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Predigt von Bischof Schraml bei der Dankmesse anlässlich der Wahl von Papst Benedikt XVI. am 21. April 2005 im Hohen Dom zu Passau


In Liebe und Treue zum Nachfolger des Apostels Petrus

Das Evangelium lenkt unseren Blick auf das österliche Geschehen am See von Tiberias, wo sich der auferstandene Herr den Jüngern offenbart und Petrus mit seiner Frage an eine leidvolle Vergangenheit erinnert: "Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?" Und Petrus gibt aus der Tiefe seines bekehrten Herzens die Antwort: "Herr, du weißt alles, du weißt auch, dass ich dich liebe." Jetzt überträgt Christus dem Ersten der Apostel das Amt des obersten Hirten in seiner Kirche, das er ihm bei Cäsaraea Phillipi verheißen hatte: "Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen." Vorausgegangen war sein Bekenntnis: "Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes".

Petrus wird zum Felsenfundament der Kirche bestellt: zum Fels der Einheit, zum Fels der Wahrheit; zum Fels, der der Kirche in allen Stürmen festen und verlässlichen Bestand geben wird. So leuchtet im Papsttum, von Petrus angefangen bis zu seinem 265. Nachfolger, in unserem Heiligen Vater Benedikt XVI. sieghaft auf, was Paulus in seinem Brief an die Korinther sagt: "Das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen" (1 Kor 1,27).

Damit ist unser Bekenntnis zum Nachfolger des Apostels Petrus auch ein Bekenntnis zur Macht Jesu Christi, der durch seinen Heiligen Geist wirkt und eben auf diese Weise sich als Herr seiner Kirche erweist. Von dieser Gnade und Macht Christi getragen, geht auch Papst Benedikt XVI. dem Volk Gottes als Hirte voran, das der Herr ihm nun anvertraut hat. In diesem Kraftfeld geborgen, bestärkt er uns getreu dem Auftrag, den der Herr dem Petrus im Abendmahlsaal gegeben hat: "Du aber stärke deine Brüder." In seiner Person, durch sein Wirken und durch sein Wort und durch sein Zeugnis bestärkt Papst Benedikt auch unseren Glauben an das Petrusamt, das von Christus gestiftet ist und in der Kirche fortdauert bis zum Ende der Tage.

In dieser Stunde legen wir Zeugnis ab für unsere Einheit mit "dem Stellvertreter Christi und dem sichtbarem Haupt der ganzen Kirche" (II. Vatikanum: Bischöfe 30). Die lebendige und treue Verbundenheit mit dem Nachfolger des hl. Petrus ist die Gewähr dafür, dass wir in der Gemeinschaft mit Christus bleiben und damit auf dem rechten Weg sind. Denn "wo Petrus ist, da ist die Kirche; und wo die Kirche ist, da ist Christus", sagen die Kirchenväter. Die Geschichte der Kirche lehrt uns, dass die Ortskirchen gerade dann stark sind, wenn sie in bewusster Einheit mit dem Papst leben und wirken und ihm in Liebe und Treue verbunden sind.

Einheit der Kirche entsteht von innen nach außen, von der Mitte zur Peripherie und umgekehrt. Doch diese lebendige und lebensstiftende Einheit findet ihre letztverbindliche Kraft und Orientierung im Amt und Dienst des Papstes, den Christus zum "immerwährenden, sichtbaren Prinzip und Fundament der Glaubenseinheit und der Gemeinschaft" der Kirche bestimmt hat. (LG 18).

Im lebendigen Petrus, in Papst Benedikt XVI., ist der Kirche, ist uns vom Geist Gottes ein Oberhirte geschenkt worden, der ein begnadeter Lehrer und Künder der Wahrheit über Gott und den Menschen ist; der uns zur Erkenntnis Christi zu seiner Liebe und zur Begegnung mit ihm führt und uns gleichsam zuruft: Wagt es, euch Christus anzuvertrauen, damit sein Licht in euch entbrenne und ihr es vor den Menschen zum Leuchten bringt.

"Ich vertraue mich vor allem euerem Gebet an", bittet unser Heiliger Vater nach seiner Wahl zum Stellvertreter Christi auf Erden. Ja, wir wollen unseren Heiligen Vater stärken: Durch unser Gebet, durch unsere Liebe und Treue; dadurch, dass wir auf seine Stimme hören und ihr folgen; dadurch, dass wir zur rechten Zeit uns auch schützend vor ihn stellen.

Mit den Augen des Glaubens, aber auch aus der Haltung der Liebe werden wir fähig, die Fülle der Kirche, ihr Christusgeheimnis, durch alle Schatten und Schleier hindurch wahrzunehmen. Wenn wir uns dessen bewusst sind, wird uns der Dienst des Petrusnachfolgers auf Christus hin durchsichtig. Dann sehen wir auch das Papstamt nicht als "Machtstruktur", sondern als kostbares Geschenk, in dem Christus selbst uns durch den Dienst seines Stellvertreters auf dem Weg zum Vater und damit zur wahren Freude führt.

Wir wünschen Papst Benedikt XVI. Gnade und Frieden vom Herrn. Er erhalte und stärke ihn, damit er – wie sein Name es sagt – wahrhaft zum Benedictus werde, zum Segen seiner heiligen Kirche und zum Segen für die Welt.