Haus Papst Benedikt XVI. - Neue Schatzkammer und Wallfahrtsmuseum
Passauer Bischof: Kirche muss missionarisch sein
Gottesdienst in St. Paul vor den Mauern, im Rahmen der Diözesanwallfahrt
Rom/Passau (iop). Beim Gottesdienst am Freitag, 28. Mai, in St. Paul vor den Mauern betonte der Passauer Bischof Wilhelm Schraml: „Im Lebenszeugnis des Apostels Paulus dürfen wir erkennen, wie existenziell Christus das Leben eines Menschen prägen kann“. Er rief zur Treue im Glauben auf.
Der heilige Paulus helfe, „das absolut grundlegende und unersetzliche Bekenntnis zu Jesus Christus wirklich zum Mittelpunkt unseres christlichen Lebens machen“. Das Wesen des Christentums sei nicht eine schöngeistige Idee oder irgendein Programm. „Das Wesen des Christentums ist Jesus Christus selbst“, rief der Bischof aus. Ohne diese Konzentration auf das Wesentlich bleibe nur „ein gespenstisches Christentum ohne Kraft und ohne Wirklichkeit“.
Die Pilger aus dem Bistum Passau sollten vom Grab des Völkerapostels mitnehmen: „Wir sind als Christen nur dann glaubwürdig, wenn wir in einer lebendigen Bewegung mit Gott stehen“. Dazu komme als Zweites: „Die Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch“; dies in den Familien, Pfarrgemeinden, den Dörfern und Städten, in Land und in der Gesellschaft.
Die Eucharistiefeier am Vormittag war zugleich der Abschlussgottesdienst. Am Samstag, 29. Mai, kehren die Wallfahrer zurück.
Ansprache in St. Paul vor den Mauern
von Bischof Wilhelm Schraml
am Freitag, 28. Mai 2010
Zu Rom gehören Petrus und Paulus. Sie haben diese Stadt und ihre Geschichte bis heute entscheidend geprägt. Hier befinden sich die Gräber der beiden Apostel. Die Begegnung des Petrus und Paulus mit Rom endet tödlich. Im Zirkus des Kaisers Caligula beim Vatikan wird Petrus gekreuzigt. Nicht anders ergeht es seinem Mitapostel Paulus. An der Straße nach Ostia wird er enthauptet. Sie haben, wie Lukas in der Apostelgeschichte schreibt, „für den Namen Jesu Christi unseres Herrn, ihr Leben eingesetzt“ (Apg 15,26). Aber die Getöteten sind nicht ausgelöscht. Sie leben und erweisen sich als Sieger. Je länger die grausame Christenverfolgung dauert, desto schwächer wird das Römische Reich nach innen und außen. Unaufhaltsam breitet sich der Glaube an den gekreuzigten und auferstandenen Christus aus. Die Kirche wächst, und Rom wird das Zentrum ihrer Einheit. Jesus Christus ist der Herr (Mosaik in der Apsis!)
Paulus wurde vom auferstandenen Herrn selbst zum Apostel berufen und ist nach Jesus die Persönlichkeit, über die wir am meisten wissen. Seine 14 Briefe enthüllen uns unmittelbar seine Persönlichkeit, sein ganzes Denken und Tun.
Es war für diesen Saulus – so hieß er vor seiner Bekehrung – als eifernden Juden unannehmbar, als er erfuhr, dass die Anhänger des Jesus von Nazareth nicht das Gesetzt Gottes in den Mittelpunkt stellen, sondern die Person des gekreuzigten und auferstandenen Christus, mit dem die Vergebung der Sünden verbunden wurde. Deshalb verfolgte er die Anhänger dieses Jesus. So kam es zur Begegnung mit Christus auf dem Weg nach Damaskus. Da wurde er „von Christus ergriffen“ (Phil 3,12). Das hat sein ganzes Leben buchstäblich revolutioniert. Christus wurde der ganze Sinn seines Daseins und der tiefe Beweggrund für seine rastlose Arbeit als Apostel. Von diesem Augenblick an stellte er all seine Kräfte in den Dienst Jesu Christi: „Wehe, wenn ich das Evangelium von Jesus Christus, dem Herrn, nicht ver-kündige!“ Jetzt bricht er auf und verkündet als Missionar der Kirche bei seinen Rei-sen den heidnischen Völkern das Heil, das den Menschen in Christus angeboten ist.
Wie ergeht es Paulus dabei? Er berichtet es selbst in seinen Briefen: Ich war im Ge-fängnis, wurde geschlagen, wurde ausgepeitscht, gesteinigt, erlitt Schiffbruch. Ich war gefährdet auf meinen Reisen durch Räuber, durch das eigene Volk, in der Wüste, durch falsche Brüder. Ich durchwachte viele Nächte, erlitt Hunger und Durst, Kälte und Blöße. Aber dies alles konnte seinen Auftrag als Apostel nicht mindern. Ganz im Gegenteil: Die Liebe Christi hat ihn gedrängt, damit die Menschen an den glauben, der für sie gestorben und auferweckt wurde.
Im Lebenszeugnis des Apostels Paulus dürfen wir erkennen, wie existenziell Christus das Leben eines Menschen prägen, ja geradezu umschmelzen kann. Paulus bezeugt und hilft uns, dass wir das absolut grundlegende und unersetzliche Bekenntnis zu Jesus Christus wirklich zum Mittelpunkt unseres christlichen Lebens machen und daraus leben.
Der Apostel sagt es so: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir... Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20).
Was dürfen wir mitnehmen vom Grab des Völkerapostels?
1. Wir sind als Christen nur dann glaubwürdig, wenn wir in einer lebendigen Bewe-gung mit Gott stehen, der uns in Christus sein menschliches Antlitz zeigt. Das Wesen des Christentums ist nicht eine schöngeistige Idee oder irgendein Prog-ramm. Das Wesen des Christentums ist Jesus Christus selbst. Wo wir ihn verlieren, wo wir ihn nicht mehr kennen wollen, bleiben nur Schatten übrig. Und Schatten leben nicht. Es bleibt ein gespenstisches Christentum ohne Kraft und ohne Wirklichkeit. Die Menschen müssen in der Begegnung mit uns erfahren können, dass wir Chrisus lieben, ihn wirklich und aufrichtig von Herzen lieben. Dann wird unser christliches Leben authentisch sein.
2. Das ist der 2. Anruf an uns am Grab des Apostels Paulus:
Die Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch. Ihre vorrangige Aufgabe ist es, das Evangelium Jesu Christi den Menschen zu verkünden und sie zu ihm zu führen, damit Gott verherrlicht werde. Auch uns ist es aufgetragen, die Auferstehung des Gekreuzigten zu bezeugen und das nicht nur mit Worten. Über Mangel an Gelegenheit dazu haben wir uns nicht zu beklagen: sei es in unseren Familien, in unseren Pfarrgemeinden, in unseren Dörfern und Städten, in unserem Land und in unserer Gesellschaft. Lassen wir uns nicht entmutigen, sondern halten wir im Glauben Christus die Treue, setzen wir uns ein für seine Kirche und die Weitergabe des Glaubens. Stärken wir uns einander in diesem Glauben und reichen wir denen die Hand, die müde werden wollen oder gar resignieren.
„Wer christlich lebt, verändert die Welt“, hat Papst Johannes Paul II. gesagt. Heiliger Apostel Paulus, hilf uns, dass Christus auch uns mit seiner Liebe ganz und gar durchdringe, damit durch uns Gott verherrlicht werde bei den Menschen.
Votivmesse vom hl. Paulus
Lesung: Apg 22,1a.3-16
Evang.: Mk 16,15-18





