Der Bischof beim Wort genommen - Zitate aus Predigten von Dr. Franz Xaver Eder


"Der Mensch aber und seine Menschlichkeit droht in einer wert- und gewissensfreien Perfektion und Machermentalität abhanden zu kommen. Da wird es kalt in der Welt – und immer kälter, wo man sich immer mehr zurückzieht auf das Eigene, ins Private, ganz für sich auf sich selber".

"Für das Bild, das wir als Kirche abgeben, hängt viel davon ab, wie wir miteinander umgehen: Unser Umgehen miteinander, unser Reden übereinander braucht das Verständnis und Wohlwollen füreinander. Das heißt nicht, dass es etwas wie Kritik nicht geben dürfte. Es muss sie geben. Aber man muss ihr anmerken, dass sie aus Liebe geschieht".

"Eine verkürzte Sicht des Menschen, seiner Würde, seines Lebens, weil nicht aus der Wahrheit Gottes gewonnen, schädigt die menschliche Gemeinschaft. Ein verkürztes oder verdorbenes Verständnis von Familie und Volk, von Staat und Gesellschaft aber bringt morgen oder übermorgen, mittel- oder langfristig katastrophale Folgen für die Menschen. Für ihre Seele, für Leib und Leben. Das bezeugt uns das Geschichte werdende 20. Jahrhundert".

"Ganz folgerichtig finden wir in den gemeinsamen Überlegungen zu unserem Pastoralplan hier den gültigen Ansatz, dass wir als Kirche in die Welt eines neuen Jahrhunderts hineinschreiten können. An der Hand des uns liebenden Gottes sollen wir der Zukunft entgegengehen. Schritt für Schritt, in bedächtiger Zielstrebigkeit, aber in Kraft und Entschlossenheit werden wir miteinander als Kirche von Passau unseren Weg nehmen".

"Durch unser persönliches Zeugnis haben wir einander im Glauben zu stärken und zu beflügeln. Das gilt bis hin an den Arbeitsplatz".

"Unter dem schützenden Dach der Volkskirche – auch wenn es schon hereinregnet – muss sich und kann sich neues Leben entfalten: Leben, das in Zukunft die Kirche prägen wird. Und da sind diverse Zellen lebendigen kirchlichen, christlichen Lebens in unseren Gemeinden. Noch nie war wohl die Kirche so voll eigenständigem Leben aus Taufe und Firmung, wie in unserem auslaufenden zweiten Jahrtausend. Und das gilt es zu pflegen".

"Wir dürfen uns auch mit der neuen Spaltung unserer Gesellschaft nicht abfinden: Hier die einen, die etwas besitzen, vor allem einen gesicherten Arbeitsplatz, dort die anderen, die auf dem Markt nicht gefragt sind und vom gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt werden".

"Denkt nicht nur die steinernen Kirchen weg aus Stadt und Land, sondern auch die Menschen, die diese Kirche sind, denkt weg, was sie tragen und schaffen für diese unsere Welt, in der wir leben: Die Kindergärten und Sozialstationen, die Gruppen und Vereine, das vielfältige soziale und kulturelle Leben in den Gemeinden und das Guttun von Mensch zu Mensch. Kirche ist da. Sie lobt Gott und dankt ihm - auch anstelle derer, die Gott nicht mehr zu kennen meinen".

"Wir dürfen nun in keinster Weise resignieren und uns ducken. Es ist unsere aus dem Evangelium begründete, geradezu prophetische Aufgabe, für die Unantastbarkeit des Lebens einzutreten. Und das nicht nur verbal. Neben aller Verkündigung muss die Hilfeleistung der Kirche öffentlich sichtbar gemacht werden. Von den Kindergärten über unser Bemühen um die Jugend, bis zu den Beratungsstellen und Sozialstationen. Und das gegen den gesellschaftlichen Trend. Leben ist uns etwas wert".

"Wer in Gott seine Wurzeln hat, kann den Aufbruch in die Zukunft wagen. Und wer glaubt, bricht jetzt schon in die Zukunft auf".

"Wir haben das Konzil längst nicht ausgeschöpft. Im Gegenteil, seine Anregungen müssen bei uns selber erst noch richtig greifen und zu einer Erneuerung der Kirche führen. Dabei geht es nicht um eine 'neue' Kirche. Nicht um eine 'andere' Kirche. Es geht um eine geistlich erneuerte Kirche. Sie ist nicht ein 'amtskirchlich' übergestülptes System, sondern eine aus der Mitte, aus dem Geist Gottes lebende Gemeinschaft".

"Der glaubende Mensch nimmt sich zurück, nimmt seine eigenen Grenzen an und wird darum in Demut zum Mitgestalter von Gottes guter Schöpfung. Er lebt aus Christi Geist und lebt nach der Weisung des Herrn, der es uns vorgelebt hat, dass wahres Herrschen dienen heißt. Sowohl den anderen Menschen gegenüber, sowie auch der uns anvertrauten Schöpfung. Und so wird der Gläubige, an Gott und seiner Ordnung orientierte Mensch, zum Hüter dieser Schöpfung und nicht zu ihrem Verderber".

"Manche Heiligen gehen ihren Zeitgenossen sehr auf den Nerv. Heilige entlarven uns in unserer Halbherzigkeit. Sie rufen uns auf den Weg des Glaubens und der Liebe zurück. Ihr exemplarisches Leben schreckt uns auf, verunsichert uns. Der Heilige lässt sich nicht einpassen in unsere Lebensvorstellungen und Gewohnheiten. Wir möchten Ruhe und Wohlbefinden für uns, und nicht in Frage stellen lassen. Aber gerade dagegen sprechen die Heiligen. Sie leben die wahre Alternative. Und so machen sie die Kirche immer glaubwürdig und erneuern sie".

"Nicht wir Christen suchen uns unsere Berufung aus. Christus wählt sie uns und beruft uns. Und darum gibt es letztlich auch keinen Unterschied zwischen gleichsam niederen und höheren Berufungen. Unterschiede gibt es nur quer durch alle Berufungen hindurch und zwar nach dem Maß der Hingabe und Liebe, mit dem einer die ihm persönlich von Gott geschenkte Berufung annimmt und lebt".
 

(iop 6/00 - 186)