Haus Papst Benedikt XVI. - Neue Schatzkammer und Wallfahrtsmuseum
Adventskalender - 19.12.
Lebensglück
Aus dem Passauer Bistumsblatt
Heute gibt es viele Glücksbücher, die den Menschen Wege aufzeigen wollen, wie sie glücklich werden können. Manche dieser Ratgeberbücher vermitteln den Eindruck, als ob Glück machbar sei. Man bräuchte nur einige Regeln befolgen, dann wäre man glücklich. Die griechische Philosophie wusste, dass das Glück eine innere Haltung ist. Platon, der größte griechische Philosoph, ist überzeugt, dass der Mensch nur dann glücklich wird, wenn er eine gute Beziehung zu Gott hat.
Viele meinen, das Glück des Menschen wäre kein Thema der Bibel. Und doch zeigt Jesus in den acht Seligpreisungen einen Weg zum gelingenden Leben auf. Achtmal preist Jesus die Menschen glücklich, die bereit sind, die Haltungen zu verwirklichen, die er als Bedingung zu wahrem Glück sieht. Dabei malt uns Jesus keine heile Welt vor. Er zeigt vielmehr, wie wir mitten in einer Welt von Ungerechtigkeit und Leid dennoch glücklich werden können. Wer bereit ist, innerlich frei zu werden von allem Anhaften an die Dinge, der ist glücklich. Wer bereit ist, seine Illusionen vom Leben loszulassen, der erlebt Glück. Nur wer barmherzig mit sich umgeht und das Wüten gegen sich selbst aufgibt, der wird Glück erfahren.
„Selig sind die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“
(Lk 11,28)
Es gibt viele Worte Jesu, die das Glück ansprechen. Als eine Frau seine Mutter glücklich preist, die ihn in ihrem Leib getragen hat, antwortet Jesus: „Selig sind die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ (Lk 11,28) Das Glück wird uns nicht einfach in den Schoß gelegt. Nur wenn wir bereit sind, Gottes Wort zu hören und es auch zu befolgen, werden wir glücklich. Glück meint, mit sich selbst in Einklang zu kommen. Und mit uns werden wir nur dann eins, wenn wir zugleich eins sind mit Gott. Gottes Wort bringt uns in Berührung mit unserem wahren Wesen. Wenn wir Gottes Wort hören, werden all die Worte, die uns das Leben verstellen, sich auflösen, wie: „Ich bin nicht richtig. Mit mir kann es niemand aushalten.“ Das Wort Gottes bringt uns in Berührung mit dem einmaligen Wort, das Gott zu jedem von uns gesagt hat. Wenn dieses einzigartige Wort, das Gott nur in mir spricht, in mir zum Klingen kommt, dann bin ich in Einklang mit mir und meinem wahren Wesen, dann wird mein Leben stimmig, dann stimme ich mit mir selbst überein. Und dann bin ich glücklich, ganz gleich, welche äußeren Umstände dieses Glück immer wieder verdunkeln möchten. Glücklich heißt nicht, dass ich immer voller Glücksgefühle bin. Die Gefühle wechseln. Nur wenn ich mich auch der Trauer und dem Schmerz stelle, werde ich immer wieder auch Glück auf meinem Weg erfahren. Wer dem Leid aus dem Weg geht, der ist immer auf der Flucht. So wird das Glück ihn nie antreffen.
So wünsche ich allen Lesern und Leserinnen des Passauer Bistumsblattes, dass sie in Einklang kommen mit sich selbst, dass sie es bei sich selbst aushalten und tief in ihrer Seele trotz aller äußeren Widerfahrnisse ein inneres Glück erfahren, das Glück, dass sie bedingungslos von Gott geliebt sind und dass ihr Leben unter dem Segen Gottes steht.
Benediktinerpater und Bestsellerautor Anselm Grün




