Medientag 2009


Crossmedia - Die Zukunft der Medienarbeit im Fokus

 

Kirche setzt verstärkt auf digitale Medien
Medienstratege des Papstes fordert in Passau, die neuen Entwicklungen zu nutzen – Sekretär des Päpstlichen Rat für die sozialen Kommunikationsmittel sprach beim Medientag der Diözese Passau – Bischof Schraml: Kirche muss Öffentlichkeitsarbeit profilieren – Aufruf zu „Mission“

 Rom/Passau (iop). Die Kirche will digitale Medien gezielt nutzen. Internet und sogenannte Soziale Netzwerke sind nicht nur beim Treffen der „Europäischen Bischofskommissionen für neue Medien“ ein Thema. Beim Medientag im Bistum Passau hat der Sekretär des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel, Mons. Paul Tighe, unterstrichen, dass sich die katholische Kirche den technologischen Entwicklungen und medialen Herausforderungen stellen will.

Mons. Tighe sprach von einem Paradigmenwechsel in der Kommunikation. Soziale Netzwerke hätten auch gesellschaftliche Prozesse verändert und „revolutioniert“. Deshalb sei die Kirche aufgefordert sich in diese Netzwerke offensiv und aktiv einzubringen. Paul Tighe plädierte für Offenheit modernen Medien gegenüber. Ohne Risiken und Gefahren zu vergessen, sieht der Sekretär des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel, in diesen modernen Medien eine große Chance mit jungen Leuten weltweit über den Glauben ins Gespräch zu kommen. Dieses Gespräch müsse entsprechend moderner Mediennutzung im Dialog erfolgen. Tighe unterschied zwei Sprachebenen: Zum einen die Sprache der Menschen in modernen Medien und zum anderen die Sprache der Theologie. Kirche müsse darauf achten eine für die Menschen verständliche Sprache zu wählen, ohne zentrale Inhalte des Glaubens und der kirchlichen Lehre zu vernachlässigen. Er sprach mit Blick auf die Sozialen Netzwerke von einer „glokalen Bewegung“, also von einer globalen Ausrichtung mit gleichzeitig lokaler Verwurzelung. Genau das löse die katholische Kirche in ihrer Struktur schon ein; hier die weltumspannende, globale Kirche, mit Rom als Zentrum, und gleichzeitig die lokale Ebene mit den Diözesen. Er rief dazu auf, innerhalb der Bistümer diese Verbindung auch über Medien neu zu verstärken.

Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml betonte am Samstag, 14. November, vor den rund 200 Teilnehmern: Die Kirche müsse profiliert in der Öffentlichkeit auftreten. Das Bistum werde seine vorhandenen Medienangebote von Print, Bild, Rundfunk und Fernsehen, crossmedial im Onlineangebot vernetzen. „Mit unserer Medienarbeit wollen wir einen profilierten Auftritt in der Öffentlichkeit schaffen – intern wie extern“, sagte der Bischof. Damit wolle die Diözese „Offenheit für den Glauben und für die Anliegen der Kirche gewinnen“. Geplante Kommunikation solle den Zusammenhalt im Bistum stärken, „gleichzeitig aber auch unser Selbstbewusstsein als katholische Kirche“. Somit leiste die Diözese Missionsarbeit. Der Bischof wörtlich, „die Kirche müsse aus der Defensive treten und offensiv Menschen für den Glauben gewinnen.“ Entscheidend, bei aller medialer Wirkung, sei für den Glauben aber der persönliche Austausch. „Wer glaubt, ist nie allein.“ Dieses Wort von Papst Benedikt XVI., sei so ein „Fundament für unsere Kommunikation im Bistum Passau“, sagte der Bischof. Der Satz war 2006 auch das Leitwort beim Papstbesuch in Bayern.

v.l. Ingo Brüggenjürgen,  Wilfried Günther, Dr. Martin Posselt, Wolfgang Duschl, Mons. Paul Tighe, Sr. Regina (Übersetzung für Mons. Tighe), Alexander Kain

Bei der Veranstaltung, zu der Generalvikar Dr. Klaus Metzl geladen hatte, wagten Mons. Paul Tighe und die weiteren Teilnehmer eine Prognose für die kirchliche Kommunikation in den kommenden Jahren.

Wilfried Günther, der Geschäftsführer der MDG Medien Dienstleistung Gesellschaft, sieht die katholischen Verlage vor einer großen Herausforderung. Man müsse Strategien entwickeln wie Printprodukte mit Onlineangeboten ergänzt werden können. Für die Ausbildung von Journalisten forderte Günther crossmediale Befähigung. Er regte an, bereits vorhandene Strukturen wie etwa www.katholisch.de, auf Ebene der Bischofskonferenz stärker zu nutzen.

Alexander Kain, stellvertretender Chefredakteur von der Passauer Neuen Presse, sieht auch für Zeitungen die künftigen Chancen, wenn „sie Relevantes“, d. h. für die Menschen und die Gesellschaft Bedeutendes transportieren. Er sprach vom künftigen Journalisten als Medienmanager, der Meldungen im Onlinebereich mit Bild, Ton und Film verzahne.

Dr. Martin Posselt, von BR alpha, betonte, dass er im Internet, als komplementär Medium zum Fernsehen, eine große Chance sehe. Der Zuschauer könne gezielt und bewusst mehr Informationen zur Sendung für sich gewinnen.

Der Chefredakteur vom Domradio Köln, Ingo Brüggenjürgen, unterstrich, die Kirche müsse mit Blick auf den Apostel Paulus auf die Marktplätze der heutigen Zeit gehen und dort eine neue Sprach sprechen. Der frühere Beauftrage der Bischofskonferenz für den Sender RTL, betonte die frohmachende Botschaft der Kirche und regte an, dass sich zu Themenbereichen wie etwa Frieden, einzelne Bischöfe gezielt zu Wort melden.

v.l. Ingo Brüggenjürgen,  Wilfried Günther, Dr. Martin Posselt, Wolfgang Duschl, Mons. Paul Tighe, Sr. Regina (Übersetzung für Mons. Tighe), Alexander Kain

Wie moderne Medienarbeit konkret funktioniert, konnten die Teilnehmer aus den Pfarreien, Verbänden und Einrichtung des Bistums in neun Workshops erfahren: vom Bistumsblatt und der Lokalzeitung der PNP, über Rundfunk und Fernsehen bis zu Internet und Intranet. Wolfgang Duschl, Leiter der Bischöflichen Pressestelle, der Schnittstelle und Steuerungseinheit für Information, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit sagte: „Das war ein Angebot, um moderne Medienarbeit bewusst zu machen und zu fördern“. Denn die Kirche wolle auch künftig ihre Botschaft offensiv und zeitgemäß in die Öffentlichkeit tragen.

 

 Dass wir ein aktuelles Thema aufgreifen, bestätigt uns der Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft an der Universität Passau. Unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Ralf Hohlfeld widmen sich Studenten des Studiengangs Medien und Kommunikation in einer eigenen Veranstaltung am 06. und 07. November ebenfalls diesem Thema. Wenn Sie mehr zur Veranstaltung an der Universität Passau wissen wollen, klicken sie bitte HIER.