Rundbrief


                                                                                                           Juli 2010 

Sehr geehrte Pflegende,
sehr geehrte Pflegedienstleitungen,
liebe Leserinnen und Leser!

Viktor E. Frankl, der Begründer der sinnzentrierten Psychotherapie „Logotherapie“, äußerte einmal, dass man als Gegenstück zur „Freiheitsstatue“ an der Ostküste Amerikas eine „Verantwortlichkeits-Statue“ an der Westküste errichten müsse. Diese Statue wurde zwar nie verwirklicht, aktuell sind diese Begriffe „Freiheit“ und „Verantwortung“ immer noch. Joachim Gauk, einer der  Kandidaten zur Wahl des Bundespräsidenten brachte bei seinen Vorstellungsgesprächen diese Worte immer wieder ins Spiel.

Die Begriffe „Freiheit“ und „Verantwortung“ sind aber nicht nur in der Psychotherapie und Politik anzusiedeln. Sie gelten für alle Lebensbe-reiche, auch für die Pflege. Bei „Freiheit“ ist aber nicht die Freiheit und das Frei-sein von etwas gemeint, sondern die Freiheit und das Frei-sein zu etwas. Zum Begriff „Freiheit“ gehört wesentlich und untrennbar die „Verantwortung“.

Freiheit und Verantwortung sind mehr als Begriffe. Sie sind Werte zwei Leuchttürmen gleich, an denen wir uns orientieren können: 

  • der „Leuchtturm“ Freiheit zeigt mir: ich habe Freiräume und Wahl-möglichkeiten!,
  • der „Leuchtturm“ Verantwortung fragt mich: für wen / was bist du verantwortlich und vor wem bist du verantwortlich?

Auch in der Pflege gelten die Werte „Freiheit“ und „Verantwortung“ und es stellt sich die Frage nach den Freiräumen und Verantwortlichkeiten - professionell wie menschlich. Das Bewusstsein um die Verantwortung die wir haben - für uns selber und für andere, für die Welt und das Leben - in den verschiedensten Lebensbereichen, braucht es mehr denn je in unserer Zeit.

„Verantwortung – Last oder Lust?“ ist das Thema beim XXXIV. Internationalen Kongress für Pflegeberufe in Salzburg, der am Samstag, 23. und Sonntag, 24. Oktober 2010 stattfindet. Ich lade Sie zu diesem Kongress herzlich ein. Ein Flyer dazu liegt diesem Rundbrief der „Seelsorge für Pflegeberufe“ als Einladung bei.

Als Seelsorger für Pflegeberufe der Diözese Passau nehme ich bei Begegnungen mit Pflegenden wahr, wie Sie, die Pflegenden, Verant-wortung übernehmen in Ihrer Arbeit, für die Ihnen anvertrauten Menschen und für das Leben. Deshalb sage ich Ihnen an dieser Stelle auch meine Wertschätzung für das, was Sie leisten. Es ist ein wesentlicher und unverzichtbarer Beitrag in unserem gesellschaftlichen System. Dabei sind die Belastungen in der Pflege durch gestiegene Anforderungen, weniger finanziellen Mitteln und Veränderungen im Gesundheitswesen sind ja nicht weniger geworden.

Verantwortung in der Pflege bedeutet ein Hinschauen und Hinhören, was sind die Herausforderungen. Was braucht es, um den zu pflegenden Menschen kompetent, professionell und menschlich gerecht zu werden und dabei selber nicht auf der Strecke zu bleiben. Ich sehe als eine dieser Herausforderungen eine klare Kommunikation miteinander zu pflegen und professionelle Vernetzung untereinander zu suchen. Diese sind dabei sowohl individuell wie auch strukturell zu sehen. Ich wünsche Ihnen dazu viel Lust und wenig Last.

Es kann allerdings Situationen geben, da darf das Gefühl von Lust oder Last keine Rolle spielen. Dies ist dann der Fall, wenn es darum geht, was ist sinnvoll, notwendig und hilfreich. Es kann auch sein, dass die Frage Verantwortung – Last oder Lust nicht die Alternative ist. Sondern es gilt sich zu entscheiden, ob ich Leben in den mir möglichen Freiräumen in Verantwortung gestalten will, oder ob ich Leben und damit mich von anderen gestalten lasse.

Liebe Leserinnen und Leser,

Sie erhalten diesen Rundbrief vor den Sommerferien, in denen viele von Ihnen Urlaub machen. Sie haben sich diesen durch Ihre Arbeit verdient. Ob Sie nun Urlaub haben oder arbeiten, in der Gestaltung dieser Tage haben Sie Freiräume und sind für diese Verwirklichung zumindest mitverantwortlich. Ich wünsche Ihnen dazu alles Gute, eine schöne Zeit und gute Begegnungen, klare Kommunikationen und gelungene Vernetzungen. Vielleicht kann Ihnen der auf der Rückseite abgedruckte Text von Ute Weiner „Nur für heute“ eine Anregung sein. 

     Nur für heute will ich mich freuen, dass ich Mensch bin,
geboren, um Liebe zu empfangen und zu verschenken.

     Nur für heute will ich mich freuen, dass ein neuer Tag angebrochen
ist, Chance und Auftrag eines Neubeginns bei mir.

     Nur für heute will ich mich freuen, wenn ich Menschen begegne,
denen ich wichtig bin.

     Nur für heute will ich mich freuen, wenn ich beschenkt werde:
durch ein Lächeln oder ein liebes Wort.

     Nur für heute will ich mich freuen, wenn ich ein Zeichen der Liebe
setzen kann: durch mein Verständnis oder mein Dasein.

     Nur für heute will ich mich freuen, dass ich von Gott geliebt bin
und er mich durch diesen Tag trägt.

     Nur für heute will ich mich freuen, denn Freude bereichert einen Tag
und lässt ihn zu einem kostbaren Geschenk für mich werden.

  Ute Weiner, Quelle unbekannt

 

Mit herzlichen Grüßen

Sebastian Friedlsperger
Seelsorger für Pflegeberufe der Diözese Passau