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Bischof Dr. Stefan Oster SDB: „Die Kirche steht vor einer großen Herausforderung.“


Datum: 
18.07.2014

Kirchenstatistik 2013: Auch im Bistum Passau ist die Zahl der Kirchenaustritte steigend.

„Unsere Kirche steht vor großen Herausforderungen. Auch wenn wir im Bistum Passau erfreulicherweise noch einen sehr hohen Katholikenanteil haben, bekommen wir die Glaubenserosion deutlich zu spüren“, sagte Bischof Dr. Stefan Oster anlässlich der aktuellen Zahlen der Kirchenaustritte, die heute in allen deutschen Bistümern veröffentlicht werden. Im Bistum Passau sind im letzten Jahr 2028 Männer und Frauen aus der Kirche ausgetreten, im Jahr 2012 waren es laut DBK (Deutsche Bischofskonferenz) 1529 Männer und Frauen. Wie die Statistik zeigt, ist das die zweithöchste Zahl in den letzten 10 Jahren. Nur im Jahr der Missbrauchskrise 2010 waren es noch mehr Austritte. „Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Sie zeigen uns, dass sich die Menschen immer mehr von der Kirche entfremden“, so Oster. Der formale Austritt sei in der Regel nur das Ende eines längeren Prozesses der Entfernung der Menschen, so Oster weiter. „Deshalb dürfen wir nicht müde werden in unserem Bemühen, den Menschen zu erschließen, was die Kirche wirklich ist: nämlich Ort der Begegnung mit Gott, mit Christus. Aber um das verständlich zu machen, ist es für uns selbst nötig, brennende Zeuginnen und Zeugen dieser Begegnung zu sein.“ Der Passauer Oberhirte sagte bereits mehrfach, „dass Kirche und Glaube nur durch Anziehung wachsen können, nicht aber durch Propaganda. Und dafür braucht es vielleicht auch neue Formen des gemeinsam gelebten Glaubens und der Verkündigung.“.

Den Austritten stehen die Wiedereintrittszahlen gegenüber: diese sind 2013 leicht gestiegen auf 161 im Vergleich zu 154 im Jahr 2012 laut der Statistik der Deutschen Bischofskonferenz. „Ein (Wieder)Eintritt erfordert das bewusste Reflektieren des eigenen Lebens und den starken Wunsch, das eigene Leben mit Gott zu gehen. Umso mehr freuen wir uns um jeden einzelnen, der sich Gott und der Kirche wieder nähert. Die Türe ist niemals zu“, so Bischof Stefan Oster. Für die Kirche in Deutschland – auch im Bistum Passau – ist die fortschreitende Säkularisierung eine der größten Herausforderungen der Zukunft. Wie erste Zahlen für das Jahr 2014 erkennen lassen, „ist ein Ende dieser Bewegung noch nicht absehbar.“  

Der Fall Limburg und die Kirchensteuer auf Kapitalertragssteuer

Der formale Austritt wird zwar gegenüber dem Standesamt erklärt, aber auch im Passauer Kirchensteueramt geht man regelmäßig der Frage nach, warum Männer und Frauen letztendlich aus der Kirche austreten. Aus einzelnen Gesprächen weiß  man, dass die Geschehnisse in Limburg auch bei den Katholiken im Bistum Passau für Unmut und Unverständnis gesorgt haben. „Aber auch in diesem Fall geht es letztlich um die Frage der eigenen Glaubenstiefe. Wenn mir nämlich bewusst ist, welche Realität die Kirche tatsächlich ist – auch unabhängig von ihren menschlichen Vertretern - dann würde ich sie wegen der Verfehlungen einzelner nicht einfach verlassen. Im Gegenteil, die Kirche ist ja gerade für uns Menschen da, die wir uns alle immer wieder verfehlen, denn in ihr finden wir immer neu die Möglichkeit zur Umkehr und zur Versöhnung mit Gott,“ sagte Oster.

Die Austrittszahlen, die vor allem seit Oktober 2013 mit Beginn der Vorkommnisse in Limburg deutlich zugenommen haben, seien aber auf lange Sicht auch eine Bedrohung für das soziale und christliche Miteinander. „Gerade, weil Kirche eine starke solidarische Gemeinschaft ist, kann sie in Deutschland durch die Kirchensteuermittel stark an die Ränder gehen. Darin ist die Kirche in Deutschland Hoffnung und auch Vorbild für tausende Menschen in Not“, so der Bischof. Vor allem die zahlreichen Angebote der Caritas, die von Sonderhilfsfonds, Obdachlosen- und Behindertenhilfe bis hin zu Ehe-, Familien- und Lebensberatung reichen, kommen Menschen in schweren Lebenssituationen zugute. „Betroffen sind meist Menschen, die nicht nur in emotionaler und seelischer Not sind, sondern die auch finanziell dringend Unterstützung brauchen. Was uns Sorge bereitet ist, dass diese Angebote immer mehr nachgefragt und gebraucht werden und wir in diesem Bereich immer mehr Mittel zur Verfügung stellen“, betont Oster.

Neben Limburg hat aber auch das Thema „Kirchensteuer auf Kapitalertragssteuer“ für Verunsicherung bei unseren Katholiken gesorgt, weiß Finanzdirektor Dr. Josef Sonnleitner. Der Grund: In den letzten Monaten wurden und werden Bankkunden umfassend informiert, dass sich das Verfahren zur Erhebung der Kirchensteuer auf Kapitalertragssteuer geändert hat. „Um eines gleich vorweg zu nehmen: es wurde keine neue Kirchensteuer eingeführt und die bestehende Kirchensteuer natürlich nicht erhöht“, betont der Finanzdirektor. „Durch diese Verfahrensänderung und die Information durch die Banken sind die Sparer und Sparerinnen aber nun aufgeschreckt und ziehen falsche Rückschlüsse. Durch die Sparerfreibeträge sind die meisten Katholiken von der Kirchensteuer auf Kapitalertragssteuer gar nicht betroffen. Ein Anruf in unserem Kirchensteueramt oder bei den Hausbanken bringt die entsprechende Aufklärung.“

 

Die statistischen Daten des Jahres 2013
sind wie jedes Jahr auch online abrufbar unter www.dbk.de. In den nächsten Wochen erscheint die Arbeitshilfe „Katholische Kirche in Deutschland. Zahlen und Fakten 2013/2014“ mit umfangreichen statistischen Angaben zum kirchlichen Leben, ehrenamtlichen Engagement sowie kulturellem Einsatz, caritativer Arbeit und finanziellem Engagement.

 

>>>>>>Kirchenstatistik 2013 - Kardinal Marx: „Auf allen Ebenen Vertrauen schaffen“

>>>>>>Die kirchlichen Eckdaten 2013
 

 

Die aktuellen Zahlen im Bistum Passau

Derzeit leben 480 885 Katholiken in 86 Pfarrverbänden. Diese sind gebildet aus 285 Pfarreien und 20 Exposituren. Es gab im Bistum, so die neue Jahresstatistik, 3994 (Zahlen aus 2012: 3926) Taufen, 4199 (Zahlen aus 2012: 4656) Erstkommunionen und 4815 (Zahlen aus 2012: 5005) Firmungen. Die Zahl der Beerdigungen lag bei 5426 (Zahlen aus 2012: 5309).

Informationen zur Diözese Passau

Über 50 Prozent der 285 Pfarreien im Bistum haben weniger als 1000 Katholiken. Die Diözese Passau mit einer Fläche von 5442 Quadratkilometern ist durchweg ländlich strukturiert; Auch geografisch bedingt gibt es im Bistum viele kleine Pfarreien. Nur in drei Städten gibt es Pfarrverbände mit über 10.000 Gläubigen: Hauzenberg, Pfarrkirchen, Burghausen.
Aktuell sind in der Diözese 343 Priester und 38 ständige Diakone tätig. Von den 343 Priestern sind 120 bereits im Ruhestand, helfen aber nach Kräften mit.
Es gibt 22 Schulen in kirchlicher Trägerschaft und 200 Kindergärten/ - horte. In 36 katholischen Verbänden organisieren sich die Gläubigen. Über 600 Frauen und Männer leben in einem Orden oder einer religiösen Gemeinschaft.
Die Diözese Passau zählt mit rund 10tausend Beschäftigten in unterschiedlichen Voll- und Teilzeitmodellen zu den größten Arbeitgebern der Region und ist auch in strukturschwächeren Gebieten wie dem Bayerischen Wald ein starker Arbeitgeber.