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Die Bischöfe von Passau


 

Reihenfolge der Bischöfe von Passau

 

1.

Vivilo

739-?

 

Er wurde als einziger rechtmäßiger Bischof im Jahre 739 von Bonifatius bei der kirchlichen Ordnung Baierns bestätigt. Vivilo hat vermutlich seine Bischofsweihe von Papst Gregor III. (731-741) erhalten. Über seine Tätigkeit in Passau liegen uns keine zuverlässigen Nachrichten vor.

 

 

2.

Beatus

?-753/54

 

Er erscheint merkwürdigerweise in keiner der vielen Bischofslisten, dennoch steht aufgrund der neueren Forschungen seine Geschichtlichkeit außer Zweifel.

 

 

3.

Sidonius

753/54-?

 

In einer Schenkungsurkunde des Passauer Domstiftes tritt Sidonius auf. Er war ein Mönch aus Irland, der sich als wissenschaftlich hochstehender Theologe auszeichnete.

 

 

4.

Anthelm

?

 

Seine Existenz ist nachweisbar, hingegen nicht die genaue Regierungszeit. In seine Regierungszeit fällt wahrscheinlich die Überführung der Gebeine des hl. Valentin aus Trient nach Passau.

 

 

5.

Wisurich

ca. 770-777

 

Er war, wie schon Anthelm, ein Deutscher. Zum ersten Mal begegnet er mit anderen baierischen Bischöfen als Zeuge einer Schenkung für das Freisinger Domstift im Jahre 770. Im gleichen Jahr hat er an der Landessynode zu Dingolfing teilgenommen. Wisurich verstand es, mehrere wertvolle Erwerbungen für das Passauer Domstift zu erlangen.

 

 

6.

Waldrich

777-804/05

 

Im Gegensatz zum baierischen Herzog Tassilo (748—788) stand Waltrih wie fast alle Bischöfe auf Seiten des Frankenkönigs Karl des Großen. Die Regierungszeit Waltrihs war eine ereignisreiche Epoche. Drei Geschehnisse sind erwähnenswert: erstens die Entsetzung der baierischen Herzogsfamilie und die völlige Einverleibung Baierns in das große Frankenreich, zweitens die Vernichtung des Awarenreiches und die Ausdehnung des baierisch-deutschen Raumes nach Osten, drittens die Erhebung des Bischofs Arno von Salzburg zum Metropoliten der baierischen Kirchenprovinz. Unter Bischof Waltrih war dem Bistum Passau der Donauosten bis zur Raab zugefallen. Karl der Große selbst hatte die Martinskirche zu Linz dem Passauer Bischof übergeben. Nicht ohne Widerstand war Waltrih bereit, Suffragan des Erzbischofs von Salzburg zu werden. Diese Tatsache bedeutete in der Geschichte des Bistums Passau einen großen Wandel. Gleichzeitig vollzog sich aber auch die wirtschaftliche Erstarkung des Domstiftes, die Förderung des kulturellen Lebens und der kirchliche Ausbau des Bistums. Im Jahre 800 nahm Bischof Waltrih an der Landessynode zu Reisbach teil.

 

 

7.

Urolf

804/05-806

 

Unter ihm konnte das Domstift folgende Schenkungen erwerben: zu Schärding, Machendorf, Schalchen, Andießen.

 

 

8.

Hatto

806-817

 

807 war er auf einer Provinzialsynode in Salzburg anwesend, auf welcher Bestimmungen über die Verwendung der Zehenteinkünfte beschlossen wurden.

 

 

9.

Reginhar

818-838

 

Aus der Regierungszeit dieses Bischofs besitzen wir elf Urkunden im alten Schenkungsbuch des Hochstifts Passau, die Besitzungen des Hochstifts im Traungau, im Rottachgau, im Isengau und im Chiemgau betreffen.

 

 

10.

Hartwig

840-866

 

Er wurde erst nach einer Sedisvakanz von mehr als einem Jahr zum Bischof bestellt. Von ihm ist bekannt, daß er bei König Ludwig dem Deutschen (850—875) in hoher Gunst gestanden sei. Bischof Hartwig ist die Herstellung des ersten bischöflichen Traditionsbuches zu verdanken, dem wir viele Nachrichten aus der frühesten Zeit des Bistums Passau entnehmen können.

 

 

11.

Ermanrich OSB

866-874

 

Dieser schwäbische Mönch des Benediktinerklosters Ellwangen ist eine der kraftvollsten und mutigsten Bischofsgestalten der Passauer Bistumsgeschichte. Nicht nur als Gelehrter und Schriftsteller genoß er hohes Ansehen, sondern auch wegen seiner missionarischen Bemühungen in Bulgarien und im Großmährischen Reich. Auf der Reichssynode zu Worms 868 konnte er mit seiner Reise nach Bulgarien dank seiner frischen Erfahrungen aus dem griechischen Osten besondere Aufmerksamkeit erwecken. Wenn er auch von Bulgarien unverrichteter Dinge zurückkehren mußte, bot sich Ermanrich noch einmal ein zukunftsträchtiges, wenn auch kühnes missionarisches Unternehmen im Großmährischen Reich, das sich zu Beginn des 9. Jahrhunderts von Böhmen über die Karpaten bis zum ungarischen Plattensee erstreckte. Da das Großmährische Reich und das Bistum Passau unmittelbare Anrainer geworden sind, sah es Ermanrich als seine providentielle Aufgabe an, in dem fast noch heidnischen Nachbarreich das Christentum heimisch zu machen. Seine Auseinandersetzungen mit den sogenannten Slavenaposteln Cyrillus und Methodius werden von der Geschichtsforschung heute weniger emotionell beurteilt. Wenn es Ermanrich auch nicht gelang, Mähren seinem Bischofssprengel einzuverleiben, so bleibt es doch ein Verdienst dieses Bischofs, die Notwendigkeit der Missionierung erkannt zu haben. Überdies hat er durch sein Eingreifen beigetragen, daß die kirchlichen Verhältnisse in Mähren in geordnete Bahnen gelenkt wurden.

 

 

12.

Engelmar

875-899 (Wiching 899)

 

Mit dem Tod Bischof Ermanrichs waren die Auseinandersetzungen über die Christianisierung Mährens noch nicht beendet. Streitpunkt war die Einführung der slavischen Liturgie. Wenn auch keine Quelle uns Mitteilung gibt, so ist es kaum vorstellbar, daß Bischof Engelmar als unmittelbarer Nachbar bei den genannten Auseinandersetzungen zwischen Mähren und Rom völlig unbeteiligt geblieben wäre. 868 erwirkte Engelmar die Immunität und den Königsschutz für den domstiftischen Besitz von Passau. Der im Jahre 899 von Kaiser Arnulf ernannte Wiching wird nicht als rechtmäßiger Bischof anerkannt, da die zu dieser Zeit geltenden kanonischen Bestimmungen außer acht gelassen worden sind.

 

 

13.

Richard

899-902

 

Ein neuerlicher Versuch Roms, über die Köpfe der baierischen Bischöfe hinweg eine selbständige mährische Kirche wiederherzustellen, veranlaßte Richar, im Namen seiner baierischen Amtskollegen mit Rom Verhandlungen aufzunehmen. In der Folge trat indes an die Stelle der mährisch-slavischen jetzt die ungarische Gefahr, nicht nur für das Bistum Passau, sondern für ganz Baiern. Im Jahre 900 erlebte das östliche Baiern einen verwüstenden Einbruch der Ungarn über die Enns. Zusammen mit Markgraf Luitpold versuchte Richar durch die Erbauung der Ennsburg bei Linz der Ungarngefahr zu begegnen. Der Tod am 16. September 902 ersparte dem Bischof die kommende furchtbare Heimsuchung seines Bistums.

 

 

14.

Burkhard

903-915

 

Er war der letzte Bischof des karolingischen Zeitalters. Vor seiner Bischofserhebung hatte er das Vorsteheramt des von Karlmann (741—754) an der Pfalz Altötting gegründeten Kanonikatsstiftes inne. 903 tagte im Dom zu Passau eine Synode. Beim Tode Burkhards war die christliche Aufbauarbeit im Osten, an der die Passauer Kirche hervorragend beteiligt war, neuerdings zusammengebrochen.

 

 

15.

Gumpold

915-932

 

Über ihn liegen nur wenige Nachrichten vor. Sehr wahrscheinlich jedoch war er im Jahre 916 auf der von König Konrad (911—918) zusammenberufenen Synode zu Altheim bei Nördlingen anwesend.

 

 

16.

Gerhard

932-946

 

Er war am 14. Januar 932 Teilnehmer an einer Synode zu Regensburg. Bei dieser Gelegenheit dürfte er von dem mächtigen baierischen Herzog Arnulf (907—937) zum Passauer Bischof ernannt worden sein. Er gilt als ein frommer, tugendhafter und gelehrter Bischof, den die Annalen von Rei-chersberg als Heiligen bezeichnen. Vermutlich unternahm er 937 eine Reise nach Rom, um die Gräber der heiligen Apostel zu besuchen und Papst Leo VII. den nicht besonders erfreulichen Zustand der baierischen Kirche zu schildern.

 

 

17.

Adalbert

946-970/71

 

Inseine Regierungszeit fällt die berühmte Lechfeldschlacht von 955, in der Kaiser Otto I. die Ungarn vernichtend schlagen konnte. Für das Bistum Passau hatte das zur Folge, daß es nun seine Wirksamkeit erneut im Land unter der Enns ausüben konnte.

 

 

18.

Piligrim

971-991

 

Er entstammte dem baierischen Uradel, und zwar der Sippe der Aribonen, die von der Mitte des 10. Jahrhunderts bis 1070 die baierische Pfalzgrafenwürde innehatte. Auf Fürsprache seines Onkels, des Salzburger Erzbischofs Friedrich, wurde Piligrim von Kaiser Otto I. (936-973) 971 zum Bischof von Passau ernannt. Er gilt als einer der tatenreichsten Kirchenfürsten nicht nur in der Geschichte des Bistums Passau, dessen Größe er in seiner 20jährigen Regierungszeit begründet hatte, sondern der ganzen baierischen Kirchengeschichte überhaupt. Wiederherstellung und Sicherung der Gerechtsame des Passauer Bischofsstuhles in der mehr als ein halbes Jahrhundert von den Ungarn verwüsteten Ostmark und ihr kirchlicher Wiederaufbau war die vordringlichste Aufgabe, die Piligrim in hervorragender Weise meisterte. Als Entschädigung für den Schaden, den das Bistum in den Ungarnkriegen erlitten hatte, erhielt er eine Anzahl Klöster, wie Ötting, Niedernburg, Kremsmünster, St. Polten und St. Florian. Man nimmt heute allgemein an, daß Piligrim an die Stelle des alten agilolfingisch-karolingischen Passauer Domes einen völligen Neubau im frühromanischen Stil erstellen ließ. Dorthin wurden um das Jahr 985 auf seine Initiative hin die Reliquien des heiligen Märtyrerbischofs Maximilian von Altötting her übertragen. Piligrim gilt auch als ein früher Förderer des Städtewesens, das vor allem auf der Entstehung und Entwicklung eines freien, selbständigen und wirtschaftlich leistungsfähigen Bürgertums beruhte. Besonderen Wert legte er aber auf den kirchlich-wirtschaftlichen Wiederaufbau des östlichen Teiles seines großen Bistums. Hier sollte wohl eine geeignete Basis für die Missionierung der allmählich seßhaft werdenden, aber noch fast gänzlich heidnischen Ungarn geschaffen werden. Die geschichtlichen Vorrechte auf das ungarische Missionsfeld machte er mit Hilfe eines Rechtstitels geltend, der historisch nicht haltbar ist. Mit Fälschungen versuchte Piligrim nachzuweisen, daß der letzte Lorcher Erzbischof Vivilo gewesen sei, der aus der zerstörten Stadt nach Passau geflüchtet sei und das dortige Bistum gegrün-det habe. Als Nachfolger Vivilos glaubte Piligrim ernsten Anspruch auf das ungarische Missionsfeld und auf die erzbischöfliche Würde erheben zu können. Sein Anliegen war keineswegs nur persönliches Machtstreben, sondern die Errichtung einer Donaukirchenprovinz mit Passau als Metropole, um damit die Bindung Ungarns an das deutsche Reich zu sanktionieren. Piligrims hochfliegende Pläne scheiterten nicht zuletzt am Widerstand seines Onkels, des Erzbischofs Friedrich von Salzburg, der sich im Falle ihres Gelingens in seinen Metropolitanrechten geschmälert sah. Kurz nachdem Bischof Piligrim am 21. Mai 991 gestorben war, entwickelte sich zu seinen Ehren ein religiöser Kult und der Volksglaube späterer Jahrhunderte hat ihn in den Rang eines Heiligen erhoben, wohl ein deutliches Zeichen seiner nachhaltigen und fernwirkenden Größe.

 

 

19.

Christian

991-1013

 

Was den Vorgängern infolge der politischen Umstände nicht gelang, erreichte Bischof Christian 999. Durch das Privileg des Kaisers Otto III. (983-1002) vom 3. Januar jenes Jahres wurde dem Passauer Bischof alle öffentliche Gewalt in Passau, die bisher dem König zugestanden war, übertragen. Die Stadt Passau war durch die Wirkung dieser Rechtsverleihung ein abgerundetes Rechtsgebiet geworden, in dem der Bischof allein alle staatliche Gewalt ausübte und über die hohe und niedere Gerichtsbarkeit verfügte. Bischof Christian nahm auch an der Königswahl in Mainz teil, die 1002 den baierischen Herzog zum deutschen König Heinrich II. erkor. Im Jahre 1007 wohnte er der Frankfurter Synode bei.

 

 

20.

Berengar

1013-1045

 

Der Sohn eines reichen Passauer Bürgers pflegte enge Beziehungen zum späteren Abt Gotthard von Niederalteich und zu dem berühmten seligen Einsiedler Günther. Besondere Verdienste erwarb sich Berengar um die Reform der Säkularkanoniker, die er auf die Regel des hl. Chrodegang verpflichtete.

 

 

21.

Egilbert (Engelbert)

1045/46-1065

 

Er war Hofkaplan der Kaiserin Agnes, der Mutter Heinrichs IV. Von Kaiser Heinrich III. erwarb er mehrere Gnadenbriefe für das Hochstift. In seiner Bischofsstadt sorgte er für den Bau der neuen Pfarrkirche St. Paul, die er um 1050 konsekrierte. Sein Augenmerk galt besonders der Hebung der klösterlichen Disziplin in seinem Bistum.

 

 

22.

Sankt Altmann

1065-1091

 

Geboren wurde er im Gebiet des westfälischen Bistums Paderborn. An der Domkirche daselbst war er Kanonikus, nachdem er an der seit Meinwerk besonders berühmten Paderborner Domschule seine Ausbildung erhalten hatte. Später wurde er Leiter dieser Schule. Um 1051 berief Kaiser Heinrich III. (1039-1056) Altmann zum Propst des Kollegiatstiftes Aachen. Nach dem frühen Tod des Kaisers (1056) blieb er im Gefolge der für ihren Sohn regierenden Kaiserin Agnes. An deren Seite unternahm er 1064 eine große Pilgerfahrt ins Heilige Land. Auf der Rückkehr erreichte ihn die Nachricht seiner Erhebung zum Bischof von Passau. Neben den Bischöfen Adalbero von Würzburg (1045-1090) und Gebhard von Salzburg (1060 bis 1088) war Bischof Altmann von Passau einer der kompromißlosesten Vertreter der päpstlichen Partei im Investiturstreit. Seine Treue zu den gregorianischen Auffassungen mag in gewisser Hinsicht bewundernswert erscheinen, Tatsache aber ist, daß er selber sein Bistum 1065 ohne Bedenken aus der Hand der Kaiserinwitwe Agnes entgegennahm. Die umfassende Erneuerung des geistlichen Lebens und der kirchlichen Zucht fand in Altmann einen von Unduldsamkeit nicht immer freien Verfechter. Sofort nach Übernahme seines hohen Amtes bemühte Altmann sich um die Reform des Klerus, zunächst in der Stadt Passau selbst. Wenn indes in der Lebensbeschreibung Bischof Altmanns behauptet wird, die Geistlichen seien hölzern gewesen wie die Kirchen des Bistums, dann hat die neue Forschung festgestellt, daß der Biograph Altmanns gegenüber allen Priestern, die der gregorianischen Reform — aus welchen Gründen auch immer — distanziert gegenüberstanden, parteiisch ist. In diesem Lichte muß man auch die andere Nachricht sehen, die so gerne als Zeugnis für den sogenannten fragwürdigen Lebenswandel des Passauer Klerus in allen Geschichtsbüchern zitiert wird. Am Stephanitag 1075 bestieg Altmann die Domkanzel und verbot den Domherrn und den anderen Geistlichen die Ehe unter Androhung schwerer Strafe sowie unter Berufung auf kirchliche Bestimmungen und päpstliche Dekrete. Daß der anwesende Klerus sich mit Gewalt auf seinen Oberhirten stürzen wollte, ist sicherlich bedenklich, zeigt aber, daß man für die Einführung des Zölibats eben nicht entsprechend vorbereitet war. Hier liegt nun ohne Zweifel ein Verdienst Altmanns, dass er sich um die zölibatäre Lebensweise und um eine entsprechende religiöse und theologische Bildung der Geistlichen sehr bemühte. Vor den Toren Passaus gründete er ein Männerkloster, das ein weit ausstrahlender Herd des neuen kirchlichen Geistes und eine Musteranstalt für Seelsorger werden sollte: St. Nikola. Als Legat Gregors VII. bemühte er sich um die Durchsetzung der päpstlichen Bestimmungen bezüglich der Laieninvestitur, der Simonie und des Zölibats. Daß Altmann aber auch in seiner Bischofsstadt nicht unumstritten war, geht aus der Tatsache hervor, daß er zweimal einen Gegenbischof erhielt: in der Person des Hermann von Eppenstein (1078 bis 1087), eines Bruders des Herzogs Luitold von Kärnten, und später in der Person des Würzburger Domherrn Tiemo (1087—1104). Altmann mußte 1078 Passau verlassen, in das er zeitlebens nicht mehr zurückkehren konnte. Am 8. August 1091 starb er zu Zeiselmauer, dem alten Passauer Landsitz unweit Tulln in Niederösterreich. Bei der Würdigung Altmanns muß abschließend festgestellt werden, daß seine übertriebenen Auffassungen durch die historische Entwicklung nicht gerechtfertigt wurden. Dies können wir schon aus den Vereinbarungen des Wormser Konkordats von 1122 ersehen. Mit Recht wurde in diesem unterschieden zwischen den geistlichen Aufgaben des Bischofs und den weltlichen Rechten des königlichen Lehensträgers, der gleichzeitig Bischof war. Andere Bischöfe, wie z.B. der heilige Otto von Bamberg (1102-1139), waren ebenso wie Altmann begeisterte Anhänger der kirchlichen Reform. Otto indes hat in seiner Stellung zur weltlichen Macht einen größeren Weitblick an den Tag gelegt als Altmann.

 

 

23.

Udalrich (Ulrich)

1092-1121

 

Nach Altmanns Tod mußte das Bistum Passau neun Monate lang eine Sedisvakanz auf sich nehmen. Nachfolger wurde der Dompropst Udalrich von Augsburg, der ähnlich Altmann die Ideen Gregors VII. mit rigoroser Härte zu verwirklichen suchte. Udalrich wurde wahrscheinlich 1027 geboren, er entstammt vermutlich einem schwäbischen Edelgeschlecht. Am 15.Mai 1092 weihte ihn der Salzburger Erzbischof Tiemo zum Bischof. Obgleich schon 65 Jahre alt, setzte Udalrich mit jugendlicher Begeisterung das Reformwerk seines Vorgängers unverdrossen fort; daran konnte ihn auch das Schicksal der Verbannung, das er mit Altmann teilte, nicht sonderlich hindern. Der von Kaiser Heinrich IV. 1087 eingesetzte Gegenbischof Tiemo zwang Udalrich, mehrere Jahre außerhalb Passaus zu verbringen. Während dieser Zeit bot ihm das berühmte Reformkloster Rottenbuch in Oberbaiern, mit dem er bereits seit seiner Augsburger Wirksamkeit in reger Verbindung stand, eine würdige Zufluchtsstätte. Erst kurz vor dem Tod Heinrichs IV. gelangte er in den ruhigen Besitz seines Bistums, konnte dann aber ziemlich unbehelligt vom Investiturstreit eifrig seines Amtes walten. Udalrich besuchte die Synoden von Piacenza im Jahre 1095 und Guastala im Jahre 1106. Im Jahre 1094 reformierte er das klösterliche Leben in der Lieblingsstiftung Altmanns, nämlich Göttweig in Niederösterreich. Er ließ dort durch den Prior Hartmann von St. Blasien die Benediktinerregel einführen. Große Verdienste erwarb er sich 1111 um die Wiederherstellung des von den Kaiserlichen aufgelösten Chorherrenstiftes St. Nikola vor Passau. Im heutigen österreichischen Anteil des Bistums Passau gründete er mehrere Klöster. Noch im hohen Alter unternahm er beschwerliche Reisen durch sein umfangreiches Bistum, um Kirchen zu konsekrieren und Pfarreien zu errichten. Eine nicht unwesentliche Unterstützung für seinen planvollen Bistumsausbau und für die Klosterreform im Geiste St. Blasiens bot die vielfache Hilfe des österreichischen Markgrafen Leopold III. des Heiligen. Am 7. August 1121 starb Udalrich in Passau.

 

 

24.

Reginmar

1121-1138

 

Auch unter Reginmar erfuhren die Klöster tatkräftige Förderung. Während seiner Regierungszeit entstanden folgende Klöster: Aldersbach, das 1120 der heilige Bischof Otto von Bamberg für regulierte Kanoniker des hl. Augustinus stiftete, 1146 aber in eine Zisterzienserabtei verwandelt wurde; das Benediktinerkloster Asbach bei Rotthalmünster 1125 und im gleichen Jahr das Kloster Ranshofen bei Braunau für regulierte Augustinerchorherren, 1133 das berühmte Chorherrenstift Klosterneuburg bei Wien, 1134 das nicht minder historisch bedeutsame Zisterzienserkloster Heiligkreuz bei Wien und 1138 das Prämonstratenserstift Osterhofen. Reginmar war überdies bestrebt, das Pfarrnetz seines Bistums gleichmäßiger zu gestalten.

 

 

25.

Reginbert

1138-1147/48

 

Er entstammte dem Geschlecht der österreichischen Grafen von Hagenau. Im Kampf zwischen den Weifen und Staufern nahm er Partei für die letzteren. 1147 beteiligte er sich mit anderen deutschen Bischöfen an dem großen Kreuzzug, dem sich auf die begeisterten Predigten des hl. Bernhard von Clairvaux hin die vornehmsten Fürsten der Christenheit, der deutsche König Konrad III. (1138-1152) und König LudwigVII. (1131-1180) von Frankreich, anschlössen. Auf der Hinfahrt weihte Reginbert den neugebauten Stephansdom in Wien, der sein Patronat nach der Passauer Mutterkirche hat. Reginbert ist auch die Errichtung der Innbrücke zu verdanken. 1147/48 starb Reginbert auf der Rückreise von Palästina.

 

 

26.

Konrad (Sohn des Hl. Leopold, Markgraf von Österreich)

1148/49-1164  (+ als Erzbischof von Salzburg 1168)

 

Er war der Sohn des hl. Leopold, des Markgrafen von Österreich. Einer seiner Brüder war der berühmte Bischof und Geschichtsschreiber Otto von Freising. Als 1156 Österreich selbständiges Herzogtum wurde, geriet Konrad mit seinem Bruder Heinrich in gefährlichen Konflikt, da dieser die Besitzungen und Untertanen Passaus in der Ostmark für sich beanspruchen wollte. Konrad, auf die früheren kaiserlichen Privilegien gestützt, konnte sich gegenüber seinem Bruder behaupten. Als Bischof von Passau versuchte Konrad zu Papst Alexander III. (1159-1181) und dem von Kaiser Friedrich I. (1152-1190) favorisierten Gegenpapst Viktor IV. eine neutrale Stellung einzunehmen, die er allerdings zugunsten Alexander III. aufgab, als er 1164 zum Erzbischof von Salzburg gewählt wurde. Die Auseinandersetzungen mit dem ehemals befreundeten Kaiser Friedrich Barbarossa endeten erst mit dem Tod Konrads im September 1168.

 

 

27.

Rupert

1164-1165

 

Dieser unterstützte den Gegenpapst Paschalis III. Die Mehrheit des Passauer Klerus konnte er aber nicht für den kaiserlichen Papst gewinnen.

 

 

28.

Albo(no)

1165-1169 (vertrieben, + nach 1177)

 

Vor seiner Erhebung zum Bischof war Albo Domherr in Passau und Propst in Moosburg. Hinsichtlich des herrschenden Papstschismas suchte er eine gewisse Mittelstellung zu behaupten, indem er sich weder von Erzbischof Konrad von Salzburg noch von dem Metropoliten von Mainz, Christian von Buch, dem gewaltigen Kanzler des Kaisers Friedrich I., zum Bischof weihen ließ. Infolge schwerer Zerwürfnisse mit dem Domkapitel und den Bürgern von Passau mußte er 1169 die Bischofsstadt verlassen. Er erhielt ein Kanonikat in Freising und starb nach 1177.

 

 

29.

Heinrich Graf von Berg

1169-1172 (resignierte)

 

Mit ihm bestieg wieder ein kaiserlich gesinnter Mann den Bischofsstuhl von Passau. Er scheint den Schwierigkeiten seines Amtes nicht gewachsen gewesen zu sein und resignierte deshalb im Jahre 1172.

 

 

 

30.

Diepold (Theobald) Graf von Berg

1172-1190 (+ zu Akkaron in Palästina)

 

Er wurde 1172 in Anwesenheit des Kaisers Friedrich Barbarossa zum Bischof gewählt. Da er erst Diakon war, empfing er am 10. Juni des gleichen Jahres durch Bischof Heinrich von Gurk die Priesterweihe. Am 23.September 1172 wurde er mit Zustimmung des Papstes Alexander III. zum Bischof geweiht. In der Regierungszeit Diepolds konnte das Papstschisma beigelegt werden. 1178 wohnte Diepold der zu Hohenau am Inn abgehaltenen baierischen Provinzialsynode bei und begab sich im Jahre 1179 zur allgemeinen Synode nach Rom. In die Zeit Diepolds fällt 1180 die Verleihung Baierns an Otto von Witteisbach, nachdem das Herzogtum seit 1156 der Welfe Heinrich der Löwe in Besitz gehabt hatte. Nach dem Brand von 1181, dem die Stadt Passau samt der Domkirche zum Opfer fiel, unternahm er große Anstrengungen für den Wiederaufbau von Dom und Residenz. 1189 schloß sich Diepold dem Kreuzzug Friedrich Barbarossas an. Zusammen mit sechs Passauer Domherren wurde er 1190 das Opfer einer Pestepidemie, die in Akkon wütete.

 

 

31.

Wolfger von Erla

1191-1204 (+ als Patriarch von Aquileja)

 

Inzwischen ist eindeutig nachgewiesen, daß Wolfger nicht aus dem bei Dingolfing an der Isar gelegenen Ellenbrechtskirchen, dem heutigen Seemannskirchen, stammt, sondern aus dem niederösterreichischen Erla, einem kleinen Ort nahe der Mündung der Enns in die Donau. Am 11. März 1191 erfolgte die einstimmige Wahl zum Bischof von Passau. Da er nur die niederen Weihen besaß, wurde er am 8. Juni 1191 von Erzbischof Adalbert von Salzburg zum Priester und am folgenden Tag, am Pfingstsonntag, zum Bischof geweiht. Schon zu Beginn seiner Regierungszeit mußte Wolfger gegenüber streitsüchtigen Nachbarn seine kräftige Hand zeigen. Er erwirkte am 6. Januar 1193 auf dem Reichstag zu Regensburg einen kaiserlichen Machtspruch, der den Grafen Albert von Bogen zum Kriegsstifter und Reichsfeind erklärte. Wolfger hatte sowohl ein gutes Verhältnis zum Papst wie zum Kaiser, der vor allem seine kluge Verhandlungstaktik und sein diplomatisches Geschick zu würdigen wußte. Wolfger wurde deshalb ausersehen, die Rolle des Vermittlers zwischen Kaiser und Papst zu übernehmen. Unter dem „besänftigenden Einfluß" Wolfgers kam es zur Eintracht zwischen den „streitenden Häuptern der Welt". Nach der Aussöhnung mit Papst Cölestin III. wollte Kaiser Heinrich VI. seinen Kreuzzugseid unter Beweis stellen. 1197 brach Wolfger mit Herzog Friedrich I. von Österreich zur Fahrt ins Heilige Land auf. Kaiser Heinrich VI. starb völlig unvorhergesehen am 28. September 1197. Sein Tod lähmte vorerst das Kreuzheer. Zu den wenigen, die den Kreuzzug fortsetzten, gehörten Friedrich von Österreich und Wolfger von Passau. Er konnte die päpstliche Bestätigung für die 1190 gegründete Spitalbruderschaft, das „Hospital St. Mariens der Deutschen zu Jerusalem" als Ritterorden beim Papst Innozenz III. 1199 erreichen. Auch nach der Doppelwahl des Jahres 1198 bekannte sich Wolfger zur Partei der Staufer. Die Bedeutung Wolfgers lag nicht nur in seinen kirchenpolitischen Aktivitäten, sondern ebenso in der Tatsache, daß er den Passauer Bischofshof und die dazugehörige Kanzlei zu einem literarischen Zentrum von einmaligem Rang erhob. Neben dem Autor der letzten Fassung des Nibelungenliedes, einigen in Österreich und Baiern bekannten Minnesängern gehörte auch Walther von der Vogelweide zum literarischen Kreis um Wolfger. Die Reisetagebücher dieses Bischofs enthalten kultur- und literaturhistorisch bedeutsame Aufzeichnungen für das gesamte süd-deutsche Gebiet. 13 Jahre lang hatte Wolfger die Geschichte des Bistums Passau gelenkt, hatte durch klug angelegte Schenkungen und günstige Tauschverträge den Territorialbesitz gewaltig vermehrt und arrondiert, war den Klöstern, besonders den Neugründungen, ein guter Herr gewesen und hatte die äußeren Feinde seiner großen Diözese im Zaum gehalten. Diese erfolgreiche Tätigkeit wurde gekrönt durch seine Wahl zum Patriarchen von Aquileja, die am 23.Mai 1204 stattfand.

 

 

32.

Poppo, Dompropst von Aquileja

1204-1206

 

Seine Wahl verdankt er seinem Vorgänger Wolfger. Er war zuvor Dompropst in Aquileja.

 

 

33.

Mangold Graf von Berg OSB

1206-1215

 

Angesichts der Gefahr, daß die Ortenburger erneut zum Angriff gegen Passau schreiten würden, ließ Mangold 1209 die angewachsene Vorstadt durch Stadtmauern schützen. In die Regierungszeit Mangolds fiel der Anfang einer Entwicklung, deren Ende erst Kaiser Joseph II. (1765-1790) besiegelte, nämlich das Bestreben der österreichischen Herrscher, die Ostmark aus dem Passauer Bistumsverband zu lösen. Herzog Leopold VI. (1198-1230) von Österreich versuchte gegen den Willen Mangolds, von Rom die Gründung eines oder vielleicht auch mehrerer unabhängiger Landesbistümer zu erreichen. Ein weiteres Problem für Bischof Mangold war der Volksaufstand der Passauer Bürger gegen die in der Stadt bereits zahlreich ansässigen Juden. Mangold erklärte sich gegenüber den Juden zu einer Wiedergutmachung des erlittenen Schadens bereit.

 

 

34.

Ulrich

1215-1221

 

Bei seiner Wahl erhoben sich zum ersten Mal die später so häufigen Wahlstreitigkeiten im Domkapitel zwischen den Anhängern Baierns und Österreichs. Das herausragende Ereignis war die Verleihung des Ilzgaues als Fahnenlehen durch Kaiser Friedrich II. im Jahre 1217. Seit dieser Zeit war der Bischof von Passau unmittelbarer Reichsfürst. Den Kern des Hochstifts bzw. Fürstentums bildete das „Land der Abtei". Ulrich starb auf dem Kreuzzug in Ägypten 1221.

 

 

35.

Gebhard Graf von Pleyen (Plain)

1222-1232

 

Er erließ 1225 das erste Stadtrecht für Passau. Einen Auftrag Papst Gregors IX. vom Jahre 1229, eine strenge Visitation der Mönche, Nonnen, Kanoniker und Geistlichen seines Bistums vorzunehmen, erfüllte Gebhard mit großer Gewissenhaftigkeit. Dem Domkapitel schien die Vorgangsweise des Bischofs zu rigoros, so daß es zu heftigen Streitigkeiten zwischen Kapitel und Bischof kam, die Gebhard schließlich 1232 zur Resignation veranlaßten. Im gleichen Jahr starb der Bischof.

 

 

36.

Rudiger von Bergheim (Radeck)

seit 1215 Bischof von Chiemsee, 1233-1250 (abgesetzt, + 1258)

 

Nach Gebhards Resignation blieb der Bischofsstuhl ein ganzes Jahr lang unbesetzt, da das Domkapitel sich über die Wahl eines Nachfolgers nicht einigen konnte. Schließlich wurde 1233 der erste Bischof vom Chiemsee, Rudiger, zum Bischof von Passau gewählt. Als Anhänger des gebannten Kaisers Friedrich II. (1215-1250) wurde er auf Betreiben des Passauer Domdekans Albert von Behaim (Beham) 1250 für abgesetzt erklärt. 1258 starb Rudiger.

 

 

37.

Berthold Graf von Pietengau (Peiting)

1250-1254

 

Die Bürgerschaft von Passau trat zum ersten Mal in offene Opposition gegen ihren Landesherrn, nur durch eine List konnte Berthold am 11. September 1250 von der Bischofsstadt Besitz nehmen. Nachdem die Politik der Bischöfe 30 Jahre lang bairisch eingestellt war, versuchte Berthold den böhmisch-österreichischen Einfluß in Passau zu verstärken. Einen Teil der Passauer Lehen in Österreich überließ er für 3000 Mark Silber Herzog Ottokar. Damit wurde die Verkleinerung des kaum begründeten Fürstentums Passau eingeleitet. Berthold starb am 10. April 1254.

 

 

38.

Otto von Lonsdorf

1254-1265

 

Er war der Sohn des Passauer Ministerialen Heinrich von Lonsdorf, der am fürstbischöflichen Hof zu Passau wirkte. Hier in Passau ist auch Otto geboren. An der Domschule genoß er seinen ersten Unterricht. 1240 erscheint er als bischöflicher Hofkaplan, bald darauf als Archidiakon von Mattsee und Passauer Domherr. Otto, der sich aus den Parteienzwistigkeiten des Domkapitels heraushielt, wurde am 10. Februar 1254 zum Bischof von Passau gewählt. Mit großer Energie trat Otto die Regierung seines Bistums an. Zunächst versuchte er, die verlorenen Besitzungen des Fürstentums wieder zurückzugewinnen. Durch eine Sammlung der alten Urkunden (Codex Lonsdorfianus) schuf er sich die Rechtsgrundlage für den Nachweis des Eigentums auch an dem inzwischen entfremdeten Kirchengut. Durch den Mangel einer starken Zentralgewalt in dieser „kaiserlosen schrecklichen Zeit" befand sich Otto in ganz schwieriger Lage. Sowohl die baierischen Herzöge Otto II. und Heinrich XIII. wie der böhmische König Ottokar meldeten ihre Wünsche auf Passau an. Otto von Lonsdorf vermochte zwar den Bestand seines Fürstentums zu retten, mußte aber die auswärtigen Lehen im Besitz der einzelnen Landesherren belassen. Auf seelsorglichem Gebiet war Otto bestrebt, die gelichteten Reihen des Klerus wieder aufzufüllen. Er bemühte sich um eine Verbesserung der kirchlichen und sittlichen Zustände des Welt- und Ordensklerus. Besonderer Förderung erfreuten sich die neuen Orden der Dominikaner und Franziskaner, die bereits an mehreren Orten des Bistums Niederlassungen besaßen. Den Franziskanern von Regensburg, unter ihnen auch dem bedeutenden Prediger Berthold, erlaubte er, im ganzen Bistum zu predigen und das Sakrament der Buße zu spenden. Von seiner hervorragenden wissenschaftlichen Bildung zeugt das noch vorhandene Verzeichnis seiner Bibliothek, in der sich auch alte deutsche Heldenlieder befanden.

 

 

39.

Petrus, Domherr von Breslau

1265-1280

 

Vor seiner Wahl zum Bischof war er Domherr in Breslau. Seine Wahl erfolgte wahrscheinlich auf Empfehlung des Königs Ottokar, der 1266 die Stadt Passau besetzte und von da aus einen verheerenden Krieg weit nach Niederbaiern hineintrug. Den Bemühungen des Bischofs und des päpstlichen Legaten Kardinal Guido gelang schließlich 1267 die Befriedung. Unter Bischof Petrus fand eine Synode in Wien statt, an der außer dem päpstlichen Legaten, welcher den Vorsitz innehatte, auch noch die Bischöfe von Prag, Brixen, Freising, Regensburg und Lavant sowie viele Prälaten aus den genannten Bistümern teilnahmen. Die wesentlichen Beschlüsse dieser Synode befaßten sich mit Vorschriften für den Welt- und Ordensklerus. Außerdem wurden noch Beschlüsse über das Zinswesen vereinbart sowie Verordnungen getroffen, die das Zusammenleben von Christen und Juden regelten. Die Ungunst der Zeitverhältnisse brachte nicht die erhoffte Wirkung der Beschlüsse von Wien, so daß 1247 zu Salzburg eine Provinzialsynode abgehalten wurde, bei der Bischof Petrus die Wiener Verordnungen erneut zur Beschlußfassung vorlegte. Überdies hielt er auch eine Bistumssynode in Passau ab, die ebenfalls der Reform des Klerus und der Klöster gewidmet war. Bischof Petrus, der nach 14jähriger Regierung 1280 starb, setzte sich durch die Erbauung der ersten Donaubrücke ein bleibendes Denkmal.

 

 

40.

Wichard von Pohlheim

1280-1282

 

Er wurde am 5.Mai 1280 in der Stephanskirche zu Wien geweiht, starb aber schon um Weihnachten 1282.

 

 

41.

Gottfried, Protonotar König Rudolfs von Habsburg

1282/83-1285

 

Der bedeutendste weltliche Regierungsakt Gottfrieds war die Friedensvermittlung zwischen Herzog Albert von Österreich und seinem Verbündeten, dem Erzbischof von Salzburg, mit dem Herzog Heinrich von Baiern wegen Zwistigkeiten bezüglich mehrerer Besitzungen im Land ob der Enns. Vor seiner Wahl zum Passauer Oberhirten war Gottfried, der aus Westfalen stammte, Protonotar König Rudolfs von Habsburg (1273-1291).

 

 

42.

Bernhard von Prambach

1285-1313 (1313-1317 Sedisvakanz wegen Doppelwahl)

 

Er hielt mehrere Bistumssynoden ab, die erste im Jahre 1293, auf der für den Klerus eine einfache Tracht vorgeschrieben und u.a. das Tragen von Hüten mit herabhängenden Quasten verboten wurde. Eine zweite Synode berief er im März 1294 nach St. Polten ein. Man befaßte sich vor allem mit den herumziehenden Scholaren und Klerikern. Auf der dritten Synode, die 1302 in Passau stattfand, wurde das Fest des hl. Gotthards für das ganze Bistum verpflichtend vorgeschrieben. Überdies beteiligte sich Bischof Bernhard an mehreren Provinzialsynoden in Salzburg. In den Annalen der vielen Klöster des Bistums Passau wird sein Name besonders ruhmvoll erwähnt. Dem Kloster Osterhofen erwies er die Ehre, daß er den ersten Abt dieses Stiftes, Ulrich IV. von Holzheim (1288-1324), im Jahre 1288 konsekrierte. Seine besondere Zuneigung galt dem Zisterzienserorden. Er stiftete 1293 in Engelhardszell auf dem Besitz seines elterlichen Erbes ein Kloster und übergab es den Zisterziensern aus Wilhering. Während es Bernhard gelang, sich bei der Bevölkerung des Hochstiftes wegen seiner vielfachen Bemühungen um die Stärkung des geistlichen Fürstentums beliebt zu machen, kam es bei der Bürgerschaft der Stadt Passau 1298 zu einem Aufstand, der das Ziel hatte, Passau zu einer Reichsstadt zu erheben. König Albrecht I. entschloß sich am 30. November 1298 auf einem Reichstag zu Nürnberg zu dem Schiedsspruch, der dem Selbständigkeitstrieb der Passauer Bürger vorläufig ein Ende setzte. Dem Bischof wurde nach dem königlichen Schiedsspruch die volle Souveränität über die Stadt zurückgegeben und die Bürger unterwarfen sich den vorgeschriebenen Bedingungen. 1299 erließ Bischof Bernhard indes ein neues, gegenüber dem früheren Stadtbrief in vielen Punkten fortgeschrittenes Stadtrecht. Dieses hatte bis 1806 Gültigkeit. Der fromme Bischof und gerechte Landesfürst erreichte ein Alter von beinahe 100 Jahren und starb im Jahre 1313.

 

 

43.

Heinrich Delphin Graf von Vienne

1317-1319

 

Nach dem Tod seines Vorgängers kam es zu einer Doppelwahl. Während ein Teil des Domkapitels Herzog Albert I. von Österreich zum Bischof wählte, gab der größere Teil seine Stimme Gebhard Graf von Walsee. Der österreichische Prinz resignierte noch im Jahre 1313, Gebhard starb 1315 am päpstlichen Hof zu Avignon, und zwar vor der Bestätigung seiner Wahl. Die Sedisvakanz wurde durch Papst Johannes XXII. (1316-1334) beendet. Unter gleichzeitiger Dispens vom kanonischen Alter ernannte er den erst 20jährigen Heinrich Delphin zum Bischof von Passau und teilte dies mit einer eigenen Bulle dem Klerus und dem Volk von Passau mit. Schon 1319 wurde Bischof Heinrich auf den Bischofsstuhl von Metz transferiert. Er war in kanonisch einwandfreier Weise Inhaber des Passauer Bischofsstuhles gewesen, hat sich aber um die Diözesangeschäfte nicht gekümmert, ver-mutlich ist er nicht einmal in Passau selbst gewesen.

 

 

44.

Albert Herzog von Sachsen-Wittenberg

1320-1342

 

Bei seiner Wahl hatte er erst die niederen Weihen, so daß er 1320 zunächst zum Subdiakon geweiht wurde und 1321 zu Salzburg alle anderen Weihen empfing. Bei den Kämpfen zwischen Kaiser Ludwig dem Baiern und Friedrich dem Schönen stand er als naher Verwandter des habsburgischen Hauses auf Seiten Friedrichs, dem er auch in der berühmten Schlacht bei Ampfing (1322) militärische Hilfe leistete, ohne jedoch selbst an der Schlacht teilzunehmen. Später versöhnte sich Bischof Albert mit Ludwig und versuchte auch mit vielen anderen deutschen Landesfürsten eine Aussöhnung zwischen Ludwig dem Baiern und Papst Johannes XXII. herbeizuführen. Die schon unter seinem Vorgänger auftretenden Waldenser machten sich auch während des Pontifikats Alberts bemerkbar.

 

 

45.

Gottfried von Weißeneck

1342-1362

 

Anläßlich seiner Wahl wurde eine sehr umfangreiche und eigennützige Wahlkapitulation durch das Domkapitel aufgestellt, mit dem Ziel, die bischöfliche Zentralgewalt einzuschränken. Gottfried, eine etwas farblose und schwächliche Persönlichkeit, fügte sich den Forderungen dieses Vertrages.

 

 

46.

Albert von Winkel

1363-1380

 

Als Dompropst von Passau seit 1358 nachweisbar, stand seine Wahl im Zeichen heftiger Auseinandersetzungen zwischen Kaiser Karl IV. und dem Habsburger Rudolf IV. von Österreich. Beide wollten einer ihnen genehmen Persönlichkeit zu Amt und Würden in diesem wichtigen südostdeutschen Bischofssitz verhelfen. Papst Urban V. sprach sich schließlich für den vom Domkapitel gewählten Albert von Winkel aus. Seine Regierungszeit ist von den wachsenden Zwistigkeiten zwischen Bischof und Bürgerschaft gekennzeichnet. 1367 kam es zum großen Aufstand gegen den Fürstbischof, der nach mehreren Monaten den Kampf für sich entscheiden konnte. Im Schiedsspruch von 1368, der von den österreichischen Herzögen Albrecht und Leopold gefällt wurde, mußte Albert allerdings der Stadt Passau einige Zugeständnisse machen.

 

 

47.

Johann von Scharffenberg

1381-1387

 

Erst nach einer fast einjährigen Sedisvakanz wurde Dompropst Johann von Scharffenberg 1381 zum Bischof gewählt. Ihm ist es zu verdanken, daß die von seinen Vorgängern nicht ganz freiwillig verpfändeten hochstiftischen Schlösser und Güter wieder dem Fürstentum Passau zurückgewonnen wurden. Lediglich Obernberg, Mattsee und Schallenberg konnten in seiner Regierungszeit nicht wieder dem Hochstift einverleibt werden. Die 1364 von Herzog Rudolf gestiftete Wiener Universität erfuhr durch Bischof Johann kräftige Unterstützung. Nach seinem Tod wählte das Domkapitel den Domkaplan Hermann Digni, der allerdings auf Betreiben der baierischen Herzöge nicht die päpstliche Zustimmung erhielt. Der Passauer Bischofsstuhl wurde immer mehr zum Zankapfel der fürstlichen Nachbarn in Baiern, Böhmen und Österreich.

 

 

48.

Rupert Herzog von Jülich-Berg

1387-1390 (+ 1394 als Bischof von Paderborn)

 

Der Sohn des Herzogs Wilhelm von Berg und Anna, einer Schwester des Kurfürsten Rupert von der Pfalz, wurde auf Betreiben Baierns von Papst Urban VI. zum Bischof ernannt. Rupert konnte sich auch der Unterstützung des böhmischen Königs Wenzel erfreuen. Das Domkapitel beugte sich zunächst der Entscheidung des Papstes. Dennoch konnte sich Rupert nur unter großen Schwierigkeiten in Passau behaupten. 1390 erhielt er das Bistum Paderborn. Er starb am 29. Juli 1394 bei der Belagerung der Feste Padberg an der Pest.

 

 

49.

Georg Graf von Hohenlohe

1390-1423

 

Das Domkapitel, das den von Baiern favorisierten Rupert abgelehnt hatte, fand in Herzog Albrecht III. von Österreich einen mächtigen Bundesgenossen. Der Kandidat Österreichs hieß Graf Georg von Hohenlohe. Er wurde 1388 vom Domkapitel gegen den rechtmäßigen Bischof Rupert von Jülich-Berg zum Gegenbischof gewählt. Als Kandidat der Österreicher ließen die Passauer Bürger Graf Hohenlohe lange Zeit nicht in ihre Stadt, bis der böhmische König Wenzel 1393 wegen einer Empörung im eigenen Land seine Truppen zum Schutze Ruperts von Passau zurückziehen mußte. Am Hof Wenzels in Prag kam es dann zur Aussöhnung zwischen Rupert von Jülich-Berg und Georg von Hohenlohe. Zum letztenmal konnte ein nicht-habsburgischer König von Böhmen zugunsten Wiens die Entscheidung bei der Besetzung des Passauer Bischofsstuhles herbeiführen. Papst Urban VI. konnte gewonnen werden, Georg von Hohenlohe als rechtmäßigen Bischof von Passau anzuerkennen. Aber erst Papst Bonifaz IX. verstand es, Rupert zu veranlassen, auf Passau endgültig zu verzichten und sich nach Paderborn zu begeben. Die Passauer Bürger, ob dieses unwürdigen Schachers verärgert, verwehrten Graf Georg von Hohenlohe bis 1393 den Eintritt in die Stadt Passau. Nur mit Gewalt konnte sich Fürstbischof Georg seiner Bischofsstadt bemächtigen. Hohenlohe, einer der baufreudigsten Passauer Bischöfe, wollte seinem Sieg um den Bischofsthron ein ewiges Denkmal setzen, ein neuer Dom in der Dreiflüssestadt sollte es werden, „ein Dom, größer und herrlicher als der bestehende, dessen Bauglieder uneinheitlich und im Ostteil überaltet waren". Bezeichnend für die geistige Haltung der mittelalterlichen Menschen war, daß sie in der Person des Fürstbischofs deutlich zwischen dem geistlichen Oberhirten und dem Landesfürsten zu unterscheiden wußten. Den politischen Hoheitsträger bekämpften sie leidenschaftlich, ihr religiöser Sinn aber litt darunter nicht. Zur Zeit Fürstbischofs Georg von Hohenlohe sind uns eine ganze Reihe von kirchlichen und wohltätigen Stiftungen der Passauer Bürger bekannt. Graf Hohenlohe war eine profilierte politische Persönlichkeit des 15. Jahrhunderts. Nicht unerwähnt soll seine segensreiche Tätigkeit auf dem glanzvollen Konstanzer Konzil (1414-1418) bleiben. Sowohl als Vertreter des deutschen Königs Sigismund (1410—1437) wie als Würdenträger der Kirche versuchte er diesem Konzil zum Erfolg zu verhelfen. Georg von Hohenlohe gelang es als erstem unter allen seinen Vorgängern, das Bistum Passau aus der kirchenrechtlichen Abhängigkeit von der Salzburger Kirchenprovinz zu lösen, um es zu einem exemten, dem Papst unmittelbar unterstellten Bistum zu erheben. Papst Martin V. überreichte ihm das Pallium, das Amts- und Rangzeichen des Erzbischofs. Auf Protest Salzburgs wurde diese Auszeichnung aber lediglich für die Person Bischof Georgs beschränkt. 1421 betraute ihn Kaiser Sigismund mit dem Amte eines Reichskanzlers und ernannte ihn zum Administrator des Erzbistums Gran. Dort starb er am 8. August 1423.

 

 

50.

Leonhard von Laiming

1423/24-1451

 

Herzog Albrecht V. von Österreich wollte diesen baierischen Adeligen auf dem Passauer Bischofsstuhl nicht hinnehmen. Leonhard erhielt 1424 indes von Papst Martin V. die Bestätigung und auch Kaiser Sigismund akzeptierte den neuen Oberhirten. Er bestätigte ihm alle dem Hochstift Passau von seinen Vorgängern erteilten Privilegien. Die Passauer Bürger leisteten erst 1429 Bischof Leonhard den Huldigungseid. Während seiner Regierungszeit kam Kaiser Friedrich III. mit glänzendem Gefolge nach Passau, unter dem sich auch Enea Silvio, der spätere Papst Pius II., befand. Dieser schätzte und schilderte Bischof Leonhard als einen kunstsinnigen und freigebigen Kirchenfürsten. Leonhard gab seine Bindung an Baiern auf und erneuerte die Verträge mit Österreich. Das gute Vertrauensverhältnis zu Herzog Albrecht V. fand Ausdruck in der Bestellung des Passauer Bischofs zum Reichskanzler, als der österreichische Herzog 1438 zum deutschen König gewählt wurde. Einträchtig haben sich König und Bischof um die Kirchen- und Klosterreform bemüht. 70jährig starb Bischof Leonhard 1451.

 

 

51.

Ulrich von Nußdorf

1451-1479

 

Seine Wahl verlief ohne besondere Komplikationen. Er war vordem Dompropst von Freising. Auch Ulrich erhielt von Kaiser Friedrich III. die Würde eines Kanzlers. 1470 veranstaltete er in Passau eine Bistumssynode, die in 52Kapiteln liturgische, disziplinäre und pastorale Vorschriften erließ. Unter Bischof Ulrich erschien in Passau der berühmte Prediger Johann Capistranus, der den Kreuzzug gegen die Sarazenen predigte.

 

 

52.

Georg Hessler (Hasler)

1480-1482 (seit 1477 Kardinal)

 

Die Spannungen, die zwischen Passau und Kaiser Friedrich III.(1440 bis 1493) wegen der im Jahre 1469 erfolgten Wiener Bistumsgründung auftraten, waren vermutlich Anlaß zu einem dritten Bistumsstreit, den das Passauer Bistum innerhalb eines Jahrhunderts zu erdulden hatte. Das Pas-sauer Domkapitel wählte 1479 als neuen Bischof den Kandidaten des Herzogs Georg des Reichen von Baiern-Landshut, Friedrich Mauerkircher. Kaiser Friedrich III. hatte sich von Papst Sixtus IX. jedoch die Vollmacht ausbedungen, den Nachfolger Bischof Ulrichs selbst zu nominieren. Der Papst annullierte die Wahl Mauerkirchers und ernannte den Kanzler des Kaisers, Kardinal Georg Hessler. 1482 konnte dieser in Passau einziehen. Dennoch war Hessler ein nicht gern gesehener Inhaber des Passauer Bischofsstuhles. Nach langem Kampf kam es zu einem Kompromiß, in dem Mauerkircher die Nachfolge des bereits erkrankten Hessler zugesprochen wurde.

 

 

53.

Friedrich Mauerkircher

1482-1485

 

Nach dem Tode Hesslers fand Friedrich Mauerkircher allgemeine Anerkennung, starb aber bereits nach drei Jahren, 1485.

 

 

54.

Friedrich Graf von Öttingen

1485-1490

 

Er war zuvor Domherr in Augsburg, Bamberg und Konstanz. Friedrich besaß keine priesterlichen Weihen; mehr Fürst als Bischof führte er eine prunkvolle Lebenshaltung, die ihn bei den Bürgern beliebt machte.

 

 

55.

Christoph von Schachner

1490-1500

 

Um 1447 als Sohn einer ritterlichen Familie in der Gegend von Ried im damals baierischen Innviertel geboren, ist er 1464 als Domherr in Brixen nachweisbar. Er wirkte längere Zeit in Rom als Vertreter altbaierischer Bistümer und Domkapitel sowie der baierischen Regierung und schließlich als Gesandter des Erzherzogs Sigmund von Tirol. 1478 wurde er Domkapitular in Passau, 1485 zum Passauer Domdekan gewählt. Sein Gegenkandidat war der spätere Passauer Fürstbischof Wiguläus Fröschl. Der interne Kampf wurde beendet durch die Wahl Schachners zum Passauer Fürstbischof im Jahre 1490. Durch große Sparsamkeit und kluge Wirtschaft war es ihm möglich, die unter seinen Vorgängern angewachsene Hochstiftsschuld zu einem beträchtlichen Teil zu mindern. 1490 stiftete er an der St.-Salvator-Kirche in Passau-Ilzstadt ein Kollegiatstift mit einem Propst, einem Dekan und sechs Chorherren. Dreimal berief er die Stände des Hochstifts zu Landtagssitzungen in das Niederhaus, ein Ereignis, das schon seit 240 Jahren nicht mehr stattgefunden hatte. Christoph Schachner stellte die junge, mächtig aufblühende Kunst der Buchdruckerei in den Dienst der Liturgiereform. Auf diese Weise konnte dem drückenden Mangel an Meßbüchern in den Kirchen des Bistums abgeholfen werden. 1491 ließ der Fürstbischof in der Passauer Offizin des Johann Petri das erste Missale Passaviense drucken, das übrigens das einzige Missale darstellt, das jemals in Passau im Druck erschienen ist.

 

 

56.

Wiguleus Fröschl von Marzoll

1500-1517

 

Der Sohn des Ludwig Fröschl von Marzoll, Siedherrn in Reichenhall, reiste nach seiner Erwählung nach Rom, wo er von Papst Alexander VI. (1492 bis 1503) bestätigt wurde. Während seines Romaufenthalts erhielt er auch die Bischofsweihe. In Wiguläus Fröschl begegnet uns unmittelbar vor Ausbruch der Reformation ein vorbildlicher Seelsorgerbischof. Die Reform des Klerus war ihm ein ernstes Anliegen. 1503 versammelte er den Klerus und alle Prälaten des Bistums zu einer Synode in Passau. Um eine einheitliche Verrichtung der Gottesdienste sicherzustellen, ließ er ein Rituale für das Bistum 1513 in Basel drucken. Am 17. Juli 1515 wohnte er in Wien einer Zusammenkunft der Könige von Ungarn, Polen und Böhmen mit Kaiser Maximilian I. (1493-1519) bei, auf der ein gegenseitiges Schutz- und Trutzbündnis gegen die Türken beschlossen wurde. Schon 1514 erhielt er in der Person des Herzogs Ernst von Baiern, des jüngsten Sohns Herzog Albrechts IV. von Baiern, einen Koadjutor.

 

 

57.

Ernst, Herzog von Baiern

1517-1541

(seit 1514 Koadjutor, ab 1541 Erzbischof von Salzburg, resignierte 1554, + 1560)

 

Der Lehrer dieses jungen Wittelsbacher Prinzen war der erste kritische Geschichtsschreiber Baierns, Aventinus. Durch Studien an den Universitäten Ingolstadt und Pavia sowie durch ausgedehnte Reisen nach Italien und Frankreich vervollständigte er seine Bildung. Da er den Empfang der erfor-derlichen Weihen ablehnte, konnte Herzog Ernst das Bistum Passau nur als Administrator verwalten. Er brachte am Passauer Hof den Humanismus zur Geltung. Auch die Anfänge der reformatorischen Bewegung fallen in die Regierungszeit von Herzog Ernst. Gemäß den Reichsgesetzen unterdrückte er mit aller Entschiedenheit die neue Lehre. Unter ihm wurde der Priester Leonhard Kaiser gefangengenommen, den Baiern ausgeliefert und 1527 in Schärding als Ketzer verbrannt. 1540 wurde er zum Erzbischof von Salzburg gewählt, resignierte aber 1554. Er starb am 7. Dezember 1560 in der von ihm erworbenen Herrschaft Glatz.

 

 

58.

Wolfgang Graf von Salm

1541-1555

 

Er war der Sohn des heldenmütigen Verteidigers Wiens gegen die Türken, des Nikolaus von Salm. Wie sein Vorgänger war auch Bischof Wolfgang ein begeisterter Anhänger des Humanismus. Diesem ausgleichenden Kirchenfürsten sollte eine welthistorische Aufgabe zufallen, die zur Befriedung der religiösen Unruhen beigetragen hatte. Auf dem Fürstenkongreß von Passau 1552 wurde unter Mitwirkung des geschickten Diplomaten Wolfgang von Salm der Passauer Vertrag geschlossen, der bis zur Entscheidung durch einen Reichstag freie Religionsausübung zusicherte. Damit war die Grundlage für den Augsburger Religionsfrieden vom Jahre 1555 geschaffen. Als Humanist förderte er Wissenschaft, Musik und bildende Künste. Der bekannte Wolf Huber war sein Hofmaler.

 

 

59.

Wolfgang von Closen

1555-1561

 

Die unliebsamen Konflikte auf wirtschaftlichem Gebiet, die Bischof Wolfgang von Salm mit Baiern auszustehen hatte, beeinflußten wahrscheinlich das Passauer Domkapitel, mit Wolf gang von Closen wieder einen Vertreter aus dem niederbaierischen Landadel zum Bischof zu küren. Wegen seiner Krankheit mußte er die Leitung der Geschäfte seinem gelehrten Weihbischof Heinrich Kurz überlassen.

 

 

60.

Urban von Trennbach

1561-1598

 

Mit seiner Regierung von 37 Jahren ist Urban zu einem der größten Fürstbischöfe von Passau geworden, mildtätig, kirchenstreng. Die Gegenreformation fegte jetzt in der Stadt Passau die letzten Anhänger der Reformation hinweg. Gleichzeitig setzte sich unter Urban von Trennbach die durch das Konzil von Trient ausgehende Glaubenserneuerung des Katholizismus, die sogenannte Katholische Reform durch. Anders als in anderen Bischofsstädten verzichtete Bischof Urban zur Bekämpfung der Neuen Lehre auf die Jesuiten. Er rief l564 den Orden der Franziskaner, und zwar die strenge Richtung, die Observanten, nach Passau. Auf den Salzburger Provinzsynoden von 1569 und 1573 erwies sich Urban als einer der reformeifrigsten Bischöfe. Die Kurie rechnete ihn im Jahre 1570 zu jenen deutschen Bischöfen, auf deren katholische Haltung man uneingeschränkt vertrauen konnte. Die Hauptsorge Urbans galt der geistigen und sittlichen Erneuerung des Diözesanklerus. Er ordnete eine Reorganisation der Dekanatseinteilung an und schärfte den neubestellten Landdekanen ein, Zucht und Lebenswandel der Geistlichen gewissenhaft zu überwachen. Seinem Klerus gab er gegen ein bescheidenes Entgelt gute katholische Bücher in die Hand. Bischof Urban war darüber hinaus bestrebt, möglichst bald ein Priesterseminar nach den Wünschen des Konzils von Trient zu errichten. Hier blieb ihm indes der Erfolg versagt, da das Domkapitel und vielfach auch die anderen Pfründeinhaber jede finanzielle Beihilfe verweigerten. Überdies lehnten die weltlichen Landesherrn strikt jede finanzielle Belastung der Kirchen- und Pfründestiftungen für Seminarzwecke ab. Bemerkenswert ist, daß ausgerechnet dieser aus niederbaierischem Geschlecht stammende Passauer Bischof es war, dem es das Haus Habsburg zu danken hat, daß Passau nach zwei Jahrhunderten dem Einfluß Baierns entzogen wurde, und zwar bis zur Säkularisation (1803). Baierns eigensüchtige und unkluge Politik gegen die Passauer Handelsinteressen wollte dieser durchaus selbstbewußte Fürstbischof nicht ungestraft hinnehmen. Von den Wittelsbachern enttäuscht, tat er alles, einen Habsburger als Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge zu gewinnen. Da das Domkapitel mit der einen Hälfte der Stimmen den Habsburger Leopold, mit der anderen Hälfte den Wittelsbacher Ferdinand als Koadjutor bestimmte, konnte er Rom die Entscheidung überlassen, das sich 1598 für den Erzherzog Leopold als Bischofskoadjutor entschied.

 

 

61.

Leopold, Erzherzog von Österreich

1598-1625

(seit 1595 Koadjutor, seit 1607 zugleich Bischof von Straßburg, + 1632)

 

Mit ihm gelangte das Bistum und Hochstift Passau durch 60 Jahre in den Besitz habsburgischer Prinzen. Da Leopold bei seiner Wahl erst elf Jahre alt war, fand die feierliche Einführung des neuen Fürstbischofs 1605 statt. Bis dahin führte Dompropst Christoph Pöttinger, der erste Germaniker aus dem Bistum Passau, die Administration der Diözese. Erzherzog Leopold, seit 1607 auch Bischof von Straßburg, war mehr weltlicher Fürst. Er wurde häufig zu politischen Missionen im Dienste des Hauses Habsburg verwendet. Im Konflikt mit seinem Bruder Matthias beabsichtigte Kaiser Rudolf II. (1576—1612), Leopold sogar die Nachfolge zu übertragen. So ist der feurige, kühne Leopold als der Fürstbischof mit dem Passauer Kriegsvolk in die Geschichte eingegangen. Und dennoch hat er auch für Passau und das ganze Bistum Verdienste vorzuweisen. Er holte die Jesuiten in die Stadt und stiftete aus seinem Privateigentum an der Innseite das große Kollegium, das alles in einem sein sollte: Gymnasium, Diözesanhochschule, Hoftheater, geistig-geistliche Zitadelle überhaupt. Vermutlich war das Ganze ein Verlöbnis gewesen, das Leopold auf dem verzweifelten Rückzug aus Prag 1611 ablegte. Nach dem Tod Erzherzogs Maximilians wurde er zunächst Gubernator, dann Landesherr in Tirol, als solcher hat er auf seine geistlichen Pfründen verzichtet. Da er die höheren Weihen nie empfangen hatte, erhielt er 1626 von Rom Dispens, um Claudia Medici, die Herzogin von Etrurien, zu heiraten. Er starb am 3.September 1632 in Innsbruck.

 

 

62.

Leopold Wilhelm, Erzherzog von Österreich

1625-1662

(zugleich Bischof von Straßburg, Halberstadt, Olmütz und Breslau)

 

Er war der Neffe seines Vorgängers und Sohn Kaiser Ferdinands II. Er stellt ein Beispiel unverantwortlicher Stellenhäufung dar; noch nicht elf Jahre alt, erhielt er die Bistümer Passau und Straßburg, außerdem 1629 Halberstadt, 1637 Olmütz und 1656 Breslau. Überdies war er Hochmeister des Deutschen Ritterordens und von 1649 bis 1656 Statthalter der Niederlande. Trotz seiner Ämterhäufung, die völlig im Gegensatz zum Tridentiner Bischofsideal stand, war Leopold Wilhelm ein ausgesprochen geistlicher Regent, ernst, bedächtig, fromm, mit einem fast übergroßen Gefühl für die Pflicht. Mit 22 Jahren erschien er zum ersten Mal im Jahre 1632 in Passau, um seine Residenzpflicht wahrzunehmen. Wie sein Onkel war er ein großer Verehrer, ja beinahe verschwenderischer Gönner des Jesuitenordens. Er baute die Hochschule weiter aus und gründete 1638 das Passauer Priesterseminar. Als Mitglied des Hauses Habsburg konnte er während des 30jährigen Krieges nicht zurückgezogen in Passau leben. 1639, als der Krieg in die Krise kam, berief Kaiser Ferdinand III. (1637—1657) seinen Bruder sogar zum neuen Generalissimus. Ihm war es aufgegeben, die auseinanderstrebenden Kräfte wieder zusammenzuführen. Ein halbes Jahr vor dem Ende seiner Regierung vernichtete der Brand vom 27. April 1662 seine Residenzstadt Passau. Sofort schenkte Leopold Wilhelm zum Wiederaufbau 45000 Gulden.

 

 

63.

Karl Joseph, Erzherzog von Österreich

1662-1664

 

Der dritte habsburgische Prinz auf dem Passauer Bischofsstuhl, Karl Joseph, der Sohn Ferdinands III., war gleichfalls noch ein Kind, als er Bischof von Passau wurde. Dieser zarte, kranke Knabe, hochbegabt, kam im Sommer 1663 zum ersten und einzigen Mal nach Passau und wallfahrtete auf den Mariahilfberg. Noch keine 15 Jahre alt, starb er am 27. Januar 1664 zu Linz. Die Bestürzung über den frühen Tod des Erzherzogs war gewaltig, nicht zuletzt im Hause Habsburg. 1662 und 1663 hatte man ihm auch die Bistümer Olmütz und Breslau überlassen. Für die Wahl in Passau 1664 stand kein österreichischer Prinz zur Verfügung. Wien begnügte sich, das wichtige Bistum indirekt zu beherrschen. Die erbländische Hocharistokratie besetzte nun den Passauer Bischofsstuhl.

 

 

64.

Wenzelaus Graf von Thun

1664-1673

 

Am 27. März 1664 wurde er, erst 35 Jahre alt, zum neuen Fürstbischof gewählt. Bewußt entschied sich das Wahlkollegium für einen Mann von schier übermenschlicher Kraft und Leistungsfähigkeit, da zwei Jahre nach der Brandkatastrophe von 1662 die Stadt Passau noch immer eine Stätte von Ruinen und Schutt war. Mit 14 Jahren erhielt Wenzeslaus schon ein Kanonikat in Salzburg. Im Jahre 1656, 27jährig, wurde er in das Domkapitel zu Passau berufen. Seine vornehmste Aufgabe als neuer Fürst war der Wiederaufbau der Stadt, und das bei gleichzeitigem Wirtschaftsbankrott des Hochstifts Passau. Die Folgen des 30jährigen Krieges und der Pestepidemien hatten die Bevölkerung des Fürstentums dezimiert. Seine Wohnung mußte Wenzeslaus fast zwei Jahre lang in dem vor den Toren Passaus liegenden Augustinerchorherrenkloster St. Nikola nehmen. Der rastlos tätige und wirtschaftlich ungemein erfinderische Regent vollbrachte im Passauer Land ein Wirtschaftswunder. Er vereinfachte den Staatsapparat und reformierte mit eiserner Hand das Beamtentum. Seine großen Verdienste um die Erschließung des unteren baierischen Waldes lebten Jahrzehnte in dem Dorfnamen Wenzelsreuth weiter, das allerdings später in Breitenberg umgetauft wurde. Wenzeslaus von Thun ist als Landesfürst ein früher Vertreter des Merkantilismus gewesen, jener Staats- und Wirtschaftsauffassung, wonach der ganze Staatsbereich als einheitlicher Wirtschaftsraum anzusehen und die Staatsmacht auch durch wirtschaftliche und finanzielle Maßnahmen zu stärken sei. Indes, Wenzeslaus war weit entfernt, nur weltlicher Fürst zu sein. In der bischöflichen Würde erblickte er die Vollendung seines Gottesgnadentums. Seit mehr als 75 Jahren geschah es zum ersten Mal wieder, daß der Fürstbischof von Passau an hohen Festtagen selber den Pontifikalgottesdienst zelebrierte. Auch Weihehandlungen, die bisher nur von den Weihbischöfen ausgeübt wurden, nahm er selber vor. Ein großes Anliegen war ihm die Wahrung der bischöflichen Jurisdiktionsrechte nicht nur bezüglich der zahlreichen, zuweilen recht eigenmächtigen Klosterprälaten des Bistums, sondern auch gegenüber dem eigenen Domkapitel. Den selbstbewußten Jesuiten nahm er die Domkanzel weg und verbot sogar drei Jahre lang den Weiterbau ihrer St. Michaelskirche. Mit strenger Gerechtigkeit begegnete er seinem Klerus, auf dessen wissenschaftliche Schulung er großen Wert legte, wie er auch für die gediegene Erziehung des Priesternachwuchses Sorge trug. Wenzeslaus war es auch, der Passau das barocke Gepräge gab. Er entschloß sich, einen barocken Dom zu bauen. Die ihm von seiner Heimatstadt Prag her bestens vertrauten Künstler der Comasken stellten den Bautrupp für den Wiederaufbau des Domes unter Leitung des Baumeisters Carlo Lurago und des mit diesem verwandten Stukkateurs Giovanni Battista Carlone. Fürstbischof Wenzeslaus war es nur vergönnt, 9 Jahre zu regieren. Kaum 44 Jahre alt, starb er am 8. Januar 1673. Trotz mancher Zerwürfnisse mit der wenig aufgeschlossenen Bürgerschaft Passaus darf man in dem autoritären Wenzeslaus von Thun einen Pater Patriae Passaviensis erblicken, der, sich verzehrend für sein Bistum, sein Hochstift und seine Stadt, das Passauer Land vor dem drohenden Ruin gerettet und ihm neue Wege für die Zukunft gewiesen hat.

 

 

65.

Sebastian Graf von Pötting

1673-1689

 

Am 11. März 1673 wurde der bisherige Bischof von Lavant und Dompropst zu Passau auf Empfehlung Kaiser Leopolds I. zum Fürstbischof von Passau gewählt. 1674 ließ er einen Katechismus für die Seelsorger in lateinischer Sprache verfassen, um das Volk gebührend unterrichten zu können. Ein Jahr später veröffentlichte er eine für die Seelsorge nachhaltige Instruktion, die ebenfalls allen Pfarrern zugestellt wurde. Dieses Dokument enthielt genaue Anweisung für die Amtsführung der Seelsorger. Neben der Sakramentenseelsorge forderte Bischof Sebastian auch von seinen Priestern, die Erklärung der christlichen Lehre zu bestimmten Zeiten gewissenhaft zu absolvieren. Gegenüber den Prälaten der in Österreich gelegenen Klöster verstand er seine bischöflichen Rechte geltend zu machen. Den Jesuiten sehr zugetan, hob Sebastian im Jahre 1677 das von Bischof Wenzeslaus erlassene Verbot des Baues der St. Michaelskirche auf, so daß noch im nämlichen Jahre das Gotteshaus vollendet und konsekriert werden konnte. Seine Bestrebungen, endlich die Exemtion des Passauer Bistums zu erlangen, brachten ihn in Schwierigkeiten mit dem Erzbischof von Salzburg. 1676 entschloß sich Kaiser Leopold I., seine Vermählung mit der baierischen Prinzessin Eleonore in Passau abzuhalten. Die mit großer Pracht vollzogene Trauung nahm Bischof Sebastian selbst vor. Noch waren nicht vier Jahre verflossen, als der Schauplatz dieses großartigen Ereignisses, nämlich die Residenz und die ganze Stadt Passau, 1680 abermals in Schutt und Asche sank. Im Juli 1683 schließlich kam nach Passau die Schreckenskunde von der Belagerung Wiens durch die Türken. Kaiser Leopold I. flüchtete mit seinem ganzen Hofstaat nach Passau, wo er bis zum 12. September 1683, als endlich die Freudenbotschaft über die erfolgte Entsetzung Wiens in Passau eintraf, seinen Regierungs-geschäften nachging. Fürstbischof Sebastian wurde zum bevollmächtigten kaiserlichen Gesandten beim Reichstag in Regensburg ernannt. Dieses Amt bekleidete er vier Jahre lang. Geisteskrank kehrte er nach Passau zurück und starb am 16. März 1689. Obwohl ein sehr frommer, in seinen geistlichen Verrichtungen eifriger Bischof, hatte er zeitlebens eine Vorliebe für Alchemie, eine Leidenschaft, der damals viele Fürsten anhingen.

 

 

66.

Johann Philipp Graf von Lamberg

1689-1712 (seit 1700 Kardinal)

 

Er zählt zu den bekanntesten deutschen Staatsmännern im Zeitalter Kaiser Leopolds I. (1657-1705). Über 30 Jahre hindurch war er einer der rührigsten, gewandtesten und meistgenannten österreichischen Diplomaten, der an süd- und norddeutschen Fürstenhöfen, in Polen und Italien im Dienste dreier habsburgischer Kaiser tätig war. Das Schwergewicht seines Lebenswerkes ruht keineswegs in der Regierung des Hochstifts Passau oder der seelsorglichen und verwaltungsmäßigen Betreuung seines großen Bistums. Er blieb auch als Bischof Diplomat des Wiener Hofes. 1685 bekam er Sitz und Stimme im Passauer Domkapitel. Auf Empfehlung Kaiser Leopolds I. wurde er einstimmig zum Fürstbischof von Passau gewählt. Unter seiner Regierung hatte die Stadt Passau durch den Reichskrieg gegen Ludwig XIV. von Frankreich, dann später durch den Spanischen Erbfolgekrieg viel Ungemach zu erdulden. Schuld an dieser mißlichen Situation war die strategische Lage Passaus an der Heerstraße nach Österreich. Als Grandseigneur seiner Zeit genügten ihm zur fürstlichen Repräsentation die neu ausgestatteten Räume der Residenz in der Zengergasse nicht mehr. Er veranlaßte den Neubau der heutigen bischöflichen Residenz, „der bedeutendsten künstlerischen Tat des 17. Jahrhunderts in Bayerns Donautal" (B. Riehl). Unter Lamberg war der Passauer Musik ihre eigentliche Blütezeit beschert. Er berief 1690 Georg Muffat von München nach Passau und ersetzte ihn 1705 nach dessen Tod durch den aus Wien herbeigeholten Benedikt Aufschnaiter. Eine künstlerische Großtat war auch die Innenausstattung des Domes; fast alle Seitenaltäre und die beiden Seitenportale zeigen sein Wappen. Als Fürst des Barock mit allen bestechenden Vorzügen und aller zeitbedingten Einseitigkeit oder Mangelhaftigkeit regierte und repräsentierte er wie viele andere zeitgenössische Landesfürsten auch, nur mit einem noch größeren Aufgebot an Pracht und Prunk. 1692 ließ er auch die Sommerresidenz in Hacklberg, die mit schönen Gartenanlagen verbunden war, erbauen. Das Domkapitel, dessen schwächliche Zwietracht und kleinliche Selbstsucht er als ehemaliges Mitglied nur zu gut kannte, behandelte er mit souveräner Überlegenheit. Mit diplomatischem Geschick und Zähigkeit bemühte er sich um die Erhebung Passaus zum Erzbistum. Unterstützt wurde er in diesen Auseinandersetzungen von Ph. W. von Hörnigk, einem namhaften Gelehrten, der die Passauer Archive neu auswertete und 1693 in der „Chronograpphia Passaviensis" Waffen für die Exemtion schmiedete und damit eine ganz neue Epoche der Passauer Geschichtsschreibung heraufführte. Dennoch war Johann Philipp von Lamberg die Erreichung der Exemtion nicht vergönnt. Papst Innozenz XI. erfüllte aber am 21. Juni 1700 den Wunsch Kaiser Leopolds I. (1657-1705) und ernannte den Passauer Fürstbischof zum Kardinal. Schon bald darauf durfte Lamberg sein höchstes Vorrecht als römischer Kardinal betätigen, nämlich an der Wahl eines neuen Papstes teilzunehmen. Lamberg war der einzige deutsche Kardinal unter den anwesenden 58 des Kollegiums. Aus der Wahl ging damals am 23.November 1700 Klemens XI. als Papst hervor. Eine bedeutende Aufgabe erfüllte Lamberg als kaiserlicher Prinzipalkommissär am Reichstag zu Regensburg, wo er ab 1699 als ständiger Vertreter des Kaisers fungierte. Am 20. Oktober 1712 starb Johann Philipp von Lamberg im Kloster St. Emmeran zu Regensburg.

 

 

67.

Raymund Ferdinand Graf von Rabatta

1713-1722

 

Er war bereits vor seiner Wahl Mitglied des Passauer Domkapitels und hatte in dieser Eigenschaft mit Erfolg die Kapitelpfarreien in Österreich und Baiern visitiert. Seine Wahl wurde von Papst Klemens XI. 1713 bestätigt, mit der Ermahnung, daß die unter seinem Vorgänger wegen dessen langer Abwesenheit in Verfall gekommene Kirchenzucht wiederhergestellt werde. Bischof Raymund nahm seine Hirtenpflicht sehr ernst. Er führte im ganzen Bistum die sogenannten Volksmissionen ein. Die Aufgabe dieser Missionen übertrug er Ordenspriestern, die von einer Pfarrei in die andere zogen, um das Volk in der christlichen Lehre zu unterweisen und die Sakramente zu spenden. Als Landesfürst bemühte er sich um die Besiedelung des unteren baierischen Waldes und errichtete für die dortigen Kolonisten die Pfarrei Breitenberg. 1714 begründete er im Spitalhof außerhalb St. Nikola eine Krankenanstalt. Nach nicht ganz zehnjähriger Regierung starb Raymund Ferdinand 53 Jahre alt.

 

 

68.

Joseph Dominikus Graf von Lamberg

1723-1761 (seit 1737 Kardinal)

 

Der ehemalige Bischof von Seckau wurde am 2. Januar 1723 vom Domkapitel zum neuen Oberhirten des Bistums Passau gewählt. Er kann als der bedeutendste Seelsorge-Bischof des Passauer Großbistums angesehen werden. Während seiner fast 40jährigen Regierungszeit hat er der Stadt und dem Bistum sein Bild eingeprägt wie nur wenige in der Geschichte der Diözese Passau. Der Ansatzpunkt Lambergs ist die Wiederherstellung des religiösen Primats im Leben des einzelnen. Sein Ziel war eine Wiederbelebung irregeleiteter Kräfte. Er erkannte in den Bruderschaften einen bedeutsamen Faktor des religiösen Lebens und ließ sich selbst aufnehmen. In Mariahilf und bei der Liebfrauenzeche (Waagbruderschaft) nehmen die Eintragungen bis 1750 ständig zu. 1723 schon wurde die Fronleichnamsbruderschaft aus ihrer Erstarrung gelöst und mit der Erzbruderschaft in Rom vereinigt. Nach Anordnung des Fürstbischofs hatten die Mitglieder folgende Pflichten zu erfüllen: Teilnahme an monatlichen Prozessionen, an Predigt und Litanei, Begleitung des Priesters bei der Überbringung der Krankenkommunion und, was im 18. Jahrhundert sehr viel war, dreimaliger Empfang der Sakramente im Jahr. Da der Religionsunterricht der Kinder sehr im argen lag, gründete er 1727 eine Bruderschaft zur christlichen Unterweisung der Jugend nach dem Vorbild des Franz von Sales, Karl Borromäus und Pius V. Dabei machte er deutlich, daß der erwachsene Laie als Träger des allgemeinen Priestertums angesprochen werde. Als Landesfürst galt seine Sorge auch der sogenannten deutschen Schule. Unter Joseph Dominikus von Lamberg erreichte das soziale Engagement, das seit dem Mittelalter fast völlig versiegt war, neue Höhen. Zu Zwecken der Seelsorge ließ er 1723 die große „Tabula geographica totius Dioecesis Passaviensis" anfertigen. Nach Dekanaten und Pfarreien unterteilt, war sie gleichsam eine geistliche Generalstabskarte für Joseph Dominikus, der als erster Fürstbischof nach geraumen Jahrzehnten auf zahlreichen Reisen mit dem Wagen, meist zu Pferd, mitunter zu Fuß seine große Diözese visitierte. 199 Visitationsreisen sind aktenmäßig bekannt. Was der Bischof in den Visitationen der Pfarreien begonnen hatte, ließ er in Volksmissionen fortsetzen. Unter Joseph Dominikus wurde der Neubau der Residenz 1730 fertig und nach prächtiger Ausstattung der Innenräume vom Fürstbischof bezogen. Als Landesfürst beginnt Joseph Dominikus eine neue Ära: Die Untertanen hatten nicht nur Pflichten gegenüber dem Landesherrn, sondern dieser auch die Aufgabe der Fürsorge, die sich in der Förderung des Gewerbes, Handels und Verkehrs kundtat. Er legte zum Teil Landstraßen neu an oder verbesserte sie. Damit begründete er eine Art Volkswirtschaf1.1730 kaufte er das Schloß und die Grafschaft Neuburg am Inn. Als 1722 das Bistum Wien zum Erzbistum erhoben wurde, mußte Passau eine Anzahl von Pfarreien im Gebiet des Wienerwaldes abtreten. Als Entschädigung erhielt das Bistum Passau das Privileg der Exemtion von Salzburg, außerdem wurde Joseph Dominikus und seinen Nachfolgern gestattet, das erzbischöfliche Pallium zu tragen. Im Jahre 1737 erhob ihn Papst Klemens XII. wegen seiner „bewährten Frömmigkeit, seinem Eifer für die katholische Religion, seiner musterhaften Verwaltung des bischöflichen Hirtenamtes" zum Kardinal. 1740 nahm er am Konklave in Rom teil, aus welchem der gelehrte Kardinal Lambertini als Papst Benedikt XIV. (1740-1758) hervorging. Im 82. Lebensjahr starb Joseph Dominikus am 30. August 1761. Er hat am längsten die Diözese Passau regiert.

 

 

69.

Joseph Maria Graf von Thun-Hohenstein

1761-1763

 

Er hatte bereits im Alter von 16 Jahren eine Kanonikatsstelle in Salzburg und zwei Jahre später in Passau inne. 1741 wurde ihm das Bistum Gurk übertragen. Die Bischofsweihe nahm Papst Benedikt XIV. persönlich vor. 1761 wurde er zum Fürstbischof von Passau gewählt. Wenngleich die Passauer Bischofschroniken insbesondere die Bemühungen Thuns um die Hebung der Wirtschaft und des Verkehrs sowie die Gründung der sogenannten „Liebesversammlung", einer religiösen Bruderschaft zugunsten der Armen und Bedürftigen in Stadt und Land, hervorheben, hatten Thuns Leistungen in der Neuorientierung der wissenschaftlichen und geistigen Ausbildung der Seelsorger eine epochemachende Wirkung. Er war bestrebt, den Einfluß der Jesuiten zugunsten des Weltklerus zurückzudrängen. Er gründete 1762 ein Weltpriesteralumnat in Passau. Die Förderung der geistigen und geistlichen Ausbildung des Passauer Klerus hat Joseph Maria von Thun durch seine eigene wissenschaftliche Tätigkeit in hohem Maße befruchtet. Zeitgenossen sahen in ihm sogar den gelehrtesten Bischof in Deutschland seit zwei Jahrhunderten, ein Urteil, das sicher zu hoch gegriffen ist. Nicht zu leugnen hingegen sind seine Begabungen auf exegetischem Gebiet. Bekannt ist seine Übersetzung und Erklärung des Neuen Testaments. Er orientierte sich am Urtext; seine Übersetzung wird als plastisch, farbig und sehr volksnah gekennzeichnet. Am 15. Juni 1763 starb Joseph Maria von Thun auf einer Visitationsreise durch das Innviertel in Mattighofen.

 

 

70.

Leopold Ernst Graf von Firmian

1763-1783 (seit 1772 Kardinal)

 

Leopold Ernst von Firmian war nach Herkommen und Lebensart ein typischer Kirchenfürst des 18. Jahrhunderts. Er entstammte einer der vornehmsten Adelsfamilien Tirols, die im Dienste der Habsburger eine reiche politische und kirchliche Wirksamkeit entfaltete. Der Onkel des Passauer Fürstbischofs war jener Salzburger Erzbischof Leopold Anton von Firmian, dessen Name aufs engste mit der Ausweisung der Protestanten aus dem Salzburger Hochstift verbunden ist. Trotz besten Einvernehmens des jungen Leopold Ernst mit seinen Jesuitenlehrern am Germanicum in Rom suchte er Kontakt zu den kirchenreformerischen Kreisen um den späteren Kardinal G. Orsi aus dem Dominikanerorden, der ihn mit jansenisten-freundlicher Literatur vertraut macht. 1723 wurde er Domherr in Passau,, 1728 in Salzburg, 1736 Dompropst in Trient. Einen ersten Höhepunkt erreichte Firmian, als er am 2. September 1733 zum Dekan des Metropolitankapitels Salzburg gewählt wurde, das immerhin in seiner Mitte acht Bischöfe, darunter zwei Kardinäle, zählte. Trotz seiner erst 25 Jahre gelang es Leopold Ernst, bei zahlreichen Jurisdiktionsstreitigkeiten zwischen dem mimosenhaften Domkapitel und dem eigenwilligen erzbischöflichen Onkel Leopold Anton von Firmian zu vermitteln. 1739 wurde ihm das Bistum Seckau und das Salzburger Generalvikariat in der Steiermark anvertraut. Der geradlinige Aufstieg Firmians im Dienste der deutschen Reichskirche fand in seinem Heimatbistum Trient seine Fortsetzung, als er mit der tatkräftigen Unterstützung Maria Theresias 1748 zum Koadjutor und Administrator von Trient mit dem Recht der Nachfolge gewählt wurde. Unliebsame Auseinandersetzungen mit dem dortigen Domkapitel veranlaßten ihn, 1755 auf Trient zu verzichten. Das große Ziel seines Lebens war der erzbischöfliche Stuhl von Salzburg. Aber alle Bemühungen waren vergeblich. Dafür gelang es dem ehrgeizigen Leopold Ernst von Firmian im Jahre 1763, das exemte Fürstbistum Passau zu erhalten. Auch hier machte Kaiserin Maria Theresia, deren Ratgeber Firmian war, ihren Einfluß geltend. Das Wirken Firmians als Fürstbischof von Passau war geprägt von dem Übergang vom Barock zur Aufklärung. Mit Leopold Ernst von Firmian und nicht erst mit Auersperg zog die katholische Aufklärung im Bistum Passau ein, wenn auch noch nebenher die Geistigkeit des Barocks weiterlebte. Am deutlichsten zeigten sich die neuen Ideen auf dem Gebiet der Priesterausbildung, wo er bestrebt war, andere Wege zu suchen und zu gehen. Auch das Bild des Seelsorgers, das er seinem Klerus nicht ohne Strenge nahezubringen trachtete, machte deutlich: In Passau war eine neue Zeit eingezogen. Er lehnte den jesuitischen Alleinhandel mit Wissenschaften ab und richtete sein Augenmerk besonders auf das von seinem Vorgänger eben gegründete Seminar für Weltpriester, das nicht von Jesuiten, sondern von Weltgeistlichen geleitet wurde. Die Richtung des theologischen Studiums seiner Alumnen bestimmte Fürstbischof Firmian nicht nur durch die Auswahl der Lehrer, sondern auch durch die Statuten, die er sogar eigenhändig niederschrieb und am 15.November 1764 veröffentlichte. Er verlangte von seinen Alumnen ein Studium, das sich an den Quellen der Theologie orientiert und alle leeren Spekulationen meidet. Nach der Aufhebung der Gesellschaft Jesu 1773 bewies Firmian ein großmütiges Verhalten gegenüber seinen bisherigen Widersachern im Bistum Passau. Die von Wien gewünschte Entfernung der Exjesuiten vom Lehramt der Theologie und Philosophie lehnte er mit Entschiedenheit ab. Firmian gilt als der Begründer der fürstbischöflichen Akademie, die neben Philosophie und Theologie eine juristische Fakultät erhielt. Auch um die Seelsorge seines Bistums kümmerte sich Firmian vorbildlich. Zehn Jahre nach seinem Regierungsantritt hatte er im Jahre 1773 bereits außer dem damals kleinen baierischen Anteil seines Großbistums alle Pfarreien persönlich visitiert. Wie sehr Kardinal Firmian von den Ideen der katholischen Aufklärung ergriffen war, zeigt eine Reihe seelsorglicher Reformmaßnahmen: Er verminderte die überaus hohe Anzahl kirchlicher Feiertage (90 Tage des Jahres waren Feiertage), untersagte alle Schauspiele und öffentlichen Lustbarkeiten an Sonn- und Feiertagen und war behutsam bemüht, die Prozessionen und Bittgänge auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Schließlich gelang es Firmian mit Erfolg, Front zu machen gegen eine Reihe abergläubischer Formen des religiösen Lebens. Sein Verhältnis gegenüber den staatlichen Gewalten war geprägt von der Unterscheidung zwischen dem, was eine Angelegenheit des Glaubens und damit allein von der Kirche zu beschließen war und was lediglich die kirchliche Disziplin und überkommene Tradition betraf. Letzteres erlaubte ihm, berechtigte Forderungen des Staates zu berücksichtigen. Große Verdienste hat er sich um sein Fürstentum erworben, vor allem während der schrecklichen Hungerjahre 1770—1772. Für die niedrigen Hofbediensteten richtete er eine Pensionskasse ein. Die Stadt Passau erhielt auf seine Initiative hin ein neues Krankenhaus. Günstige Voraussetzungen schuf er für die Verwaltung des Hochstifts durch eine Arrondierung des Hochstiftsterritoriums. Durch einen Staatsvertrag mit Österreich im Jahre 1765 verfügte nun Passau über ein fast zusammenhängendes Gebiet als unmittelbares Fürstentum. Die hohe Wertschätzung, der er sich bei Staat und Kirche erfreute, dokumentiert die Tatsache, daß Firmian als erster geistlicher Reichsfürst von Maria Theresia den von ihr gestifteten Stephansorden erhielt. Die äußere Krönung seines Lebens erlebte Leopold Ernst von Firmian, als er 1772 von Papst Klemens XIV. zum Kardinal erhoben wurde. Die Phantasie der Nachwelt beflügelte vor allem seine Begeisterung für die Jagd. Als „Nimrod im Purpurgewand" lebte er nicht nur in der Phantasie des Volkes, sondern auch mancherlei Geschichtsschreiber fort. Eine Revision dieses allzu vordergründigen Firmianbildes ist unumgänglich. Als Kardinal Firmian am 13. März 1783 starb, waren sich die Zeitgenossen bewußt, daß er nicht nur ein hochgebildeter und sittenstrenger Bischof war, sondern auch ein hervorragender Fürst an der Wende vom Barock zur Aufklärung. Mit dem Tod Firmians endet die Geschichte des bisherigen Großbistums. Kaiser Joseph II. (1765-1790) trennte in einem Gewaltakt den österreichischen Anteil von dem bisherigen Bistum Passau.

 

 

71.

Joseph Franz Anton Graf von Auersperg

1783-1795 (seit 1789 Kardinal)

 

Er war der erste Fürstbischof des Rumpfbistums Passau. Vor seiner Wahl zum Passauer Oberhirten leitete er das Bistum Gurk. Außerdem war er ein einflußreicher Berater Kaiser Josephs IL, dennoch konnte er sich als Fürstbischof von Passau mit einem Vermittlungsvorschlag bezüglich der Bistums-abtrennung nicht durchsetzen. Er gilt als der aufgeklärteste aller Passauer Bischöfe. Befreit von den Sorgen und Aufgaben des Großbistums konnte er sich besonders um Reformen im Finanz-, Justiz- und Polizeiwesen des Fürstentums und der Stadt Passau bemühen. Erfolgreich waren seine Be-mühungen um das Schulwesen. Eine breite Priester- und Beamtengeneration erhielt hier ihre Bildung, welche sie hinübernahm bis in die Mitte des 19.Jahrhunderts. Die fürstbischöfliche Akademie war auf dem besten Wege zu einer Volluniversität, da Auersperg auch medizinische Vorlesungen halten ließ, mit der Absicht, eine medizinische Fakultät zu begründen. Als Fürst der allmählich sterbenden Welt des Rokoko pflegte er in besonders hohem Maße die fürstliche Repräsentation. Die Begründung des fürstbischöflichen Opernhauses diente der Förderung des gesellschaftlichen Lebens, nicht nur des Adels, sondern auch der Bürger. Theater- und Musikkultur nahmen neben der regen Bautätigkeit dieses Fürsten einen hohen Rang ein. Anders als in Gurk erwies sich Auersperg in Passau mehr als Fürst denn als Bischof und Seelsorger. Dem kirchlichen Leben wollte er eine intellektualistische Ausrichtung aufzwingen, welche die Gläubigen von sich wiesen. Wenn sich auch unter ihm die Aufklärung voll austoben konnte, wird von diesem Bischof dogmatisch nichts aufgegeben, dem Volk jedoch war die von ihm gewollte Religiosität zu trocken. Bruderschaften waren genauso ungern gesehen wie Amulette, Benediktionsbüchl oder der harmlose Palmesel, sogar der Verkauf von gefärbten Ostereiern sollte unterbunden werden. Es bleibt andererseits erwähnenswert, daß schon Auersperg sich um die Einführung der Landessprache in der Liturgie nachhaltig bemühte. Das deutsche Kirchenlied konnte man damals in vielen Kirchen des kleinen Bistums hören. Die Französische Revolution von 1789 machte ihn mißtrauisch gegenüber den Ideen der Aufklärung. Von allen seinen Dienstuntergebenen und von den Priesteramtskandidaten ließ er sich eidlich versichern, keiner heimlichen Verbindung anzugehören und einer solchen sich auch niemals anschließen zu wollen. Auersperg selbst war es, der der Tätigkeit der Aufklärer in Passau das Ende bereitete. 1789 wurde der Passauer Fürstbischof in das Kollegium der Kardinäle aufgenommen. Am 21. August 1795 starb er in dem von ihm erbauten Lustschloß „Freundenhain" (mit dem Namen war ein Programm verbunden: Versammlung der Freunde zum Genuß der Natur).

 

 

72.

Thomas Johann Kaspar Graf von Thun-Hohenstein

1795-1796

 

Als Führer der konservativen Partei im Domkapitel wurde er am 4. November 1795 zum Fürstbischof von Passau gewählt. Wenn er auch nur ein knappes Jahr der Oberhirte des Fürstbistums Passau sein konnte, so hatte er bereits vorher jahrzehntelang gewichtige Aufgaben in Passau inne: 1762 Domkapitular, 1766 Hofratspräsident, 1771 Domdekan, 1777 Weihbischof. Als Fürst wandelte er die Anlagen in Hacklberg zu einem Brauereikeller um, errichtete die Passauer Porzellanfabrik und baute die Holztrift auf der Hz aus. Auf religiösem Gebiet folgte er den behutsamen Reformen Kardinal Firmians.

 

 

73.

Leopold Leonhard Raymund Graf von Thun

1796-1826

 

Am 13. Dezember 1796 wurde der damalige Dompropst zum Fürstbischof gewählt. Seit beinahe 25 Jahren gehörte er bereits dem Passauer Domkapitel an. Sein Vorgänger und Vetter Thomas von Thun ernannte ihn zum Weihbischof. Mit Leopold Leonhard von Thun wurde das Schicksal des Fürstbistums in einer selten stürmischen und schweren Zeit einem persönlich untadelhaften, aber zu wenig energischen Mann anvertraut. Seiner doppelten Pflicht versuchte er möglichst gerecht zu werden. Die erste Tat als Landesherr war die Abschaffung der Todesstrafe. Dann ging er daran, das Wirtschaftsleben seines Landes zu aktivieren, wobei seine besondere Sorge der Schiffahrt und dem Handel galt, aber auch der im Entstehen begriffenen Industrie. Die schlimmen Jahre der französischen Revolutionskriege, die ab 1798 auch über das Fürstentum hereinbrachen, machten eine Fortführung des Friedenswerkes unmöglich. 1799 sah sich Leopold Leonhard sogar gezwungen, eine außerordentliche Kriegssteuer auszuschreiben, da die Einquartierung der österreichischen Truppen so große Kosten verursachte. Beim armen Landvolk hätte diese Maßnahme des Landesherrn beinahe zu einem ernstlichen Aufruhr geführt. Angesichts der drohenden französischen Invasion zog sich der Bischof in das Schloß Wolfstein zurück. Erst 1801 konnte Leopold wieder nach Passau zurückkehren, das unterdessen durch Brandschatzungen schwer gelitten hatte. Kaum hatte er begonnen, die Schäden, die der Krieg verursacht hatte, wieder auszubessern, als er durch den Reichsdeputationshauptschluß im Jahre 1803 seiner Reichslande verlustig ging. Als Leopold Leonhard im Juni 1803 in seine böhmische Heimat reiste, dachte er keineswegs, wie fälschlicherweise immer wieder behauptet wird, an einen endgültigen Abschied von Passau. Wenn er auch seines Fürstentums beraubt war, so gab er in mehreren Schreiben zu verstehen, daß er nicht gesinnt sei, sich seines bischöflichen Amtes zu entziehen. Pfingsten 1804 kehrte er nach Passau zurück, um die Firmungen zu erteilen. Als Residenz beanspruchte er lediglich einen Teil des Schlosses Freudenhain. Die kurbayerische Regierung war dazu nicht bereit und gab ihm zu verstehen, er möge sich in Zukunft eine Sommerresidenz im kursalzburgischen Anteil des Bistums auswählen. Diese und andere Kränkungen mochte Fürstbischof Leopold, ein persönlich vornehmer Charakter, nicht länger hinnehmen. In diesem unklugen und verletzenden Eingreifen der Montgelas-Regierung dürfen die Gründe gesucht werden, warum Leopold Leonhard nicht bereit war, sich in den nächsten Jahren wieder in Passau niederzulassen. Wer diese Umstände berücksichtigt, wird dem letzten Passauer Fürstbischof die entsprechende Gerechtigkeit nicht vorenthalten. Die Verwaltung des Bistums vertraute er dem damaligen Geistlichen Rat an. Durch eine rege Korrespondenz wurde der Fürstbischof über alle wichtigen Vorgänge informiert. Auf dem Gutshof Cibulka in der Nähe von Prag verbrachte er seinen Lebensabend. Dort konnte er, der lieber die Stadt und das Fürstentum Passau 1803 den Österreichern überlassen hätte als den Bayern, zwei Jahre vor seinem Tod die Kaiserfamilie aus Wien empfangen. Am 22. Oktober 1826 starb mit Leopold von Thun nicht nur der letzte Fürstbischof von Passau, sondern zugleich auch der letzte Fürstbischof der gesamten deutschen Reichskirche.

 

 

74.

Karl Joseph von Riccabona auf Reichenfels

1826-1839

 

Mit seinem Namen verbindet sich der Wiederaufbau des Bistums Passau nach der Säkularisation. Riccabona entstammte der Adelsfamilie Riccabona auf Reichenfels in Südtirol. Sein Firmpate, der Passauer Kardinal Fürstbischof Leopold Ernst von Firmian, selbst ein Germaniker, brachte den jungen Riccabona in das Collegium Germanicum in Rom. Schon als Diakon erhielt Riccabona von Papst Pius VI. ein Kanonikat im Kollegiatsstift St. Johann in Regensburg. Nach seiner Priesterweihe, die er am 20. Dezember 1783 in Rom empfing, begann er seine seelsorgliche Tätigkeit als Kaplan zu Auer im Bistum Trient. 1790 wurde ihm die Pfarrei Wallersdorf in Niederbayern übertragen. 1821 wurde er in das Metropolitankapitel von München berufen. Die Frage der Neubesetzung des Bistums Passau im Jahre 1826 nach dem Tod des letzten Fürstbischofs war heiß umstritten. Selbst Sailer, der auf König Ludwig I. in der Besetzung der Bischofsstühle in Bayern maßgeblichen Einfluß ausübte, hatte es schwer, seinen Freund Riccabona für Passau durchzusetzen. Schließlich gelang es ihm doch, die unbegründeten Bedenken über die Befähigung Riccabonas beim König zu zerstreuen, der diesen am Weihnachtsfest 1826 zum Bischof von Passau ernannte. Am 25. April 1827 empfing Riccabona durch den Münchner Erzbischof Lothar Anselm von Gebsattel die Bischofsweihe. Hauptsorge und vordringlichstes Anliegen des Bischofs war die Priesterbildung und die Beseitigung des großen Priestermangels. Ihm gelang es am 8. Oktober 1828, das Priesterseminar wieder zu eröffnen. Gekrönt sah er seine Bemühungen für den Priesternachwuchs erst, als König Ludwig I. auf sein tatkräftiges Bemühen hin auch die Hochschule, damals Königliches Lyzeum genannt, am 16. September 1833 wiedererrichtete. Ein großes Verdienst des Bischofs war es, daß in die neue Priesterausbildungsstätte tiefgläubige Männer aus der Sailerschule berufen wurden. Die Beseitigung des Priestermangels war das große Werk Riccabonas. Eine weitere Sorge galt der Neuordnung der Pfarreien in der Stadt selber. 1830 konnte die Dompfarrei neu organisiert und mit zwei Kaplänen versehen werden. Die Pfarrei St. Paul aber, 1803 durch die aufgehobene Pfarrei St. Nikola vergrößert, erhielt erst 1834 die staatliche Anerkennung und zwei Kapläne zugewiesen. In sieben Jahren visitierte Riccabona persönlich alle Pfarreien seines Bistums. 1827 führte er für das ganze Bistum den „Katechismus der christka-tholischen Religion für Bayern" ein. Ein weiteres Anliegen, nämlich die Unterrichtung und Bildung der weiblichen Jugend in Passau, konnte er zu einem glücklichen Ende führen. Nach langen Verhandlungen mit der königlichen Regierung über die finanziellen Fragen war es schließlich so weit, daß die Englischen Fräulein aus dem Mutterhaus Burghausen das Kloster Niedernburg übernahmen. Am 25. Mai des Jahres 1839 starb Riccabona, ein Bischof, der „Klerus und Volk wieder ermutigte, die christliche Botschaft zu verkündigen und zu leben".

 

 

75.

Heinrich von Hofstätter

1839-1875

 

Während Joseph Görres Heinrich von Hofstätter als „den besten Bischof" Deutschlands feierte, sah das liberale und antiklerikale Deutschland des vergangenen Jahrhunderts im Passauer Oberhirten die negative Symbolfigur des deutschen Katholizismus. Ohne Zweifel war Hofstätter der be-rühmteste Oberhirte Passaus im 19. Jahrhundert und sicher der eigenwilligste Bischof in Deutschland. 1805 als Sohn eines Kaufmanns bei Aichach geboren, verbrachte er seine Jugend- und Studienzeit in München. Nicht nur die politisch einflußreichen Kreise der Landeshauptstadt erweckten Hofstätters Interesse, seine durchaus vorhandene tiefreligiöse Veranlagung ließ ihn Ausschau halten nach dem in München angesehenen Görreskreis. Nachdem er 1829 mit der besten Note zum Doktor der Rechte promoviert wurde, entschloß er sich überraschenderweise 1831 zum Studium der Theologie. Schon am 5. August 1833 erhielt er die Priesterweihe. Mit 31 Jahren war er schließlich damals das jüngste Mitglied des Metropolitankapitels der Landeshauptstadt. Als Bischof Riccabona starb, lenkte Minister Abel die Aufmerksamkeit des Königs Ludwig I. auf den jungen Domherrn. Der Monarch ernannte ihn noch 1839 zum neuen Bischof von Passau. Auch Hofstätter war in erster Linie ein Seelsorge-Bischof. Berühmt sind seine Predigten im Passauer Dom. Um der ordentlichen Seelsorge den Boden in seinem Bistum zu bereiten, rief er die Redemptoristen zur Durchführung von Missionen. Er erweiterte das Klerikalseminar St. Stephan und gründete zwei Knabenseminare. Eine exaltierte Aszese, die dem Bischof selbst eigen war, bestimmte die Erziehung in den Seminarien. Staatliche Kommissäre mußten mehrmals die klerikalen Erziehungsanstalten visitieren. Immerhin hatte das Bistum Passau beim Tod Hofstätters 100 Geist-liche mehr als zu Beginn seiner Regierungszeit. Jährlich rief er einen größeren Teil seines Klerus zu Exerzitien, die er oft persönlich hielt. Die positive Bedeutung der katholischen Vereine, die damals für den Laien die gegebene Voraussetzung zu selbständigem katholischem Denken boten, erkannte dieser autoritäre Bischof nicht. Selbst das Einschreiten der römischen Kurie konnte ihn von seinem Argwohn gegenüber den Vereinen, in denen er gefährliche Anzeichen des Laizismus erblickte, nicht abbringen. Von seinem Domkapitel verlangte er stumme Widerspruchslosigkeit. Bei aller Kritik darf jedoch nicht geleugnet werden, daß dieser energische, unbeugsame und wachsame Wille vieles geleistet und durchgesetzt hat, was heute noch von Bedeutung ist. Neben den Erfolgen als Prediger und Erzieher seines Klerus darf Bischof Hofstätters Kunsttätigkeit in der Stadt und im Bistum Passau wieder gebührend genannt werden; denn die sogenannte Restaurationsromantik des letzten Jahrhunderts findet heute wieder mehr Anerkennung, da man auch in ihr den religiösen und nationalen Ausdruck einer ganzen Epoche zu erkennen vermag. Sein Verhältnis zum Staat beruht im wesentlichen auf seinen eigenen festen Grundsätzen von Autorität und Monarchie. So sehr ihm aber der Friede zwischen Kirche und Staat als das zu erstrebende Ideal ein Anliegen war, wies er entschieden die Preisgabe oder auch nur Beschränkung des kirchlichen Rechtes zurück. Energisch trat er für die völlige Durchführung des nach der Säkularisation abgeschlossenen Konkordates ein. Solange er die Bischofskonferenzen auf bayerischer und deutscher Ebene besuchte, unterstützte er mit seinen Amtsbrüdern die Forderungen der Kirche gegenüber dem liberalen Staat. Dem Ersten Vatikanischen Konzil von 1869/70 blieb er fern, wahrscheinlich, weil er, der gelernte Jurist, sich in theologischen Fragen nicht ganz sicher gefühlt hat. Bei der Promulgation des Unfehlbarkeitsdogmas nach 1870 zeigte er große Zurückhaltung. Dies wurde in Rom mißverstanden, da man glaubte, er würde dem Inhalt des Dogmas fernstehen. Schließlich konnte er auch gegenüber dem Heiligen Stuhl seinen Willen zur Selbständigkeit zum Ausdruck bringen, Rom lenkte ein, Papst Pius IX. (1846—1878) bestätigte dem Passauer Bischof seine allbekannte Anhänglichkeit an den Papst. Die letzten Jahre Hofstätters waren überschattet von den unglücklichen Auseinandersetzungen um den Altkatholizismus in der Stadt Passau. Am 12. Mai 1875 starb Heinrich von Hofstätter. Von den 70 Jahren seines Lebens verbrachte er die Hälfte als Oberhirte des Bistums Passau. Der Erzbischof von München und Freising, Gregor von Scherr, verabschiedete sich an der offenen Gruft von Heinrich von Hofstätter mit den Worten: „Er war ein großer Bischof, er war ein ganzer Bischof." Was an diesem Bischof als exzentrisch erscheinen mag, erklärt sich zum Teil aus seinen Erbanlagen und seiner nach außen hin zwar glänzenden Karriere, die in Wirklichkeit jedoch seinem Charakter nicht in jeder Hinsicht förderlich war. Allzufrüh übertrug man ihm das Amt eines Bischofs. Es fehlte ihm sowohl die spirituelle als die theologisch notwendige Vorbereitung. Die ihm eigene über-menschliche Gesundheit, über die er bis in die letzten Lebensjahre verfügte, erweckte allzuleicht den Eindruck der Gefühllosigkeit, obgleich wir zuverlässige Nachrichten besitzen, daß er sich in zahlreichen Fällen um ältere und kränkliche Priester in rührender Weise kümmerte. Vielleicht kann man über dieses Bischofsleben das Urteil des berühmten Würzburger Theologen Hettinger schreiben: „Große Berge werfen große Schatten."

 

 

76.

Josef Franz von Weckert

1875-1889

 

Mitten in die schärfste Kulturkampfzeit fiel seine Ernennung. Am 24. September 1875 erhob König Ludwig II. den Augsburger Domkapitular Josef Franz von Weckert zum Bischof von Passau, in dessen Dom er am 30. April 1876 geweiht und inthronisiert wurde. Auch dieser Bischof hat wie sein Vorgänger Rechtswissenschaft und Theologie studiert. Sein Interesse galt den Seminarien. Der strenge Kurs seines Vorgängers konnte und sollte nicht beibehalten werden. Die rechte Mitte zum früheren Rigorismus und neuen Liberalismus zu finden, war so schwer, daß die Krise im Klerikalseminar und im Knabenseminar St. Valentin die ganze Regierungszeit von Bischof Weckert andauerte. Seine kränkliche Konstitution ließ keine Pfarrvisitationen zu, zu Firmungen kam er nur auf wenige Dekanatssitze. Nachdem er seit 1887 keine Pontifikalgottesdienste mehr zelebrieren konnte, starb er 1889, 66 Jahre alt. Seine Ruhestätte fand er vor dem Altar Pauli Bekehrung im Dom.

 

 

77.

Anton von Thoma

1889 (im gleichen Jahr Erzbischof von München und Freising, 1897)

 

Überraschend schnell, schon elf Tage nach dem Tod von Bischof Weckert, ernannte Prinzregent Luitpold am 24. März 1889 den Münchner Dompfarrer Antonius Thoma zum neuen Bischof von Passau. Am 28. Juli erfolgte durch Erzbischof Antonius von Steichele, München, unter Assistenz der Bischöfe Ignatius von Senestrey, Regensburg, und Pankratius von Dinkel, Augsburg, die Konsekration und Inthronisation des Bischofs Antonius im Dom zu Passau. In den wenigen Monaten seines Wirkens konnte er die Pfarrkirche von Halsbach und die Filialkirche Wald bei Winhöring konsekrieren, überdies brachte er die Errichtung der Emeritenanstalt für Weltgeistliche zum Abschluß. Die Rückführung der Kapuzinerpatres nach Mariahilf in Passau leitete er ein. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Hebung des drückenden Priestermangels durch die Gründung eines Knabenseminars in Burghausen. Nach dem Tod des Erzbischofs Antonius von Steichele ernannte Prinzregent Luitpold den Passauer Bischof am 23. Oktober 1889 zum neuen Erzbischof von München und Freising.

 

 

78.

Michael von Rampf

1889-1901

 

In Anlehnung an das Dreikaiser jähr für das Deutsche Reich nannte man das Jahr 1889 für das Bistum Passau ein Dreibischofsjahr; denn am 8.Dezember 1889 ernannte Prinzregent Luitpold den Münchner Dompropst Michael Rampf zum Bischof von Passau. Am 11. Mai 1890 konsekrierte ihn der bisherige Passauer Oberhirte Antonius von Thoma im Passauer Dom zum Bischof. Michael von Rampf, ein wissenschaftlich hochgebildeter, frommer und tatkräftiger Bischof, gab dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts den Glanz einer der glücklichsten Perioden in der Geschichte des Bistums Passau. 1853 wurde er an der Universität München zum Doktor der Theologie promoviert. Ehe er einer Berufung als Professor der Exegese nach Regensburg Folge leisten konnte, übertrug ihm Erzbischof Graf von Reisach 1854 das Direktorat des Klerikalseminars in Freising und die Professur für Pastoraltheologie. 1864 wurde er Mitglied des Metropolitankapitels in München, wo er 25 Jahre lang zu den fähigsten und tatkräftigsten Mitarbeitern zweier Erzbischöfe zählte. Von 1874 bis 1889 hatte er das Amt des Generalvikars inne. Die Sorge um Priesternachwuchs und einen wissenschaftlich gut gebildeten und seeleneifrigen Klerus war auch diesem Bischof von Passau ein Hauptanliegen. Am 22. September 1890 konnte er das von Bischof Antonius von Thoma gegründete Knabenseminar St. Joseph in Burghausen einweihen. Gerade die seelsorglich guten, aber von Passau sehr weit entfernten Pfarreien des sogenannten Oberlandes sollten durch das neue Seminar in Burghausen verstärkten Priesternachwuchs ermöglichen. Der Erfolg der Bemühungen seiner Vorgänger und von ihm selbst blieb nicht aus. Die Zahl der Alumnen im Klerikalseminar St. Stephan betrug durchschnittlich 90. Ähnlich wie später Bischof Simon Konrad (1936-1968) schickte er Alumnen und Priester bereitwillig zu weiterer wissenschaftlicher Ausbildung an die Universitäten. Zur wirtschaftlichen Sicherung des Klerikalseminars kaufte Bischof Rampf im Jahre 1897 für die Seminarstiftung die Brauerei Hacklberg. 1890 erließ der Bischof die Verordnung über die Einführung der Pastoralkonferenzen für den Seelsorgsklerus. Sinn dieser Einrichtung sollte es sein, die Priester in der kirchlichen Wissenschaft, in der praktischen Seelsorge und in ihrer Fröm-migkeit weiterzubilden. 1891 wurde mit seiner Zustimmung und persönlichen Mitwirkung die „Theologisch-praktische Monatsschrift" gegründet. Eine Reihe von Aufsätzen weist Bischof Michael von Rampf als Autor aus. Der Förderung der Seelsorge dienten auch die kanonischen Pfarrvisitationen, die er oft selbst hielt, die er aber auch 1891 durch Verordnung neu regelte und im Turnus von fünf Jahren durch die Dekane halten ließ. Zur Hebung der eucharistischen Frömmigkeit führte er im Jahre 1896 „Die Ewige Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes" in allen Seelsorgskirchen des Bistums am Tage und in den klösterlichen Niederlassungen bei Nacht ein. Schon 1890 hatte er eine eigene „Bruderschaft der Ewigen Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes und zur Unterstützung armer Kirchen" gegründet, die als sogenannter Paramentenverein im ganzen Bistum Tausende von Mitgliedern gewann und viele Paramenten für arme Kirchen im Bistum selbst, aber auch in der Diaspora und in der Heidenmission stiftete. Die katholischen Vereine, Bünde und Organisationen, besonders die karitativen Vinzenzvereine, Gesellenvereine, Arbeitervereine und Vereine für Lehrlingsschutz hatten in Bischof Rampf einen mächtigen Förderer, der weitschauend die Mitarbeit der Laien im kirchlichen Leben erkannte. Eine Reihe von Ordensniederlassungen konnte er bewerkstelligen. Seit der Übernahme des Bistums im Jahre 1890 gründete er 93 neue Pfarreien und zehn Exposituren. Die Neugestaltung des Domes war dem Bischof ein weiteres Anliegen. Der Ausbau der Türme und der Domfassade gab dem Dom sein heutiges Aussehen. Im 76. Lebens- und 53. Priesterjahr starb Bischof Michael von Rampf am 29. März 1901.

 

 

79.

Anton von Henle

1901-1906 (ab 1906 Bischof von Regensburg, + 1927)

 

Am 3.April 1901 wurde der 50jährige Augsburger Domkapitular und Generalvikar von Prinzregent Luitpold zum Bischof von Passau ernannt. Der neue Bischof von Passau hatte 1884 in München zum Doktor der Theologie promoviert und war von 1887 bis 1890 Privatdozent für neute-stamentliche Exegese an der dortigen Universität. 1890 wurde er in die Diözesanverwaltung seines Heimatbistums Augsburg berufen. Als Bischof von Passau wollte er möglichst schnell Land und Volk, Klerus und Kirchen aus eigener Anschauung kennenlernen. Von 1902 bis 1906 hielt er in 66 Pfarreien persönlich kanonische Visitation. Die rege Kirchenbautätigkeit, die unter seinem Vorgänger Bischof Rampf in allen Gebieten des Bistums eingesetzt hatte, konnte Bischof von Henle mit 21 Kirchenkonsekrationen krönen. Zur Vereinfachung der Dekanatsverwaltung führte er die Kapitelskammerer ein, denen die Aufsicht über die kirchlichen Gebäude, die Kirchen- und Pfründenstiftungen oblag. Die aktive Mitfeier des gläubigen Volkes im Gottesdienst war dem Bischof ein Herzensanliegen. Ihm verdankt unser Bistum das Diözesangebetbuch „Lob Gottes". Neben den Standesorganisationen der Gesellen und Arbeiter ließ er vor allem den marianischen Kongregationen große Förderung angedeihen. In 76 Pfarreien wurden neue Kongregationen gegründet. Sie haben zur Hebung des religiös-sittlichen Lebens im Bistum wesentlich beigetragen. Während seiner Regierungszeit übernahmen die Zisterzienserinnen das ehemalige fürstbischöfliche Schloß Thyrnau und gründeten dort die Abtei St. Josef. 1905 kamen von der Missionsbenediktinerabtei St. Ottilien sechs Mönche in den Gutshof Schweiklberg bei Vilshofen und bauten dort die heute angesehene Abtei auf. Mit großer Energie betrieb Bischof Antonius einen Anbau an das bisherige Klerikalseminar. Er legte 1905 auch den Grundstein zur jetzigen Seminarkirche St. Stephan, deren Vollendung er nicht mehr in Passau erleben durfte, da er am 18. Oktober 1906 schon auf den Bischofsstuhl in Regensburg berufen wurde. Gestorben 1927 in Regensburg.

 

 

80.

Sigismund Felix Freiherr von Ow-Felldorf

1906-1936

 

Der bisherige Weihbischof von Regensburg wurde an dem Tag, da Bischof Antonius von Henle auf das Bistum Regensburg transferiert wurde, vom Prinzregenten Luitpold zum neuen Passauer Oberhirten ernannt. In 30 Regierungsjähren sollte dieser Bischof einen gewaltigen Umbruch erleben, wie er seit den Tagen Napoleons nicht mehr zu beobachten war: Erster Weltkrieg, Zusammenbruch der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung, Inflation, politischer Radikalismus von links und rechts, Arbeitslosigkeit unerhörten Ausmaßes infolge der Weltwirtschaftskrise, Sturz der Weimarer Republik, ab 1933 Diktatur des Hitlerregimes mit immer stärker werdender Verfolgung der Kirche. Nach Vollendung seiner juristischen Studien und der Aussicht auf hervorragende Stellungen in der Monarchie entschied sich Sigismund Felix von Ow für das Priestertum. Am 25. Juli 1884 wurde er in Regensburg von Bischof Ignatius von Senestrey geweiht. Drei Jahre wirkte er als Kaplan in Amberg, anschließend in der Diözesanverwaltung, bis er 1902 zum Weihbischof von Regensburg konsekriert wurde. Die Aufbauarbeit der Seelsorge im Bistum Passau durch Bischof Sigismund Felix wird sichtbar, wenn man bedenkt, daß bei seinem Amtsan-tritt 1906 das Bistum 350000 Katholiken in 216 Pfarreien und 42 Exposituren mit 571 Priestern aufwies, während beim Tod des Bischofs im Jahre 1936 das Bistum 388 000 Katholiken in 260 Pfarreien und 24 Exposituren mit 728 Priestern besaß. Der planmäßige Ausbau der Seelsorge, besonders in den Großpfarreien des Bayerischen Waldes, ist das Verdienst dieses Oberhirten. Fast 50 Gotteshäuser, Kirchen und Kapellen hat er geweiht. Über 300 Priester des Bistums empfingen von ihm die Priesterweihe. Im neuen Freistaat Bayern mußte 1919 die Schulaufsicht im Religionsunterricht neu geordnet werden. Er teilte das Bistum in 53 Schuldekanate ein und bestellte 1920 dementsprechend 53 Schuldekane. Die jüngeren Katecheten wurden in jährlichen Fortbildungskonferenzen geschult. 1921 veranlaßte er auch die Gründung des Caritasverbandes, der zur Linderung der vielfachen Not wesentlich beitragen konnte. Im gleichen Jahr führte er auch zur Unterstützung der Diaspora den Bonifatiusverein ein. Schließlich bemühte er sich auch um Unterstützung der Studierenden durch die Gründung des Albertus-Magnus-Vereins im Jahre 1929. Das Ordensleben nahm unter Bischof Sigismund Felix großen Aufschwung. 1918 konnte die Benediktinerabtei Niederaltaich wieder von Benediktinern übernommen werden. 1925 wurde dort das Seminar St. Gotthard eröffnet. Das Kloster der Missionsbenediktiner in Schweiklberg wurde 1914 zur Abtei erhoben, das ehemalige Zisterzienserkloster Fürstenzell übernahmen 1931 die Maristen. Die Salvatorianer fanden 1919 im Bistum Passau Heimstatt, in Kronberg bei Griesbach, 1922 auf dem Gartlberg in Pfarrkirchen, 1925 in Passau-Ilzstadt. Die Salesianer Don Boscos übernahmen 1919 das Jugendheim Passau und das leider vom Bistum ohne zwingenden Grund aufgelassene Seminar St. Josef in Burghausen im Jahre 1920. Auch eine Reihe weiblicher Ordensgenossenschaften ließ sich während der Regierungszeit des Bischofs Sigismund Felix im Bistum Passau nieder. Die Niederbronner Schwestern übernahmen das Römerbad Quintana in Künzing, die Töchter vom Allerheiligsten Heiland den alten Pfarrhof von Obernzell, wo sie ihr Provinzmutterhaus errichteten. Die Salvatorianerinnen bauten den Donauhof bei Heining zu einer Mädchenerziehungsanstalt aus. Die nach dem Ersten Weltkrieg aus dem Elsaß vertriebenen Schwestern der Ewigen Anbetung gründeten ihr Provinzmutterhaus in Neustift bei Vilshofen und übernahmen später die Wirtschaftsführung in den bischöflichen Seminarien. Die besondere Liebe des Bischofs Sigismund Felix galt dem Wallfahrtsort Altötting. Im Jahre 1925 erreichte er für den Stadtpfarrer von Altötting die Pontifikalien. 1929 errichtete er das Stiftskapitel zum hl. Rupert. In seine Regierungszeit fällt auch die Seligsprechung (1930) und Heiligsprechung (1934) des Kapuzinerbruders Konrad von Parzham. Die letzten Lebensjahre des Bischofs waren überschattet von den immer stärkeren Verfolgungen der Kirche durch den Nationalsozialismus. Am 11. Mai 1936 starb Bischof Sigismund Felix, verehrt von seinen Priestern und den Gläubigen des Bistums.

 

 

81.

Simon Konrad Landersdorfer OSB

1936-1968, (+ 1971)

 

Mit ihm erhielt das Bistum Passau seit dem 16. Jahrhundert wieder einen gebürtigen Niederbayern als Oberhirten. Geboren am 2. Oktober 1880 im Dorf Neutenkam bei Geisenhausen, trat er 1899 in das Benediktinerkloster Scheyern ein. 33 Jahre seines Lebens hat er in der Gemeinschaft einer benediktinischen Familie verbracht. Das hat sein Wesen entscheidend geprägt. Seine ganze Persönlichkeit war geformt vom „ordo", von jener inneren und äußeren Ordnung, die schon im Namen seines Ordens zum Ausdruck kommt. Nach seinen theologischen Studien wurde er 1903 vom Münchner Erzbischof Franz Joseph von Stein zum Priester geweiht. Nach kurzer Seelsorgstätigkeit widmete er sich philologischen Studien an der Universität München. 1906 wurde er zum Dr. phil. promoviert. Nach vorübergehender Lehrtätigkeit am Benediktinergymnasium Ettal kehrte er 1917 in sein Heimatkloster Scheyern zurück. Er konnte sich seinen wissenschaftlichen Studien widmen und erwarb noch 1917 an der Universität Freiburg im Breisgau den akademischen Grad eines Doktors der Theologie. 1920 übernahm er eine Professur für alttestamentliche Exegese an der Benediktineruniversität S. Anselmo in Rom. Schon am 3. März 1922 wurde er zum neuen Abt von Scheyern gewählt. Die hohe Wertschätzung, deren sich der junge Abt auch in Rom erfreute, zeigt seine Ernennung im Jahre 1928 zum Päpstlichen Visitator für die österreichischen Benediktinerklöster. Selbst neben der reichen Tätigkeit als Vorsteher eines Klosters konnte er eine ganze Reihe wissenschaftlicher Abhandlungen veröffentlichen. Papst Pius XI. (1922-1939) ernannte Abt Landersdorfer nach dem Tod des langjährigen Passauer Oberhirten Sigismund Felix Freiherr von Ow am 11.September 1936 zum 81. Bischof von Passau. Am 28. Oktober 1936, am Fest des heiligen Apostels Simon, vollzog Kardinal Faulhaber unter Assistenz der Bischöfe Michael Buchberger von Regensburg und Josef Kumpfmüller von Augsburg die Bischofsweihe im Dom zu Passau. Um seine Verbundenheit mit dem 1934 heiliggesprochenen Kapuzinerbruder Konrad aus dem Bistum Passau zum Ausdruck zu bringen, fügte er seinem Ordensnamen auch noch den Namen Konrad bei. Bischof Simon Konrad Landersdorfer trat sein hohes Amt in einer sehr aufgewühlten Zeit an; denn trotz des zwischen dem Dritten Reich und dem Heiligen Stuhl geschlossenen Konkordates bekämpften die Nationalsozialisten mit allen Mitteln besonders die katholische Kirche. Freimütig vertrat der Bischof die Wahrheit. Mit klugem Blick und starker Energie widmete er sich zuerst den religiösen Aufgaben im Bistum. Er ließ aber vom ersten Tag an keinen Zweifel, daß er nicht bereit war, in den Grundsatzfragen der Kirche irgendwelche billige Kompromisse mit dem nationalsozialistischen Staat zu schließen. Persönlich verlas er am 21. März 1937 auf der Domkanzel die berühmte Enzyklika Pius XI. „Mit brennender Sorge", die sich mit der Lage der Kirche in Deutschland beschäftigte. Sobald es die Zeitläufte erlaubten, ging Simon Konrad daran, einer zeitgemäßen Seelsorge die erforderlichen Grundlagen zu schaffen. 1946 veranstaltete er bereits eine Diözesankonferenz, von der nachhaltige Impulse für das ganze Bistum ausgingen. Auch 1960 wählte er für die vom kirchlichen Rechtsbuch an sich geforderte Diözesansynode wieder die Form einer Konferenz, weil er überzeugt war, „daß die aufgelockerte Art unter Wegfall mancher Formalitäten den Zeitverhältnissen angemessener wäre“. Die Grundtendenz dieser Tagung wurde auch durch das Zweite Vatikanische Konzil bestätigt. Die Stellung des Laien in der Kirche erfuhr eine entsprechende Würdigung. Folgerichtig förderte der Bischof das organisierte Laienapostolat in der Katholischen Aktion. Eine Frucht dieser Diözesankonferenz war auch die Errichtung eines Seelsorgeamtes, das Seelsorgsplanungen und -hilfen für die Seelsorger auszuarbeiten hatte. In der Frage der Gebietsmission wurde das Bistum Passau unter Bischof Simon Konrad bahnbrechend für Deutschland. Eine Stätte intensiver Seelsorge schuf er im Diözesanexerzitienhaus Mariahilf. Seiner Initiative ist auch die Gründung der CAJ im Bistum zu verdanken. Er war überdies einer der ersten deutschen Bischöfe, die eine ökumenische Komission ins Leben riefen. Mit aufgeschlossenem Blick verfolgte er die Umstrukturierung der Bevölkerung im Bistum. Er bemühte sich erfolgreich um persönlichen Kontakt mit den Industrien, insbesondere in dem Industriedreieck Burghausen - Gendorf - Hart a. d. Alz. Sein großes Charisma für die Priester seiner Diözese zeigte sich in der Tatsache, daß er einerseits Persönlichkeiten an seiner strengen Form prägte, andererseits den dynamischen Kräften seines Klerus freien Raum zur Selbstentfaltung gegeben hat. Eine stattliche Anzahl von Hochschullehrern und Universitätsprofessoren sind eine Frucht seiner Großzügigkeit, die freilich nicht blindlings geübt wurde. Es gelang ihm, den Knabenseminarien in Passau auch für den Landkreis Altötting noch eines hinzuzufügen durch die Errichtung des Knabenseminars St. Altmann in Burghausen. Ein besonderes Augenmerk schenkte Bischof Simon Konrad der Erneuerung der Liturgie. Es ging ihm dabei nicht um die Liturgie als Selbstzweck, sondern um eine Erneuerung der Seelsorge aus dem Geiste der Liturgie mit dem Ziel der Erneuerung des christlichen Lebens. So war für ihn wohl einer der schönsten Tage des Vatikanischen Konzils, an dem er trotz seiner hohen Jahre teilnahm, als am 4. Dezember 1963 die Liturgiekonstitution verabschiedet wurde. Ehe aber Bischof Simon Konrad Landersdorfer sich aufgemacht hatte, 1962 am Zweiten Vatikanischen Konzil teilzunehmen, war er darauf bedacht, die Voraussetzung für seine Nachfolge im Bistum zu sichern. Am 26. November 1961 weihte er den auf seinen Vorschlag von Papst Johannes XXIII. ernannten, als seinen Nachfolger bestimmten Dr. Antonius Hofmann zum Bischofkoadjutor. Am 27. Oktober 1968 übergab er diesem das Bischofsamt des Bistums Passau. Am 21. Juli 1971 ist Bischof Simon Konrad nach Tagen harten Ringens mit dem Tod gestorben.

 

 

82.

Antonius Hofmann

1968-1984 (+ 2000)

   

 

83.

Franz Xaver Eder

1984-2001 (+ 20.06.2013)

 

 

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84.

Wilhelm Schraml

2001-2012; Apostol. Admin. 01.10.2012-02.09.2013 (Sedisvakanz 01.10.2012-24.05.2014)

 

 

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85.

Stefan Oster SDB

2014 - ad plurimos annos!

 

 

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Quelle:
Bischöfl. Ordinariat Passau (Hrsg.),
Handbuch des Bistums Passau. Stand vom 1. August 1981.
Bischöfl. Ordinariat, Passau 1981.