Veranstaltungen

„Tag des geweihten Lebens“


Datum: 
03.02.2010

Begegnungstag der Ordensgemeinschaften mit Bischof Wilhelm Schraml am Fest „Darstellung des Herrn“ – Maria Lichtmess

 Passau (iop). Zum Tag des geweihten Lebens lud Bischof Wilhelm Schraml am Dienstag, 2. Februar, in die Stadtpfarrkirche Sankt Paul ein. Zusammen mit den Ordensgemeinschaften aus Passau und Umgebung und den Gläubigen der Stadtpfarreien feierte der Diözesanbischof am Fest „Darstellung des Herrn“ die Eucharistie mit Kerzenweihe und Lichterprozession.

Mit dem Fest „Darstellung des Herrn“, besser bekannt als „Maria Lichtmess“ endet nach 40 Tagen die Weihnachtszeit. Mit dem Fest sind traditionell Kerzenweihen und Lichterprozessionen verbunden. Besondere Bedeutung hatte der „Lichtmess-Tag“ einst im bäuerlichen Jahr. Knechte und Mägde erhielten an diesem Tag den Jahreslohn und konnten den Dienstherren wechseln.

Das Fest knüpft an den Bericht im Lukasevangelium, nach dem Jesus, wie alle jüdischen Erstgeborenen, kurz nach der Geburt von seinen Eltern in den Tempel gebracht und durch ein Opfer dem Herrn „dargestellt“ wurde. Zudem brachte Maria an diesem Tag ein Reinigungsopfer dar, wie es das jüdische Gesetz vorschrieb. Die Bibel berichtet in diesem Zusammenhang auch von der Begegnung mit dem greisen Simeon, der Jesus als Messias erkennt, auf den er gewartet hat.
Simeon preist Gott dafür und erklärt sich nunmehr zum Sterben bereit. Dieser Text fand entsprechend seinem Beginn in Latein als „Nunc dimittis“ Eingang in die Liturgie. Es ist mit seiner Dank- und Abschiedsstimmung das große Nachtgebet der katholischen Kirche. Tag für Tag wird es beim Stundengebet in der Komplet gesprochen.


Die Predigt von Bischof Wilhelm Schraml im Wortlaut:

Das gläubige Gottesvolk hat den christologischen Titel des heutigen Festes – Darstellung des Herrn – mariologisch ergänzt, in dem es sagt: Mariä Lichtmess und hat es verbunden mit dem Brauch der Kerzenweihe und der Lichterprozession.

Was heißt das für uns? Wer Christ sein will und wer sein Christsein immer tiefer erkennen möchte, der muss auf Maria schauen. Ihr ganzes Wesen war zutiefst auf Christus, auf ihren Sohn hingeordnet. Sie hat ja gesagt zu ihm bei der Verkündigung des Engels in Nazareth; sie hat ihn eingeführt in das irdische Leben, hat ihn begleitet und ist ihm nachgefolgt bis hinauf auf Golgotha unter das Kreuz. Im Angesicht Jesu waren die Züge seiner Mutter eingeschrieben.

Maria ist das von Gott selbst ausgezeichnete Vorbild jeder Berufung zu einem Werk, das Gott vom Menschen erwartet. Ihre gebeugten Knie bei der Verkündigung und ihre hingehaltenen Hände bei der Aufopferung des Herrn im Tempel sind gleichsam die Urgebärden eines Menschen, der sich ganz auf Gott hin öffnet, der ganz frei sein will für ihn und bereit, in seiner Nachfolge ganz ihm zu gehören und für ihn dazusein.

Heute begeht die Kirche weltweit den "Tag des geweihten Lebens" der Ordensleute. Sie tragen das Licht Christi in die Welt hinaus. Für diesen kostbaren Dienst sage ich Vergelt's Gott und danke auch für das inständige Gebet. Tagen Sie, liebe Ordensleute, diesen Dank auch hinein in Ihre Gemeindschaften. Lasst uns mit der brennenden Fackel, des Lichtes für Christus unterwegs sein. 

Maria trägt Jesus am Lichtmesstag in den Tempel. Sie zeigt ihn den Menschen, händigt ihn gleichsam den Menschen aus. Darum bittet die Christenheit seit Jahrhunderten mit Recht: „Nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes.“

Maria führt Jesus ins irdische Dasein ein. Sie ist seine erste Wegbegleiterin. Ohne Hinweis auch das eigene Ich, demütig, still und verborgen, geleitet sie ihn ins Leben. Und je stiller sie das tut, je gesammelter nach innen sie ist, desto vernehmlicher hört sie sein Wort. Maria hat als erste gelernt, dass Jesus als das ewige Wort des Vaters im Schweigen, im Verweilen und Bleiben wohnt. Deshalb bewahrt und bewegt Maria alles, was sie vom fleichgewordenen Wort des Vaters hört, schweigend in ihrem Herzen.

Am Anfang war das Wort und nicht das Geschwätz; und am Ende steht nicht das Gerede, sondern wieder das Wort. In der Betrachtung, im stillen Verweilen bei Jesus, liegt der Grund, dass alles, was Maria tat, nicht Geschäftigkeit ist, sondern Tun in geistlicher Vollmacht und Kraft. Darum ist nicht nur ihr Wort, sondern auch ihr Tun von wegweisender Bedeutung besonders für alle, die ihrem Sohn im geweihten Leben nachfolgen. Maria zeigt uns die wichtigste christliche Grundregel: Das Wort, das uns hilft, und Leben in Fülle schenkt, können wir uns nicht selber sagen; es wird uns geschenkt. „Selig bist du, Maria, weil du geglaubt hast.“ Mariens Nachfolge Christi ist der Weg vom Schauen zum Glauben, von ihrem Sohn weg zum Sohn des lebendigen Gottes, vom Haus in Nazareth weg hin zur Kirche Christi.

Heute am Lichtmesstag lädt Maria uns ein als Wegweiserin, als Weggefährtin, als Wegführerin, gemeinsam aufzubrechen zu Christus, dem Licht zur Erleuchtung der Heiden. Öffnen wir unser Herz demütig, vertrauensvoll und in der Stille auf dieses Licht hin, das vom Vater der Lichter in die Welt gekommen ist durch das Jawort Mariens. Da wird es auch lichter in unserem Leben, da wird es auch heller in unserer Welt.