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Familienkatechese im Bistum Passau


Von Pastoralreferent Ludwig Raischl, Burghausen

Familienkatechese im Bistum Passau - ein qualifizierter Weg der Vorbereitung zur Erstkommunion in den Gemeinden

Über 10 Jahre ist es her, dass die Familienkatechese als Handlungsstil in unserer Diözese implantiert wurde. Im Oktober 1997 fanden Pastoraltagungen statt, die von den Referenten Dr. Bendel und Dr. Hänle aus Tübingen begleitet wurden. Das "Biesinger-Modell" wurde vorgestellt. Eine referatsübergreifende diözesane Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus den Referaten Ehe/ Familie und Gemeindepastoral entstand. Biesinger weiterführend entwickelte Pastoralreferent Christian Domes eine eigene Form, den sogenannten Passauer Weg.
 

Der Passauer Weg

1. Struktur

Die Familienkatechese ist ein gemeinsamer Weg der ganzen Familie mit anderen Familien zusammen. Somit wird bewusst oder auch unbewusst der Weg der Glaubensgemeinschaft, die ja in der Eucharistie (Messfeier) erlebt wird, eingelöst.

Es treffen sich drei/vier Familien zu insgesamt vier gemeinsamen Treffen. Die jeweilige Gruppe wählt sich eine/n sog. Gruppenleiter/in, der/die die jeweiligen Gruppentreffen anleitet. Für eine fundierte Ausbildung wird überpfarrlich gesorgt. Die Begleitung vor Ort übernehmen die Verantwortlichen in den Pfarreien.
 

2. Theologische Grundlinien

Familienkatechese ist gekennzeichnet vom Vertrauen in unseren Gott und dem damit verbundenen Vertrauen in die Menschen, die an dem Erstkommunionweg teilnehmen wollen.

Alle Beteiligten werden als Subjekt ernst genommen. Als Getaufte haben sie eine besondere Würde. Dies bedeutet, dass die Familien in ihrer differenzierten Situation ernstgenommen werden. Unabdinglich ist eine freiwillige Teilnahme. In der Regel werden deshalb kaum 100% der Familien einer Pfarrei den familienkatechetischen Weg gehen. In der Familienkatechese geht es um das Leben der Einzelnen und das Erzählen davon im gut biblischen Sinn. Die Vorbereitung wird zu einem spirituell-geistlichen Weg. Jesu Worte und sein Tun sind der rote Faden auf dem Weg zu Erstkommunion. Die Familien fühlen sich in den Geschichten und Symbolen des Glaubens beheimatet und finden neu eine Sprache für Religiöses.

In der Familienkatechese erlebt sich die Familie als lernende Gemeinschaft. Eltern als primäre Erzieher ihrer Kinder werden in die Vorbereitung gleichwertig mit einbezogen. Eltern übernehmen ihre primäre Funktion als Katecheten. Im Zusammenleben der Familie geben sie ein Lebenszeugnis: Durch ihre Partnerschaft als Mann und Frau, in der Eltern-Kind-Beziehung wie in der Familienkultur. Die Kinder motivieren in der Familie und Gruppe durch ihren unverstellten Zugang zu Fragen ihres Lebens und Glaubens und sind bereichernd dabei. Die Familie, Kinder und Eltern, erfahren: Wir sind eine religiöse Gemeinschaft.

Die Pfarrgemeinde wird erlebt als ein Ort, in der Familien gut leben können. Gemeinde- und Familienkatechese ergänzen sich gegenseitig. Durch die in der Familie gelebten menschlichen Grundwerte kann sich dort eine weitergehende Einführung in das christliche Leben entwickeln.

Laut den Grundfunktionen einer christlichen Gemeinde wird die Pfarrei als Ort erlebt,

  • in dem diakonisch für das Leben eingestanden wird: "Selbst-Hilfe-Räume" entstehen, Anregungen und Hilfen zur Förderung von Familienkultur ereignen sich.
  • in dem ein "Begegnungs-Raum" entsteht: die Lebensgeschichte wird zum Raum der Geschichte Gottes mit den Menschen und die Teilnehmenden werden ermutigt, sich den Spuren Gottes im Lebensraum Familie zu öffnen.
  • in dem ein "Lern-Raum" unter pluralistischen Voraussetzungen eröffnet wird: miteinander wird nach Orientierungen gesucht und so Leben und Glauben erschlossen.
  • in dem ein "Feier-Raum" sich formt, wo Glaube Gestalt bekommt, und die Wirklichkeit, die unser Leben trägt, vergewissert und gefeiert wird. Die Gottesdienste spiegeln die Lebendigkeit gemeinsamen Tuns, sie sind gottvoll und erlebnisstark.


3. Konsequenzen

Die Familienkatechese in der Diözese versteht sich als ein Baustein zur Umsetzung des Passauer Pastoralplans 2000 mit dem Titel "Gott und den Menschen nahe" und leistet zu den Projekten "Im Geheimnis Gottes wohnen" und "Beheimaten" seinen Beitrag.

Gerade für suchende und fragende Menschen "auf der Schwelle", die mit der Feier der Erstkommunion ihres Kindes mit der Kirche (wieder) in Berührung kommen, werden mit dem familienkatechetischen Weg Erfahrungsräume eröffnet, wenn die Lebenskultur der Menschen von innen verstanden wird und von dort mit der christlichen Botschaft in Verbindung gebracht wird.

Bei dieser Art der Erstkommunionvorbereitung entwickelt sich die Gemeinde vor Ort. Es wird nicht ohne Auswirkung für die Gemeinde bleiben, wenn einige Familien ihre Glaubensspur in der Pfarrei aufnehmen, andere wiederum die Erstkommunion als ein wertvolles Ereignis in ihrer Familienbiographie in Erinnerung behalten ohne intensiver am Gemeindeleben teilzunehmen.

Erstkommunion und ihre Vorbereitung wird in einen größeren Kontext gestellt, der über die Frage des einen oder anderen Konzeptes hinausgeht. Das Initiationssakrament Erstkommunion führt ein in die Gemeinschaftsbeziehung von Gott und Mensch, die Menschen verbindet.