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Kanzel


Die Kanzel (lat., Schranke) ist der Platz für die Predigt. Der Name kommt von dem ursprünglichen Platz an der Chorschranke. Zur besseren Hörbarkeit des Predigers ist sie seit der ~ Gotik an einer Säule oder an der Kirchenwand erhöht angebracht. Stufen führen zum Kanzelkorb, einem runden oder mehreckigen Podium mit etwa hüfthoher Brüstung. Über ihm erhebt sich der Schalldeckel, der für die akustische Verbesserung des gesprochenen Wortes notwendig ist. Er hat häufig eine kunstvolle Bekrönung. Beliebte Darstellungen an den Kanzeln sind Szenen aus der Lehrtätigkeit Jesu (z.B. der zwölfjährige Jesus im Tempel, der reiche Fischfang oder der Gute Hirte), sowie die vier ~ Evangelisten mit ihren Symbolen u. die vier lateinischen Kirchenlehrer Ambrosius, Augustinus, Gregor u. Hieronymus.

Von der got. Kanzel in Neuötting sind noch die steinerne Treppe u. die Verbreiterung des Pfeilers erhalten; die älteste Kanzel im Bistum ist die in Obernzell-St. Margaretha, aus Granit mit der Jahreszahl 1600. Renaissancekanzeln sind zu verzeichnen in Gehersdorf (Pf. Zeilarn), Hausbach (Pf. Vilshofen), Passau-St. Korona u. Wolfakirchen. Barockkanzeln sind noch in großer Zahl erhalten. Die bedeutendsten sind jene im Dom (1725), in Passau-St. Paul (um1680), Passau-St. Michael (um 1715), Aigen-St. Leonhard (um 1680), Aldersbach (1748), Altenmarkt (1732), Asbach (1780), Burgkirchen a.W. (um1760), Fürstenzell (um 1730), Kirchdorf i.W. (1756), Kößlarn (1686), Marienberg (um 1764), Niederalteich (Ende 17. Jh.), Obernzell (1746), Raitenhaslach (1694), Rinchnach (1727), Sammarei (1647), Schildthurn (um 1670), Tettenweis (um1760), Untergriesbach (E. 17. Jh.), Vilshofen (1717) u. Vornbach (um 1730). Von den neugotischen Kanzeln sind hervorzuheben jene in Neuötting, Karpfham, Perlesreut u. Triftern.

Seit der ~ Liturgiereform werden die Kanzeln nur noch selten benutzt; die Predigt erfolgt in der Regel vom ~ Ambo aus.