Dem Papst die Treue halten


Datum: 
25.05.2010

Passauer Bischof feiert Gottesdienst im Petersdom

 Rom/Passau (iop). Ein klares Bekenntnis zum Papst hat der Passauer Diözesanbischof Wilhelm Schraml gefordert. Petrus und dessen Nachfolger würden dafür garantieren, dass die Kirche zusammenhalte, betonte Wilhelm Schraml am Dienstag, 25. Mai. Im Petersdom, am Grab des heiligen Petrus und an der Wirkstätte dessen Nachfolgers, rief der Passauer Oberhirte dazu auf, treu zum Papst zu stehen. Dies, so der Bischof beim Eröffnungsgottesdienst der Bistumswallfahrt im Petersdom, sei „der Gradmesser für unsere Liebe und Treue zu Christus und seiner Kirche“.

Vor den 300 Pilgern betonte der Bischof, der Glaube und das Bekenntnis des Petrus zu Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes, halte die Kirche zusammen. „Dafür garantiert Petrus: dafür garantieren seine Nachfolger im Petrusamt. Dafür garantiert heute Papst Benedikt XVI., in dem das Amt des Petrus weitergeht“. Er sei in diesen Tagen der Fels, auf dem die Kirche stehe. „Denn sie braucht auch heute das Felsenfundament, auf dem sie sicher steht und die Mächte der Unterwelt sie nicht überwältigen“. Die Kraft dazu habe der Papst nicht aus sich selbst, so Bischof Schraml. Auch Petrus habe sein Amt nicht aus eigener Kraft erfüllen können. „Wie Petrus ist auch unser Papst in der Leitung der Kirche getragen von Christus“. Er rief dazu auf, „in der Einheit mit dem Nachfolger Petri in der Gemeinschaft mit Jesus Christus“ festzustehen.


Bischof Wilhelm Schraml

Die Pilger waren vom Gottesdienst in St. Peter tief beeindruckt. In dem imposanten Kirchenraum, den man oft nur von Gottesdienstübertragungen mit dem Papst im Fernsehen kennt, an einer Eucharistiefeier teilzunehmen, war etwas ganz Besonderes. Dazu die Klänge der Diözesanbläser unter Leitung von Michael Beck; die richtige geistliche Einstimmung.

So begann der Pilgerweg durch die „Ewige Stadt“ im geistigen Zentrum der Christenheit, am Grab des hl. Petrus.

Die heilige Messe feierte der Bischof am Altar der Kathedra Petri, die hier in der Apsis auf halber Höhe wie in Wolken schwebt. Jahrhunderte lang saßen die Päpste auf diesem Thron, ohne zu wissen, dass ihn Kaiser Karl der Kahle zu seiner Krönung im Jahr 875 mit nach Rom gebracht und danach dem Papst geschenkt hatte. Diesen hölzernen Thron mit eingelegten Elfenbeinschnitzereien hat Bernini hoch über den Altar der Apsis gehoben und in Goldbronze gekleidet.

 


Kirchenmusikdirektor Marius Schwemmer, die Diözesanblechbläser und die Teilnehmer der Wallfahrt.

Die Kirchenväter Ambrosius und Augustinus, Athanasius und Johannes Chrysostomus berühren den Thron, der Symbol für das Petrusamt ist, um so ihre Kollegialität mit dem Papst auszudrücken. Im Fenster darüber schwebt die Taube. Als Symbol für den Heiligen Geist will sie sagen, dass der Papst vom Geist Gottes erleuchtet wird, wenn er „ex cathedra“, von seinem Thron aus, in Glaubens- und Sittenfragen eine Lehrentscheidung trifft.

Am Mittwoch, 26. Mai, trifft die Pilgergruppe Benedikt XVI.. Für den Passauer Bischof ein ganz besonderer Moment: „Die Menschen spüren einfach, dass hier einer ist, der authentisch als Christ lebt und die Gläubigen stärkt im Glauben an Gott und in der Liebe zu Christus und seiner Kirche“. Als Mensch und Christ und schließlich als Bischof und Papst bezeuge er die österliche Existenz des Christen. Der Kirche sei mit Papst Benedikt XVI. ein Hirte geschenkt, dessen Freude am Glauben begeistere und die Herzen der Menschen anrühre. Am Abend besucht die Gruppe die älteste Marienkirche in Rom, Sta. Maria in Trastevere.

 

 

Ansprache von Bischof Wilhelm Schraml

in Rom St. Peter
am Dienstag, 25. Mai 2010

Im Süden Roms, an der Via Appia, steht ein Kirchlein mit dem Namen „Quo vadis“. Es erinnert an folgende Legende: Als in Rom die Christenverfolgung unter Kaiser Nero ausbrach, wollte sich Petrus in Sicherheit bringen und Rom verlassen. Doch draußen an der Via Appia erschien ihm der Herr, schaute ihn an und fragte: Quo vadis? Petrus, wohin gehst du? Da begriff Petrus, dass Rom der Ort seiner Bestimmung ist. Da gehört er hin. Die Begegnung mit dem Herrn ließ ihn umkehren. Er ging in die Stadt zurück, wurde gefangen genommen und im Zirkus des Kaisers Kaligula unter Nero gekreuzigt, wie es heißt, mit dem Kopf nach unten.

Der Ort seiner Kreuzigung liegt nahe der Peterskirche. Er wurde in dem dort bestehenden Friedhof beigesetzt. Heute erhebt sich die Peterskirche über seinem Grab.

Zu diesem Petrus hatte Jesus einst bei Cäsaräa Philippi gesagt: „Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18). Aber so felsenfest war Petrus damals noch nicht. Beim Abendmahl vor dem Gang zum Ölberg hatte Petrus zu Jesus zwar gesagt: „Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich nie verleugnen“ (Mt 26,35). Doch am nächsten Morgen hatte der Hahn noch nicht zwei Mal gekräht, da hatte Petrus den Herrn bereits drei Mal verleugnet. Ein Fels war Petrus damals noch nicht. Als der auferstandene Herr am See von Tiberias ihn nach seiner Liebe fragt, antwortet er sehr bescheiden: „Herr, du weißt alles; du weißt auch, dass ich dich liebe“ (Joh 21,19).

An all das mag Petrus gedacht haben, als er seinen geliebten Meister vor sich sah. Jetzt durfte er ihn nicht noch einmal durch die Flucht verleugnen. Seine Liebe zum Herrn entflammte aus Neue, er kehrte um und starb wie Jesus am Kreuz. So machte er wahr, was er an jenem Abend gesagt hatte: „Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich nicht verleugnen.“

Für diesen Petrus betet Jesus, dass sein Glaube nicht wanke und dass er seine Brüder im Glauben zu stärken vermag. Der Glaube des Petrus – das ist sein Bekenntnis zu Jesus als den Sohn des lebendigen Gottes – macht ihn zum Felsen der Kirche Christi. Jesus vertraut ihm die Weiterführung seines Hirtenamtes an und bekräftigt ihn in seiner unerschütterlichen Treue und Gefolgschaft. Dieser lebhafte und doch so furchtsame Mann, des Verrats fähig, aber nicht, um darin zu verharren – der Verleugnung fähig, aber im Angesicht des Herrn von tiefer Reue erfasst – dieser Mann wird seinem Meister bis in den Tod folgen. Und das war hier an diesem Ort im Zirkus des Kaisers Kaligula. Hier wurde er begraben und über seinem Grab hat schon Kaiser Konstantin der Große trotz erheblichster Schwierigkeiten im Gelände eine Basilika errichtet und sie kostbar ausgestattet.

Es ist zwar eine Legende, die das Quo-vadis-Kirchlein umrankt. Aber Legenden führen uns oft in die Tiefe und entschlüsseln uns, was wir nicht mit den Augen sehen können. So führt uns die Legende in das Geheimnis des Petrus, der als Felsenmann erfüllt ist von einem unbeirrbaren Glauben, der sich an Christus festhält, und von einer tiefen Liebe erfasst ist, die für den Herrn und Meister selbst in den Tod geht. Das Glaubensbekenntnis von Cäsaräa Philippi und der Martertod in Rom – der Glaube und die Liebe des Petrus – gehören zusammen.

Was die Kirche zusammenhält, das ist dieser Glaube und dieses Bekenntnis des Petrus zu Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes. Dafür garantiert Petrus: dafür garantieren seine Nachfolger im Petrusamt. Dafür garantiert heute Papst Benedikt XVI., in dem das Amt des Petrus weitergeht. Er ist in unseren Tagen der Fels, auf dem die Kirche steht. Denn sie braucht auch heute das Felsenfundament, auf dem sie sicher steht und die Mächte der Unterwelt sie nicht überwältigen.
Die Kraft dazu hat der Papst dazu nicht aus sich selbst, wie auch Petrus sein Amt nicht aus eigener Kraft erfüllen konnte. Wie Petrus ist auch unser Papst in der Leitung der Kirche getragen von Christus. Das gibt uns Sicherheit, dass wir in der Einheit mit dem Nachfolger Petri in der Gemeinschaft mit Jesus Christus feststehen.

Quo vadis? Wohin gehst du? Diese Frage stellt Jesus auch jedem von uns. Niemand von uns muss vor einem grausamen Nero flüchten wie damals Petrus. Aber die Frage sollten wir uns doch stellen, ob wir nicht auf einem Weg sind, den man als „Christentum light“ bezeichnen könnte. Sind wir bereit, wenn der Weg in der Nachfolge Jesu einmal steinig wird, konsequent treu zu bleiben? Sind wir bereit, den Weg der Wahrheit und der Liebe zu gehen, den Weg der Güte, der Treue, der Selbstberrschung und des Friedens? Dabei werden wir nicht wie Petrus ans Kreuz geschlagen, doch die täglichen kleinen Kreuze sind zu bestehen und zu ertragen.

Hier am Grab des hl. Petrus und an der Wirkstätte seines Nachfolgers Papst Benedikt XVI. wollen wir unsere Liebe und unseren Glauben an Jesus Christus erneuern, der durch Petrus und seine Nachfolger seine Kirche leitet und weidet. Unsere Liebe und Treue zum Papst ist der Gradmesser für unsere Liebe und Treue zu Christus und seiner Kirche.

„Ich vertraue mich vor allem euerem Gebet an“, das war die Bitte unseres Heiligen Vaters nach seiner Wahl zum Stellvertreter Christi auf Erden. Wir wollen unseren Heiligen Vater stärken: durch unser Gebet, durch unsere Liebe und Treue. Der Herr stehe ihm bei in der Kraft seines Heiligen Geistes, damit er das Volk Gottes auf eine gute Weide führe und – wie sein Name sagt – er wahrhaft zum „Benedictus“ werde, zum Gesegneten für seine Kirche und für die ganze Welt.