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Die Kirche


 

Außenbau

Etwa 33 Meter hoch ragt der spitzbehelmte Kirchturm mit seinen sechs Stockwerken an der Südseite der Kirche in den Himmel, wie das Gottes­haus selbst ein unverputzter Backsteinbau in warmem Ziegelrot und weißgetünchten Fensterumrahmungen mit den verwaschenen Spuren einer ein­stigen Sonnenuhr an der Südseite des zweiten Geschosses. In der anschlie­ßenden Nische zwischen Sakristei und Chorapsis wurde Pfarrer Rupert Eglseder zur letzten Ruhe gebettet. Eine alte Marmorplatte mit erkennbaren Wappen, aber nicht mehr lesbarer Schrift trägt nun seinen Namen, dazu das schöne Schmiedeeisenkreuz von Peter Lechner aus dem österreichischen Ach bei Burghausen über dem Tuffsteinsockel.

Ähnlich dem Turm, der sich mit seinen sechs quadratischen Geschossen Stockwerkweise fast unmerklich verjüngend bis zum Spitzhelm empor schiebt, die Geschosse durch Gurtgesimse aus Schräge und Kehle getrennt, die rundbogigen Schallöffnungen gekuppelt und ehemals mit runder Mit­telsäule aus Tuffstein, ist auch die ganze Kirche gebaut. Außen besitzt das Gotteshaus zweimal abgesetzte Strebepfeiler, der Chor außerdem ein Kaff­gesims aus Schräge und Kehle in unverputztem Backsteinbau. Es ist eine einschiffige Anlage mit etwas eingezogenem Chor mit zwei Jochen und ei­nem Schluss in drei Achteckseiten. Das Langhaus erstreckt sich über fünf Joche, das westliche wurde 1895 neu hinzugefügt. An der Südseite das Langhauses befindet sich die Vorhalle zum Eingang mit der eisenplattenbe­schlagenen schweren Portaltüre. Die im vorigen Jahrhundert angefügte Lourdeskapelle wurde wieder abgetragen, an dieser Stelle hat man dafür das würdige Kriegerdenkmal errichtet.

Die Grabanlagen sammeln sich vor allem im sonnigen Südteil des hoch­gelegenen Friedhofes, an der Nordseite der Kirchenmauer sind noch einige interessante alte Grabtafeln. Ein beschädigter Rotmarmorstein mit spätgo­tischer Inschrift des 1524 Verstorbenen ist nicht mehr lesbar, eine Platte erinnert an den 1761 verstorbenen Pfarrvikar Josef Bartholomäus Wein­gärtner, über der Inschrift Buch und Kelch in grauem Marmor und eine Rotmarmortafel an den 1779 heimgegangenen Pfarrvikar Johann Michael Reither mit einem Chronostichon.

Innenraum

Der von Helmut Stöhr aus Marktl renovierte Innenraum lässt nichts mehr ahnen von der katastrophalen Wirkung einer gewaltigen Netzüberspan­nung, die durch einen Blitzeinschlag in die elektrischen Leitungen in der Nähe der Kirche am Montagmorgen, dem 22. Januar 1984, verursacht wur­de und nach dem wissenschaftlichen Gutachten von Dr. Paulig eine Stärke von etwa 300000 Volt erreicht haben kann.

Schöner als nach der Renovierung 1969/70, als falsch verstandener "litur­gischer Eifer" das Gotteshaus "entrümpelte" und viele Kunstschätze, dar­unter die beiden Seitenaltäre auf den Dachboden wandern ließ, präsentiert sich heute dieser Kirchenraum. Maßgeblich dazu hat der Kunstsachver­stand von Pfarrer Würzinger und sein entschiedenes Eintreten für die Wie­dererrichtung der Seitenaltäre beigetragen. Dankbar haben dies Altbischof Dr. Hofmann und Bischof Dr. Eder anerkannt. Bei dieser Aktion fand Pfr. A. Würzinger eine gute Unterstützung von Herrn Kirchenpfleger Michael Bachl.

Es ist eine einschiffige, gewölbte Anlage. Der Chor ist wie meist bei Kir­chen dieser Zeit etwas eingezogen, mit zwei Jochen und einem Schluss in der Achteckseiten. Das Langhaus erstreckt sich über fünf Joche, von denen das letzte 1895 angebaut wurde mit einem Aufgang zur Orgelempore. Un­terschiedlich figuriert sind die Netzrippengewölbe in Chor und Langhaus mit einfach gekehlten Rippen, die auf Runddiensten mit konkavseitigen Polygonkapitellen aufruhen.

Im Langhaus sind diese Dienste den schwach ausgeprägten Wandpfeilern vorgelagert, die an den Kanten mit Rundstäben zwischen den Kehlen pro­filiert sind, darüber erheben sich die spitzen Schildbogen mit dem gleichen Profil. Reiche Rankenbemalung wächst aus den Schnittpunkten der rötli­chen Rippenkreuzungen, dunkelrote Zwickel und die Ranken in grün-rot. An allen diesen Rippenkreuzungen im Langhaus und am Scheitel des Chor­gewölbes sitzen kleine runde Schlusssteine, die mit Sternen, Kleeblatt oder Würfeln bemalt sind. Die Ziegelpfeiler tragen weiß abgesetzte Fugen, am Chorbogen sind es versetzte weiß-rote Trennlinien. Abgeschrägte Kanten säumen den spitzen Chorbogen.

In den Spitzbogenfenstern befindet sich Maßwerk aus Drei- und Vier­ Pässen. Ebenfalls spitzbogig wurde der Zugang vom Chor zum Turm ge­mauert und auch das Südportal am dritten Langhausjoch, am Gewände mit Birnstab zwischen den Kehlen.

Altäre

Der festliche Gesamteindruck des Gotteshauses wird vor allem geprägt durch die jetzt glücklicherweise wieder vollständig vereinte Dreiheit des Altarensembles aus der Zeit vom späten Rokoko zum beginnenden kühleren Klassizismus aus den Jahren 1780 - 1790.  Die Kirchenrechnungen im Staatsarchiv Landshut (Rep.  CIL, V.2, F.24) haben festgehalten, dass irn Jahre 1787 die neuen Seitenaltäre von Karl Johann Gasteiger, Maler in Tann und Mühldorf, für 20C Gulden gefasst wurden.  In diesen Urkunden sind auch andere wertvolle Einrichtungsnotizen erhalten: 163C und 1631 ist als Faßmaler Georg Pinder von Marktl tätig. (Kirchenrechn. ün A.L., Rep. CIL, V.2, Fasz.4). 1636 malt Hans Vischer, Maler zu Braunau, ein Bild für eine neue Fahne. 1639 wird Christoph Senfft, Goldschmied zu Braunau, genannt. 1641 fertigt der Braunauer Goldschmied Caspar Hanaman ein neues Ziborium u.a. 1643 ist der Maler Hans Vischer mit Fassen tätig. (A.a.O., Fasz.5). 1655 malt Albrecht Wörl, Maler zu Braunau, eine neue Fahne.  Hans Vischer fasst. (Fasz.6). 1666 macht der Goldschmied Caspar Hanaman einen neuen Kelch u.a. (Fasz. 8). 1674 ist Caspar Hanaman ebenfalls tätig.  Martin Moltl, Bildhauer zu Mauerkirchen, schnitzt ein großes Kruzifix um 19 fl. 1675 faßt der Maler Wolf Gunzinger von Mattigkofen das Kruzifix um 9 fl. 16 kr. 1678 ist der Maler Comelius Betitsch von Tann mit Fassen tätig (Fasz.9). 1711 malt Andreas Lamppersperger, Maler in Tann, ein hl.  Grab (Fasz. 13).

 

Hochaltar

Den ganzen Chorraum füllt der rokoko- klassizistische Viersäulenaufbau mit zweisäuligem Aufsatz des Hochaltars mit Muschelwerkrokoko und klassizistischen Vasen; die Korinthisierenden Kapitelle der Säulen in festli­chem Gold, die glatten Säulen marmoriert gefasst. Das Altargemälde mit der Steinigung des Hl. Stephanus, 1844 von 1. Wolfanger gemalt, war schon bei der 1. Renovierung 1970 aus dem Altar entfernt und in der Turmhalle aufge­hängt worden. Dort ist es durch den vom Blitz ausgelösten Brand 1984 rest­los zerstört worden. Anstelle eines Altarbildes füllt die große und aus­drucksstarke Statue des Kirchenpatrons St. Stephanus im goldenen Strah­lenkranz von zwei Engeln und Puttenköpfchen begleitet auf dem Sockel ste­hend die Mittelnische aus. Über den beiden seitlichen Durchgängen stehen die barocken Figuren der Apostelfürsten Petrus und Paulus in pietätvoller farbiger Fassung in den freien Gängen. Zwei große Engel haben sich auf dem Gesims der goldenen Empiresäulen niedergelassen. Im Auszug oben er­scheint segnend Gottvater im ovalen Rahmen und von ganz oben blickt gol­den das Auge Gottes hernieder. Der reiche Schmuck durch die vielen kost­baren Silbervasen, Aufsätze, Reliquiare, Leuchter, Engel, Kanontafeln mit funkelnden Edelsteinen, alles in blinkendem Silber, verleiht dem Altar den festlichen Glanz; dazwischen mit hoch nach oben gereckten Armen der ge­kreuzigte Christus am silbernen Tabernakelkreuz. Stilgerecht passt der harmonisch dazugestaltete neue Mittelaltar dazu mit seinen Silberleuchtern.

 

Seitenaltäre

Für 40000.- DM wieder gediegen restauriert, durften die beiden entfernten Seitenaltäre wieder an ihre angestammten Plätze zurückkehren und lehnen leicht schräg am Chorbogen.

Im linken Seitenaltar erblicken wir die Hl. Apollonia mit der Zange als Attribut - sie ist die Schutzpatronin der Zahnärzte - den Blick kühn nach oben gerichtet, gekleidet in ein grünes Gewand mit dunklem Mieder und ro­tem Mantel. Im Auszug darüber erscheint der Soldatenheilige St. Georg, da­zu die goldenen Vasen mit farbigen Blumen.

Der rechte Seitenaltar zeigt uns die Gottesmutter Maria mit dem Jesus­kind auf dem Arm und silberner Kugel, im Auszug der Hl. Josef. Während die Oberteile der ausgelagerten Altäre noch restauriert werden konnten, be­durften die vermorschten unteren Teile der Altarmensen einer Neuschöp­fung und wurden passend dazu marmoriert. Jeder Seitenaltar enthält einen kleinen Tabernakel mit je einem Paar silberner Engel.

Kanzel 

 

Gleichzeitig mit den Altären entstand damals auch die Kanzel an der Nordwand. Der runde Korpus ist mit Muschelwerkschnitzerei geziert und goldenen Rocaillen. Den Schalldeckel schmückt das Lamm Gottes auf dem Buch mit den sieben Siegeln und Putten im Strahlenkranz.

Kreuz

Noch von der früheren Kirchenausstattung stammt das ausdrucksvolle große Wandkreuz an der Nordseite, dem Südeingang gegenüber, das der be­rühmte Bildhauer aus dem innviertlerischen Mauerkirchen, Martin Moltl, geschnitzt und 1675 der Maler Wolf Gunzinger aus Mauerkirchen farbig gefasst hat.

Werke Buchleitners

Vom bekannten Tan­ner Herrgottschnitzer Alfons Buchleitner be­sitzt die Reuter Pfarrkir­che auch einige Kostbar­keiten, so die Heiligen­statuen von Franziskus von Assisi und Theresia vom Kinde Jesu und das rührende Jesuskindl für die Weihnachtskrippe.

Orgel

Die zweimanualige Orgel mit Pedal und 10 Registern auf der mit marmo­rierter Brüstung abgeschlossenen Empore wurde 1971 von der Orgelbaufir­ma Sax aus Mühldorf erstellt.

Kreuzweg

Noch vor wenigen Jahren wurde der Kreuzweg als kitschig abgewertet und aus der Kirche schmählich verbannt. Für 10000 DM sorgsam erneuert, üraschen die 14 großformatigen Kreuzwegstationen im geschnitzten, reichvergoldetem Rahmen, heute doch wieder mit ihren figurenreichen und farbstarken Nazarenerszenen.