Haus Papst Benedikt XVI. - Neue Schatzkammer und Wallfahrtsmuseum
Zeichen setzen für die Kirche von morgen
Dr. Franz Xaver Eder - Ein souveräner Bischof für die Kirche von Passau
Passau (iop). Bischöfe haben eigentlich immer schon vielfältige Eigenschaften mitzubringen. Sie müssen die Kirche für den Aufbruch in eine ungewisse Zukunft rüsten. Sie sollen geistlich ausstrahlen. Theologisch versiert sein, ohne nur zu belehren. Offen sollen sie sein und deutlich, aufgeschlossen und verlässlich. Im Umgang mit den Menschen gewinnend, nicht richtend. Dem Glauben und dem Leben dienen. Die Frage ist, was ein Bischof kann. Die Antwort heißt Franz Xaver Eder.
Mit fast 29 Jahren begann er als Priester in der Diözese, jetzt wird er 75 Jahre alt. Seit 1984 ist er nun Bischof. Er hat das Bistum, schon von seinen Vorgängern geprägt mit einer offenen Haltung aus tiefem Glauben heraus, weitergeführt im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils. Er hat es geleitet mit dem Blick auf das Wesentliche und dem feinen Gespür für die Menschen in diesem Landstrich, aus dem er selbst stammt. Er hat es erneuert und behutsam hingeführt zur Schwelle des dritten Jahrtausends – der Tradition verbunden, im geistlichen Leben verwurzelt, den Anforderungen der Zeit dialogbereit gegenüber. Das gelang, weil Eder ein Optimist ist. Und zweifelt er manchmal, wirkt erst recht jene selbstironische Zurückhaltung die aufzeigt, dass man es mit einem Menschenfreund zu tun hat. Menschenfeinde lachen nur über die anderen.
Das Bistum führte er, wie es sich anders nicht führen ließe: Mit Liebe, kraftvoll und zugleich besonnen. Ein Bischof, der wie er selbst sagt, inmitten der Kirche zu gehen und ihr doch immer ein Stück voranzugehen hat. Ein Priester, dem es geboten ist, genau hinzuhören auf die Zeit und die gegenwärtigen Verhältnisse. Ein Theologe, der die Dinge beim Namen nennt. Einer, der sich selbstkritisch die Frage stellen kann, "ob man noch ganz im Sinne unseres Herrn reagiert und die Sache Jesu voranbringt". Zugleich ein Kirchenmann mit Großzügigkeit und Offenheit, die einlädt. Dies nie von oben herab. Es ist Ausdruck einer Kirche auf Augenhöhe. Einer Kirche, die respektiert und zulässt, die auf breites Engagement und Konsens setzt. Ein Priesterleben lang sucht der Seelsorger Eder auf seine ganz persönliche Art zu vergegenwärtigen, dass der eigentliche Herr der Kirche mitten in ihr ist und ihr den Weg weist.
Bei Diskussionen, Beratungen, Entscheidungen, ob in der Diözese oder in der Bischofskonferenz, er sucht nach der Einheit und nach dem größeren Zusammenhang. Das heißt zunächst, dass er die Einzelheiten kennt, und das wiederum bedeutet nichts anderes als Selbstdisziplin. Denn Qualität hat durchaus mit Qual zu tun. Er hat dem Nachwuchs beigebracht: Kompetenz kommt gewiss nicht vom Komfort. Eder weiß, dass Autorität sich nicht automatisch vom Titel ableitet. Sie kommt aus der Zeugenschaft, dem eigenen Einsatz. Führungsqualität Kraft seines Glaubens. Kurz gesagt: Glaubwürdigkeit.
"Es ist Kirche da, es ist das Evangelium lebendig, man braucht vor dem dritten Jahrtausend nicht Angst zu haben", gibt Eder seinem Bistum mit auf den Weg. Er hat der Diözese mit dem "Passauer Pastoralplan 2000" in das Stammbuch geschrieben: Gott und den Menschen nahe. So hat er selbst die Kirche kennengelernt, so leistet er seinen Dienst, nur so kann sie seiner Überzeugung nach in Zukunft bestehen. Ein kurzer Satz und doch ein ganzes Programm, das in Anspruch nimmt. Wie er selber sich in Anspruch nehmen lässt - von Gott und den Menschen seines Bistums und weit darüber hinaus. Ein Hirte, der in der heutigen Zeit etwas von dem verwirklicht, was sich so viele wünschen. Dieses Pastoralplanprojekt, an dem das ganze Bistum beteiligt war, zeigt seinen Mut zum Wagnis, seine missionarische Initiative, ja sein großes Vertrauen darauf, dass dem Heiligen Geist getrost ein Teil der Arbeit überlassen werden darf; zugleich sein Vertrauen in die Gläubigen, in das Volk Gottes.
Eder hat nicht selten gelitten, sich auch geärgert – und wieder gelacht. Nichts hält frischer als das Bübische und die charmante Zugewandtheit, die im Gesicht aufscheinen. Ganz früh zu Beginn seiner Amtszeit hat er ein Bild von seiner Passauer Kirche entworfen. "Sie muss so bunt sein wie eine Wiese". Kritiker hätten ihm Blauäugigkeit oder Naivität vorwerfen können. Doch er hat vieles richtiger gesehen als jene, die von vornherein wissen, statt miteinander zu reden und nachzudenken. So hat er mit 75, was beste Gottesmänner ausmacht: Intellektuelle Naivität, zu deutsch Unbefangenheit. Nur wer unbefangen und gutgläubig bleibt, kann sich begeistern. Leidenschaft, gepaart mit jener Skepsis, die sich aus dem Dreiklang nährt, den man Intelligenz nennt – Vernunft, Erfahrung und Einschätzen-Können. Oder eben wie es der Bischof mit einem Satz aus dem Timotheus-Brief als seinen Wahlspruch biblisch formuliert: "Im Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit". Darin liegt Eders Mischung. Ein gläubiger Mensch, sorgender Priester, souveräner Bischof. Die Leute im Bistum nennen ihn einen "Glücksfall".
Wolfgang Duschl (iop 6/00 - 184)





