimnis, das der Fuchs dem kleinen Prinzen anvertraut hat: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“     

 

>>>>Wolfgang Krinninger
>>>>Fotos: privat


Fortschritte ihrer kleinen Sprösslinge
machen Martina Kosak heute die größte Freude

Ganz Frau
Benefizabend

 

Mit einem Benefizauftritt im Gut Aichet unterstützt die Künstlerin Ariane Erdelt das Rumänien-Projekt von Martina Kosak. „Ganz Frau“ ist die witzig-unterhaltsame One-Woman-Show mit Tiefgang überschrieben, mit der sie am 7. April in Gut Aichet bei Thyrnau auftritt (Beginn 19.30, Eintritt 18 Euro). „Diese Aufführung verändert nicht das Leben, den Abend aber allemal, denn sie zaubert Wärme ins Herz und ein Lächeln ins Gesicht“, so eine begeisterte Kritikerin.