Menu

Die Kirche


 

Der Heilige Alban

Die Angaben im Martyrologium des Mainzer Erzbischofs Rhabanus Maurus (gest. 856) konnten durch archäologische Ausgrabungen auf dem römischfränkischen Friedhof in Mainz belegt werden: Alban - ein Albaner oder aus der Stadt Alba (?) - kam um 380/390 von der Insel Naros mit seinen Gefährten Theonestus und Ursus zu Kaiser Theodosius d. Gr. nach Mailand.  Der Hl.  Ambrosius sandte sie zum Kampf gegen die arianischen Irriehrer nach Gallien. Nachdem Ursus in Aosta den Martertod erlitten hatte, kam Alban wohl im Jahre 404 nach Mainz, wo er um 406 von den Ketzern enthauptet wurde.  Eine Legende erzählt, er habe nach seiner Hinrichtung sein eigenes Haupt persönlich zur letzten Ruhestätte getragen.  Sein Leichnam wurde beim Wiederaufbau des von den Hunnen zerstörten Mainz auf den Albanberg gebracht, wo im 8. Jh. eine Benediktinerabtei errichtet wurde.  In der Karolingerzeit verbreitete sich seine Verehrung weit über Mainz hinaus.  Nach einer alten Legende sollen die drei Heiligen Alban, Wolfgang und Leonhard gemeinsam - so, wie sie heute noch im Hochaltar nebeneinander stehen, in die abgelegene romantische Waldwildnis nach Taubenbach gekommen sein. Später sei Wolfgang südwärts zum Abersee ins Salzkammergut und Leonhard Inn abwärts nach Aigen weitergewandert, nur Alban wäre hier geblieben. 

Die alte Kirche

Von dem Gotteshaus, in das Reimbertus von Tann seinen Feind verfolgt hat, haben wir keine Beschreibung.  Es war bereits ein fester Steinbau.  Diese Steinkirche stand an der Stelle des heutigen Baues, besaß etwa die halbe Länge und dieselbe Ostrichtung, war aber leicht nach Süden verschoben.  Die jetzigen Turm- und Chormauern ruhen auf den alten Fundamenten, ansonsten wurde das Abbruchsmaterial der alten Kirche für den Neubau um 1470 verwendet.  Bei Grabungsarbeiten im Jahre 1968 fand man in zwei Gräbern unter dem Fußboden sterbliche Überreste.  Die Bestattung im Kircheninnern lässt wohl auf einen Ritter schließen, das andere Skelett gehörte einem Kind.  Noch tiefer lag ein Priester bestattet, Gürtel und Messkleid waren noch erkennbar. Möglicherweise waren zwei Vertiefungen die Reste eines Taufbrunnens oder der im Mirakelbuch erwähnten zweiten Heilquelle.

Die heutige Kirche

Im Mittelalter erfreute sich die Wallfahrt zum hl.  Alban steigender Beliebtheit.  Die Pilger kamen von weit her und hinterließen ihren Obolus.  Durch Opferstockspenden und Weihegaben, Pacht von ausgeliehenen Kirchengütern und bäuerlichem Grundbesitz, dazu durch "Ewiggelder" (= Zins) des ausgeliehenen Kapitals war ein ansehnliches Wallfahrtsvermögen zusammengekommen.  Mit diesem finanziellen Polster konnte man im letzten Drittel des 15.  Jh. an den Bau der heutigen Kirche gehen.  Jeder Besucher ist von der gewaltigen Größe, vor allem des Turmes, in diesem kleinen Ort überrascht.

Glückbringend für das niederbayerische Land war das "Friedensjahrhundert", das die Regierung der "Reichen Herzöge" von Landshut bescherte; dies brachte auch eine vielfältige Bautätigkeit in der ausklingenden Spätgotik mit sich.  Zwischen den großen gotischen Bauzentren der Braunauer und der Landshuter Schule ist der uns namentlich nicht überlieferte Baumeister zu suchen, der nach seinem Hauptwerk als der Meister von Taubenbach in die Kunstgeschichte eingegangen ist.  Seine eigentümliche "Handschrift" ist an seinen beiden stets wiederkehrenden Stilmerkmalen sogleich zu erkennen: Es sind die drei Parallelrippen und der Sechsrautenstern in seiner Gewölbefiguration.  An der Westseite des Chores ist die Jahreszahl "1473", wohl das Jahr der Vollendung, zu lesen. Die grundlegende Gesamtrenovierung wurde im Jahre 1989 abgeschlossen.

Der Turm

Drei berühmte gotische Kirchtürme gibt es im Bistum Passau, die miteinander an Höhe und Schönheit wetteifern: in Aigen am Inn, Schildthurn und Taubenbach.  Der St. Albanturm zu Taubenbach fällt wegen seines Standorts nur leicht über dem Talgrund nicht so schnell auf.  Er setzt sich aus fünf quadratischen, massiven Untergeschossen, aus einem Oberbau mit drei achtseitigen Stockwerken, reichen Spitzbogenblenden und dekorativen Maßwerkornamenten sowie aus einem hohen Spitzhelm mit Schindelbedachung zusammen; wegen seiner ausgewogenen Proportionen und des prunkvollen Zierrats gilt er als der schönste unter den dreien.  Zwei der frühestens gegen Ende des 15.  Jh. entstandenen Wandmalereien im Chor der Kirche zeigen den Turm nach Fertigstellung des quadratischen Unterbaus und mit einem einfachen Zeltdach.  Die Vollendung des prächtigen Turmes wird dem "Meister von Vilshofen-Hofkirchen" um das Jahr 1530 zugeschrieben. 1667 deckte der Zimmerermeister Georg Jochardt von Stubenberg den Turmhelm um 176 Gulden neu ein; nach einem Blitzschlag 1689 musste dieser für 11 1/2 fl repariert werden.

Außen ist der Turm bis zum achten Geschoss mit Eckstreben gegliedert; die Streben der oberen Geschosse zeigen kurze fialenartige Aufsätze.  Das fünfte Stockwerk besitzt auf drei Seiten je vier hohe Rundbogenblenden; steilgeböschte Eckzwickel bilden im sechsten Stock den Übergang zum Achteck; die drei oberen Geschosse sind mit schlanken Spitzbogenblenden aufgelockert, die im Bogen mit verschieden figuriertem Maßwerk geschmeckt sind.

Das Innere der Kirche 

Eine überraschende Weiträumigkeit und Helle tut sich auf, wenn sich das schwere Eichentor des Portals öffnet.  Durch die hohen spitzbogigen Fenster flutet das Licht in den harmonischen Raum.  Das Rundtonnengewölbe im Chor und im Langhaus zeigt eine herrliche Netzrippenfiguration mit kleinen runden Schlusssteinen in den Kreuzungen der Rippen.  Wandpfeiler, die im Chor schwächer, im Langhaus kräftiger ausgebildet sind, profiliert mit Rundstäben zwischen den kahlen und spitzigen Schildbögen, tragen dieses Gewölbe, dass sehr reiche Rankenbemalung in den Gewölbefeldern aufweist.  Rückwärts nimmt die dreischiffig unterwölbte Westempore mit Aufgängen die ganze Breite ein. Die darüber errichtete Sängerempore wurde beim Einbau der neuen Orgel 1981 entfernt, das zugemauerte runde Westfenster wieder geöffnet.  Gurtbögen und Pfeiler sind farblich voneinander abgesetzt.

Eine besondere Kostbarkeit stellt die Sakristeitüre mit durchlaufendem Rautenmuster und Lilienmotiv dar.  Die Restaurierung von 1913 deckte die spätgotischen Wandmalereien im Chorraum wieder auf, die 1730 vom Braunauer Maurermeister Ignaz Garlar zugeweißelt worden waren; sie stammen aus der Zeit um 1500 und geben interessante Aufschlüsse über die damalige Kirche und die Bedeutung der Albani-Wallfahrt.  Die Wundertaten des hl.  Bischofs Alban vollziehen sich vor der Kulisse der damaligen Pfarrkirche mit Albanikapelle, des Pfarrhofs und der ziemlich hohen Friedhofsmauer, die sich wie eine Wehranlage ausnimmt.  Bemerkenswert ist eine Szene, wo ein frommer Pilger dem Heiligen einen mit Getreide gefüllten Tonkopf - "Albanischädel" - als Opfer darbringt. - Leider ist von einer riesigen Christophorusfigur an der Südwand des Chors nur noch die obere Hälfte erhalten. 

Der Hochaltar der Brüder Zürn 

In erster Linie kommen Beter und Kunstfreunde nach Taubenbach, um den gewaltigen Hochaltar zu bewundern, der beherrschend den ganzen Chorschluss ausfüllt. Im Jahre 1640 verfügte die Wallfahrtskasse über ein so stolzes Vermögen, dass die besten Künstler mit einem neuen Hochaltar beauftragt werden konnten, und dies waren zu dieser Zeit die beiden eben zugewanderten Brüder Martin und Michael Züm.  Die aus dem Schwäbischen stammende Künstlerfamilie Zürn war 1585-1724 über vier Generationen hinweg mit siebzehn genial begabten Mitgliedern künstlerisch hervorgetreten. Die Geburtszeit von Martin Zürn dürfte in die Jahre 1585/90 fallen; urkundlich erscheint er zwischen 1615 und 1658, vielleicht auch 1665; irgendwann nach diesem Jahr ist er verstorben. Sein wohl jüngerer Bruder Michael taucht in den Dokumenten in der Zeit um 1617 bis 1651 (1658) auf und ist im schweizerischen Appenzell verschieden, möglicherweise 1658.  Diese beiden, aus dem oberschwäbischen Waldsee stammenden Brüder verdrängten selbstsicher ihren schon seit 1628 in Wasserburg am Inn ansässigen Bruder David und zogen im Oktober 1639 nach Burghausen an der Salzach weiter.  Die längst erwachsenen Brüder mussten immer noch frustriert als "ledige Bildhauergesellen" umherziehen und hatten trotz Begabung, Fleiß und Können noch "keinen eigenen Rauch", keine Familie mit Herd und Haus.  Der Dreißigjährige Krieg hatte ihnen in ihrer Heimat die Existenzbasis genommen: In reformatorischen Kirchen bestand keine Nachfrage mehr nach geschnitzten Altären mit Heiligenfiguren.  Die schmale Auftragslage brachte sie notgedrungen in Konflikt mit den einheimischen Künstlern, denen sie "das Brot vor dem Maul abschnitten" ' Die Förderung der katholischen Kirchenkunst im Altbaiern des Kurfürsten Maximilian und das Bekenntnis der Bürger boten ihnen in Braunau am Inn Verdienst- und Existenzmöglichkeit.

Mit Zustimmung der Regierung von Burghausen am 9. März 1640 durften die Zürn den Auftrag für den neuen Hochaltar von Taubenbach annehmen.  Es wurde ihr letztes gemeinsames Werk. 1643 erhielten sie für die Bildhauerarbeiten den Betrag von 300 Gulden ausbezahlt.  Dennoch wurde ihre Schnitzkunst "nur" als Grundträger für die Farbe taxiert, der Fassmaler wurde mit 518 Gulden honoriert.  In knapp zwei Jahren - 1642/43 - schufen die Zürn in Burghausen diesen bis zum Gewölbescheitel reichenden monumentalen Altar. Die Schreinerarbeiten des triumphbogenartigen Gehäuses fertigte Meister Wolf Hinkher für 173 Gulden.  Der Tabernakel kam erst 1720 für 68 '/2 Gulden dazu.  Zusammengerechnet kostete dieser Altar 1060 Gulden.  Um eine Relation zum heutigen Geldwert zu gewinnen, ist es aufschlussreich zu erfahren, dass für den gleichen Betrag im nämlichen Jahr ein stattlicher Bauernhof mit 100 Tagwerk Grund gekauft werden konnte.  Durch die Folgen des Dreißigjährigen Krieges aber wurde das Taubenbacher Kirchenvermögen so dezimiert, dass man 1649 nicht einmal mehr das Geld für das Ewige Licht aufbringen konnte.

In diesem Hochaltar mit seinem zweigeschossigen Retabel treten uns lebensgroß drei mächtige Heiligenfiguren entgegen: St. Alban im bischöflichen Ornat mit Stab und Mitra und dem abgeschlagenen eigenen Haupt auf dem Buch; frankiert vom hl. Bischof Wolfgang von Regensburg, der Stab und Kirchenmodell als Attribut trägt, sowie St. Leonhard in infulierter Abtskleidung mit Stab, Buch und Gefangenenkette, die ihn zum Viehpatron machte. In den beiden Außennischen stehen die hl.  Diakone Stephanus mit den Steinen und Laurentius mit dem Rost.  Zwei wappenschildhaltende Engel - es sind das Wappen der Grafen von Leonberg und das bayerische Wappen - sitzen auf dem Kapitell des Rundbogens mit der Kartusche des Namensschildes; geflügelte Engelsköpfe und reiche Weinranken schmecken die gewundenen vergoldeten Säulen mit korinthischem Kapitell, die von betenden Engeln auf den Schultern getragen werden. Über der kraftvollen Gebälkzone dieses Viersäulenaufbaues hebt Gottvater mit gebieterischer Geste seine Segenshand aus dem langgezogenen Rund des Medaillons.  Ihn umgeben die drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael, dazu schwebende Engelsgestalten auf den Segmentbögen.  Seitliche Fruchtgehänge bereichern das Knorpelwerk.  Harmonisch fügt sich der zierliche Tabernakel mit zwei gewundenen Säulen und Akanthusschnitzwerk ein.

Nach 1643 trennten sich die Wege der Brüder Martin und Michael.  Im Alter von 50 Jahren heiratete Martin Zürn am 18.  August 1643 die Hafnerstocher Katharina Baur und ließ sich in Braunau am Inn nieder; dort dürfte er mit etwa 75 Jahren gestorben sein.  Michael Zürn gelang als einzigem der Brüder der Durchbruch von der manieristischen Spätrenaissance zum dynamisch-bewegten Barock. 1650/51 war er in Appenzeil tätig. 

 
Die Seitenaltäre 
 
Künstlerisch können sich die beiden Seitenaltäre nicht mit dem Hochaltar messen, aber es sind dennoch recht qualitätsvolle Säulenaufbauten.  Kurz vor dem Zürnaltar fertigte sie 1641 Hans Khränischigg, Schreiner zu Braunau, für 120 Gulden.  Um 140 Gulden schuf Balthasar Mayr Bildhauer zu Burghausen, die Plastiken.  Johann Vischer Maler in Braunau, gestaltete für 380 Gulden die farbige Fassung.  Die Säulen der Altäre sind im unteren Teil von Ranken umschlungen, darüber weisen sie knorpelartige Kannelierung und Kompositkapitell auf; im Auszug sind es gewundene Säulchen.
Im linken Altar steht fast lebensgroß die Madonna mit dem Jesuskind.  Balthasar Mayr schnitzte sie 1646 als Rosenkranzmadonna (45 fl), Wolf Rechel gab ihr die Farbfassung.  Das ehemalige Altarbild mit der Marter des hl.  Veit hängt jetzt unter der Orgelempore.  Das Gemälde des rechten Seitenaltares zeigt das seltene Thema der "Sieben Zufluchten" ' Begleitfiguren der beiden Altäre sind die Ritterheiligen Florian in Rüstung und mit Wasserkübel zum Löschen des brennenden Taubenbacher Pfarrhofes und der Drachenbezwinger Georg (linke Seite) sowie die hl.  Bischöfe Nikolaus und Erasmus (rechte Seite).  Aus der Bekrönung des Altarauszuges blicken der hl.  Vitus und der hl.  Bischof Rupertus von Salzburg, der an die einstige Schenkung an das dortige Hochstift erinnert.

 

Die übrige Ausstattung 

Mit reichen Ornamenten geziert und sechs kannelierten Ecksäulen geschmeckt ist die 1641 von Hans Khränischigg geschaffene Kanzel.  An sie schließt sich ein Oratorium mit barockem Schnitzwerk an, das 1729 der Braunauer Schreiner Georg Leonhard Enzensberger fertigte.  An der Emporenbrüstung schildern drei Gemälde, wie St. Alban Gebrechliche heilt, den Gläubigen predigt und vor Gericht gestellt wird.  Die schöngeschnitzten Rokoko-Stuhlwangen sind ein Werk von Joseph Mauch aus Tann, 1787. Ein lebensgroßes Kruzifix (1626?) hängt an der Südwand, darunter eine Mater Dolorosa (Ende 18.  Jh.) 1981 baute Michael Weise aus Plattling die Orgel mit 12 Registern und einem passenden Gehäuse.  Von den Kirchenglocken trägt die älteste die Jahreszahl 1469. 

Bedeutung 

Als Hauptwerk des spätgotischen "Meisters von Taubenbach" präsentiert sich das für den kleinen Pfarrort unverhältnismäßig große Gotteshaus seit über einem halben Jahrtausend als einer der schönsten Sakralbauten im Bistum Passau. Einzigartig ist das noch komplette spätgotische Bauensemble von Pfarrkirche, Albanikapelle, Pfarrhof, Friedhof und Brunnenheiligtum.  Unter den bedeutenden altbairischen St.-Alban-Heiligtümern, wie Hörgertshausen bei Freising, Rockenhausen und dem oberösterreichischen Lamprechtshausen, nimmt Taubenbach den ersten Rang ein.  Der Spätrenaissance-Hochaltar als letztes gemeinsames Werk der Brüder Michael und Martin Zürn gilt neben den drei Zürnaltären in St. Georgen an der Mattig (bei Braunau) als ihr vollendetstes Meisterstück; dies umso mehr, als die Zürnaltäre von Wasserburg/St.  Jakob und Braunau/St.  Stephan nur noch in Bruchstücken verblieben sind.  Wenn es auch um die einst weitberühmte Wallfahrt heute still geworden ist, kommen doch viele Besucher ins romantische Taubenbachtal mit dem großartigen Alpenrundblick an klaren Tagen.  "Wanderer, ruhe hier und ... vertrau auf Gott . .." ist auf einem Votivbild zu lesen - für die besinnliche Stunde einer persönlichen Gottesbegegnung möchte diese Wallfahrtskirche der festliche Raum sein.

Der Pfarrhof  

von Taubenbach aus spätgotischer Zeit ist heute der älteste der Diözese Passau.  Außen mit dem steilen Dach unverändert erhalten, wurde er in seinen Innenräumen den heutigen Bedürfnissen angepasst.  Original sind noch die schwere Holzbalkendecke in der großen Wohnstube und die Geschosseinteilung.