Leben und Studieren in Rom - Zu Besuch im Collegium Germanicum et Hungaricum


Datum: 
27.07.2010

Diakon Robert Paulus bereitet sich auf Priesterweihe vor

Passau/Rom. „Sicher ist es ein Traum, in Rom leben und zu studieren zu können“, meint lachend Kaplan Matthias Ambros, fügt aber gleich hinzu: „Es ist ein Traum, der realistisch gelebt wird!“ Schließlich gebe es auch in der ewigen Stadt Rom den Alltag, der zu jedem Studentenleben dazu gehöre. Wir sind zu Besuch im Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom. Ein Haus mit langer Geschichte, in dem Theologiestudenten aus vielen Ländern Europas leben und studieren.

„Das Kolleg“, so weiß Ambros, „ist 1552 von Ignatius von Loyola, dem Stifter des Jesuitenordens, als Collegium Germanicum gegründet worden und Papst Julius II. hat es in diesem Jahr auch anerkannt. 1580 wurde es mit dem Collegium Hungaricum zum noch heute bestehenden Collegium Germanicum et Hungaricum vereinigt. Bis heute kommen die Studenten vor allem aus dem Einzugsgebiet des früheren Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation. Der Zweck des Hauses – zeitgeschichtlich bedingt – hängt  zusammen mit der Reformation in Deutschland: Die Gründung des Kollegs war eine Gegenreaktion darauf! Man wollte gut ausgebildete Priester nach Deutschland zurückschicken, die dort dafür sorgen, dass sich der katholische Glaube stabilisiert. Geblieben ist für die heutige Zeit, dass man immer noch das Ziel verfolgt, gut ausgebildete Priester in die jeweiligen Heimatbistümer zurückzuschicken, die dann Multiplikatoren sein sollen.“

Der aus Mauth stammende Matthias Ambros ist einer von drei Studenten aus dem Bistum Passau, die momentan im „Collegium Germanicum et Hungaricum“ in der Via San Nicola da Tolentino leben. Mit ihm hat Bischof Wilhelm Schraml auch Kaplan Balazs Czuczor und Diakon Robert Paulus zum Studium nach Rom gesandt. Alle drei sind in Lizentiats- also Aufbaustudiengängen an verschiedenen Universitäten eingeschrieben: Kaplan Ambros an der Päpstlichen Universität Gregoriana in kirchlichem, kanonischen Recht, Kaplan Czuczor mit dem Fach Theologische Spiritualität im Theresianum bei den Karmeliten und Diakon Paulus mit dem Fach Geschichte der Theologie an der Hochschule der Benediktiner St. Anselmo.


Die Passauer "Römer" (v.l.n.r.): Kaplan Matthias Ambros, Kaplan Balazs Czuczor und Diakon Robert Paulus.

Bewerben kann man sich nicht für das Collegium Germanicum, erklärt Matthias Ambros, der im vergangenen Jahr in Rom die Priesterweihe empfing: „Man muss vom Bischof der eigenen Diözese empfohlen werden und nach einem Vorstellungsgespräch mit dem Direktor der von Jesuiten geführten Einrichtung steht fest, ob man angenommen wird.“

Den Tagesablauf können sich die Studenten weitgehend frei einteilen. „Das beruht auch darauf, dass das Haus bis heute von Jesuiten geleitet wird,“ betont Robert Paulus. Der jesuitische Ausbildungsstil zeichne sich dadurch aus, den Studenten viel Eigenverantwortung zu überlassen. Freilich gäbe es im Laufe des Tages oder der Woche gemeinsame Veranstaltungen, die Kommunitätsmesse etwa, das gemeinsame Beten des Stundengebets oder die täglichen Mahlzeiten.

Auch für gemeinsame Freizeitaktivitäten bliebe Platz, ergänzt Kaplan Czuczor, wie Theaterspielen, der Besuch der unzähligen kulturellen Sehenswürdigkeiten Roms oder für sportliche Aktivitäten. „Unser Haus hat zwei Fußballmannschaften!“, berichtet er stolz.

65 Studenten aus 12 europäischen Ländern leben momentan im Collegium Germanicum et Hungaricum und gerade die Internationalität sei eine interessante Erfahrung, meint der aus dem ungarischen Veszprem stammende Balazs Czuozcor, der in etwa einem Jahr sein Studium in Rom beenden wird: „Man sieht, wie diese Kulturen miteinander leben können, wie Verbindungen zwischen diesen entstehen können. Für sehr wichtig halte ich, dass man diese Verbindungen dann auch später aufrecht erhält!“ Und Kaplan Matthias Ambros, der in zwei Jahren in sein Heimatbistum zurückkehren wird, fügt hinzu, die Internationalität des Hauses zeige, dass Kirche sich nicht nur auf den deutschen Raum beschränke, sondern dass sie eine universale Gemeinschaft sei. „In diesem Haus gab es und gibt es immer wieder Studenten, die aus der griechisch-katholischen Tradition kommen. Das ist auch ein Stück Ökumene, weil es zeigt, dass die Kirche nicht nur auf den lateinischen Westen beschränkt ist, sondern auch eine östliche Tradition in sich vereint. Für uns Studenten ist das eine hervorragende Möglichkeit sich auszutauschen, auf dieser theologischen, spirituellen Ebene. Man kann da viel von einander lernen!“

 

Priesterweihe und Primiz Diakon Robert Paulus im Überblick:
Priesterweihe: 10. Oktober, 9 Uhr in der Kirche S. Ignazio, Rom durch Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Speyer
Primiz: 11. Oktober, 16 Uhr in der Kirche Sankt Paul vor den Mauern, Rom
Primizprediger: Pfr. Dr. Wolfgang Lehner, Erzdiözese München und Freising
Primizspruch: „Uns in Liebe an die Wahrheit haltend, wollen wir in allem auf ihn hin wachsen, der unser Haupt ist, Christus.“ (Eph, 4,15)

 

Diakon Robert Paulus hat im Gegensatz zu Ambros und Czuczor noch einen wichtigen Schritt vor sich: Er bereitet sich gerade auf seine Priesterweihe in Rom vor, die am Sonntag, 10. Oktober, 9.00 Uhr in der Kirche S. Ignazio stattfinden wird. Geweiht wird er von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Speyer. Primiz ist am Tag darauf (16 Uhr) in der Kirche St. Paul vor den Mauern. „Es gibt noch jede Menge weltliche Fragen zu klären, etwa die Primiz betreffend, aber im Mittelpunkt steht die geistliche Vorbereitung auf die Priesterweihe!“ So wird Paulus eine Woche vor Weihe mit den anderen Weihekandidaten an Exerzitien teilnehmen, um dann gestärkt zur Weihe zu gehen.

Schon früh als Ministrant und später in der Jugendarbeit habe er gespürt, „dass da eine Berufung sein könne“, erinnert sich Paulus. Erst nach dem Abitur, während seines Zivildienstes, in der Arbeit mit kranken Menschen, habe sich ihm gezeigt, dass die Beziehung zum Menschen und die Beziehung zu Gott zusammengehörten. „Dann bin ich ins Priesterseminar eingetreten, im Vertrauen darauf, dass Gott mich führt. Jetzt freu ich mich, dass ich auch Höhen und Tiefen überstanden habe und im Oktober zum Priester geweiht werde!“

Viele Menschen freuen sich mit Robert Paulus auf diesen Tag, seine Eltern, die in Vaterstetten leben, deren Wurzeln aber im Bayerischen Wald liegen. Besonders aber freut sich Diakon Paulus, wenn auch Vertreter seines früheren Praktikumspfarrverbands Mitterskirchen-Geratskirchen nach Rom zu Priesterweihe und Primiz kommen!      

Armin Berger

 

HÖRBEITRÄGE

Leben und Studieren in Rom:

Für Diakon Robert Paulus, der im Herbst zum Priester geweiht wird und die beiden Kapläne Matthias Ambros und Balazs Czuzcor aus dem Bistum Passau ist dieser Traum wahr geworden. Wir haben sie besucht  im „Collegium Germanicum et Hungaricum“ in Rom. In dieser Einrichtung leben die drei mit vielen anderen Studenten aus vielen Ländern Europas. Hören Sie den Mittschnitt einer Sendung, die am Sonntag, 13. Juni 2010 bei unserRadio Passau zu hören war.

Teil 1         

Teil 2

Teil 3