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Lage und Geschichte Reut


 

Lage und Geschichte

Die einstige Filiale der ausgedehnten Urpfarrei Stammharn am Inn wurde 1812 zur Pfarrei erhoben und damit wurde das dem Hl. Stephanus geweihte Gotteshaus als Mittelpunkt des Seelsorgebereichs zur Pfarrkirche erhoben, obwohl Nopplings ältere Rechte noch bis zum heutigen Tag sorgsam da­durch im Bewusstsein der Pfarrbevölkerung augenfällig gewahrt werden, dass an den hohen Feiertagen der Hauptgottesdienst dort in der Kirche St. Johannes der Täufer vom Ortspfarrer festlich zelebriert wird.

Auf den vorspringenden Hügelrand des kleinen Talgrundes, der von der nördlichen Wasserscheide zwischen Rott- und Inntal sich südwärts am Wäldchen mit dem idyllisch gelegenen Pfarrhof vorbei ins Hügelgelände einsenkt, wurde das Gotteshaus an markanter Stelle hinaufgebaut, sicher an der Stelle einer nicht mehr vorhandenen älteren Kirche. Es ist wie so viele Kirchen dieser baufreudigen Zeit, da unser niederbayerisches Land unter der Regierung der Reichen Landshuter Herzöge sein Goldenes Zeitalter der ausklingenden Spätgotik erleben durfte, ein Bau des ausgehenden 15. Jahr­hunderts und gleich einer ganzen Reihe benachbarter Gotteshäuser wurde er 1895 nach Westen verlängert; im selben Jahr wurde auch die Sakristei an der Südseite angebaut. Durch die 1969/70 errichtete Friedhofsmauer, deren heller Beton im Kontrast zum Grün der Landschaft sich abhebt, kommt der Sakralbau noch imposanter zur Geltung. An der Ostseite des Gottesackers, wo der Hügel von Buchenwald bewachsen ist, wurde ebenfalls von der Bau­firma Leitner das neue Leichenhaus erbaut.

 

Kirchenpatron St. Stephanus

Gleich der Kathedralkirche der Bischofsstadt Passau und 27 weiteren Kir­chen der Diözese ist auch Reut dem Erzmartyrer Stephanus geweiht, der aus dem Kreis der hellenistisch gebildeten Diasporajuden stammend, hochge­bildet, der bedeutendste unter den sieben Diakonen Jerusalems war; ein ge­waltiger Redner und furchtloser Kämpfer für Christus. Wie die Apostelge­schichte ausführlich in den Kapiteln 6,3 - 8,3 berichtet, wurde er vor dem Stephanus-(Marien-)Tor von Jerusalem nach einem hastigen Schauprozess zu Tode gesteinigt. Für Saul Paulus, der diese Hinrichtung überwachte, wurde dieses Erlebnis zum Anfang seiner Bekehrung zu Christus, die dann vor den Toren von Damaskus die Besiegelung erfuhr. Das Martyrerfest am 26. Dezember wurde um 380 eingeführt, um den Glanz des Weihnachtsfe­stes zu erhöhen. Denn damals wurden im Anschluss an das Geburtsfest Jesu noch Petrus, Johannes, Paulus und Basilius als "Krippenheilige" gefeiert, wie der 394 verstorbene Hl. Gregor von Nyssa berichtete. Später kamen noch David, Josef und die Drei Magier dazu. Nur dieses letzte Fest wird an Epiphanie am 6. Januar bei uns noch festlich begangen.

Am 5. Dezember 415 wurden die Gebeine des Hl. Stephanus in Kaphar Gamala, dem jetzigen Bet-ed-Dschemal bei Artuf, dreißig Kilometer west­lich vonJerusalem, aufgefunden. Heute werden seine Reliquien in der römi­schen Basiika San Lorenzo fuori le mura verehrt. Das berühmteste Stepha­nusheiligtum ist der Dom in der mittelitalienischen Stadt Ancona an der Adria und San Stephano Rotondo in Rom. Viele frühe Kirchen in Frank­reich tragen den Namen St. Etienne. Vom Passauer St.Stephansdom haben auch die Domkirchen in Wien, Gran, Esztergom und Budapest den Namen bekommen.