Predigt Bischof Wilhelm Schraml Diözesanrat


40 Jahre Partnerschaft Passau – Alagoinhas
Samstag, 21. März 2009
von Bischof Wilhelm Schraml

    Das Wort „Mission“ ist ein Grundwort kirchlichen Lebens. Lange Zeit war es verdrängt, vielleicht sogar verdächtigt, oftmals verschwiegen. Es gewinnt immer mehr an Bedeutung. In vielen Wortverknüpfungen zeigt es sich im pastoralen und theologischen Gespräch: z.B. Mission und Evangelisieren, missionarische Kirche, missionarische Pastoral, missionarische Partnerschaft und Verkündigung. Das missionarische Zeugnis der Kirche.

Den entscheidenden Anstoß dazu haben die Väter des II. Vatikanischen Konzils gegeben mit dem Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche „Ad Gentes“, das am 7. Dezember 1965 mit 2394 Ja-Stimmen gegen 5 Nein-Stimmen angenommen und feierlich verkündet wurde. Dieses wichtige Dokument ist den allerwengisten bekannt. Die Konzilsväter betonen darin, dass die Missionstätigkeit der Kirche nicht eine Randerscheinung oder gar ein Anhängsel der Kirche ist. Die pilgernde Kirche ist in ihrem Wesen nach missionarisch, sagt das Konzil. D.h.: Sie ist „als Gesandte unterwegs, da sie ihren Ursprung aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes herleitet gemäß dem Plan Gottes des Vaters“ (AG 2).
Die Sendung des Sohnes und des Heiligen Geistes geht weiter in der Kirche. Im missionarischen Dienst der Kirche, d.h., in unserem Dienst geht Jesus Christus selbst in der Kraft des Geistes zu den Menschen in aller Welt, um ihnen Teilhabe am Leben Gottes zu schenken.

Im Namen Christi und in der Kraft des Heiligen Geistes trägt sie die frohe Botschaft in alle Welt zu allen Völkern. Dabei hat sie nicht nur das Heil der Seele und das ewige Leben im Auge, sondern bezieht sich auf den ganzen Menschen, schon in dieser Welt. Sie macht das Erbarmen und die Güte Gottes bei den Menschen berührbar, indem sie ihnen hilft, Not und Bedrängnis zu lindern und in Freiheit, Gerechtigkeit und Würde zu leben. In der 40-jährigen Partnerschaft unserer beiden Diözesen leuchtet das auf. Dabei denken wir aber auch an andere missionarische Tätigkeiten, sei es in Brasilien oder in anderen Ländern der Erde.

Das Wirken der Menschen dort, die der Bischof entsendet, und die beispielhafte Unterstützung der Gläubigen in der Heimat würde aber am Wesen der Kirche vorbeigehen, würden wir darin nur eine Entwicklungshilfe sehen. All unser Tun – in der Heimat wie in den fernen Ländern – ist zutiefst missionarisch: d.h., Verkündigung des Evangeliums in der Sendung des Herrn und in der Kraft seines Heiligen Geistes.

Dabei erfahren wir beglückt und dankbar, dass Mission, dass „missionarische Partnerschaft“ niemals eine Einbahnstraße ist. Wir gehören selbst zu den Beschenkten. Viele geistliche Impulse und Ideen sind schon zurückgeflossen. Als Beispiel nenne ich das „Bibel-Teilen“, das bei vielen Gruppen Eingang gefunden und die Begegnung mit dem Wort Gottes vertieft hat. Oder ich verweise auf die Aktivitäten des Missionsreferates, der Pfarreien und kirchlichen Verbände.
Ein ganz besonders bewegendes Zeichen dafür ist die Begegnung der Schwestern und Brüder aus der Diözese Alagoinhas und unserer Diözese im Rahmen dieser Partnerschaft.
Ich möchte diese Gelegenheit wahrnehmen, um als Bischof ein großes Vergelt’s Gott zu sagen an alle, die durch ihren Beitrag – sei es persönlich oder materiell, durch Initiativen und Projekte – für dieses Werk Verantwortung tragen und es mit Leben erfüllen.

Die Kirche ist nicht um ihrer selbst willen da. Sie soll Gottes Wirklichkeit bezeugen und die Menschen mit Jesus Christus, mit seinem Evangelium in Berührung bringen, sei es in den fernen Ländern oder auch unmittelbar bei uns.
Mission heißt für mich ganz schlicht: das den Menschen weitersagen, bezeugen und bringen, was für mich selbst geistlicher Lebensreichtum geworden ist. Mission heißt für mich: Dies alles täglich und immer neu auf die Quelle zurückführen, die diesen Reichtum speist und ihm Kraft und Dynamik schenkt: auf das Evangelium, letztlich auf Jesus Christus selbst und meine Lebensgemeinschaft mit ihm in Gebet und Sakrament.

Der Christ und damit die Kirche ist nur missionarisch zu begreifen, weil Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist, damit die Menschen das Leben haben und es in Fülle haben. Darum gehört Mission und missionarischer Einsatz zu unserer christlichen Identität.

Die Welt braucht nichts nötiger als die Botschaft vom Vater, vom Sohn und vom Heiligen Geist. Tragen wir deshalb unseren Dank für 40 Jahre segensreiche Partnerschaft zwischen unseren Diözesen jetzt in der Eucharistiefeier vor das Angesicht Gottes. „Und wenn wir durch unsere Teilnahme am Altar den heiligen Leib und das Blut“ seines Sohnes empfangen, dann möge es uns „mit aller Gnade und allem Segen des Himmels“ erfüllen.