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Dekanatsreform 2010


Zukunft der Seelsorge in den Pfarrverbänden sichern

Ordinariatsrats- und Dekanekonferenz berät über anstehende Reformschritte – „Strukturen mit Leben füllen“- Bischof sichert den 285 Pfarreien Bestehen zu

 Passau (iop). Die zehn neuen Dekane im Bistum Passau haben sich mit Bischof Wilhelm Schraml, Generalvikar Dr. Klaus Metzl, den Domkapitularen und Ordinariatsräten über die Zukunft der Seelsorge abgestimmt. Bei der gemeinsamen Sitzung von Sonntag, 7., bis Mittwoch, 10. Februar 2010, berieten sie über die Nachjustierung der Pfarrverbände in den neu gebildeten Dekanaten. Bis 2012 soll dies abgeschlossen sein.

Generalvikar Dr. Metzl: „Entscheidend ist es, die Strukturen mit Leben zu füllen“. Ziel sei das Zusammenwachsen in den Pfarrverbänden und das Miteinander im Glauben. Die abnehmende Zahl der Priester, so der Generalvikar, dürfe nicht zur Resignation führen. Vielmehr müsse jetzt die Seelsorge inhaltlich neu organisiert werden. Prälat Klaus Metzl sieht darin auch eine Chance. „Wir müssen zum Eigentlichen kommen, nämlich zum sakramentalen Leben, das wir in jeder Pfarrei sicherstellen wollen“. Bischof Schraml kündigte für den Beginn der österlichen Bußzeit einen Hirtenbrief an, der die Zukunft der Diözese Passau in den Blick nimmt.

Nach der Konferenz liegt nun ein autorisiertes Arbeitspapier zur Zukunft der 285 Pfarreien vor, von denen laut Bischof Schraml keine aufgelöst werden soll. Gleichzeitig will der Oberhirte dafür sorgen, dass etwa die Feier der Eucharistie, die Spendung der Sakramente in den Pfarrverbänden gewährleistet ist. In einem ersten Schritt wird der Generalvikar mit dem autorisierten Arbeitspapier bereits in den kommenden Wochen zu Gesprächen in die Dekanante kommen und die Pfarrer vor Ort um ihre Einschätzung bitten. Als zweiter Schritt werden dann die Dekanatsräte informiert, die sich nach den Pfarrgemeinderatswahlen am Sonntag, 7. März 2010, neu bilden. Damit soll sichergestellt sein, dass sich viele an diesem Prozess beteiligen können. Bis 2012 soll dann das neue Pfarrverbandsstatut stehen. Entsprechend wird ein qualifizierter Personalplan erarbeitet.

In diesem Zusammenhang diskutierte die Konferenz auch über den Modellversuch eines „Gesamtpfarrgemeinderates“. In den Pfarrverbänden Simbach am Inn, Eichendorf, Rotthalmünster und Waldkirchen werden bereits jetzt gemeinsame Gremien gewählt. Je nach Katholikenzahl können die einzelnen Pfarreien Vertreter in das gemeinsame Gremium entsenden. Jede Pfarrei ist mindestens mit drei Delegierten vertreten. Zudem gibt es jeweils einen Pfarreisprecher.

 
Bei der Konferenz dankte Bischof Wilhelm Schraml Heinrich Blömecke, Alois Anetseder, Klaus Hoheisl, Wolfgang Keller, Bernd Kasper, die zusammen mit Franz Aicher, Hans Eder, Herbert Oberneder und Gotthard Würzinger zum Teil viele Jahre als Dekane aktiv waren.


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Interview mit Generalvikar Prälat Dr. Klaus Metzl zur Dekanatsreform

  Passau. Die Neu-Aufteilung der Dekanate wird eine der wichtigsten Aufgaben für Generalvikar Prälat Dr. Klaus
Metzl im kommenden Jahr. Die derzeit 17 Dekanate werden zu 10 zusammengelegt, um die Seelsorge im Bistum Passau zukunftssicher zu machen. Was zu dieser Reform geführt hat und wie es nun konkret weiter geht, darüber spricht Generalvikar Dr. Klaus Metzl im Interview mit Bistumsblatt-Chefredakteur Wolfgang Krinninger.

Generalvikar Prälat Dr. Klaus Metzl

 

Bistumsblatt: Mit der Dekanatsreform machen Sie sich nicht nur Freunde. Könnte man nicht darauf verzichten und so weitermachen wie bisher?
Dr. Metzl: Es gibt harte Fakten, um die wir nicht herum kommen: Die Diözese hat in den letzten zehn Jahren 45.000 Katholiken verloren. Das muss man sich vergegenwärtigen. Das ist eine Stadt fast so groß wie Passau und in etwa die Größe eines Dekanats. Da spielen Kirchenaustritte eine Rolle, die demographische Entwicklung und Umzüge. Auch wenn wir noch 170 aktive Priester in den derzeit 117 Pfarrverbänden haben, müssen wir auf diese Entwicklung eine gute Antwort finden.

Bistumsblatt: Was antworten Sie den Kritikern der Reform?
Dr. Metzl: Nun, es gibt letztlich durch den Druck der Fakten gar keine Alternative dazu. Wir müssen auch die Pfarrverbände den künftigen pastoralen Anforderungen angleichen. Es geht gar nicht anders. Ganz wichtig
ist mir aber, dass bei uns keine Pfarrei aufgelöst wird. Das unterscheidet unseren Reformweg von vielen anderen Bistümern in Deutschland. Denn oft genug sind es ja gerade die kleinen Pfarreien, die am aktivsten sind. Außerdem – und darauf weist auch unser Bischof immer wieder hin – muss die sakramentale Struktur der Gemeinden erhalten bleiben. Kirche lebt aus der Feier der Eucharistie. Solange wir jeden Sonntag die Eucharistie feiern können, lebt die Gemeinde. Es gibt also durchaus einen theologischen Zusammenhang, einen inneren Grund für die äußere Struktur.

Bistumsblatt: Hat die Dekanatsreform auch praktische Vorteile?
Dr. Metzl: Selbstverständlich. Es kommt dadurch zu einer Angleichung und Harmonisierung mit den politischen Gemeinden, den Schulämtern, den Kreiscaritasverbänden, den Jugendbüros und den Regionalkantoren. Es
entstehen regionale Zentren, die in etwa deckungsgleich sind mit bestehenden Verbänden. Was mir auch wichtig ist: Wir können durch die neuen Strukturen unsere Angebote stärker differenzieren, was sich sicher positiv
auf die Dekanate auswirkt.

Bistumsblatt: Wie geht es jetzt rein praktisch weiter?
Dr. Metzl: Das Statut für die Dekane kommt zum 1. Januar heraus. Darin steht, dass der Bischof die künftigen Dekane ernennt. Dazu werden ihm von den Wahlberechtigten drei Kandidatenvorschläge gemacht, aus denen der
Bischof einen auswählen kann. Diese Wahlen stehen jetzt an. Zum Frühjahr soll die Reform greifen.

Bistumsblatt: Steht in den Statuten auch etwas über die Aufgaben des Dekans?
Dr. Metzl: Der Dekan nimmt in der Diözese eine wichtige Schnittstelle ein. Wichtige Inhalte gelangen durch den Dekan zu den geistlichen Mitbrüdern und zu den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Umgekehrt bringt der Dekan auch all das, was die Menschen im Dekanat bewegt, vor den Bischof. Mindestens zweimal jährlich lädt der
Dekan allein die Geistlichen zu einer Recollection ein. Zu den Dekanatskonferenzen werden auch die Laienmitarbeiter eingeladen.

Bistumsblatt: Wie werden die Beteiligten vor Ort auf die Reform reagieren?
Dr. Metzl: Wir beschreiten einen neuen Weg. Da ist eine gewisse Unruhe anfangs ganz normal. Man muss sich erst einmal finden. Aber ich bin überzeugt, dass wir einen guten Weg
 

Das sind die Umrisse der neuen Dekanate im Bistum Passau.

 

 

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