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Die Flüchtlings-WG in Straßkirchen


Datum: 
04.04.2017

Vorbereitung auf das Leben und Wohnen in Deutschland

 

Wie funktioniert eigentlich „Wohnen“ in Deutschland? Klar, wer hier aufgewachsen ist, weiß das: Man muss regelmäßig seine Miete bezahlen, einmal im Jahr kommt die Nebenkostenabrechnung – also besser nicht zuviel heizen. Müll wird getrennt, und gemeinsam mit den anderen Mietern teilt man sich die Treppenhausreinigung – Flurwoche halt.
Flüchtlinge, die zu uns nach Bayern kommen, wissen das aber nicht unbedingt – weil es eben in ihren Heimatländern ganz anders ist. Aus genau diesem Grund gibt es in Straßkirchen im Landkreis Passau seit etwas mehr als einem Jahr eine besondere WG. Fünf syrische Kriegsflüchtlinge leben hier gemeinsam, um zu lernen, wie das eigentlich geht, das Wohnen in Deutschland.
Von außen sieht das Haus in einer Straßkirchener Wohnsiedlung aus wie jedes andere. Nur das Klingelschild weist darauf hin, dass hier eine besondere Wohngemeinschaft zu Hause ist. Hier wohnen Abud, Abdulhadi, Mustafa und zwei Mohameds. Betreut werden sie von Mitgliedern des Pfarrcaritasverbands, der Verein, der auch die Idee zur Einrichtung der Flüchtlings-WG hatte. Manuela Kilian hat selbst drei Kinder, und kommt daher meist abends vorbei, um bei den alltäglichen Dingen zu helfen: „Am Anfang war vor allem die Hilfe bei der ganzen Bürokratie wichtig. Ein Formular auszufüllen, wenn man noch sehr wenig Deutsch kann, ist extrem schwierig.“ Inzwischen sprechen die fünf jungen Männer recht gut Deutsch, belegen zum Teil bereits die Sprachkurse für Fortgeschrittene und haben auch Deutschunterricht in der Schule.

Beim Üben half zu Beginn vor allem die 20jährige Valerie. Jetzt gibt auch sie regelmäßig Haushaltstipps, ebenso wie Monika Flatau. Es geht aber keinesfalls darum, den Flüchtlingen die ganze Arbeit abzunehmen: „Das hier soll ja Hilfe zur Selbsthilfe sein. Wenn sie alleine wohnen wollen, müssen sie all diese Dinge lernen.“ Das Ziel sei es, für alle fünf bald eine eigene Wohnung in Passau oder Umgebung zu finden. Das gestalte sich aber schwierig. Viele Single-Wohnungen gehen an Studenten, zudem gebe es auch einige Vermieter, die keine Flüchtlinge als Mieter wollen. Das Helfer-Team gibt dennoch nicht auf, und sucht gemeinsam mit den jungen Männern nicht nur nach Wohnungen. Es geht auch um die Vermittlung von Ausbildungsplätzen. Abud beispielsweise will Heizungsbauer werden, und hat inzwischen ein Praktikum in Aussicht. In der Flüchtlings-WG fühlt er sich wohl: „Wir helfen einander, auch wenn zum Beispiel jemand krank ist, dann sind die anderen da um zu unterstützen. Vor allem aber danken wir Monika, Manuela und Valerie sowie all den anderen Freiwilligen in Straßkirchen für ihre Hilfe. Ohne sie hätten wir uns hier nie zurechtgefunden.“
 

 

Alle hier untergebrachten Flüchtlinge sind inzwischen als Asylbewerber anerkannt. Bei den Aufgaben im Haushalt wechseln
ie sich ab. Fürs Kochen zum Beispiel ist heute Mustafa zuständig

 

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