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Heiliges Land


Pilgern ist so viel mehr als einfach mal wegfahren
Pilgerreise der Diözese ins Heilige Land

Es ist ein Unterschied, ob man eine Reise nach Israel macht oder eine Pilgerreise ins Heilige Land. Das erlebten die 21 Teilnehmer an der Pilgerreise  der Diözese Passau. Wenn man sich auf den Spuren Jesu bewegt, begegnet man auch immer wieder der Geschichte des Landes. Für die Entdeckung der  christlichen Spuren war Domkapitular Manfred Ertl als erfahrener Kenner des Heiligen Landes ein wertvoller Begleiter. Mit Nora Strunz hatte die Pilgergruppe zudem eine ausgesprochen versierte Reiseleiterin in Sachen Geschichte, den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen im Land und dem Zusammenleben der verschiedenen Religionen und Volksgruppen – und außerdem war sie besonders bibelfest. Die Frage nach der Unterbringung ist schnell beantwortet: Drei Nächte im Pilgerhaus Tabgha am See Genezareth und fünf Nächte im Gästehaus St. Charles in Jerusalem ließen keine Wünsche bezüglich Atmosphäre und Verpflegung offen.

Pilgern ist mehr als einfach mal wegfahren. Domkapitular Manfred Ertl hatte schon auf der Fahrt hinunter zum See Genezareth eingeladen zum „Eintauchen“ in die Ereignisse zur Zeit Jesu und diese an ihren Orten in christlicher Gesinnung auf sich wirken zu lassen. „Unser Evangelium ist eine Komposition aus den Ereignissen zur Zeit Jesu“, fasste er die Geschichten aus der Bibel zusammen und schon der Kirchenvater Hieronymus habe das Heilige Land als „5. Evangelium“ bezeichnet. Mit Messfeiern, Andachten und Meditationen zu Bibeltexten führte Manfred Ertl seine Pilger auch emotional hautnah an die einstigen Geschehnisse heran. Es ist schon ein außergewöhnliches Gefühl, wenn einem beim morgendlichen Bad im See Genezareth durch den Kopf geht, dass an dieser Stelle die Jünger als Fischer ihre Netze ausgeworfen hatten und Jesus am Ufer die große Menschenmenge mit ein paar Fischen und Broten satt bekommen hat. An diesem Platz feiern wir eine Messe. Die Geschichte vom reichen Fischfang liest uns am anderen Tag bei einer Fahrt über den See unser geistlicher Begleiter mitten im See vor und am Bootssteg hatten sich tatsächlich eine Menge Fische getummelt. Keine Touristenattraktion, vielleicht ein kleines Zeichen zur Einstimmung.

Wir befinden uns immer noch im unteren Galiläa und fahren hinauf auf die Golanhöhen, unmittelbar an die syrische Grenze. Nur ein UN-Lager inmitten von Weingärten weist auf die politischen Feindschaften hin, ansonsten keine Spur, dass sich hier verfeindete Staaten berühren. Ähnliches erleben wir auch in vielen anderen Orten im Land. Juden und Araber leben in den Dörfern friedlich zusammen. Nur in verschiedenen Zonen des Westjordanlandes und in den autonomen Gebieten der Palästinenser gibt es verstärkt Militär, Polizei und Checkpoints. Unsere Fahrt geht Richtung oberes Galiläa an das Hermon Gebirge zu den Jordanquellen. Dort ist das so genannte Dreiländereck, wo der Libanon, Syrien und Israel angrenzen. Der Berg der Seligpreisung am Nordufer des Sees  Genezareth ist unser nächstes Ziel. Dort hat Jesus den Menschen gesagt, worauf es ankommt, legt Domkapitular Ertl die biblischen Aufzeichnungen für uns aus.

Nazareth, die größte arabische Stadt Israels, ist an einem Freitag eine Herausforderung für unseren Busfahrer Azar. An diesem Tag beginnt das Wochenende bei der muslimischen Bevölkerung und so schlängeln wir uns durch die verstopften Straßen zur Verkündigungskirche über der Grotte, in der einst Maria gewohnt haben soll. Im großen Rundgang sind Mariendarstellungen aus vielen Ländern zu sehen, das deutsche Marienbild gehört zweifelsfrei zu den schlechtesten Werken eines Künstlers.

Am vierten Tag nehmen wir Abschied von Galiläa, der Heimat Jesu, und fahren durch das fruchtbare Jordantal nach Jericho, der einstigen Oasenstadt. Wir befi nden uns im Westjordanland nicht in einem Kriegsgebiet. „Die Menschen auf beiden Seiten wünschen sich nichts mehr als Frieden“, erklärt uns Nora Strunz. Radikale und extremistische Gruppen und politische Fanatiker verhinderten das. Bei einem Halt an der Taufstelle Jesu am Jordan sind deutlich die touristischen Auswirkungen auf die biblischen Orte zu sehen. Ein riesiger Busparkplatz, am Jordan eine Schulklasse, die von ihrem Lehrer mit Wasser überschüttet wird, daneben eine „Taufstelle“ an der sich Menschen in voller Kleidung in das trübe Nass tauchen lassen und zehn Meter weiter am anderen Ufer, das schon zu Jordanien gehört, zwei verschlafene Soldaten mit der Maschinenpistole auf dem Knie.

Durch die judäische Wüste geht es weiter nach Jerusalem. Am Wadi Kelt, einem tiefen Einschnitt in den Wüstenbergen, soll sich die Geschichte mit dem barmherzigen Samariter abgespielt haben. „Lobet den Herrn“ singt die Pilgergruppe bei der Ankunft in Jerusalem, dem Mittelpunkt vieler Religionen, und erlebt dort die Bibelgeschichten mit allen Sinnen. Weil am Ölberg gerade Steine geworfen werden, beginnen wir den Weg an der Kirche der Nationen und im Garten Gethsemane. „Steh auf und pack dein Leben an“ hat Jesus am Teich Bethesda einen Kranken aufgefordert und wir gehen dorthin, wo Jesus seinen letzten Lebensweg begonnen hat, in die Via Dolorosa. Wir kennen die Bilder von Kreuze schleppenden Menschen, vom Gedränge in der Gasse und von bewaffneten Sicherheitskräften am Kreuzweg aus den Medien. Ganz anders erleben wir ihn. Kaum Touristen, die Via Dolorosa sieht aus wie ein arabischer Basar und nicht wie ein Pilgerweg. Versteckt an den Seiten sind kleine Kapellen oder Gebetsräume. Dort beten wir die Stationen des Kreuzwegs bis hinauf zur Grabeskirche. Das ist der heiligste Ort der Christenheit und sechs Konfessionen teilen sich die einzelnen Bereiche. Nur am Eingang zum Grab müssen wir ein wenig anstehen. Ruhig ist auch anschließend an der Klagemauer. Sie ist hauptsächlich Treffpunkt der orthodoxen Juden. Männer und Frauen haben ihre abgegrenzten Bereiche und in der dortigen Synagoge erleben wir die Juden beim ausdrucksvollen Lesen der Thora. Der über der Klagemauer liegende Tempelberg mit dem Felsendom und der al-Aqsa-Moschee ist aus Sicherheitsgründen für Besucher gesperrt.

Der Zionsberg mit der Dormitio Abtei ist unser Ziel an einem anderen Tag. Dort ist auch der Abendmahlssaal und wir feiern wieder einen Gottesdienst. „Wie Jesus den Jüngern die Füße gewaschen hat, so wäscht er auch uns die hinderlichen Spuren des Lebens ab“, sagt Domkapitular Manfred Ertl in seiner Ansprache. Anschließend besuchen wir im Viertel En Kerem den Geburtsort von Johannes dem Täufer. „Ich werde ihren Namen eine Erinnerung geben“, heißt auf hebräisch Yad Vashem und die Stätte der Erinnerung an den Holocaust drückt schon gewaltig auf unser Gemüt. Wer einmal dort war, kann nur noch beten, dass Kriege und Verfolgung endlich aufhören.

An Tod und Vernichtung erinnert auch die Felsenfestung Masada am Toten Meer. Juden hatten sich auf der einst römischen Festung auf dem hohen Plateau vor den Römern verschanzt. Im Jahre 73 n.Chr. erstürmten die Römer den Berg und fanden nur noch die freiwillig in den Tod gegangenen Juden vor. „Masada darf nie wieder fallen“, diesen Satz verwenden die Israelis noch heute, wenn es um die Existenz ihres Landes geht. Der Blick auf das Tote Meer lädt natürlich zum Pfl ichtprogramm einer Israelreise ein, dem Bad im Toten Meer. Der hohe Salzgehalt verhindert das Untergehen im Wasser und im Sitzen oder Liegen wird das Baden zum wahren Entspannungserlebnis.

Die Teilung des Landes erleben wir in Bethlehem mit seiner grässlich hohen Mauer mitten durch den Ort. Nicht nur der Ort selbst ist wenig einladend, auch unser Ziel, die Geburtskirche ist zur Zeit innen eingerüstet und verhangen und von außen hallt die Lautsprecherstimme des Muezzin von dem nahen Minarett gegen die Mauern der Kirche. Wer sich vor dem Stern von Bethlehem verbeugen will, muss sich erst von den Touristen in die enge Grotte schieben lassen. Die Gedanken an den Geburtsort des Herrn kommen dabei nicht so leicht auf. Das gelingt schon eher bei der anschließenden Messfeier in einer der Höhlen auf dem Hirtenfeld.

Irgendwann geht auch die schöne Pilgerreise zu Ende. Auf dem Weg zum Flughafen in Tel Aviv schauen wir noch in Abu Gosh den Ort an, wo die Emmausjünger Jesus am Brotbrechen erkannt haben sollen.

Während der Pilgerreise besuchten wir auch die christliche Privatschule der Salvatorianerinnen in Nazareth. Dort werden 1500 Schüler unterrichtet, die meisten von ihnen sind Christen. „Ohne Bildung und Erziehung haben die Christen in diesem Teil des Landes keine Chancen“, weiß Schwester Klara. Ein anderes Tor zum Leben gibt es im Westjordanland im Rehaprojekt „Lifegate“, das mit Unterstützung des Diakonischen Werkes und des Caritasverbandes jungen Menschen mit Behinderung den Einstieg ins Berufsleben ermöglicht.

So wurde die Pilgerreise ins Heilige Land ein erlebnisreicher „Tauchgang“ zu den Spuren Jesu, in die Geschichte und zu den Menschen in dem oft unruhigen Land zwischen Mittelmeer und dem Jordan.
OTTO DONAUBAUER

 

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