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Bibelschule der Propädeutiker in Israel


Datum: 
02.05.2017

In der Nacht vom 26. auf den 27. April machten sich die elf Propädeutiker des Jahrganges 2016/2017 – begleitet von Regens Domkapitular Martin Dengler und Dr. Bernhard Klinger - auf den Weg zur Bibelschule nach Israel: Bis Ende Mai werden die Propädeutiker im Hl. Land intensiv die Bibel lesen und ihre Lese-Erfahrungen intensivieren mit verschiedenen Besichtigungen und Exkursionen.

 

 

 

 

 

Sonntag, 21.05.
Die Seligpreisungen Jesu sind aus der Bergpredigt wohl am bekanntesten. Am Berg der Seligpre-sungen haben wir heute am Vormittag die hl. Messe gefeiert. Einige aus unserer Gruppe scheuten dabei nicht den Aufstieg zu Fuß, während der Rest mit dem Bus hinaufbefördert wurde. Der Ausblick auf den See von Galiläa und auf die Stadt Tiberias waren jedenfalls vom Berg der Seligpreisungen einmalig schön. Weiter ging es dann, nach einer ersten Runde Eis vom Kiosk, in das Museum Ginnosar, wo ein Fischerboot aus der Zeit Jesu ausgestellt wird. Michael Marschall hat in beeindruckender Weise über die Besonderheit dieses Bootes referiert: Zahlreiche Boote müssen damals in Gebrauch gewesen sein, aber ausgerechnet dieses eine hat sich erhalten. Auch bot sich im Museum wieder die Möglichkeit, Eis zu kaufen, das auch dankbar in Anspruch genommen wurde. Manche haben so ihren Mittagshunger gestillt. Schließlich unternahmen wir selbst eine Bootsfahrt und haben dabei den Seegang Jesu (Mt 14,22-33) gelesen. So haben wir einen sehr lebensnahen Zugang zu dieser Bibelstelle bekommen.

 

 Bootsfahrt auf dem See von Galiläa                   Lesezeit auf dem Berg der Seligpreisungen
 

 

Samstag, 20.05.
„Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.“ (Mt 28,10) Nach den Tagen in Jerusalem, beginnt nun unsere Zeit in Galiläa. Mit dem Bus machten wir uns in der Früh auf den Weg, wobei es mehrere Haltestellen gab. Zunächst hielten wir an der Taufstelle Qasr al Yahud. An dieser Stelle im Jordan, soll Jesus von Johannes dem Täufer getauft worden sein. Hier feierten wir auch die hl. Messe und konnten die Tauffeiern anderer christlicher Gemeinschaften mit ansehen. Dann ging es weiter nach Jericho, wo Jesus dem Zollpächter Zachäus begegnet ist (Lk 19,1-10). Schließlich folgte noch ein weiterer Zwischenstopp: an der Taufstelle Jardenit begehen im großen Stil verschiedene christliche Gemeinschaften Tauffeiern. Diese haben eine erheblich andere Gestalt wie die Tauffeiern in unserer Heimat. Beim Anblick dieser Zeremonien diskutierten wir über die sakramentenrechtliche Stichhaltigkeit, aber auch über Chancen und Risiken eines solchen Taufbewusstseins.


Gruppenbild an der Taufstelle Qasr al yahud am Jordan

Freitag, 19.05.
Heute begegneten wir Maximilian Mages, einem Seminaristen des Erzbistums München und Freising. Er verbringt sein Freijahr in Jerusalem, allerdings nicht als Teilnehmer des Studienjahres in der Abtei Dormitio. Für ihn eröffnete sich die Möglichkeit an der Hochschule Ratisbonne im Westen der Stadt zu studieren. Die Salesianer Don Boscos betreiben dort in Anbindung an die päpstliche Universität des Ordens in Rom eine Hochschule, die vielfältige Möglichkeiten bietet: unter anderem ein Intensivstudium in biblischer Archäologie. Außerdem gab er den Propädeutikern Tipps die zu beachten sind, wenn man das Freijahr in Jerusalem verbringen möchte. Diese Idee wurde für ihn nämlich auch in der Zeit des Propädeutikums grundgelegt, da er von dieser Stadt durch die Eindrücke im Rahmen der Bibelschule von Anfang an begeistert war.

 


Abschied vom Beit Joseph in Jerusalem

 

Donnerstag, 18.05.
Unweit unserer Unterkunft, dem Gästehaus der Abtei Dormitio, liegt ein bedeutender Ort: St. Peter in Gallicantu, Petrus beim Hahnenschrei. Wir feierten hier gemeinsam die Messe. An diesem Ort soll auch Jesus festgehalten worden sein. Zudem befindet sich dort eine Treppe, auf der Jesus auf dem Weg zum Ölberg gegangen ist. Außerdem beteten wir den Psalm 88 in dem Raum, in dem er vor seiner Kreuzigung ausharren musste. Dies hat uns besonders mit dem Leid Jesu in Verbindung gebracht – aber auch mit der inneren Zerissenheit des Petrus, der den Herrn verleugnet hat und von ihm zum Fels auserkoren wurde, auf dem die Kirche gebaut ist.

 

Mittwoch, 17.05.
Dem Himmel entgegen…Nach dem Aufstieg auf den Ölberg ging es an den Ort, wo die Himmelfahrt Jesu verortet wird. Dieser unscheinbare Ort, nahe der Pater-Noster-Kirche, hat wenig Glanz und Glorie, wie es im Lied „Christ fuhr gen Himmel“ besungen wird. Bei den Benediktinerinnen am Ölberg feierten wir gemeinsam die Messe und wurden von den Schwestern mit einem kühlen Getränk versorgt. Das Referat von Philipp Lampelsdorfer brachte uns die Grabeskirche in ihrer Geschichte und heutigen Situation näher. Sie wird am letzten Tag (am Freitag, 19.05.) nochmal ein Ort des Gebets für unsere Gruppe werden.

Von diesem Ort aus soll Christus in den Himmel gefahren sein

Dienstag, 16.05.
Die Propädeutiker mussten alle in das Krankenhaus gebracht werden. Nein! Es gab keinen Zwischenfall, der eine ärztliche Behandlung notwendig machte. Aber in der Hadassah-Klinik gibt es eine kleine Synagoge, in der zwölf besondere Fenster bestaunt werden können. Sie wurden von Marc Chagall gestaltet und stehen für die zwölf Stämme Israels aus dem Alten Testament. Welche besondere Bedeutung dies für Chagall, dem gläubigen Juden, hatte, verdeutlichten uns der Audioguide und ein Referat von Johannes Schlederer.

Das Leben Jesu wird von einer weiteren wichtigen Person begleitet. Er ist derjenige, der auf Jesus verweist und auf seine Größe aufmerksam macht: Johannes der Täufer. Er setzt die prophetische Verkündigung des rettenden Messias aus dem Alten Testament fort und steht so für den Übergang zum Neuen Bund. Die heiligen Stätten an denen er verehrt wird, befinden sich in Ein Kerem. Be-sonders begleitete uns das Benedictus, der Lobgesang des Zacharias – dem Vater Johannes des Täufers, an diesem Tag.

Ein Kerem - der Geburtsort Johannes des Täufers


Blick von Ein Kerem ins Bergland von Judäa

Zur üblichen Film- und Fernsehzeit um 20:15 h schauten wir „A Serious Man“ von Joel und Ethan Coen an. Dieser Film weckte ähnliche Eindrücke, wie die bisherigen exegetischen Erfahrungen: Wo ist da der rote Faden?

 

Montag, 15.05.
Jesu Geburt war in Betlehem, der Stadt Davids. Und so stand, ausgehend von der Beschäftigung der Kindheitsgeschichte im Matthäus- und Lukas-Evangelium, dieser Ort auf dem Programm. Das heutige Stadtbild lässt kaum den Eindruck einer idyllischen Geburtsstätte des Sohnes Gottes aufkommen. Dieser Eindruck begleitete uns von den Hirtenfeldern bis zur Geburtsbasilika. Ein gemeinsamer Besuch im Karmelkloster in Betlehem rundete die Exkursion ab. Hier lernten wir die Lebensgeschichte der Heiligen Mirjam von Abellin kennen.

Eingang zum Karmel in Betlehem

Auf dem Rückweg nach Jerusalem machten wir noch Halt bei einem Supermarkt. Unser Busfahrer zeigte uns einen ausgesprochen günstigen Supermarkt, dessen Sparangebote die Shopping-Laune ins Unermessliche steigen ließ. Von den erworbenen Vorräten mögen wir noch lange zehren.

 

Sonntag, 14.05.
Seit diesem Sonntag beschäftigen sich die Propädeutiker mit dem Neuen Testament. Der Besuch des Gartens Gethsemani führte uns an eine wichtige Stelle, an welcher der Ausgangspunkt der Passion Jesu in Jerusalem verortet wird. Ausgehend von der Bibelstelle Mk 16,8, bereiten uns die kommenden Tage, die wir noch in Jerusalem verbringen werden, auf unseren Weg nach Galiläa vor. Dorthin sollen die Jünger gehen, nachdem Jesus vom Tod auferstanden ist. Sie gehen den Weg Jesu noch einmal nach, um sich im Licht der Auferstehung auf den Weg der Nachfolge zu machen.

 

Mittwoch, 10. Mai, und Donnerstag, 11. Mai
In  der  Bibelschule  sollen  die  Propädeutiker  sowohl  intensiv  die  biblischen Texte  lesen  als  auch  das Heilige  Land  mit  seinen  Pilgerstätten  und  seiner  Geschichte  kennenlernen.  Während   in  der  Zeit  im Kibbuz  der  Akzent  eindeutig  auf  dem  Lesen  der  Texte  lag,  gestaltet  sich  dies in  Jerusalem schwierig und  es  gilt  einen  Spagat  zu  schaffen  zwischen  dem  täglichen  Lesepensum  und  dem,  was es  alles  an Interessantem zu entdecken gilt und was die biblischen Texte auch mit  Leben erfüllt.

In  diesem  Sinn  war  für  den  Mittwoch  intensive  Lesezeit  angesagt:  Nach  dem Frühstück  und  der Eucharistiefeier suchten sich die Propädeutiker geeignete Leseplätze rund um  die Jerusalem Altstadt, sei es schattige Plätze im Freien bis hin zur Grabeskirche oder den Garten der Abtei Dormitio, wo wir untergebracht  sind.  Erst  am  späten  Nachmittag   traf  man  sich  wieder –   wie fast täglich –  zum gegenseitigen Austausch über das Gelesene.

 

Am  Donnerstag,  11.  Mai,  lernten  die  Propädeutiker  die  Stadt  Jerusalem  von  ihrer  modernen  Seite kennen:  Jerusalem  ist ja  nicht  nur  die  Altstadt,  mit  den  engen  Gassen  des „Suq“   („Markt“),  sondern Jerusalem ist auch eine moderne Weltstadt –
 und Regierungssitz für den Staat Israel. Zu Fuß machten wir  uns  auf  den  Weg  von  der  Altstadt  zur „Knesset“ ,  dem  Parlament  des Staates Israel, und wurden dort vor der „Menorah“ , dem Siebenarmigen Leuchter, durch ein Referat in  die  politischen  Strukturen  des  Staates  Israel  eingeführt. 

 

 

Vieles  von  dem, was  man  durch  die  Nachrichten  immer  wieder  aus  Israel  hört  und  liest,  wurde  dadurch  deutlicher und leichter verständlich. Von  der  Knesset  aus  führte  uns  der  Weg  weiter  in  das  Israel-Museum:  Dort  waren  die  ersten Anlaufstationen  der „Shrine  of  the  Book“   und  das  Modell  Jerusalems  in  der Zeit  von70  n.Chr.  Der „Shrine  of  the  book“  beherbergt  Handschriftenfunde  aus  Qumran  am  Toten Meer, die dort Ende der 1940er Jahre zufällig entdeckt wurden. Glanzpunkt dabei ist die Jesaja-Rolle, die  etwa  7,5  m  lang  ist  und  den  hebräischen  Text  des  Buches  Jesaja  umfasst.  So konnten  die  Propädeutiker  einen  ersten  kleinen  Einblick  gewinnen,  was  uns  noch  an  biblischen  Handschriften  überliefert ist  –  und wie mühsam die Arbeit an und mit den Handschriften und Pergament-Stückchen ist. Zwar lernen die Propädeutiker die alten Sprachen Hebräisch, Griechisch und  Latein –  und wissen daher, wie schwierig der Weg von der Originalsprache zur deutschen Übersetzung ist; aber so wurde nun  deutlich,  dass  es  auch  der  Weg  zur  hebräischen  oder  griechischen  Vorlage  alles  andere  als einfach ist.
Das  Modell  Jerusalems  zur  Zeit  70  n.Chr.  im  Maßstab  1:50  begeisterte  die  Propädeutiker  rundum: Vieles von dem, was wir bisher in Jerusalem gesehen hatte, und viele Wege, die  bis  dahin  zurückgelegt  worden  waren,  konnten  so  nochmals  sehr  eindrücklich  nachvollzogen werden. 

 

 

Anschließend  hatten  die  Propädeutiker  Zeit,  sich  in  den  weiten  Ausstellungsräumen  des Museums  über  die  reiche  Geschichte  Israels  zu  informieren –   vor  allem  über  die  vorbiblische  und biblische  Zeit  und  über  die  Kunst  und  Kultur  des  Judentums –  insbesondere,  wie  sich  jüdischer Glaube über Israel hinaus in Nordafrika, Europa und Asien entfaltet hat. So war unter anderem eine Synagoge aus Horb am Main zu besichtigen, die seit den 1960er Jahren im Israel Museum ausgestellt wird. Zum  Wochenende  hin  werden  dann  Regens  Martin  Dengler  und  Dr.  Bernhard  Klinger  den Heimweg antreten und die Begleitung der Propädeutiker an zwei Münchner weitergeben, an Pfr. Dr. Christoph Hentschel und Diakon Patrick Körbs. Denn dann ist die erste Hälfte der Bibelschule, die sich vor allem dem Alten Testament widmet, bereits vorbei –  und die Propädeutiker werden sich dann intensiv mit den  Texten  des  Neuen  Testaments  beschäftigen.  Dazu  bleiben  sie  noch  ein  paar  Tage  in   Jerusalem, bevor es dann weitergeht in den Norden Israels, in die Nähe des Sees Gennesaret.
 

Mittwoch, 3. Mai, bis Dienstag, 9. Mai
Über das Internet bekommen wir hier in Jerusalem sehr wohl mit, wie sehr die „Eisheiligen“ das Wetter in der Heimat prägen. Umso dankbarer ist die Gruppe um das schöne Wetter hier im Herzen Israels – die Zeilen dieses Zwischenberichtes etwa (… man wagt es kaum zu schreiben) entstehen in den Abendstunden auf der Dachterrasse des Gästehauses der Dormitio-Abtei, in der wir während der Tage in Jerusalem untergebracht sind. Doch schauen wir ein wenig zurück…

Am zurückliegenden Freitag, 5. Mai, waren wir vom Kibbuz Yahel aus am frühen Morgen aufgebrochen – mit einem Besuch der Felsenfestung Masada, die unter anderem auch der Verteidigung gegen die römische Besatzung gedient hatte, und mit einem kurzen Badeabstecher an das Tote Meer – und am späten Nachmittag von unserem Busfahrer dann gut nach Jerusalem gefahren worden.

Dank unseres Busfahrers, der seinem Beruf sichtlich gerne nachgeht, konnten wir den ersten Blick auf Jerusalem vom Berg Scopus aus genießen: Für jeden, der das erste Mal nach Jerusalem kommt, ein wirklich besonderer Augenblick

 

Dann ging es zum Berg Zion und der dortigen deutschen Benediktinerabtei Dormitio. Noch am selben Abend führten Regens Martin Dengler und Dr. Bernhard Klinger die Propädeutiker durch die Jerusalemer Altstadt und die leeren Markt-Gassen, die tagsüber voll sind vom quirligen Leben der Händler und Touristen.

Die vollen Gassen erlebten wir dann am Samstag, 6. Mai: Nach der Eucharistiefeier begann die Tour durch die Altstadt direkt in der Nachbarschaft der Abtei, nämlich dort, wo letztlich seit der Kreuzfahrerzeit die Tradition des „Davidsgrabs“ und des „Abendmahlssaal“ verortet ist. Weiter ging der Weg zur „Zitadelle“, einer Befestigungsanlage der Stadtmauer, von der aus sich die Jerusalemer Altstadt sehr gut erschließen lässt. Und dann hieß es: „Hinein ins Getümmel!“ Nach der ersten Runde mitten durch die engen und von Menschen vollen Gassen des Suqs („Markt“) der Altstadt waren die Propädeutiker doch sichtlich froh, dass niemand verloren gegangen war … „Alleine würde ich aber nicht mehr zurückfinden!“ – so die fast einhellige Feststellung.

War das Gewirr der Gassen anfangs noch fremd, so sind die Propädeutiker mittlerweile doch so vertraut mit der Jerusalemer Altstadt, dass einer von ihnen heute (09. Mai) schon bereit war, einer alten Tradition zu folgen und sich in die Grabeskirche einschließen zu lassen und die Zeit dort bis in die frühen Morgenstunden in Stille und im Gebet zu verbringen. Wer zu schlafen beginnt, wird geweckt! Abgeschlossen wird die Grabeskirche übrigens von innen und von außen! Und: Die Schlüssel liegen allein in muslimischer Hand!

 

 

Am Sonntag, 7. Mai, bot sich die Möglichkeit, Gottesdienste in unterschiedlichen katholischen Riten zu besuchen. Nachmittags dann stiegen wir sowohl hinab als auch zurück in die tiefe Geschichte Jerusalems und wir waren viel „im Untergrund“ unterwegs: Wir besichtigten die Ausgrabungen der sog. „Davidsstadt“, wo die archäologischen Ausgrabungen deutlich werden lassen: Jerusalem ist schon seit einigen Tausend Jahren besiedelt.

Einige wagemutige Propädeutiker trauten sich auch, durch den schon im Alten Testament erwähnten (2 Kön 20,20), gut 500 m langen und immer noch Wasser führenden Hiskija-Tunnel zu gehenDieser Tunnel führt in den Teil von Schiloach, wo nach dem Johannes-Evangelium Jesus einen Blindgeborenen geheilt hat (vgl. Joh 9,7).

 

 

Nahe der Dormitio-Abtei liegt ein Friedhof –
und auf diesem Friedhof ist auch Oskar
Schindler bestattet: Dem deutschen
Unternehmer war es während der
Nazidiktatur gelungen, gut 1200 Juden
vor der sicheren Ermordung durch die
Nationalsozialisten zu bewahren
(siehe Foto links).

 

 

 

 

 

 

Ein bewegender Auftakt zum Besuch der Gedenkstätte „Yad Vashem“, die wir zwei Tage später am Dienstag besuchten. „Yad Vashem“ – Der Name heißt „Denkmal und Name“ geht auf Jes 56,5 zurück, wo es heißt: „… denen gebe ich in meinem Haus und in meinen Mauern einen Platz und einen Namen, besser als Söhne und Töchter. Einen ewigen Namen werde ich ihnen geben, der nicht ausgelöscht werden soll.“ Mit dieser Gedenkstätte haben die jüdischen Opfer des nationalsozialistischen Terrors einen Platz und einen Namen erhalten, damit sie nicht dem Vergessen anheimfallen. Ein Besuch, der bedrückt und zutiefst betroffen macht; ein Besuch, der einem tatsächlich das Wasser in die Augen treibt.

 

Auf dem Bild links ist folgendes zu sehen: das „Tal der Gemeinden“, wo die Namen von ca. 5000 jüdischen Kultusgemeinden in Stein gemeißelt sind, die während der Nazidiktatur ganz oder teilweise ausgelöscht worden sind; auch der Name der Kultusgemeinde von Straubing – die Passau nächstliegende Gemeinde; und rechts ein alter Reichsbahnwagen, mit dem jüdische Gefangene in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert worden sind

Zwischen dem Entdecken der Davidsstadt am Sonntag und dem Besuch von Yad Vashem am Dienstag war der Montag-Vormittag vom Besuch des Tempelberges geprägt. Es ist schon eigenartig, einen Ort zu besuchen und zu betreten, der für Juden und Muslime gleichermaßen ein heiliger Ort ist, den alle drei Weltreligionen bis ins 19. Jahrhundert hinein gegenseitig respektierten und der heute aufgrund der politischen Verhältnisse ein großes Maß an Sensibilität verlangt.

 

Anschließend hieß es, durch die Altstadtgassen zur Basilika St. Anna zu eilen, um dort die Eucharistie zu feiern. Allerdings ließen wir uns ablenken, weil wir den Zug zur Bar-Mizwa-Feier eines jüdischen Jungen erleben durften, so dass wir zu spät bei der Pforte der Basilika ankamen und vor verschlossenen Türen standen. Ob es Zufall war oder göttliche Fügung, mögen andere entscheiden, aber wenige Minuten später war anderen Touristen die Tür geöffnet worden – eine Gelegenheit, die wir nutzten: Wir konnten - Gott sei`s gedankt – die Türöffnerin überzeugen, dass wir für eine Messfeier reserviert hatten. Und so war uns sowohl eine absolut besucher-freier und ruhiger Kirchenraum für die Liturgie geschenkt worden als auch die Möglichkeit, die Bethesda-Teiche in der Mittagspause in Ruhe besichtigen zu können.

 

Sonntag, 30. April bis Mittwoch, 3. Mai: Kibbuz und Timna-Nationalparks
Während man in der Heimat sich über jeden Sonnenstrahl freute, galt es die Propädeutiker, vor der Wüsten-Sonne genügend Schatten zu finden für das Lesen der Bibel oder für die Mittagspause nach der Eucharistiefeier. Auch wenn man weiß, dass man viel trinken muss, und auch wenn jeder genügend Wasser dabei hatte, aber wie schnell drei Liter Wasser weggetrunken sind, ist dann doch immer wieder erstaunlich.

Am Sonntag-Abend waren wir eingeladen, im Kibbuz an einer berührenden Gedenkfeier teilzunehmen: Es wurde der im Unabhängigkeitskrieg von 1948 gefallenen Soldatinnen und Soldaten und der Opfer von Terrorismus gedacht. Damit waren wir auch thematisch mitten in der schwierigen Problematik, wie Israel und seine Nachbarstaaten sich zueinander verhalten. Wie immer man zur israelischen Politik stehen mag, so stand für unsere Gruppe sehr wohl fest, dass in Israel die Erinnerungs-Kultur einen festen Platz in der Gesellschaft und im Staat hat. Denn Hand aufs Herz: Das Gros der Bevölkerung würde vom Volkstrauertag nicht groß Notiz nehmen, wenn sich neben den Kriegern und Soldaten nicht auch andere Vereine an den Gedenkfeiern beteiligen würden.

Auch im Negev, im Süden Israels, wurde der 1. Mai als Fest „Maria Schutzfrau Bayerns“ begangen, nämlich bei unserem dritten und letzten Wüsten-Lese-Tag. Eher durch Zufall bot sich uns dann bei der Rückkehr zum Kibbuz von einer Anhöhe aus ein grandioser Blick über den Kibbuz; im Hintergrund ist schemenhaft ein Bergkette zu erkennen – die bereits zu Jordanien gehören.

Was ist ein Kibbuz? – Über die Geschichte des Kibbuz Yahel, über seine Struktur und seine Bewohner informiert uns Lori, eine aus den USA ausgewanderte Jüdin, die seit 1981 im Kibbuz Yahel lebt und sich im Gäste-Haus um Touristen und Gruppenreise sehr umsichtig und liebevoll kümmert und mit ihrem Team uns wirklich großartig versorgt. Lori führte uns durch den Kibbuz Yahel und auch in dessen Herz, in die Synagoge.

Die Kibbuzim, die im frühen 20. Jahrhundert gegründet worden waren, waren sozialistisch organisiert und stark national geprägt. Das Selbstverständnis der Kibbuzim hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten stark gewandelt. Freilich gibt es Kibbuzim, die im Kern immer noch genossenschaftlich organisiert sind, so dass – vereinfacht gesagt – allen alles gehört. Aber es gibt auch Kibbuzim – wie den Kibbuz Yahel –, die zwischen Kibbuz-Bewohnern und Kibbuz-Mitglieder unterscheiden und die nicht mehr nur allein von der Landwirtschaft leben, sondern auch andere wirtschaftliche Standbeine suchen, wie z.B. den Tourismus.

Der Mittwoch, 3. Mai, war geprägt vom Besuch des Timna-Nationalparks: Schon zur Zeit der ägyptischen Pharaonen wurde hier Kupfer abgebaut und verarbeitet. Beim Gang durch den Nationalpark erkundeten die Propädeutiker nicht nur die vor Tausenden von Jahren per Handarbeit in den Berg getriebenen Stollen, sondern genossen auch die faszinierende Landschaft. Äußerst interessant war dabei auch der Besuch des „Heiligtumszeltes“: Mose hatte nach der Offenbarung der Zehn Gebote von Jahwe den Auftrag erhalten (vgl. Ex 25-27), ein Heiligtumszelt zu errichten, damit Gott eine Wohnung habe bei seinem Volk. Im Buch Exodus ist der Aufbau dieses Heiligtumszeltes sehr detailliert beschrieben – und entsprechend diesen Angaben ist im Timna-Nationalpark ein Nachbau des Heiligtums- oder auch Stiftszeltes zu sehen.

Heiligtumszelt

Timna

Am Mittwochabend ins Kibbuz zurückgekehrt erfuhren wir die traurige Nachricht, dass die langjährige Küchenleiterin des Priesterseminars St. Stephan, Sr. Ingrid Schrottenbaum, verstorben ist. Wir werden ihrer am heutigen Donnerstag bei der Eucharistiefeier gedenken.

Morgen, Freitag, 5. Mai, werden wir uns dann auf den Weg nach Jerusalem machen, der zweiten Station der Bibelschule.
 

Die Bibelschule im Heiligen Land - die ersten Tage:

Wüsten-Tage

 

Die Bibelschule begann mit einem Aufenthalt im Kibbuz Yahel, im Süden Israels, in der Araba-Wüste gelegen. Es war eine herzliche Geste, dass unsere Gruppe an ihrem zweiten Tag im Kibbuz von den Kibbuz-Bewohnern miteingeladen war, den Schabbat mit dem gemeinsamen Abendessen zu beginnen (vgl. Bild: „Schabbat-Abend“). Nachdem der „Hausvater“ den Segen über Brot und Wein gesprochen hatte, konnten wir die hervorragende jüdische Küche genießen.

Die folgenden drei Tage standen unter der Überschrift „Wüsten-Tage“: Tägliche Wanderungen in die Steinwüste um das Kibbuz Yahel führten die Propädeutiker mitten hinein in die Wüste, wo sie – unter dem Schatten von Felsvorsprüngen oder von einzelnen Bäumen in die Texte der Bücher der Genesis und Exodus eintauchten – in Texte, die von der Erschaffung der Welt erzählen, von den Erzeltern und von der Befreiung des Volke Israel aus der ägyptischen Knechtschaft und dem Zug durch die Wüste. Der Rückzug in die Wüste führte zu einer intensiven Begegnung mit dem, was die biblischen Texte erzählen – über die Welt und uns Menschen – und zu vielen Fragen, über die abends gesprochen wurde

 

Unterbrochen war die stille Zeit in der Wüste jeweils durch die Feier der Eucharistie in der Einfachheit einer faszinierenden Landschaft

 

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