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950 Jahre Kloster St. Nikola


Datum: 
05.12.2017

Das Kloster St. Nikola im Herzen von Passau kann auf ein ganz besonderes Jubiläum schauen: 950 Jahre mitten in Passau und damit 950 Jahre mitten im Leben der Menschen.

 

 

950 Jahre Kloster St. Nikola

Mitten in Passau – und damit 950 Jahre mitten im Leben

Das Kloster St. Nikola im Herzen von Passau kann auf ein ganz besonderes Jubiläum schauen: 950 Jahre mitten in Passau und damit 950 Jahre mitten im Leben der Menschen. Die Katholische Studentengemeinde Passau feiert das Jubiläum am Samstag, 9. Dezember, mit Symposium, Vorträgen und einem Festgottesdienst mit Bischof Oster. „Wir sind St. Nikola und damit inzwischen 950 Jahre alt. Wieviel Schönes, wieviel Segen und Glück aber auch Beschwerliches hast sich in diesem langen Zeitraum angesammelt“, so Studentenpfarrer und Domvikar Andreas Erndl. „Und in unserer so wunderbar hell erstrahlenden Unikirche wollen wir dieses Jubiläum angemessen feiern“.

Gegründet wurde das Chorherrenkloster St Nikola von Bischof Altmann von Passau im Jahre 1067. Zerstörung durch ein Erdbeben, von der bayerischen Salzablage, die Auflösung in der Säkularisation, die Nutzung der Gebäude oder Gebäudeteile als Militärkaserne und durch die "Schmerold’sche Brauerei", ein Flüchtlingslager im Zweiten Weltkrieg bis hin zum Einzug der Universität und Gründung einer Fachakademie für Sozialpädagogik, zusammen mit einer öffentlichen Küche für Bedürftige - das Kloster hat im Laufe der Jahre viel erlebt und wurde durch eine wechselvolle geistliche, weltliche und wissenschaftliche Geschichte geprägt.

Erst letztes Jahr wurde nach jahrelangen umfangreichen Renovierungs- und Umgestaltungsarbeiten die Klosterkirche mit Segnung des neuen Ambo und der Weihe des Altars wieder geöffnet. Pünktlich zum Patrozinium am Nikolaustag, 5. Dezember, können seitdem nun wieder regelmäßig Gottesdienste gefeiert werden. Mehr dazu: http://www.bistum-passau.de/aktuelle-meldungen/4/12/2016/sankt-nikola-is....

Beim Pontifikalamt mit Bischof Dr. Stefan Oster SDB musiziert die Cappella St. Nikola unter der Leitung von Marius Schwemmer die „Missa brevis in B“ eine kleine Orgelsolomesse von Laurentius Schlemmer (1753–1812). Dieser wirkte nach seiner Ausbildung im Zisterzienserkloster Fürstenzell von 1775/76 bis wohl 1793 als Lehrer, Organist und Geiger im Augustiner-Chorherrenstift St. Nikola, bevor er Schullehrer in Alburg (heute ein Stadtteil Straubings) wurde. An der Gitarre wirken Christian Vogel und an der Orgel Max Jäger mit.  

 

Sankt Nikola Passau hat sehr viel zu erzählen.
Kein Wunder, denn das ehemalige Augustinerchorherrenstift und heutige Kloster der Deutschordensschwestern feiert heuer sein 950-jähriges Bestehen. Ein großes Jubiläum! Wenn man durch die Räume der stattlichen Klosteranlage streift, gibt es so einiges zu entdecken und zu bestaunen. Stefanie Lindner und Stefanie Hintermayr haben sich auf eine kleine Entdeckungsreise begeben und sich von "Nikola-Spezialisten" mehr erzählen lassen zum Thema "St. Nikola früher und heute":

 

 

„Im besonderen errichtete er [Altmann] nämlich in der Vorstadt von Passau eine Kirche zu Ehren des heiligen Nikolaus am Ufer des Inns, welche er mit vielen Gütern und Weingärten ausstattete. Diesem Kloster stellte er Hartmann als Propst vor (...). Dieser sammelte gottesfürchtige Kleriker und Laien um sich, welche er ein gemeinsames Leben nach der Regel des heiligen Augustinus führen lehrte.“

 

Die Feier 950 Jahre St. Nikola

14 bis 16 Uhr Symposion in der Kirche St. Nikola

Begrüßung Studentenpfarrer Andreas Erndl

Grußworte:
Präsidentin Prof. Dr. Carola Jungwirth
Generalvikar Dr. Klaus Metzl
Sr. Mirjam für die Deutschordensschwestern
Oberbürgermeister Jürgen Dupper
Leiter des staatlichen Hochbauamtes Norbert Sterl
Studierendenpfarrerin Sonja Sibbor-Heissmann

 

Vorträge (jeweils 15 Minuten mit 10 Minuten Diskussion):

  • Dr. Ludger Drost: Gründung von St. Nikola

"Braucht’s das wirklich?“ mag sich der ein oder andere gedacht haben, als im Jahr 1067 der Passauer Bischof seine Idee verkündete, in der Passauer Vorstadt am Inn eine Chorherrengemeinschaft zu gründen. Gab es in der Stadt nicht schon einen Dom samt Domherren? Warum nun eine zweite Klerikergemeinschaft? Und warum sollen Weltkleriker überhaupt zusammenleben wie die Mönche? Die Initiative des später als heilig verehrten Altmanns war zu ihrer Zeit nicht nur umstritten: sie war umkämpft. Den Gründungsereignissen vor 950 Jahren geht dieser Vortrag von Dr. Ludger Drost auf den Grund.

  • Dr. Michael Schweikl: Nutzung von St. Nikola durch die Diözese Passau

Der Vortrag von Michael Schweikl widmet sich der Nutzung von Teilen des Klosters St. Nikola durch die Diözese Passau. Das Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 war zeitgleich auch die Aufhebung der Sommekaserne in den Räumen des ehemaligen Klosters St. Nikola. Der damalige Generalvikar Dr. Franz Riemer machte sich an die Arbeit, die mit Flüchtlingen gefüllten Trakte nach 150 Jahren Unterbrechung einer kirchlichen Nutzung zuzuführen. 1959 gelang es in einem Kompromiss mit den bayerischen Behörden, die Kirche wiederherzustellen und eine Pfarrei St. Nikola einzurichten. 1978 zog dann zeitgleich mit dem Vorlesungsbeginn in der modernen Universität Passau ein Studentengeistlicher in das ehemalige Pfarrstöckl ein: der Beginn der späteren Katholischen Studentengemeinde (KSG).

  • Dr. Marius Schwemmer: Kirchenmusik in St. Nikola

Die Musik verbindet seit jeher die drei Haupttätigkeitsfeldern der Augustiner-Chorherren, welche die Seelsorge, die Erziehung sowie die Wissenschafts- und Kunstpflege darstellen. Wie sich dies im früheren Augustiner-Chorherrenstifts St. Nikola vor den Toren der Stadt Passau gestaltet hat, soll in Schlaglichtern aufgezeigt werden, ebenso, wie sich diese Tradition bis heute fortsetzt. Neben der (auch instrumental begleiteten) Vokalmusik will Dr. Schwemmer soll zudem die Geschichte der Glocken und Orgeln von St. Nikola kurz anklingen.

 

16 Uhr Kaffee und Kuchen
im Nikolakloster Foyer der Universität Passau

 

17 Uhr Festgottesdienst in St. Nikola
Hauptzelebrant Bischof Dr. Stefan Oster SDB

 

Fotoausstellung zum Jubiläum
Gleichzeitig zur Feier des Jubiläums sind 23 Bilder in der Zeitspanne von 1496 bis 2016, also über 500 Jahre, ausgestellt. Zu sehen sind die Fotos in der Kulturcafete des Nikolaklosters. Die Ausstellung besteht unter anderem aus Bildern des Stadtarchivs, des Uniarchivs und der Staatlichen Bibliothek. Geöffnet ist die Ausstellung zu den Öffnungszeiten der Kulturcafete von Montag bis Freitag von 8.00 - 22.00 Uhr. Verantwortlich für die Ausstellung ist Mario Puhane von der Universität Passau. Geplante Ausstellungsdauer 14 Tage.

 

 

 

Die Geschichte von St. Nikola

  • 1067 Gründung des Chorherrenklosters St. Nikola durch Bischof Altmann von Passau
  • 1106/1111 Neugründung nach Niedergang im Investiturstreits. Bau der ersten Kirche. Krypta und Grundstruktur sind bis heute erhalten
  • 1348 Zerstörungen der Kirche bei einem Erdbeben und veränderter Wiederaufbau
  • um 1446/47 Spätgotischer Umbau der Klosterkirche und Neubau des Turms
  • im 15. Jahrhundert: Verschiedene Umbauten innerhalb der Klosteranlage. Erhalten ist der „Tiefe Weinkeller“ von 1458
  • 1594 St. Nikola wird zur bayerischen Salzablage vor den Toren Passaus. Anfang des 17. Jahrhunderts Bau eines repräsentativen Klostertraktes an der Innseite
  • 1680–90 Neubau der übrigen Klostergebäude nach Plänen von Carlo Antonio Carlone
  • 1715/1716 Barockisierung der Kirche nach Plänen von Jakob Pawagner, Fresken von Wolfgang Andreas Heindl
  • 1730 Neubau des Klosterflügels am Inn
  • 1803 Säkularisation des Klosters. Nutzung der alten Klostergebäude als Kaserne und Brauerei
  • 1815 Abbruch der Aufbauten des Turmes und der barocken Kirchenfassade
  • 1888–92 Auszug der Brauerei, Umbau der Westflügel für die Kaserne, Erhöhung des Südflügels
  • 1945 Flüchtlingslager. Deutschordens-Schwestern beziehen einen Teil der Anlage
  • 1959/60 Wiederherstellung der Kirche für die neu gegründete Pfarrei St. Nikola
  • 1972–78 Renovierung der Krypta
  • 1975–78 Einzug der Universität. Umbau des Südflügels. Neubau der Westflügel. Die Kirche dient als Universitätskirche
  • 1992–98 Wiederherstellung des Turmes in der früheren Kubatur und Renovierung der barocken Kirchenfassade
  • 2006 Auflösung der Pfarrei St. Nikola
  • 2012–2016 Sanierung der Kirche

>>>>Weitere Informationen zur Geschichte unter http://www.uni-passau.de/universitaet/einrichtungen/facility-management/...

 

Deutschordensschwestern in St. Nikola

Ab August 1945 traten die Deutschordensschwestern, selbst Vertriebene aus Böhmen und dem Osten, ihren hilfreichen Dienst an. Schwerpunkte ihres Apostolates sind in der Kranken- und Altenpflege, in der Erziehung und Bildung und in seelsorglichen Aufgaben. Sie bauten systematisch das durch Kriegseinwirkungen beschädigte Klosterareal langsam in Handarbeit wieder auf. Sie unterhielten neben ihrem Kloster parallel einen Kindergarten und anfangs auch eine eigene Lagerschule für die Vertriebenenkinder. Im Jahr 1953 kauften die Deutschordensschwestern den Nord- und Ostflügel des Klosters. Bis heute leben die Schwestern rund um den Konventhof und führen hier das deutsche Provinzialat, eine Fachakademie für Sozialpädagogik, den Kindergarten St. Nikola und eine Pflegeabteilung für Ordensschwestern. Das ehemalige Stiftrefektorium bauten sie zur Klosterkapelle um. Bis zum Mai 2017 haben sie in unermüdlich aufopfernden Arbeit täglich 40-50 Bettler und bedürftige Menschen mit einem warmen Mittagessen in einer Armenküche versorgt.
 

 

>>>Monika Wagmann/Stefanie Hintermayr/Stefanie Lindner

>>>Fotos: Staatliches Hochbauamt, Stadtarchiv; Andreas Erndl, Passauer Bistumsblatt, Dionys Asenkerschbaumer, pbp; Robert Geisler, Staatliche Bibliothek