Priesterjubilare im Bistum Passau feiern Eucharistie mit dem Bischof im Dom


Datum: 
29.06.2011

In diesen Tagen feiern zahlreiche Geistliche aus dem Bistum Passau ihr Priesterjubiläum. Seit 75, 70, 60, 50, 40 oder 25 Jahren stehen sie im Dienst der Kirche. Am Mittwoch, 29. Juni, dem Festtag Peter und Paul, und damit zum traditionellen Weihetag für Priester, kamen sie nach Passau. Bischof Wilhelm Schraml hat mit den Geistlichen im Dom ein Pontifikalamt gefeiert. Einige von diesen haben ihr Jubiläum bereits begangen, bei anderen steht es im Lauf des Jahres an. Der Bischof selbst hat am Sonntag, 26. Juni sein 50jähriges Priesterjubiläum begangen.

Besonders gedacht wurde bei diesem Gottesdienst auch des Papstes. Benedikt XVI. ist vor 60 Jahren zum Priester geweiht worden. Aus diesem Anlass wird weltweit in allen Diözesen gebetet. Symbolisch 60 Stunden lang, hat der Vatikan vorgeschlagen. Im Bistum Passau sind daraus bereits über 400 Stunden geworden, wie der Bischof bei seinem Jubiläumsgottesdienst selbst  sagte. Aus solcher Einheit im Gebet sollen auch missionarische und pastorale Impuls ausgehen für Priesterberufe.

75-jähriges Priesterjubiläum: Horner Valentin 13.04.1936, Thurnreiter Max 13.04.1936

70-jähriges Priesterjubiläum: Sauer Michael 04.05.1941

60-jähriges Priesterjubiläum am 29. Juni:
Audinger Georg, Balazs Dr. Ladislaus, Brechenmacher Max, Hödl Dr. Ludwig, Lang Hans, Kaiser Dr. Matthäus

50-jähriges Priesterjubiläum am 29. Juni:
Bischof Wilhelm Schraml, Mühlbauer Josef, Forster Johann, Brandstetter Gerhard.
40-jähriges Priesterjubiläum am 27. Juni: Sondorfer, Günther, Graf, Alois, Szabo, Arpad am 12.09.1971.
25-jähriges Priesterjubiläum am 28. Juni: Artinger Andreas, Stinglhammer Dr. Hermann
Gerl Josef, Würzinger, Gotthard, Baginski, Marek am 30.06.1986.

Weitere Ordensleute feiern ihr Priesterjubiläum:
60 jähriges Priesterjubiläum
Der Kapuzinerpater Kosmas Wührer,  Pater Bernd Zumsande, Maristen (SM)
50jähriges Priesterjubiläum
Pater Gerhard Voss, Benediktiner (OSB) Niederalteich
25jähriges Priesterjubiläum
Pater Benedikt Schneider, 19.07.1986, Benediktiner (OSB),
 

Predigt Bischof Wilhelm Schraml Priesterjubilare 2011 im Wortlaut:

Nur Gott, meine ich, und wir selber wissen es, was jetzt in unserem Herzen vorgeht, da wir zurückschauen auf 25, 40, 50, 60, 70.... ja sogar 75 Jahre priesterlicher Sen-dung. Damals in der dankbaren und frohgemuten Ergriffenheit der frühen Stunde un-serer Salbung und Sendung – heute nach einer langen Wegstrecke im Herzen wohl noch tiefer bewegt als am Morgen unseres Aufbruchs. Damals in einer Kirche, die als das „Haus voll Glorie weit über alle Land“ schaute und heute in einer Kirche als Pries-ter stehend, die den einen zur Freude und den anderen zur unbequemen Mietwohnung geworden ist; in einer Kirche, der immer mehr den Rücken zuwenden. Damals als Neupriester eingebettet in einer allein zahlenmäßig ansehnlichen Gemeinschaft von Mitbrüdern – heute herausgefordert und angefochten und oft genug umweht vom eisi-gen Wind der Vorbehalte und der arroganten Besserwisserei, der Resignation und der Verwirrung.

Zwischen diesem Damals und Heute liegen unsere Jahre, liebe Jubilare. Ich möchte mit diesen hell-dunklen Kontrasten nicht Wasser in den Wein der Freude gießen. Viel-mehr möchte ich uns allen das frohe und ehrliche Danken umso näher bringen. Denn danken ist Inhalt dieser Festesfeier, zumal es hineinmündet in jene Feier, die wir Eu-charistie nennen, Danksagung, und die ohne uns Priester nicht möglich wäre. Sie ist das Kostbarste und Wertvollste, was uns anvertraut wurde, als wir bei unserer sakra-mentalen Weihe die Vollmacht erhielten, „in persona Christi capitis“ zu handeln und Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi zu verwandeln.

Heute, an unserem Jubiläumstag, treten wir mit Christus in besonderer Weise hin vor den himmlischen Vater, um ihn zu loben für das Große, das er an uns bei unserer Weihe getan hat durch das Geschenk der Gnade seines Heiligen Geistes.

Ich danke Ihnen als Ihr Bischof, liebe Jubilare, dass Sie in all den vergangenen Jahren in Treue zu Christus und seiner Kirche und in unversiegbarer Freude am Priestertum Ihren Weg gegangen sind, so vielen Zuversicht und Hoffnung schenkend und Wegwei-sung eröffnend, Euch selber aber aus Euerem Hoffen und Lieben heraus heilsmächtig bewahrend.

In dieser Stunde stellen wir uns erneut unter den Anruf des Wortes Jesu, das er im Evangelium des heutigen Hochfestes zu Petrus spricht: „Petrus, liebst du mich?“ Er richtet diese Frage auch an uns Priester: „Liebst du mich? Liebst du mich mehr als diese?“ Eine so urmenschliche Frage, dass sie schon beinahe banal klingt. Und doch macht sie innerlich unruhig, weil sie wie keine andere Frage nach dem Letzten und Eigentlichen in unserem Leben zielt.

„Liebst du mich?“ Wir haben diese Frage mit dem ungeteilten Ja unserer Priesterweihe beantwortet: „Adsum! – Herr, hier bin ich, verfüge über mich, sende mich!“ Die ver-gangenen Jahre sind eigentlich nichts anderes als ein glaubensstarkes, mutiges und frohes Hineingehen in dieses Adsum.
In diese Antwort hinein senkt der Herr wie bei Petrus das Weiden: „Weide meine Lämmer! Weide meine Schafe!“ Denn wenn die Liebe da ist, dann ist die Tür für den Herrn weit offen, dann weidet er durch uns seine Herde. Wenn die Liebe da ist, dann brauchen wir kein Lehrbuch des Erfolgs vom Management und keine Seelsorgspläne. Dann erkennen wir immer mehr, wie wenig wir letztlich unserer eigenen Klugheit und Tüchtigkeit verdanken, und wie wenig wir letztlich selber daran Anteil haben, dass die Netze beim Fischfang gefüllt werden. Der Herr ist es, der da am Ufer steht, den wir oft nicht erkennen, der aber die Fische zutreibt. Vielleicht sind solche Stunden der Be-schämung die seligsten Augenblicke unseres Priesterseins; Augenblicke unsagbarer Freude, in denen wir dankbar auf die Knie fallen und mit Petrus zu stammeln begin-nen: „Herr, geh weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch!“

Sind wir heute nicht daran, uns von dieser zutiefst christlichen Haltung zu entfernen? Auch als Priester? Ist Christus wirklich noch die tragende Mitte in unserem Leben? Oder sind wir nicht schon längst daran, uns selbst in hochmütiger Arroganz zum An-gelpunkt zu machen, um den sich alles zu drehen hat? Signalisieren denn nicht die erschreckenden Vorgänge in der Kirche, dass uns die Sammlung um den Herrn und die Orientierung an seinem Gebot zu entschwinden droht? Warum wundern wir uns denn über Orientierungslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Angst vor der Zukunft?

Kirche ist nur insoweit Zeichen des Heiles in der Welt und Weggemeinschaft der Chris-ten mit ihrer ewigen Vollendung bei Gott, als sie lebt von Jesus Christus her; als ihre Glieder – Priester wie Laien – ihre Wurzeln tiefer hinein versenken in die Liebe des Herrn, damit ihnen aus der Begegnung mit ihm in Gebet und Sakrament seine Gnade und sein Segen geschenkt werden. Worauf es heute wesentlich ankommt, ist dies: dass wir Christus mögen, wenn ich es so einfach sagen darf; dass wir von innen her bei ihm sind; dass wir ihn lieben, wie Petrus es am Ufer des Sees Genezareth so ein-drucksvoll in der Stunde seiner Erwählung zum Felsenfundament der Kirche gestan-den hat. „Herr du weißt alles, du weißt auch, dass ich dich liebe“. Darauf kommt es an: Dass wir noch tiefer und ehrlicher an ihn glauben und gläubig vertrauend ihn dann wahrhaft lieben und bezeugen in unserer Welt. Alles andere kommt an zweiter Stelle und ergibt sich aus diesem Eigentlichen.
In der Kraft solcher Liebe reifen junge Menschen heran, um dann selber Botschafter und Zeugen der Liebe Gottes in der Welt zu sein. In solcher Atmosphäre werden auch in Zukunft wieder junge Menschen bereit sein, mit Mut und Vertrauen ihr Adsum zu sprechen, wenn der Herr sie ruft in seine Nachfolge im Priester- oder Ordensstand.

Liebe Jubilare, ich sage Ihnen als Ihr Bischof heute ein ganz herzliches Vergelt’s Gott für all Ihr Mühen und Arbeiten, für Ihre Treue und Liebe zur Kirche und auch zum Bi-schof. Mein Dank an Sie wird zur innigen Bitte an Gott, dass er Sie noch viele Jahre in Gesundheit, Schaffenskraft und Schaffensfreude erhalte, damit Sie den Menschen ge-ben können, was sie so notwendig brauchen: Jesus Christus, die Gaben seines Heiles und die ganze Wahrheit seines Evangeliums.

Nun aber wollen wir an den Altar des Herrn treten, der unsere Freude ist von Jugend an. Und wir wollen frohen Herzens miteinander sprechen: „Gratias, danke!“