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Filialkirche St. Johannes, Noppling

 

Lage und Geschichte

Als echter "ing-Ort" mit seinem Johannespatrozinium und dem alten Taufrecht erweist sich der Filialbereich von Noppung als der ältere Bezirk der Pfarrei Reut und die erste Kirche war auf jeden Fall eine Eigenkirche des Geschlechts der Nopplinger, die auf den heute dem Meier von Noppung rings um die Kirche gehörigen Grundstücken ihren Gutshof mit ihrem eigenen Gotteshaus besaßen.  Seit 1138 ist dieses Geschlecht urkundlich bezeugt.  Vom Vorgängerbau der heutigen spätgotischen Kirche stammt noch der Unterbau des Kirchturmes aus der Zeit vor 1300.  Das Taufrecht lässt den Schluss zu, dass die Nopplinger früher einen eigenen Geistlichen am Ort hatten.

Kirchenpatron Johannes der Täufer

37 Kirchen im Bistum Passau tragen das Patrozinium von Johannes dem Täufer und in der Regel weist dieses Patronat auf ein hohes Alter des Gotteshauses hin.  Als Sohn des jüdischen Priesters Zacharias und seiner Gattin Elisabeth wurde er sechs Monate vor Jesus in Ain Karim nahe Jerusalem geboren, einer Gebirgsstadt in Juda. Nach einem strengen Leben in der Wüste trat der Dreißigjährige im Jahre 28/29 als Buß- und Gerichtsprediger, Täufer und Wegbereiter des Messias im Jordangebiet auf.  Jesus nennt ihn "den Größten unter allen von einer Frau Geborenen".  Der ehebrecherische König Herodes ließ ihn einkerkern und enthaupten, als dessen unrechtmäßige Gattin Herodias durch ihre Tochter Salome das Haupt des Johannes forderte, damit sie in ihrem sittenlosen Leben nicht mehr durch die machtvolle Predigt des Täufers gestört würde. Sechs Monate vor Weihnachten wird das Fest seiner Geburt am 24.  Juni gefeiert, zeitlich mit dem Brauchtum der Sommersonnenwende zusammenfallend, auch als "Lostag".  Das Fest seiner Enthauptung wird am 29.  August gefeiert, im Orient seit dem 4. Jahrhundert, in Afrika, Gallien, Spanien und Rom seit dem 5. Jahrhundert. Im Jahre 362 wurde sein Grab bei einem jüdischen Aufstand in Samaria geschändet und seine Gebeine verbrannt.

 

Die Kirche

 

Außenbau 

Es ist ein Backsteinbau aus der Zeit der Spätgotik des ausklingenden 15.  Jahrhunderts mit einem durchgehenden Nagelfluhsockel, den ringsum der uralte Friedhof umgibt.  Wenn wir das Datum der leider nicht mehr vorhandenen Glocke "1301" auch für die Erbauungszeit des Unterbaus des Kirchturmes mit seinen romanisch-gotischen Übergangsformen heranziehen, dann entspricht dies wohl dem Stil der Zeit um 1300.  Der Chor weist nach Osten, weißgekalkt heben sich die spitzbogigen Fensternischen vom ziegelrot ab.  Unter Pfarrer Hinterheller wurde das Gotteshaus ab 1895 ähnlich der Reuter Pfarrkirche vergrößert; in diesem Jahr begann der Neubau der Sakristei an der Südseite anstelle des feuchten Raumes im Turmuntergeschoss, 1908 wurde das Langhaus um das westliche, rückwärtige Joch auf insgesamt fünf verlängert, so dass die Fassade mit ihren auflockernden abgesetzten Feldern und dem Hauptportal nun bis unmittelbar an den Fahrbahnrand der Straße heranreicht.  Ja, bei der Verbreiterung dieser Straße musste die Vorhalle des Westeingangs abgetragen werden und nur noch geringe Spuren am Mauerwerk erinnern heute noch daran.  Das große vergoldete Missionskreuz, das ursprünglich in der Kirche aufgestellt war, hat jetzt seinen Platz neben dem Eingang zur Sakristei.

Strebepfeiler am Außenbau garantieren die Stabilität, am Chor sind sie zweimal abgesetzt mit Kaffgesims, am Langhaus nur einmal.  Der Turm hat einen quadratischen Unterbau, das zweite Geschoss ist mit einem spatromanischen Kreuzungsbogenfries zwischen den Ecklisenen geziert.  Die originalen rundbogigen Schallöffnungen sind noch erhalten.  Aus der Spätgotik stammt der achtseitige Oberbau mit zweimal abgesetzten Eckstreben.  In der Barockzeit wurde dem Sattelturm eine schöne geschwungene Zwiebelhaube, ähnlich in Edermanning, aufgesetzt.  Die Stilpurifizierung des 19.  Jahrhunderts aber hat diese wieder abgetragen und 1874 durch einen neugotischen Spitzhelm ersetzt mit vier Giebeln.  Das Mauerwerk ist mit Ausnahme des Turmes unverputzt; die Ziegelgröße im alten Teil des Turmes hat das Format 28-39,5 x 15 x 7cm.

Innenraum

Der einschiffige, hellgetünchte Innenraum besitzt einen eingezogenen Chor mit zwei Jochen und den Schluss in drei Achteckseiten und das Langhaus fünf Joche.  Reiches Netzrippenwerk mit einfach gekehrten Rippen ziert einheitlich das ganze Gewölbe. Wie in Reut dürfte auch hier der "Taubenbacher Meister" gearbeitet haben.  Aus den Rippenkreuzungen wachsen bunte Ranken, die Schlusssteine tragen die Wappen von Salzburger Erzbischöfen oder Motive mit Sternen, Spiralen und Kleeblatt in schwarz, ocker, weiß, rot und grün.  Die Wappen können auch auf das Geschlecht der ortsansässigen Edlen hinweisen, von denen erstmals ein Dietrich von Nopelingen eine Dotationsurkunde des Gottfried von Wirtingen an das Kloster Aldersbach unterzeichnet hat.  Zeugenschaft bei einer Schenkung des Markgrafen Berthold 111, von Istrien an das Kloster Vornbach leistete im Jahre 1165 Ortolfus Noppel. 1305 starb Heinrich von Nopping, dessen Grabmonument noch im Kloster Raitenhaslach bei Burghausen erhalten ist.

Profilierte Wandkonsolen mit konkav eingezogenen Polygonseiten nehmen im Westteil des Chores die Rippen auf, in den Ecken des Chores wachsen diese unmittelbar aus den Runddiensten mit Polygonen Sockeln.  Zwei kleine runde Schlusssteine sitzen am Scheitel des Chorgewölbes.  Der Chorbogen selber ist spitz, ün unteren Teil an beiden Seiten gefasst und im Bogen mit Rundstab zwischen den Kehlen profiliert.

Das Langhaus hat die Wandpfeiler mit dem gleichen Stabprofil und ebenfalls spitze Schildbogen.  Die Kapitelle der Runddienstvorlagen an den Wandpfeilern entsprechen denen des Chores.  Das Langhausgewölbe hat schon fast die Rundung einer Tonne mit größeren Schlusssteinen im Scheitel und kleineren an den übrigen Rippenkreuzungen.

Die Spitzbogenfenster sind zweigeteilt mit altem Maßwerk in Dreipaß und Fischblasenfonnen.  Spitzbogig ist auch der Zugang vom Chor in den Turm, die Türe dazu ist mit der Inütation eines schmiedeeisernen Beschlages bemalt.

Jahreszahlen am 'Chorbogen erinnern an die Innenrenovierungen 1880, 1909,1969, zuletzt durch die Firma Feßler in Rottalmünster.

Der neue Kreuzweg ist ein Werk des Künstlers Toni Preis aus dem Jahr 1994.  Aus dem selben Jahr stammt auch der Wandteppich hinter dem Volksaltar mit dem Bildnis des Pantokrators.  Er wurde geschaffen von Centa Adler und finanziert von Spendern des Pfarrsprengels Noppling.

 

Einrichtung

„Einrichtung modern gotisch" lautet der einzige Satz in den Kunstdenkmälerbänden.  Davon ist bei der letzten Renovierung nichts mehr übrig geblieben, der Altar ist ein kleiner Block im Chorraum, aus Ziegeln aufgemauert, die weiß getüncht wurden, darauf eine quadratische Platte.  Der Tabernakel  hat seinen Platz in der südlichen Nische neben der Sakristei.  In der nördlichen Chornische steht der Taufstein mit Tuffsockel und gelbrot geflecktem Marmoroberteil,' darauf der Deckel mit einer blauen Kugel anstelle der Johannesfigur.

Zwei verschiedene Arten von Apostelleuchtern sind an die Wände gemalt in schwarz, ocker, weiß, rot und grün.  An einigen Stellen sind nicht mehr entzifferbare Rötelinschriften zutage getreten.

Den Chor beherrscht die große Kreuzgruppe, an starken geschmiedeten Eisenketten von der Decke hängend.  Ausdrucksvoll ist die gotische Figur des am Kreuze verblutenden Heilands mit Lilienstrahlen.  Auf dem gezimmerten Querbalken stehen die beiden Johannes: der Täufer Johannes mit dem Stab, dem Buch und dem Lamm Gottes und der Apostel und Lieblingsjünger mit dem Kelch, aus dem die schwarze Schlange kriecht.  Fast lebensgroß sind diese beiden Statuen aus der Spätgotik um 1500, die ehedem an der Nord- und Südwand des Chores hingen, die Köpfe sind überarbeitet.

Wohl das bedeutsamste Kunstwerk dieser Kirche ist, ein in die Nordwand des Chores eingelassenes Tonrelief mit 75 cm Höhe und 56 cm Breite aus der Spätzeit des 15. Jahrhunderts.  Es trägt noch die Kolorierung der alten Farbfassung und stellt Jesus in seiner Todesangst auf dem Ölberg dar.  Bildbeherrschend ist im unteren Teil die Gruppe der drei schlafenden Jünger,' darüber der kniende Heiland mit gefalteten Händen.  Ein geflochtener Zaun trennt den Garten Gethsemane vom Hintergrund mit einer nächtlichen, burgenbekrönten Hügellandschaft, aus der eben die Schar der Häscher, von Judas Ischariot, zwischen Zaun und Fels sich durchzwängt, auf dem ein Engel mit dem Kreuz erscheint.

Der FR.  Florian hat seit der Kirchenrenovierung als Dauerleibgabe vom Maier am Hof" seinen Platz an der linken Stirnwand des Chorbogens, originell barock als schnauzbärtiger Soldat mit der Fahne dargestellt.

Die Gottesmutter Maria ist eine ansprechende, barock nachempfundene Schnitzarbeit von Melchior Dengl aus Malching, sie trägt das segnende Kind auf dem Arm und als Insignien die Krone und das Szepter.

St. Georg wacht lebensgroß als mächtiger Ritter mit Helm und Rüstung und Schild mit goldenen Knöpfen in goldenen Mantel gehüllt und die Fahne fest 'in der Faust rückwärts auf seinem Sockel stehend über alle,' die das Gotteshaus betreten.

Zwei profilierte Säulen tragen die Empore, die sich über die beiden letzten westlichen Joche spannt.

Neues Solnhofer Pflaster deckt den Boden, auf dem die modernen Bänke für die Gläubigen stehen.  Eine Gedenktafel an der Südwand erinnert an die Gefallenen der beiden Weltkriege.

Leider ist die älteste Glocke des Landkreises vor Jahren auf ungeklärte Weise verschwunden und nie wieder aufgetaucht, sie trug die Umschrift zwischen zwei Reifen in frühgotischen Majuskeln:"A.D.M.CCC.1.J.ADONAY TETRAGRAMATON" (= Jahwe).  Die heutigen Glocken sind drei Stahlglocken mit 1000, 600 und 400kg, im Jahre 1921 gegossen.  Die Bestuhlung und der Beichtstuhl wurden 1970 gefertigt, die elektrische Kniebeheizung 1976 eingerichtet.