Haus Papst Benedikt XVI. - Neue Schatzkammer und Wallfahrtsmuseum
Erwachsene lassen sich taufen
Bischof nahm acht Frauen und einen Mann als Taufbewerber auf
Passau (iop). Eltern kommen mit ihren Neugeborenen zur Kirche. Dort spendet ihnen der Priester oder ein Diakon das Sakrament der Taufe und nimmt sie damit in die Kirche auf. Dann folgen die Erstkommunion und die Firmung. Initiations-Sakramente, drei sakramentale Zeichen der Nähe Gottes, die Schritt für Schritt voll in die Kirche eingliedern, nennt man diese auch. Was bei Kindern auf mehrere Jahre verteilt ist, ist völlig anders, wenn sich Jugendliche oder Erwachsene taufen lassen. Taufe, Erstkommunion und Firmung werden zusammen gespendet. Dem geht eine intensive Vorbereitung voraus. Die Kirche nennt dies seit alters her Katechumenat, vom griechischen Wort für mündlichen Unterricht abgeleitet.
Es geht darum, den Glauben und das Leben der Kirche kennenzulernen, sich selbst zu prüfen. Das setzt auch voraus, dass der Bischof die Bewerberinnen und Bewerber offiziell zulässt. Dies machte Diözesanbischof Wilhelm Schraml bei einer zentralen Feier, einem Wortgottesdienst. Dazu kamen am Sonntag, 21. Februar, acht Frauen und ein Mann zwischen 15 und 43 Jahren in den Dom. Für diese Feier waren auch Empfehlungsschreiben der Heimatpfarreien nötig, die dem Bischof überreicht wurden.
Foto: Wolfgang Krinninger
Das Zweite Vatikanische Konzil hat das Erwachsenenkatechumenat in mehreren Stufen nach dem Vorbild der frühen Kirche erneuert. Dauer in der Regel mindestens ein Jahr. Die Bewerber ab 14 Jahren bereiten sich mit dem Pfarrer, im Idealfall in einer Gruppe auf die Taufe vor; gegliedert auch durch kirchliche Feiern. Die Taufe findet idealerweise, wie schon in der Urkirche, in der Osternacht statt. Das Fest der Auferstehung Jesu Christi – theologisch gedeutet das neue Leben in Christus – war der Tauftermin in den ersten Jahrhunderten. Die neuen Christen trugen dabei weiße Kleider, die sie eine Woche später am „Weißen Sonntag“ – den wir heute noch begehen – ablegten.
Foto: Wolfgang Krinninger
Die Predigt im Wortlaut:
Sie haben sich in den zurückliegenden Monaten viel mit dem Glauben beschäftigt, liebe Taufbewerberinnen und Taufbewerber. Manches haben Sie gelernt, über schwierige Glaubensfragen gesprochen oder sich damit intensiv persönlich auseinandergesetzt. Dabei haben Ihnen Priester und Laien als Zeugen des Glaubens geholfen. Sie haben Sie vertraut gemacht mit dem Evangelium des Herrn, wie es seine Kirche lehrt. Sie haben mit Ihnen gebetet und Sie so direkt vor das Antlitz Gottes geführt. Für diesen wichtigen und wertvollen Dienst darf ich Ihnen allen sehr herzlich danken.
Ich habe heute als Evangelium ein Gleichnis Jesu gewählt. Es spricht vom wunderbaren Zusammenspiel von Sämann, Samen und Ackerboden – also von Gott, seiner Botschaft und von uns selber. In diesem Gleichnis geschieht eigentlich recht wenig. Wirklich tätig ist der Sämann. Das will uns sagen: Die Initiative für unseren persönlichen Glaubensweg hatte ein anderer in der Hand – Jesus. Deshalb ist der Sämann so aufmerksam, ja geradezu liebevoll dem Erdreich, ihrem Herzen, zugewandt.
Es ist gut, wenn wir bei diesen Gedanken ein wenig verweilen und zurückschauen: Wo und wann hat der Herr mir in Liebe Anstoß für mein Ja zu ihm, für mein Ja zum Glauben an ihn geschenkt? Es war vielleicht ganz verborgen; in einem Bekannten und Freund, in dem Sie ablesen konnten, welche Geborgenheit, Freude und Hoffnung Jesus schenkt, wenn ich mein Leben fest auf ihn baue; vielleicht waren es Ereignisse in Ihrem Leben, die Sie angerührt oder aufgerüttelt haben.
Das Samenkorn, das Jesus ausstreut, liegt ihm selber ganz am Herzen, ist ein Teil von ihm selbst: „Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10). Ein winziges Samenkorn enthält das volle Leben, enthält alle wichtigen Anlagen.
Aber was daraus wird, hängt davon ab, ob es in einem Boden Wurzeln schlagen kann. Der Ackerboden, das sind wir. Gott gibt das Samenkorn seines Evangeliums mutig aus der Hand und überlässt es uns, ob wir es dankbar und freudig aufnehmen und ihm zum Leben verhelfen. Gott riskiert dabei viel, er setzt volles Vertrauen in uns. Er bewertet uns nicht im vorhinein: Du taugst für mein Wort, und du nicht! Nein, es sät überall hin, auch dorthin, wo die Aussicht auf Wachstum gering erscheinen mag.
Gehöre ich zu den Menschen, die fruchtbarer Boden sind? Oder bin ich doch bloß dorniger und steiniger Weg? In unserem Herzen gibt es von jedem etwas. Da ist der festgetretene Weg, wo ich festgefahrene Meinungen habe oder oberflächlich bin. Da ist die dünne Humusschicht auf dem Felsen, wo ich zwar schnell für ein Strohfeuer der Begeisterung zu haben bin, aber beim ersten Widerstand erlösche. Und da gibt es in mir auch noch die dunklen, die vielen Dinge des Alltags, dass für Gott kein freier Raum und keine Zeit mehr bleibt.
Gott lädt uns alle ein, die kommenden Tage der Fastenzeit zu nutzen, um den Boden für ihn und seine Botschaft in uns zu bereiten: Und gerade Sie, liebe Taufbewerberinnen und Taufbewerber, sind dazu eingeladen, die Sie sich in diesen Wochen besonders intensiv auf die Aufnahme in die Kirche, auf die sakramentale Begegnung mit Gott in Taufe, Firmung und Eucharistie vorbereiten. Die Schritte mögen klein und einfach sein: das tägliche Gebet, das Hinhorchen auf Gottes Wort im Gottesdienst, die Aufmerksamkeit für Menschen, die meine Hilfe und mein gutes Wort brauchen. Gott selber wird Sonne und Regen schenken, dass auf diesem guten Boden dann tatsächlich reiche Frucht wachsen kann.
Roger Schütz, der Gründer der Gemeinschaft von Taizé, der viele Menschen auf ihrem geistlichen Weg begleitet hat, hat es einmal so formuliert: „Lebe das, was du vom Evangelium begriffen hast. Und sei es noch so wenig. Aber lebe es!“
Ich wünsche Ihnen, liebe Taufbewerberinnen und Taufbewerber, Gnade und Segen Gottes für die kommenden Wochen. Im Gebet wissen wir uns mit ihm von Herzen verbunden.
Lesung: Mk 4,1-9




