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Aufbrechen zu neuen Ufern


Datum: 
17.05.2017

Kloster Neustift: Benediktinerinnen der Anbetung planen Klostergründung in Madagaskar

 

 

„Hereinspaziert!“ fordert Generalpriorin Sr. Helene Binder (2.v.l.)  ihre Mitschwestern Agnès, Marie Pierre und Julia (v.l.) auf. Die drei Ordensfrauen der Französischen Provinz, die ursprünglich aus Madagaskar kommen, erzählten im Kloster Neustift über Land und Leute ihrer Heimat.

Kloster Neustift bei Ortenburg. Ein neues Kapitel in ihrer Kongregationsgeschichte schlagen die Benediktinerinnen der Anbetung im Kloster Neustift bei Ortenburg auf: Das Generalkapitel der Kongregation hat die Gründung einer Niederlassung in Madagaskar beschlossen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, denn bereits im nächsten Jahr kurz nach Ostern steigen die ersten drei Schwestern des „Gründungs-Teams“ in das Flugzeug nach Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars.

Den Hintergrund erklärt Sr. Helene Binder, die als Generalpriorin der Gesamtkongregation nicht nur für das Kloster Neustift, sondern für alle bayerischen, österreichischen und französischen Klöster mit insgesamt 110 Schwestern Verantwortung trägt: „Madagaskar war ja eine französische Kolonie und so gab es in Frankreich viele Madagaskar-Missionare. In der Folge traten viele Madagassinnen in unser Kloster ein. Dort gäbe es immer noch viele Interessentinnen.“ Nur könnten diese aufgrund geänderter Bestimmungen jetzt nicht mehr in eine europäische Kongregation eintreten, die in Madagaskar  keine Niederlassung hat, so Sr. Helene Binder. Deshalb wolle man auf dieser viertgrößten Insel der Erde Fuß fassen.

Um den bayerischen Benediktinerinnen die fremde Kultur näher zu bringen, waren nun eine Woche lang drei madagassische Schwestern der Französischen Provinz im Kloster Neustift zu Gast. Sie vermittelten aus erster Hand Kunst und Kultur, Handwerk, Kleidung, Geographie, Geschichte, Musik und Tanz aus Madagaskar. Voller Begeisterung kochten Sr. Agnès, Sr. Marie Pierre und Sr. Julia Gerichte aus ihrer Heimat und schwärmten von der Liturgie in Madagaskar: „Ein Festgottesdienst dauert drei Stunden. Da geht es sehr fröhlich und stimmungsvoll zu mit madagassischen Gesängen, Klatschen und Prozessionstänzen zum Evangelium und zur Gabenbereitung.“

Doch es gebe auch Schattenseiten in ihrer Heimat, berichten die drei Ordensfrauen von der Insel im Indischen Ozean: „Madagaskar ist ja eins der ärmsten Länder der Erde. Viele Kinder können nicht zur Schule gehen, weil die Eltern zu arm sind, das Schulgeld zu bezahlen, Es herrscht auch viel Hunger in manchen Regionen des Landes und zudem gibt es häufig Naturkatastrophen wie Trockenheit, Überschwemmungen und Wirbelstürme.“

Für die Generalpriorin Sr. Helene Binder ist es eine klare Sache: „Wir haben aus Madagaskar sehr viele Schwestern geschenkt bekommen. Nun wollen wir etwas zurückgeben und Verantwortung ergreifen für den Dienst an den Armen, in der Sorge für Kinder und Jugendliche, in der Alphabetisierung, in der Glaubensvermittlung. Da gibt´s in Madagaskar ein großes Aufgabenfeld, wo wir uns auf der caritativen Ebene einbringen können. Das ist auch wichtig für mehr Gerechtigkeit!“ (Den Artikel in voller Länge lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Passauer Bistumsblattes.)

Fröhliche Tänze ihrer Heimat zeigten die gebürtigen madagassischen Schwestern beim Konzert-Abend in Neustift.

Text und Fotos: Uschi Friedenberger