Menu

Aldersbach, Maria Himmelfahrt


 zurück

Die Geschichte der originalen Aldersbacher Klostergeläute lässt sich nur schwer rekonstruieren. Sicher ist, dass zwei historische Glocken (1300 kg und 350 kg) des Passauer Gießers P. A. Jacomini aus dem Jahr 1769 während der Säkularisation nach Vilshofen gebracht wurden, wo sie auch heute noch zu hören sind. Nach den großen Glockenzerstörungen in den beiden Weltkriegen wurden 1946 für die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt sechs Stahlglocken vom „Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation“ gefertigt, die aber klanglich nicht zufriedenstellend waren und zuletzt auch aufgrund sicherheitstechnischer Mängel in den Ruhestand geschickt werden mussten. Die sechs neuen Glocken, die das Staatliche Bauamt Passau im Zuge der Außeninstandsetzung der Kirche bei der Glockengießerei Perner in Passau entsprechend dem ursprünglichen Geläute wieder in Bronze gießen ließ, bilden mit 8270 kg Gesamtgewicht das viertschwerste Geläut der Diözese. Gut die Hälfte des Gewichts hat die große Glocke b0 mit 4260 kg und einem Durchmesser von 1,81 m.
 
Die für das neue sechsstimmige Geläut vorgegebenen Tonhöhen b0, es1, ges1 (Dur), as1, b1 und des2, die in Anlehnung an die historischen Glocken festgelegt sind, wurden von der Glockengießerei Perner präzise und teils ohne Nachkorrektur getroffen. Das neue Geläut deckt heute einen größeren Tonbereich ab als früher. So klingt die größte Glocke tiefer und die kleinste Glocke höher als ihre Vorgängerinnen. Außerdem können durch ge-schickte Auswahl von Teilgeläuten verschiedenste Klangcharaktere von freudig bis schwermütig erzeugt werden, die den unterschiedlichen Festlichkeiten des Kirchenjahres zugeordnet werden. Der besonders homogene Zusammenklang wird auch durch die gut intonierten Teiltöne, etwa sechs pro Glocke, erreicht.
 
Glocke 1: Aldersbach, Maria Himmelfahrt, b0-3, Perner, 2013

Glocke 2: Aldersbach, Auferstehung Christi, es1-3, Perner, 2013

Glocke 3: Aldersbach, S. Bernardus, ges1+1 (Dur), Perner, 2013

Glocke 4: Aldersbach, S. Caecilia, as1-5, Perner, 2013

Glocke 5: Aldersbach, SS. Angeli, b1-4, Perner, 2013

Glocke 6: Aldersbach, S. Maria auxiliatrix, des2-1, Perner, 2013

Läutemotive

Glocken 1 - 3: Moll (traurig, tief, ernst)
Glocken 2 - 5: O Heiland reiß (ernst)
Glocken 3 - 5: Pater noster (neutral, festlich)
Glocken 3, 5, 6: Dur (freudig, hell)
Glocken 4 - 6: Sagt an wer ist doch diese“ (heiter)
u. v. m.
 
Motiv Glocke 4 Hl. Caecilia

 
Nicht nur im Einzel- und Zusammenklang der Glocken zeigt sich die Qualität des Gusses, sondern auch an deren äußeren Beschaffenheit. Durch das traditionelle Lehmformverfah-ren und handwerkliches Geschick sind alle Inschriften und Reliefs sehr klar erkennbar und die Oberflächen makellos. Die Entwürfe für die in enger Abstimmung mit der Diözese Passau festgelegte Glockenzier stammen von Künstlern aus der Region. Die Gestaltung der Glocken „Hl. Bernhard“ und „Hl. Caecilia“ übernahm Alexander Hintersberger, die Glockenzier für die Glocken „Auferstehung Christi“ und „Hl. Engel“ entwarf Johannes R. Potzler. Leopold Hafner jun., der auch die größte Glocke „Mariä Himmelfahrt“ gestaltete, übertrug die Zier der historischen Jacomini-Glocke in Vilshofen, die früher in Aldersbach hing, in moderner Form auf die kleinste Glocke „Maria-Hilf“. Der Inschrift der kleinsten Glocke ist zu entnehmen, dass dieses beeindruckende Geläut aus dem letzten großen Guss der Glockengießerei Perner stammt. Dort finden sich auch die wichtigsten Stationen der 300-jährigen Firmengeschichte.
 
Autor
Rudi Bürgermeister
Glockensachverständiger der Diözese Passau
 
Anmerkung des Staatlichen Bauamts Passau:
Die Neufestlegung der Tonhöhen zur Neukonzeption des Geläuts für die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Aldersbach übernahm Herr Rudi Bürgermeister.
 

 zurück