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Bayerische Katholiken ehren Landtagspräsidentin Stamm


Datum: 
02.04.2011

Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern würdigt die Landtagspräsidentin Barbara Stamm für ihre Rolle als „soziales Gewissen in der Politik“ und ihr „ausgeprägtes Engagement für das Gemeinwohl“ mit der Franz-Eser-Medaille.

 Am Freitag, 1. April, wurde ihr die Auszeichnung anlässlich der Vollversammlung in Passau überreicht.Stamms Einsatz sei gespeist „von einem christlich-biblischen Blick auf den Menschen, der den Wert und die Würde menschlichen Lebens trotz aller Unvollkommenheit schätzt“, heißt es in der mit der Medaille verliehenen Urkunde. Die Franz-Eser-Medaille wird seit 2006 an Menschen vergeben, die sich um das Laienapostolat in Bayern besonders verdient gemacht haben.

Umkehr, Erneuerung und innere Reinigung der Kirche aus dem Geist des Evangeliums forderte der Passauer Bischof Wilhelm Schraml, vor den Delegierten. Beim Gottesdienst diagnostizierte Bischof Schraml einen „massiven Einbruch an Glaubenskraft“, eine „tief greifende Gotteskrise und Gottentfremdung“. Der Oberhirte sprach von einem „erschreckenden Schadens und Vertrauensbruch“ durch sexuellen Missbrauch von Kindern durch Geistliche.

Deshalb gelte aktuell der biblische Ruf zur Umkehr. Es gehe die „bewusste Ausrichtung des ganzen Lebens auf Gott hin“, gleichzeitig um die Abkehr von Unrecht, Lüge und Gewalt. Dies verbunden mit der Zuwendung zum Mitmenschen, mit dem Tun der Gerechtigkeit, der Wahrheit und Barmherzigkeit, wie der Bischof betonte. Bezogen auf den Dialogprozess, sprach der Bischof von „Evangelisierung“. Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden müsse in einer sicher wandelnden Kultur überzeugen, also „Licht der Welt“ und „Salz der Erde“ sein. Die Förderung des innerkirchlichen Gesprächs über die Suche nach dem christlichen Gottglauben, über das Gebet und die Verehrung Gottes und den helfenden Beitrag der Kirche in den Nöten der heutigen Gesellschaft sei ein guter Schritt dazu.

Im Studienteil befassten sich die Delegierten mit dem Thema „Schulische Bildung – christliche Orientierungen“. Dazu Bischof Schraml: schulische Bildung müsse neben Wissensvermittlung „den Blick auf das Ganze und Eigentliche des Menschen richten“. Gerade der Religionsunterricht biete die große Chance, „den Bezug des Menschen zu Gott zu erhellen“. Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern ist der Zusammenschluss der Diözesanräte der bayerischen Bistümer und der auf Landesebene tätigen kirchlich anerkannten Organisationen und Einrichtungen.

Katholiken ehren Landtagspräsidentin Stamm

Die Franz-Eser-Medaille wird von der Zeitschrift des Landeskomitees „Gemeinde creativ“ gestiftet und erinnert an den 1916 geborenen Mitbegründer der Katholischen Aktion in Bayern, der Vorläuferorganisation des Landeskomitees der Katholiken in Bayern. Barbara Stamm erhielt sie für ihr persönliches Engagement in Kirche und Politik. Neben ihrem politischen Wirken – von der Kommunalpolitikerin über die Landtagsabgeordnete und Staatsministerin bis hin zur Landtagspräsidentin – gilt die Auszeichnung vor allem Stamms vielfältigem ehrenamtlichen Engagement: als Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, stellvertretende Vorsitzende des Würzburger Diözesancaritasverbands oder Vizepräsidentin des Familienbunds der Katholiken. In ihrem politischen wie in ihrem ehrenamtlichen Wirken gebe Stamm ein „beispielhaftes Zeugnis für den christlich motivierten Einsatz in einer zunehmend säkulareren Gesellschaft“, heißt es in der vom Vorsitzenden des Landeskomitees, Albert Schmid, unterzeichneten Urkunde. Eine besondere Würdigung erfährt mit der Auszeichnung das Engagement Stamms als Landesvorsitzende der Lebenshilfe Bayern. „Gerade angesichts der Debatte um die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik, die die Gefahren der Selektion von Menschen nach Maß und der Begrenzung des Lebensrechts auf gesunde Menschen in sich birgt“, gewinne dieses Engagement „einen hohen Stellenwert“, wird die Auszeichnung Stamms begründet.
Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Franz Maget, hielt Laudatio
In seiner Laudatio würdigte der Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Franz Maget, Stamm als einen Menschen, der sich „das Recht bewahrt, eine eigene und eine eigenständige Meinung zu haben und sie im Bedarfsfall auch zu äußern“. Maget hob Stamms Engagement für die Lebenshilfe hervor als „Ausdruck christlicher Wertschätzung der Menschen, die nicht Mitglieder der Schön-reich-fit-Gesellschaft sind, sondern mit Beeinträchtigungen verschiedenster Art zu kämpfen haben, die ihnen die Existenz erschweren“. Stamms Einsatz für die Bayerische Kinderhilfe Rumänien zeige zudem, dass sie „das Elend der Kinder als christlichen Auftrag begriffen und nach Kräften geholfen“ habe. Darin komme Stamms Überzeugung zum Ausdruck, „dass Solidarität der Kitt der Gesellschaft ist, dass soziale Not keine territorialen Grenzen kennt“.
Der Name der Medaille geht auf Passauer Professor zurück
Franz Eser war Professor in Passau und hat die Organisation der katholischen Laien in Bayern maßgeblich mit aufgebaut. Der am 20. März 1916 in Mertingen bei Augsburg geborene Physiker war bereits 1950 Gründungsvorsitzender der Katholischen Aktion im Bistum Passau und blieb dies bis zum Jahr 1976. Zugleich war er treibende Kraft, als am 28. April 1951 in Regensburg der Landesausschuss der Katholischen Aktion in Bayern, die Vorläuferorganisation des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, gegründet wurde. In den Jahren 1955 bis 1963 war Franz Eser selbst Präsident des Landesausschusses.
Außerdem war Professor Eser maßgeblich an der Gründung der Katholischen Akademie in Bayern am 1. Februar 1957 beteiligt und von 1957 bis 1962 Mitglied der Akademieleitung. Der Schulterschluss der Akademie mit der katholischen Erwachsenenbildung in Bayern war ihm ein Herzensanliegen.
In seinem Hauptberuf ging der Physiker Eser als Lehrstuhlinhaber an der Philosophisch-Theologischen Hochschule und späteren Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Passau, deren Vizepräsident er von 1978 bis 1982 war, den Grenzfragen zwischen Naturwissenschaften und Theologie nach. Franz Eser starb am 15. August 2002 in Passau.
Seit 2006 wurden Alois Glück, Valentin Doering, Hildegard Leonhardt, Johanna Stützle und Bernhard Sutor mit der Franz-Eser-Medaille ausgezeichnet.