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Strukturreform 2012


Künftig 86 Pfarrverbände im Bistum Passau

Auf Sicht: Organische und maßvolle Entwicklung – Pfarreien bleiben bestehen

 

Zum 1. März werden im Bistum Passau die 285 Pfarreien und 20 Exposituren von derzeit 117 Pfarrverbänden auf künftig 86 geordnet. Generalvikar Dr. Klaus Metzl spricht dabei von einer organischen und maßvollen Entwicklung, die Schritt für Schritt auf Sicht vollzogen wurde. Zwei Grundsätze waren für Bischof Wilhelm Schraml entscheidend: jede Pfarrei bleibt rechtlich bestehen und die Feier der Eucharistie ist sichergestellt. Bei den Reformschritten waren die Gremien der Pfarreien, die Dekanatsräte und der Diözesanrat eingebunden.


Die Ausgangssituation:

Die Diözese Passau hat 285 Pfarreien und 20 sogenannte Exposituren mit 490 000 Gläubigen. Über 50 Prozent dieser Pfarreien haben weniger als 1000 Katholiken. Die Diözese Passau ist durchweg ländlich strukturiert; große Flächen (Waldgebiete), etwa im Bayerwald, sind nicht bewohnt. Auch geografisch bedingt gibt es im Bistum viele kleine Pfarreien. Nur in fünf Städten gibt es Pfarrverbände mit über 10.000 Gläubigen: Hauzenberg, Pfarrkirchen, Burghausen, Regen und Pocking.

Die Erfahrung hat zudem gezeigt, dass gerade die kleineren Pfarrgemeinden ein reges pastorales Leben führen, mit lebendigen Vereinen und Verbänden, vielen aktiven Ehrenamtlichen in Kirchenverwaltungen und Pfarrgemeinderäten. Diese gewachsenen Strukturen galt es zu halten und zu stärken.

Von daher erforderte die Situation und Struktur der Diözese Passau einen ganz eigenen Lösungsweg.

Mit den einzelnen Reformschritten trug und trägt das Bistum zum einen der Bevölkerungsentwicklung Rechnung - in den vergangenen zehn Jahren sind rund 50.000 Katholiken weniger geworden, etwa so viel wie die Einwohnerzahl der Stadt Passau – zum anderen der Zahl der aktiven Priester.


Zwei Grundsätze der Reformen:

Von zwei Grundsätzen wurden die Reformschritte geleitet:
1. Bischof Wilhelm Schraml hat keine Pfarrei aufgelöst. Auch im Verband bleiben Pfarreien  
    rechtlich eigenständig.
2. Die Eucharistie sowie die entsprechende Feier der großen Feste im Kirchenjahr müssen     
    sichergestellt sein. Entscheidend für Bischof Wilhelm Schraml war und ist die sakramentale 
    Struktur der Gemeinde. Die Pfarrei lebt von der Feier der Eucharistie.

Diese zwei Wegmarken wurden in allen Gesprächen vor Ort eingehend mit den Pfarreien besprochen. „Wohl auch deshalb“ so resümiert Generalvikar Dr. Klaus Metzl, „gab es auf das Gesamte gesehen einvernehmliche Lösungen“.


Die Gremien der Pfarrei:

Für das kirchliche Leben der Mitgliedspfarreien bleiben die Kirchenverwaltung für die Finanzen sowie für die wirtschaftlichen Belange und der Pfarrgemeinderat für das pastorale Leben von Bedeutung, weil eben keine Pfarrei aufgelöst wurde. Als neue Ebene kommt der Pfarrverbandsrat hinzu, in dem die gewählten Laien dann zusammenarbeiten. Das wurde in Absprache mit dem Diözesanrat entschieden. Die nächste Pfarrgemeinderatswahl wird daher in gewohnter Form in den einzelnen Pfarreien durchgeführt. Dekanatsräte und den Diözesanrat wird es weiter geben.

Schritte der Reformen:

Bereits 1972 gab es einen Modellpfarrverband in Aufhausen. Dazu kamen, je nach pastoraler Notwendigkeit, immer wieder neue kleinere Pfarrverbände.

2005 hat Bischof Wilhelm Schraml ein Statut für die damals 117 Pfarrverbände in Kraft gesetzt. Der damalige Generalvikar, der Personalreferent und der Finanzdirektor hatten bereits im Vorfeld auf breiter Ebene die Verantwortlichen aus den Pfarreien informiert und gehört. Die Dekane der Diözese, der Diözesanrat und der Ordinariatsrat hatten über die Struktur beraten. Dabei ging es auch um ganz konkrete Grenzziehungen wie etwa Einzugsbereich, Kommune und Kirchengemeinde, Dekanat, Schulsprengel oder Landkreiszugehörigkeit.

Als Zwischenschritt wurde 2010 das Bistum von 17 in 10 Dekanate neu gegliedert; schon mit Blick auf das neue Statut. Dementsprechend wurden die Pfarrverbände in aller Ruhe und abseits von Tagesaktualität noch einmal justiert, gerade dort, wo aktuell in den Dekanaten durch Personalwechsel, Ruhestandsregelungen oder Todesfälle Pfarrverbände nicht schnell besetzt werden konnten. Es kam dabei auch zur Harmonisierung und Angleichung mit kirchlichen und kommunalen Strukturen von Caritaseinrichtungen bis zum Schulort.

Nun folgt zum 1. März 2012 die dazu gehörige Anpassung der Pfarrverbände von derzeit 117 auf künftig 86. Dabei kann Generalvikar Dr. Klaus Metzl darauf hinweisen, „das 60 Prozent dieser Pfarrverbände bereits bestehen und auch bei den 40 Prozent großteils die Lage klar war“. Der Generalvikar informierte erneut auf Dekanatsebene sowie in den Pfarrverbänden. Die Dekane und der Ordinariatsrat haben beraten. Die Pfarrgemeinde-, Dekanatsräte und der Diözesanrat waren eingebunden.


Ausblick:

Mit dem neuen Statut sieht das Bistum die Seelsorge für das nächste Jahrzehnt flächendeckend sichergestellt. Die Personalplanung hat der Generalvikar darauf abgestimmt. Die Diözese geht jetzt von 177 aktiven Priestern in den Pfarreien aus. Dort, wo keine Priester aus dem Bistum zur Verfügung stehen, tragen auch Geistliche aus anderen Ländern die Seelsorge mit. Die Priester, meist aus Indien oder Polen, sind ein Zeugnis für die weltumspannende katholische Kirche, auch für die missionarische Kirche. Dazu kommen 122 pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Das Fazit von Generalvikar Dr. Klaus Metzl: „Wir können für die Diözese Passau von einer organischen und maßvollen Entwicklung sprechen, die Schritt für Schritt auf Sicht vollzogen wurde“; natürlich heißt das auch Zusammenarbeiten im Pfarrverband und im Dekanat. Da wächst bereits viel an Miteinander, wie die Dekane zurückmelden.
 

 

 

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Pfarrverbandsstatut: Miteinander in eine gute Zukunft
Interview im Passauer Bistumsblatt
mit Generalvikar Dr. Klaus Metzl

 

 

 

 

Bistumsblatt: Herr Generalvikar, am 1. März tritt das neue Statut für die Pfarrverbände in Kraft. Warum wurden Reformen notwendig?

Dr. Metzl: Reformen sind in der Kirche immer notwendig. Wir finden uns in der Diözese Passau auf einem kontinuierlichen Weg. Zusammen mit den Gremien und Verantwortlichen vor Ort versuchen wir, die Arbeiten so einzuteilen, dass ein gutes Miteinander und eine gute Zukunft geplant werden kann. Die konkreten Hintergründe für die jetzige Reform sind auf der einen Seite der Katholikenschwund und auf der anderen Seite natürlich auch der Priestermangel. Daneben gibt es noch begleitende Argumente. Dazu gehören der demografische Faktor, der Wandel in den staatlichen Strukturen, die Entwicklung der karitativen Einrichtungen und letztlich auch die Frage: Was kann man sich auch finanziell noch leisten?

Bistumsblatt: Es ist nicht ganz einfach, in gewachsene Strukturen einzugreifen. Wie ist man vorgegangen und wie lange hat es gedauert?

Dr. Metzl: Wir haben ja zum 1. Januar 2010 bereits die Dekanate neu geordnet. Diese Dekanatsgrenzen waren schon im Hinblick auf die künftigen Pfarrverbände organisiert. Unser Bischof Wilhelm Schraml hat dann eine Arbeitsgruppe mit fünf Personen unter meiner Leitung eingerichtet. Wir haben einen ersten Entwurf gemacht. Da waren ca. 80 Pfarrverbände vorgesehen. Mit diesem Konzept gingen wir in die einzelnen Dekanate, in den Ordinariatsrat, auf die Dekanekonferenz, in den Diözesanrat und haben die Pläne vorgestellt, bis letztlich eine konkretere Struktur daraus entstanden ist. Dann kamen die Einzelgespräche vor Ort, wo Veränderungen notwendig waren – mit den Pfarrgemeinderäten, mit den Pfarrern. Und so sind wir letztlich zu 86 Pfarrverbänden gekommen.

Bistumsblatt: Was wird sich durch die Reform in der Seelsorge ändern?

Dr. Metzl: Die Zukunft sind die Teams. Der Klassiker: Ein Pfarrer, eine Pfarrei, ein Pfarrhof, ein Bürgermeister – das Modell gibt es nicht mehr, sondern es gibt die kooperative Pastoral, das ist das Stichwort. Das heißt: Es wird immer einen Pfarrer, einen zweiten oder gar dritten aktiven Priester – ohne die Ruheständler – geben, mit dem pastoralen Mitarbeiter bzw. der pastoralen Mitarbeiterin, mit einem gut ausgestattetem Pfarrbüro. In diesem Team wird alles gewährleistet. Es gibt zwei Grundsätze, die waren unaufgebbar: Es wird keine Pfarrei aufgelöst – und damit auch keine Kirchenverwaltung und kein Pfarrgemeinderat. Und wenn keine Pfarrei aufgelöst wird, hat jede Pfarrei schon laut Kirchenrecht den Anspruch, dass am Sonntag und an den Feiertagen die Gottesdienste gefeiert werden.

Bistumsblatt: Das Statut tritt jetzt in Kraft. Wie geht es weiter?

Dr. Metzl: Wichtig ist, dass sich ein Pfarrverbandsbewusstsein bildet. Der 1. März ist nur ein Zwischenstopp auf einem längeren Weg. Und diese Form muss in den nächsten Jahren Gestalt annehmen. Das wird lange Jahre dauern, bis wirklich diese 86 Pfarrverbände gebildet sind, weil das ja organisch erst durch Versetzung und Pensionierung gemacht wird. Und dann muss aber der Pfarrverband in der Form mit Leben gefüllt werden. Ein Beispiel: Es gibt in jeder Pfarrei ein, zwei, drei Leute, die sich für Mission, Entwicklung,  Frieden interessieren. Sinnvoll wäre es, wenn die sagen, dass machen wir auf Pfarrverbandsebene, weil wir in der kleineren Pfarrei dafür die Leute nicht finden. Wenn sich aus drei, vier Pfarreien alle, die in der Hinsicht ein Interesse haben, zusammenschließen, dann kann man die Sachausschüsse pfarreiübergreifend auf den Pfarrverband gründen. So müssen wir zusammenarbeiten. Ob in der Jugendpastoral, in der Ministrantenarbeit, bei Ehe- und Familienjubiläen. Klassisch bleiben die Sonntagsliturgie oder auch die Erstkommunion, die wird weiterhin jede Pfarrei feiern.

Bistumsblatt: Wichtig war Ihnen, wenn ich das richtig verstehe, dass man die Kirche im Dorf lässt.

Dr. Metzl: Genau, die Kirche muss im Dorf gelassen werden, weil wir das der Tradition und der Mentalität der Menschen geschuldet sehen. Wir haben in den Pfarreien und den Dörfern aktive pfarrliche Strukturen. Unsere kirchlichen Verbände, aber auch die weltlichen Vereine, die sind alle aufs Dorf hin angelegt. Und das Engagement für meine Kirche ist natürlich auch an das Gebäude gebunden.

Bistumsblatt: Dennoch wird es innerhalb des Verbands nötig sein, gewisse Dinge abzustimmen.

Dr. Metzl: Wir haben ja in Erweiterung zum Pfarrverbandsstatut von 2005 den Pfarrverbandsrat gestärkt. Dieses neue Gremium fasst zwei oder drei Mal im Jahr die Pfarrgemeinderäte plus die Kirchenpfleger plus das pastorale Team und die Pfarrsekretärin zusammen, um die gesamte Planung für die Pastoral vor Ort zu koordinieren. Die Arbeit in den Pfarrgemeinderäten bleibt aber davon unbenommen.

Bistumsblatt: Jetzt ist die Reform ja gewissermaßen aus der demografischen Not heraus entstanden. Sehen Sie dennoch auch positive Aspekte?

Dr. Metzl: Der springende Punkt ist, dass wir als Kirche, auch von den Hauptamtlichen her, aus der Vereinzelung in die Gemeinschaft hinein gehen müssen. Das Presbyterium wird noch mehr Bedeutung erlangen, es wird das Team vor Ort nicht nur eine Arbeitsgemeinschaft sein, sondern auch eine Zeugengemeinschaft, dass die miteinander nicht nur arbeiten und ein Dienstgespräch führen, sondern auch eine Gebets- und Feiergemeinschaft sind. Hier werden wir großen Wert darauf legen müssen, dass man auch die Jüngeren mit einbindet. Und ich habe mit einem größeren Team einfach auch die Möglichkeit, dass ich alle Richtungen, alle Altersgruppen, alle Schwerpunkte abdecken kann. Die Kirche wird daher eindeutig bunter, spannender und, ich glaube, sie wird auch interessanter.    ?

Das Gespräch führten der Leiter des Katholischen Radiobüros, Armin Berger, und Bistumsblatt-Chefredakteur Wolfgang Krinninger.

                                 Interview Generalvikar Dr. Klaus Metzl zum Anhören