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Infobrief für Hochwassergeschädigte


 

Diesen Brief können Sie hier auch downloaden!

 

 

Pfarrverband Triftern/Anzenkirchen/Neukirchen

Pfarrweg 7

84371 Triftern

Tel: 08562/91011

 

Liebe Pfarrangehörige,

liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

in Gesprächen mit den Notfallseelsorgern, vor allem mit dem evangelischen Pfarrer Schlierf, habe ich einige Informationen erhalten, die ich gerne an Sie weitergeben möchte. Dies sind Erfahrungen, die bei anderen Hochwasserkatastrophen, vor allem in Passau gemacht wurden. Ich gebe diese Informationen einfach so weiter, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Es soll auch nicht bedeuten, dass alles eins zu eins für Triftern und Anzenkirchen genauso übernommen wird.

 

Für spätere Anträge auf Entschädigungen sind einige Dinge zu beachten!

Sie sollten zwei Listen mit den entstandenen Schäden anfertigen. Die eine betrifft den Hausrat, die andere die Bauschäden an den Gebäuden. Diese Listen sollen Sie zusammen mit allen Hausbewohnern mehrmals durchgehen und immer wieder ergänzen. Da man das schreckliche Unglück auch irgendwann vergessen will, werden nach einer Weile auch vergessen, die noch vor ein paar Tagen zu ihrem Hausrat gehörten. Sie werden sich wundern wie schnell das geht. Machen Sie diese Liste so schnell wie es geht.

 

Schreiben Sie auf der Hausrats-Liste so genau und detailliert wie möglich, was Sie verloren haben, was kaputt, oder beschädigt wurde und was Sie entsorgt haben. Am besten, wenn Sie dies mit Fotos belegen können.

 

Bei der Bau-Schaden-Liste ist es wichtig, die Hochwasserlinie zu dokumentieren. Am besten durch Fotos und zwar für alle Räume. Bei Anträgen lassen Sie sich dies auch durch Zeugenaussagen (keine Familienangehörigen) schriftlich bestätigen. Dokumentieren Sie den Hochwasserstand in allen Räumen - vielleicht sogar mit Fotos und mit einem Meterstab.

 

Klären Sie Ihre Versicherungsansprüche. Melden Sie Ihren Schaden der Versicherung auch wenn Sie keine Elementarschadenversicherung abgeschlossen haben. Die Versicherungen sind oft bereit aus Kulanz einen Teil des Schadens zu übernehmen. Erfahrungsgemäß zahlt der Staat und die Kirchen kein Geld, solange nicht klar ist, was durch Versicherungen abgedeckt ist.

 

Dokumentieren Sie alle Aktionen, die nach dem Hochwasser notwendig waren: Entsorgungen, Rausreißen von Böden, Entfernen von Wandverkleidungen usw. (am besten mit Flächenangaben.) Wenn es Ihnen möglich ist, schreiben Sie sogar Datum, Zeitraum und die Namen der beteiligten Personen dazu. Wenn möglich machen Sie eine Dokumentation mit vorher - nachher Bildern.

 

Es wird noch bekannt gegeben, wo die Anträge auf Entschädigungen gestellt werden können, dies kann ich Ihnen leider nicht mitteilen.

 

Schalten Sie, wenn Sie können, eigene Bausachverständige ein. In Passau hat man die Erfahrung gemacht, dass die Sachverständigen von der Kommune oder vom Landratsamt oft unter Zeitdruck stehen und die Schäden pauschal und leider machmal zu gering schätzen. 

 

Die erste staatliche Auszahlung ist aus verwaltungstechnischen Gründen meist zu gering. Geben sie nicht nach und stellen Sie Ihren Antrag im zeitlichen Abstand, z.B. nach zwei Monaten erneut. Wiederholen Sie dies, wenn nötig mehrmals.

 

Wenn die staatlichen Leistungsbescheide da sind stellen Sie zusätzlich Anträge bei der Caritas oder Diakonie. Die kirchlichen Hilfsorganisationen sprechen sich ab und werden mit Sicherheit Hilfe leisten, wenn sie wissen wie hoch die staatlichen Hilfeleistungen waren. Begründen Sie besondere Härtefälle (z.B. schwierige familiäre Situation, Behinderungen, finanzielle Engpässe usw.).

 

Als Gewerbetreibender geben Sie an, in welcher Weise ihre Gewerbetätigkeit bedroht oder behindert wird.

 

Und nun einige Informationen, die uns Mut machen sollten:

Bei der Hochwasserkatastrophe in Passau wurden Schäden am Hausrat bis zu 90% übernommen. Bei den Bauschäden waren es 80%. Gewerbebetriebe erhielten bis zu 60% Entschädigung für die entstandenen Betriebskosten. Daneben gab es 40% Kreditbasis ohne Sicherheiten. Dies war der Fall, wenn das Gewerbe weiter geführt wurde. Bei Betriebsaufgabe gab es natürlich weniger Zuschüsse.

 

Zum Schluß noch ein paar praktische Infos:

Bei der Kommune werden Trocknungsgeräte kostenlos zur Verfügung gestellt. Tragen Sie sich gegebenenfalls auf Wartelisten ein. Wenn Sie gewerbliche Firmen mit der Trocknung beauftragen, sprechen Sie vorher die Preise ab. Keine Wucherpreise akzeptieren! Dokumentieren Sie den Stromverbrauch und die Trocknungsstunden. Tragen Sie diese auf Ihre Bauschadens-Liste ein.

 

Neben der Hilfe vom Landratsamt (1.500 €) hat Caritasverband Passau eine Soforthilfe in Höhe von 300,- € pro betroffenen Haushalt gestellt. Falls noch nicht geschehen können Sie diese Hilfe noch weiter im Pfarrbüro abholen. Auch die Pfarrei Triftern, bzw. Anzenkirchen weitere 200,- € zusammen mit der Kommune für die am schwersten Betroffenen als Soforthilfe gestellt.

Das Geld stammt vom Pfarrcaritaskonto der Pfarrei Triftern und Anzenkirchen und den Spenden, die auf das Spendenkonto des Marktes Triftern eingegangen sind. Es wurde oder wird Ihnen persönlich bei Ihnen zu Hause überreicht. Falls wir Sie nicht angetroffen haben, melden Sie sich bitte im Pfarrbüro (Bürozeiten beachten).

 

Liebe Betroffene,

mit diesem Schreiben möchte ich Ihnen einfach weitergeben, was ich inzwischen erfahren habe. Es soll Ihnen allen Mut machen und zeigen: es geht weiter!!!

Ich wünsche Ihnen allen viel Kraft und Gottes Segen!

 

Triftern, 08. Juni 2016

 

 

Ihr Pfarrer Dr. Waldemar Hadulla

 

 

 

Caritas-Hilfe für Hochwasserkatastrophenopfer 

Das Bistum Passau hat gut 5,1 Millionen Euro aus kirchlichen Mitteln denbetroffenen Menschen der Hochwasserkatastrophe 2016 zur Verfügung gestellt. Der größte Teil in Höhe von 2,8 Millionen Euro fließtin den Landkreis Rottal-Inn und wird zusammen mit den übrigen Spenden vom Landratsamt ausbezahlt. 

Ca 490.000 Euro verbleiben beim Caritasverband Passau für Härtefälle und außerordentliche Ausgaben im Rahmen der Fluthilfe. Hier können zusätzliche Hilfen von Familien und Personen in besonderenLebenslagen beantragt werden. Man weiß, dass es immer wieder schwere persönliche Notlagen gibt, die individuell geregelt werden müssen.Es handelt sich um Fälle, die nicht durch staatliche Förderprogramme oder andere Spendentöpfe ausreichend abgedeckt werden können. 

Ob Ihnen durch diese zusätzliche Mittel geholfen werden kann, könnensie mit der Ansprechpartnerin von der Caritas  für die Betroffenen klären.

Ansprechpartner für die Betroffenen ist
Frau
Claudia Jakisch
Caritas-Hochwasserbüro Simbach
Anton-Gober-Str. 9
84359 Simbach
Tel: 01706920876
E-Mail: hochwasserhilfe@caritas-passau.de