Passauer Bischof ruft zum glaubwürdigen Dienst in der Kirche auf – Predigt an seinem 75. Geburtstag


In der Kirche muss gelten: Sich gegenseitig achten und schätzen
 
Passau (iop). Gegenseitige Achtung und Wertschätzung. "Einander im Blick bewahren". Das hat der Passauer Diözesanbischof Dr. Franz Xaver Eder seinem Bistum und der gesamten Kirche mit auf den Weg gegeben, "ans Herz gelegt", wie er wörtlich unterstrich. Bei aller Unterschiedlichkeit der Berufungen in der Kirche diene man nur dann glaubwürdig, "wenn wir uns gegenseitig achten und schätzen", sagte der Bischof am Samstag, 4. November, an seinem 75. Geburtstag im Passauer Dom. So bestimmte der Passauer Oberhirte den Platz eines Bischofs im Volk Gottes: Aus der Mitte der Kirche gehe er voran, "zügelt die Voranstürmenden und zieht die Zaudernden".

Der Passauer Oberhirte betonte die Gemeinschaft mit dem Papst und den Bischöfen, die für das Leitungsamt in der Kirche "unverzichtbarer Halt und Rückhalt" sei. Deshalb rief er die Gläubigen auf, das Gebet für den Papst und den Bischof, aber auch für alle Priester und Diakone und all jene, die in der Kirche eine Aufgabe übernommen haben, sowie für das ganze Volk Gottes, "nie zur Floskel" zu machen. Bischof Eder dankte Gott für die verschiedensten Berufungen im Bistum Passau. "Da ist Leben", sagte er, "da ist Bewegung". Da ist Zukunft "mitten unter uns". Mitten in diese Gaben hinein sei der Dienst des Vorstehers gestellt, "die Gnadengabe der Leitung". Im Miteinander und Füreinander diene man einander, unterstrich der Bischof. Um solches Miteinander bat der Bischof "weit über meine Jahre hinaus und bleibend".

In seiner Predigt, die er von der Domkanzel aus hielt, ging Eder auch auf die Herausforderungen an die Kirche und das Bischofsamt "in einer Welt voll Gegensätze" ein. In der "Einen Welt, die der Menschen würdig wäre", seien schlimmste Gegensätze bestimmend. Man bastle an Weltraumstationen, während Armut, Hunger und Not weltweit zunähmen. Man manipuliere die Genstruktur, "um einen Menschen nach Maß und Wunsch" zu ermöglichen. Aber Kinder, die "leben möchten und sollen, dürfen nicht auf die Welt kommen". Sie würden als Belastung abgetan. Völker und Kulturen träfen weltweit aufeinander und "zerfleischen sich aus Hass und Ablehnung in schreckensvollen Kriegen".

Inmitten solcher Widersprüchlichkeit müsse die Kirche einen Weg für die "heilende, alleinerlösende Botschaft Jesu" suchen. Inmitten solcher Erschütterungen müsse die Kirche den Glauben weitertragen. Da sei, so Bischof Eder, der Hirte gefragt und gefordert. Er dürfe nicht vor seiner ihm aufgegebenen Zeit und Gefährdung fliehen.

Bischof Eder gab in seiner Predigt auch einen sehr persönlichen Einblick in sein Leben. Er sprach von einem "zweiten Geburtstag". Am 26. Dezember 1947, mit der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft, habe sein Leben neu angefangen. Dieser Tag des Heiligen Stephanus, sollte - ohne es damals zu wissen - in seinem Leben besondere Bedeutung gewinnen, beginnend mit der späteren Aufnahme in das Passauer Priesterseminar St. Stephan. Es mache glücklich, so Bischof Eder, "wenn kleine, meist erst noch zu entdeckende Zeichen am Lebensweg ermuntern und bestärken".

Mit Bischof Eder feierte eine große Gottesdienstgemeinde im Passauer Dom. Die Kardinäle aus München-Freising und Prag, Erzbischof Dr. Friedrich Kardinal Wetter und Erzbischof Dr. Miloslav Vlk, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Bischof DDr. Karl Lehmann, sowie die Bischöfe Manfred Müller aus Regensburg, Dr. Paul-Werner Scheele aus Würzburg, Dr. Viktor Josef Dammertz aus Augsburg und Dr. Antonin Liska aus Budweis, sowie Dompropst und Generalvikar Lorenz Hüttner und Pfarrer Klaus Hoheisel als Sprecher des Priesterrates konzelebrierten beim Pontifikalgottesdienst. Zu Ehren von Bischof Eder wurde beim Gottesdienst ein Werk der Komponistin Ruth Zechlin uraufgeführt.

Beim anschließenden Gratulationsempfang in der Bischöflichen Residenz (vgl. entspr. Meldung), würdigten unter anderen der Erzbischof von München-Freising, Kardinal Dr. Friedrich Wetter, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Bischof DDr. Karl Lehman, das Wirken des Passauer Bischofs.