Haus Papst Benedikt XVI. - Neue Schatzkammer und Wallfahrtsmuseum
Bischof Schraml: Missionarisch Kirche sein
Hirtenwort zur österlichen Bußzeit – Künftige Pfarrverbände als Chance sehen
Passau (iop). „Missionarisch Kirche sein“ steht über dem Hirtenwort zur österlichen Bußzeit von Diözesanbischof Wilhelm Schraml. In dem Schreiben appelliert der Passauer Oberhirte an die Gläubigen, „das Evangelium Christi, das wir allen Menschen schulden, mit Mut und Vertrauen in die Welt hineinzutragen“. Um künftig den Auftrag als Kirche erfüllen zu können müssten die vorhandenen Kräfte gebündelt und neue Strukturen der Zusammenarbeit gefunden werden, kündigte der Bischof in dem Schreiben an, das am Samstag, 20. und Sonntag, 21. Februar, bei allen Gottesdiensten verlesen wurde.
Dabei dürfe aber nicht vergessen werden; dass es „Wichtigeres“ gebe als die „Organisationsform“. „Wir müssen mit allem Nachdruck versuchen, die nötige Gestaltung des Wandels so vorzunehmen, damit die wichtigeren Inhalte unseres Christseins keinen Schaden erleiden, sondern deutlich ins Bewusstsein kommen“. Als Scherpunkte der Pastoral im Bistum Passau nannte der Bischof: die lebendige und würdige Feier der Liturgie, besonders des Bußsakramentes und der Eucharistie, die Glaubensverkündigung und Katechese in der Gemeinde, in der Schule und in den Bildungseinrichtungen. Dabei komme der Hinführung zu den Sakramenten besondere Bedeutung zu. Weiter nannte der Bischof die Sorge für die Kinder und Jugendlichen und für die Familien sowie das caritative Handeln. Konsequenz all dessen sei die missionarische Ausstrahlung.
Den Pfarrverbänden als „Lebensraum der Gemeinschaft von Getauften und Gefirmten“ komme eine besondere Bedeutung zu. Alle Dienste und Aktivitäten müssten zum einen der „Sammlung nach innen“ sowie der „Sendung nach außen“ dienen. Er rief die Gläubigen auf, in den neu zu bildenden Pfarrverbänden zusammen zuarbeiten. Die Kirche brauche den Priester, betonte der Bischof. „Ohne den Priester gibt es keine Kirche“. Gleichzeitig sprach der Bischof den haupt- wie ehrenamtlich tätigen Frauen und Männern in der Pastoral den Dank aus. Sie seien tragende Säulen des kirchlichen Lebens vor Ort.
Vor wenigen Tagen haben sich der Bischof, Generalvikar Dr. Klaus Metzl, die Domkapitulare und Ordinariatsräte mit den zehn neuen Dekanen über die Zukunft der Seelsorge abgestimmt. Sie berieten über die Nachjustierung der Pfarrverbände in den neu gebildeten Dekanaten. Bis 2012 soll dies abgeschlossen sein.
Hirtenwort zur österlichen Bußzeit 2010
Missionarisch Kirche sein
Liebe Schwestern und Brüder!
„Die Welt braucht Gott. Wir brauchen Gott.“ Gott ist „das Zentrum der Wirklichkeit und das Zentrum unseres eigenen Lebens.“ Das sagte unser Hl. Vater Papst Benedikt XVI. bei seinem Pastoralbesuch in Bayern.
Immer mehr Menschen tun sich schwer, die Spuren Gottes in der Welt zu lesen. Ihnen scheint die Deutung des Lebens ohne Gott realistischer und lebensnaher. Das Verlangen nach Trost im Alltag, wenn Sinnkrisen das Leben erfassen, stillen sie zunehmend außerhalb eines Gottesglaubens, wie ihn die Kirche verkündet.
In dieser Situation kommt den Pfarreien bzw. den Pfarrverbänden als Lebensraum der Gemeinschaft von Getauften und Gefirmten eine besondere Bedeutung zu. Was hier geschieht, hat stets auch eine missionarische Dimension. Denn alle Dienste und Aktivitäten dienen gleicherweise der Sammlung nach innen und der Sendung nach außen. Das gilt für die Verkündigung des Glaubens, für die Feier des Gottesdienstes und den Dienst an den notleidenden Menschen ebenso wie für alle anderen pastoralen Angebote.
Damit verbunden ist eine Neuordnung in den Strukturen, die derzeit und in den kommenden Jahren in unserer Diözese erfolgt. Sie ist nicht nur unerlässlich aus Gründen des Priestermangels und des personalen Rückgangs im Bereich der hauptamtlichen Mitarbeiter oder aus Gründen der eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten und der demographischen Entwicklung. Es geht darum, Wege zu suchen, damit die Kirche in unserer Diözese heute und in Zukunft ihre Aufgabe zum Heil der Menschen und der Welt erfüllen kann. Zu diesem Zweck müssen die vorhandenen Kräfte gebündelt und neue Strukturen der Zusammenarbeit gefunden werden.
Es ist verständlich, dass bei diesen Veränderungen und Entscheidungen auch Sorgen um die Zukunft des kirchlichen Lebens in unseren Gemeinden laut werden. Ich danke deshalb allen, die diese Spannung aushalten und den Mut nicht verlieren.
Gleichzeitig erlebe ich aber auch eine große Bereitschaft, diese neuen Wege mitzugehen. Gerade von den zahlreichen Ehrenamtlichen, die schon längst zu einer tragenden Säule unseres kirchlichen Lebens geworden sind, ist dieser Wille zum aktiven Mitgestalten des kirchlichen Lebens vor Ort zu spüren.
Eines dürfen wir dabei niemals vergessen: Es gibt Wichtigeres für jede Pfarrgemeinde als ihre Organisationsform. Das Wichtigere ist immer auch das Bleibende und das Heilwirkende – unabhängig davon, wie die äußeren Bedingungen eines Gemeindelebens aussehen. Wir müssen mit allem Nachdruck versuchen, die nötige Gestaltung des Wandels so vorzunehmen, damit die wichtigeren Inhalte unseres Christseins keinen Schaden erleiden, sondern deutlich ins Bewusstsein kommen.
Die Kirche und damit auch jede Pfarrgemeinde lebt nicht aus sich selbst und hat nichts für sich selbst. Was sie hat, ist ihr geschenkt von Jesus Christus durch seinen Heiligen Geist. Und was sie empfängt, ist ihr gegeben zur Weitergabe.
Das zeigt sich vor allem in den pastoralen Schwerpunkten, die im Leben einer Pfarrei zu jederzeit und deshalb auch heute und in Zukunft niemals fehlen dürfen. Ich nenne hier vor allem:
1. eine lebendige und würdige Feier der Liturgie, besonders des Bußsakramentes und der Eucharistie. Der Gottesdienst macht den ganzen Reichtum der Kirche aus. Er ist nach den vielzitierten Worten des Konzils „Gipfel, dem alles Tun der Kirche zustrebt und Kraftquelle, aus der ihre Energie strömt“ (vgl. SC 10);
2. eine solide Glaubensverkündigung und Katechese in der Gemeinde, in der Schule und in den Bildungseinrichtungen. Dabei kommt der Sakramentenpastoral, das heißt der Hinführung zu den Sakramenten, eine herausragende Bedeutung zu. Es geht nicht um eine neutrale Darstellung des Glaubens und der Lehre der Kirche. Es geht um die engagierte Einladung, Jesus Christus als der Mitte unseres Glaubens die Zustimmung des Herzens zu geben;
3. die Sorge für die Kinder und Jugendlichen und für die Familien;
4. das caritative Handeln als „Antwort auf das Geschenk des Geliebtseins, mit dem Gott uns entgegengeht“ (Deus caritas est 1);
5. und als Konsequenz all dessen die missionarische Ausstrahlung, die nicht einer zusätzlichen kirchlichen Aktivität erwächst. Sie hat ihre Wurzeln in der grundlegenden Voraussetzung, dass wir immer neu lernen müssen, Jesus Christus als „den Weg, die Wahrheit und das Leben“ (vgl. Joh 14,6) anzunehmen. Nur dann können wir auch andere auf ihrem Glaubensweg begleiten.
Wie wird es gelingen, missionarisch Kirche zu sein? Indem wir persönlich Zeugnis ablegen für Jesus Christus, dem Glauben in unserem Alltag ein Gesicht geben und unsere Charismen einbringen.
Auf einige Gesichtspunkte möchte ich in diesem Zusammenhang hinweisen:
- Die Kirche braucht den Priester. Ohne den Priester gibt es keine Kirche. Er ist Kraft des Weihesakramentes zur Verkündigung der Frohbotschaft, zum Hirtendienst am Volk Gottes und zur Feier des Gottesdienstes bestellt und handelt in der Person Christi (vgl. 2. Vatikanisches Konzil: Kirche 28).
„Der Pfarrer ist der eigene Hirte der ihm vom Bischof übertragenen Pfarrei; er nimmt die Seelsorge für die ihm anvertraute Gemeinschaft unter der Autorität des Diözesanbischofs wahr, um für diese Gemeinschaft die Dienste des Lehrens, des Heiligens und des Leitens auszuüben, wobei auch andere Priester oder Diakone mitwirken sowie Laien nach Maßgabe des Rechtes mithelfen.“ (can. 519 CIC).
Ich danke allen Priestern sehr herzlich, die bereitwillig die erweiterten Aufgaben übernehmen.
- Unsere hauptamtlichen Mitarbeiter nehmen wesentlich in ihrem Dienst an der Sendung der Kirche teil. Gerade in der gegenwärtigen Situation der Kirche dürfen sie nie und nimmer fehlen. Auch ihnen gilt mein herzlicher Dank für ihre wertvollen Dienste.
- Wir brauchen heute mehr denn je die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die von der Liebe Christi gedrängt werden, sich für die Schwestern und Brüder in der Pfarrei und darüber hinaus einzusetzen. Vieles Wertvolle und für unser Christsein Unverzichtbare ist von ihrem Engagement geprägt. Dazu kommen die Gremien, die eine wichtige Aufgabe im Leben der Kirche vor Ort einnehmen: z. B. die Kirchenverwaltung, der Pfarrgemeinderat, andere Gruppierungen und Verbände.
Als Bischof habe ich allen Grund, ihnen allen ein herzlichen Vergelt’s Gott für diesen selbstlosen Einsatz zu sagen.
- Schließlich gilt vermehrt die Bereitschaft für die Zusammenarbeit untereinander. Ich denke hier besonders an die neu zu bildenden Pfarrverbände. Nur so wird das Erleben kirchlicher Einheit garantiert. Dabei geht es nicht nur um die Rückbindung an den Pfarrer als den Verantwortlichen im Auftrag des Bischofs vor Ort. Es geht auch um die Rückbindung an die sakramentale Wirklichkeit der Kirche.
Liebe Schwestern und Brüder, die Pfarrseelsorge muss sich in ihrer Tätigkeit und in ihren organisatorischen Strukturen heute verstärkt nach den größeren Lebensräumen bzw. Pfarrverbänden ausrichten. Sie will die pastoralen Kräfte, die vielen Charismen der Gläubigen, die verschiedenen Gremien und Gruppen bündeln, damit daraus Segen erwächst für die Kirche.
Bei allen Veränderungen geht es nicht in erster Linie um den Umbau von Strukturen. Ziel muss es letztlich immer sein, das Evangelium Christi, das wir allen Menschen schulden, mit Mut und Vertrauen in die Welt hineinzutragen – eben missionarisch Kirche zu sein.
Um dieses Ziel zu verfolgen, braucht es die gegenseitige Ermutigung, braucht es auch unser Gebet! Füreinander zu beten, ist Auftrag aller Christen. Lasst uns daher für alle beten, die ihre Taufberufung in Ehe und Familie, in Kirche und Gesellschaft leben. Lasst uns auch beten um geistliche und kirchliche Berufungen. In diesem Anliegen habe ich eine Gebetsinitiative ausgerufen. Sie heißt „Wir beten mit – 30 Tage für Berufungen“. Nehmen Sie bitte an diesem Gebet teil. Nutzen wir gemeinsam jede Stunde dieser Zeit zum Gebet.
Liebe Schwestern und Brüder, ich danke Ihnen von Herzen für Ihre Liebe zur Kirche und zu Ihrem konkreten kirchlichen Leben vor Ort. Ich danke Ihnen besonders für Ihr fürbittendes und begleitendes Gebet.
Dazu segne Sie der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
Passau, am Fest der Darstellung des Herrn,
dem 2. Februar 2010
Ihr
Wilhelm
Bischof von Passau




