Versteckspiel am Südturm des Domes


Datum: 
26.07.2010

Signatur des Barockbaumeisters Carlo Lurago entdeckt – C    1675    L

 Passau (iop). Obwohl bekannt und auch sichtbar, ist die Buchstaben- und Zahlenkombination „C    1675    L“ am Südturm des Passauer Domes doch eine neue Entdeckung. Als die Initialen C für Carlo und L für Lurago, dazwischen die Jahreszahl der Fertigstellung des Turmes, hat Dombaumeister Michael Hauck die Signatur des Barockbaumeisters Carlo Lurago als solche erkannt. Am Montag, 26. Juli, haben Michael Hauck und der Leiter des Staatlichen Hochbauamtes, Norbert Sterl, vor Ort über die Signatur und deren Bedeutung berichtet.

Genau hinschauen muss man von der Innbrücke aus schon. Denn die Signatur verschwindet fasst in der nun weißen Fassung der Turm-Südseite. Wer aber von den beiden großen Steinvasen aus, den Blick nach unten auf die Pilaster richtet, kann die Buchstaben und die Jahreszahl erkennen.

 


C    1675    L

Hauck sieht es als „integralen Bestandteil“ der Architektur und damit unmissverständlich als zur Architektur gehörend charakterisiert. Die Gestaltung erinnert den Dombaumeister „ein wenig an Versteckspiel“. Offenkundig sollte die Inschrift sein, aber doch unauffällig. Und die Positionierung an der Südseite des Südturmes deutet Hauck als Gruß an Luragos Heimat Italien.

Ähnlich, ergänzt Hauck, seien die Künstler auch im Inneren des Domes vorgegangen. Nicht immer aus künstlerischer Demut. Fürstbischof Sebastian von Pötting „wachte offensichtlich mit Argusaugen darauf, dass sich keiner der beim Dombau verdingten Meister im Werk selbst verewigt“, argumentiert Hauck. So mussten bereits gemalte Selbstporträts in den Fresken teilweise wieder entfernt werden. An anderer Stelle konnten sich die Künstler erst später einarbeiten. Zurückhaltend und doch so deutlich, dass man das auch nach Jahrhunderten noch sehen und bestaunen kann.
 


Michael Hauck und Norbert Sterl

 HÖRBEITRAG: Signatur des Barockbaumeisters Carlo Lurago entdeckt