Kirche in Brasilien: Glaubwürdig an der Seite der Armen


Passau/Alagoinhas (iop). Es geht um Glaubwürdigkeit. Dort, wo die katholische Kirche Profil zeigt, wo sie an der Seite der Armen die Bibel liest, das Evangelium auslegt, also Christus bezeugt und verkündigt, da hat sie Bestand. Bischof Dom Paulo Romeu Dantas Bastos ist sich ganz sicher. „Wir haben keine Angst vor der Welt“, sagt der brasilianische Bischof. Kirche, das versteht der Oberhirt von Alagoinhas, hat eine frohmachende Botschaft in die Welt zu tragen. „Wir müssen gerade den jungen Leuten zeigen, dass wir beitragen zu einem erfüllten Leben“. Schwer genug für den Kirchenmann im Osten Brasilien. Leben doch 60 Prozent seiner etwa 750 000 Gläubigen unter der Armutsgrenze. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist riesig. Eine Pfarrei seiner Diözese hält den traurigen Rekord, Brasiliens ärmste Gemeinde, beziehungsweise der am wenigsten entwickelte Landkreis zu sein. Doch Dom Paulo verzagt nicht. Erstens hofft er auf die Reformen des Präsidenten, der aus der kirchlichen Basisbewegung kommt und „einer aus dem Volk“ ist, wie der Bischof unterstreicht. Zweitens ist er mit seinen Priestern, pastoralen Mitarbeitern und Helferinnen Tag für Tag bemüht. Drittens hat er seit 40 Jahren Freunde im Bistum Passau, die helfen. Am Dienstag, 23. Juni, erläutert er vor Journalisten in Passau die Situation.
Bildung, Gesundheitspflege, Wasser. Das sind die zentralen Herausforderungen für die Menschen in Alagoinhas und damit auch für die Kirche. 2000 Zisternen haben sie in den vergangenen Jahren gebaut – 500 werden aktuell fertig gestellt – um die Wasserknappheit in der Region zu vermindern. „Wasser ist Leben“ ergänzt. Meire Silva Pereira, die in der Diözese für die Bibelarbeit mitverantwortlich ist. Hier der biblische Text mit seinem Symbol vom Leben spendenden Wasser. Dort die konkrete Not der Menschen und gleichzeitig Hilfe. „So wird Bibelarbeit für die Menschen bei uns geradezu handgreiflich“, sagt der Bischof. Anderes Beispiel: Die  Kindergärten. Aylton De Castra Pereira, der Mann von Meire ist bei der Caritas aktiv. Er hat dafür gesorgt, dass in der Stadt Alagoinhas täglich 1000 Kinder überhaupt etwas zu Essen bekommen.

„Wir dürfen und können die Realität des Lebens bei unserer Arbeit als Kirche nicht ausblenden“, erläutert der Oberhirte. Altes und Neues Testament, der Glauben, die Feier der Sakramente: das hat in Brasilien elementar mit dem Leben zu tun. Aus solcher Verwurzelung in der Basisbewegung erwachsen auch Berufungen, ergänzt Regens Padre Irivan Santana de Anchieta. Ob als aktive Laien in der Bibelbewegung, im sozialen Dienst der Pfarrei oder als Priester.

Der Bischof kennt natürlich die Unterschiede der brasilianischen, lateinamerikanischen Kirche zur europäischen und deutschen Kirche. „Dennoch können wir voneinander lernen. Die Partnerschaft zwischen den Bistümern ist für ihn „Austausch, gegenseitiges Anregen im Glauben“. Der Oberhirte dankt für die Weggemeinschaft und die Bereicherung und meint damit weit mehr, als nur solidarische Hilfe. Die Passauer Priester, die dort wirken und gewirkt haben hinterließen Spuren, die nachwirken. Umgekehrt haben diese Geistlichen die Pfarrgemeinden geprägt, in denen sie heute arbeiten. So ist das Ziel der Bischöfe Simon Konrad Landersdorfer und Dom Eugenio Lobes erreicht, die beim Zweiten Vatikanischen Konzil in Rom Kontakte knüpften.

Für den Jubiläums-Besuch in Passau haben sich die brasilianischen Gäste richtig südländisch und wie dort üblich vorbereitet. T-Shirts, Fähnchen und Aufkleber haben sie gestaltet und mitgebracht. Gelbgrün und weißblaue Rauten für Brasilien und Bayern und in der Mitte ein großes rotes Herz. In dem ist zu lesen: Alagoinhas und Passau – 40 Jahre – Partnerschaft und Solidarität“. Dom Paolo erklärt: „So verschieden wie die Farben sind unsere Bistümer. Doch uns eint eine große Freundschaft. Uns verbindet im Herzen Jesus Christus. Alles, was auf vielen Ebenen in den vielen Jahren an Begegnung stattgefunden hat, erwuchs aus einer herzlichen  Verbindung“. Auch da ist sich der Bischof ganz sicher. Und noch eins weiß er ganz genau: Fußballweltmeister 2010? „Brasil!“.

Wolfgang Duschl 


Bischof Dom Paulo Romeu Dantas Bastos aus Alagoinhas