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Wallfahrt


Die Wallfahrt zum Heiligen Stankt Alban

Möglicherweise knüpften die Ursprünge der Albani Wallfahrt schon an ein vorchristliches Quellheiligtum an; schriftliche Aufzeichnungen sind erst ab 1570 erhalten.  In einer Kirchenrechnung von 1603 ist von einem Handwerker zu lesen, der alljährlich den "Weg in der Höll, so durch die Kirchfahrter mehrern Teil besucht wird", auszubessern hatte.  Von der einst blühenden Wallfahrt und dem angesammelten Vermögen zeugen noch die alten Rechnungen, die fast lückenlos ab 1591 erhalten sind.  Von der großen Anzahl der tönernen faustgroßen Kopfurnen sind nur wenige erhalten. Diese "Albanischädel" oder "Kopfdreier" genannten, mehr oder minder ausdrucksvoll als menschliche Köpfe modellierten Gefäße wurden mit Getreide gefüllt und geopfert, meist zum Erntedankfest oder bei erhofftem Kindersegen.  Im Dreißigjährigen Krieg wurde zur Aufbewahrung der vielen Opfergefäße "zu allerlei Notdurft bei der Kirche auch eine Hütte" errichtet; "zu den all dahin gebrachten Fueß und Köpf sein 9 Läden, 1 per 6 Kreuzer, erkauft worden, tut 54 Kreuzer". 

Die Wallfahrtskapelle Stankt Albanus

Ein überdachter Gang führt von der Pfarrkirche hinüber in die nördlich sich anschließende Wallfahrtskapelle St. Albanus, wohl Ende des 15.  Jh. erbaut (Jahreszahl in Rötel; 1542).  Den Verbindungsgang baute 1691 der Braunauer Maurermeister Adam Wiser.  Der geschmackvolle spätgotische Kapellenraum besitzt einen nicht eingezogenen einjochigen Chor mit Schluss in drei Achteckseiten und ein zweijochiges Langhaus, beide mit gekehrten Rippen und gleicher Figuration wie in der Pfarrkirche. Reste der spätgotischen Ausmalung stammen aus der Zeit um 1500.  Grazile Engelsgestalten mit blondem Haar, bunten Flügeln und weißknittrigen Gewändern musizieren auf Laute und Davidsharfe. Die Fresken darunter zeigen Szenen aus dem Leben des hl.  Alban; deutlich im Vordergrund das Fass mit dem Albaniwasser.  Ein weiteres, etwas derbes Wandbild hat einen interessanten Aspekt: Mit einem "Werbeprospekt" sollte zur Barockzeit der Bevölkerung eine Umgestaltung der "altmodisch-düsteren" gotischen Kirche schmackhaft gemacht werden.  Zum Glück aber unterblieb diese Barockisierung aus Kostengründen.  Den Altarbaute 1626 im Spätrenaissancestil Hans Georg Weißenburger aus Landshut, die Farbfassung besorgte Wolf Rechel von Burghausen (300 Gulden).  Anstelle eines Gemäldes zeigt die Reliefschnitzerei die Enthauptung des hl. Alban in drastischer Weise, darüber die Muttergottes mit musizierenden Engeln. 

Der Heilbrunnen

Brunnenheiligtümer zählen zu den ältesten religiösen Wallfahrtszielen.  Das fast in Vergessenheit geratene Taubenbacher Quellbecken mit dem heilbringenden Wasser ist 1989 wieder sorgsam erneuert worden. Im Mittelalter gab es sogar zwei Brunnen am Berghang. 1604 werden sie erstmals schriftlich erwähnt. 1647 wird "ainem Schmidt von Machung eines Trinkh Khessels und Kheten zum Prunen, darauß die Kirchfarter drinkhen mögen, bezalt 1 fl"; es war dies der Schmied von Rheinthal, der auch "ein Band an das Brunntürl" und ein "Glied an das Brunnpfandl" fertigte.  Wiederholt mußten die Brunnhütten ausgebessert werden (so wurden 1607 "die zwei gemauerten baufälligen Heiligbrunnen wiederum erhebt" und 1641 die Mauern erneuert, "welche Winterzeit durch das Ungewitter zerrissen" worden waren). 

Das Taubenbacher Mirakelbüchlein  

Ein unscheinbares, kleines Büchlein wird im Passauer Diözesanarchiv verwahrt. Mühsam ist der Rest des Titels zu entziffern: "Taubenbachisches ... aufgezeichnet ... Hueber ... Benefiziat ... anno 1766", und im Innern ist zu lesen: "Albanischer Heyl- und Gnadenbrunnen zu Taubenbach.  Das ist: ein außführlich und umständige Beschreibung aller meiner Zeit angesagten denkh- und merkhwürdigisten Gnaden und Wohlthatten, welche der allgietige Gott durch Vorbitt seines Hl.  Priesters und Martyrers Albani allda auf iedermänniglich mildreichst hat khomen und ausfließen lassen.  Getreylich und wahrhafftiglich zusam getragen durch A. R, D. J. H. C. L. anno 1766 et sequentes. 0. A. M. D. D. et SS.  H. et G. S." Die Abkürzugen bedeuten: "Admodum reverendus dominus Johann Hueber Benefiziatus cuius loci" und "Omnia ad majorem dei domini et Sanctorum honorem et gloriam sint".  Aus der Feder des "sehr verehrungswürdigen Benefiziaten Hueber" stammen die Eintragungen 1-109 der wunderbaren Gebetserhörungen, denn "alles möge zur höheren Ehre Gottes und aller Heiligen" sein.  Die "Zueschrift" auf den hl.  Alban und seine zwei "Stätts und immer flißenden Wunderbrunnnen" hebt an mit der Beschwörung aller alttestamentlichen Propheten und dem "Lobpreis auf den Albanischen Schwemteich zu Taubenbach" und schildert dann 250 wundersame Heilungen.  Der Einzugsbereich der Wallfahrer umfaßte das Rottal und reichte bis Passau und Biburg.  Nach der Abtrennung des bairischen Innviertels an Österreich versiegte von dort der Pilgerstrom.  Auch die berufliche Tätigkeit der Heilungsuchenden ist aufgezeichnet.  Alle erdenklichen Krankheiten sind geschildert, meist Augenerkrankungen und Kopfleiden, aber auch Kinderkrankheiten und Geschwüre, dazu Vergiftungen sowie Unfälle und selbst die malade Kälberkuh des Benefiziaten wurde hier wieder gesund.  Dr. med. Josef Haushofer aus Eggenfelden hat alle Gebetserhörungen medizinisch analysiert. 

Votivgaben

Einige von den ursprünglich zahllosen Votivbildern sind erhalten geblieben.  Das Kornopfer wurde im 19.  Jh. immer seltener.  Meist gaben die Wallfahrer ein "Opfer in Stock", also Bargeld oder Naturalien. Das Mirakelbüchlein erwähnt silberne Augen, hölzerne Arme und einmal Wachs, das "dreimal um den Kopf geht" ' Namhafte Spenden wurden tatsächlich "an die große Glocke gehängt", denn sie schrieb der Mesner mit Kreide an die Turmglocke.