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Stille Tage im Gedenken - Allerheiligen und Allerseelen im Dom St. Stephan


Datum: 
27.10.2017

"Aller-Heiligen und Aller-Seelen gedenken": Domdekan Dr. Hans Bauernfeind erklärt den Namen, Brauchtum früher und heute und was genau hinter Allerheiligen und Allerseelen steckt 
Letzte Ruhestätte des verstorbenen Altbischof Dr. Franz Xaver Eder in der Domgruft zugänglich
„Gott meine Zeit steht in deinen Händen“ – Gedanken von Barbara Stadlberger

 

 

Stille Tage im Gedenken
Allerheiligen und Allerseelen

 

Bereits seit dem 8. Jahrhundert feiert die römisch-katholische Kirche am 1. November den Allerheiligentag. Wie der Name verrät, ist es ein Gedenkfest für alle Heiligen. Bedacht werden nicht nur jene, die von einem Papst feierlich heiliggesprochen wurden. Auch alle Menschen, die ihren Glauben still gelebt, und ihr Christentum konsequent verwirklicht haben, stehen mit Mittelpunkt. Jeder Mensch ist zur Heiligkeit berufen. In Bayern ist Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag. Es handelt sich um einen „stillen Feiertag“.

Bereits am Tag nach Allerheiligen wird Allerseelen begangen. Die katholischen Christen denken an diesem Tag in besonderer Weise an ihre verstorbenen Angehörigen und an alle Verstorbenen. Für Familien ist es üblich, an diesen Tagen die Gräber zu besuchen, Kerzen anzuzünden, für die Verstorbenen zu beten und Blumen zum Grab zu bringen. Bei einer feierlichen Prozession geht ein Geistlicher durch die Friedhofsreihen und segnet die Gräber. Der Tag ist geprägt von der Hoffnung der Auferstehung der Toten, weil Jesus Christus seinen Tod besiegt hat.

 

Glaube erklärt - Allerheiligen und Allerseelen

"Aller-Heiligen und Aller-Seelen gedenken" - Domdekan Dr. Hans Bauernfeind erklärt den Namen, Brauchtum früher und heute und was genau hinter Allerheiligen und Allerseelen steckt - Und Floristmeisterin Claudia Ziegler zeigt, wie ein typischer Allerheiligenkranz aussieht. Ein TV-Beitrag von Stefanie Hintermayr:
 

 

 

 

Gottesdienste im Dom

Das Pontifikalamt an Allerheiligen, Mittwoch, 1. November, feiert Bischof Dr. Stefan Oster SDB um 9.30 Uhr im Dom. Das Solistenensemble der Passauer Dommusik, der Domchor und das Domorchester führen von J. Haydn die Missa Sancti Nicolai in G Hob. XXII:6 auf.
Am Allerseelentag, Donnerstag, 2. November, beginnt die Pontifikalmesse mit Prozession in die Domgruft mit Bischof Oster im Dom St. Stephan um 18.00 Uhr. Hier erklingt von der Dommusik das Requiem von Giacomo Puccini und die Messe funèbre von Charles Gounod.
Der Dom ist ab Sonntag (Winterzeit) täglich von 6.30 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Die Gottesdienste im Dom finden sonntags wie folgt statt: 7.30 Uhr Hl. Amt; 9.30 Uhr Kapitelamt/Hochamt; 11.30 Uhr Hl. Amt.

 

 

Die Bischofsgruft ist geöffnet – Ein Ort des guten und dankbaren Gedenkens an die Passauer Oberhirten

Eine feierliche Atmosphäre von Stille und Ergriffenheit. Dies ist das Gefühl, das viele Besucher im Passauer Dom immer mit sich tragen, wenn sie die Stufen von der Bischofsgruft wieder nach oben steigen. Nur an wenigen Tagen im Jahr gibt es die Gelegenheit, die Gruft im Dom zu besuchen.
Rund um die Tage zu Allerheiligen und Allerseelen ist die Gruft jetzt wieder geöffnet. Und zwar von Samstag, 28. Oktober, bis Montag, 6. November; vom Ende der Gottesdienste am Morgen, 8.00 Uhr, bis 17.00 Uhr abends - Einschränkungen der Öffnungszeiten bei Orgelkonzerten und Gottesdiensten sind möglich.
In dieser Zeit besteht die Möglichkeit direkt bei den Gräbern der Passauer Bischöfe still zu beten. Hier kann auch die letzte Ruhestätte des verstorbenen Altbischofs Dr. Franz Xaver Eder besucht werden.

 

 

„Gott, meine Zeit steht in deinen Händen.“   - Alles hat seine Zeit!

Irgendwann hat alles seine Zeit“, lese ich beim Blick aus dem vorbeifahrenden Zug. Große schwarze Buchstaben auf ein Autowrack gesprüht, das im Niemandsland zwischen Bahngleisen und verfallenen Lagerschuppen vor sich hin rostet. Eine Botschaft für die Reisenden, die nicht nur etwas über den Zustand des alten Autos sagen will? „Alles hat seine Zeit“, kaum ein Satz bringt die Erfahrung der Vergänglichkeit besser ins Wort.
„Alles hat seine Zeit“ meint das Auf und Ab unseres Lebens und meint auch die unterschiedlichen Lebensrhythmen, in die wir eingebunden sind. In diesen herbstlichen Tagen wird das wieder besonders sichtbar und spürbar. Die meisten Felder sind abgeerntet, die Gartenbeete abgeräumt und winterfest gemacht. Die Tage werden kürzer, es wird dunkler und kälter. Der Sommer mit seinen lauen Nächten ist lange vorbei. „Alles hat seine Zeit“. Wir gehen auf den Friedhof, schmücken die Gräber unserer Lieben, zünden ein Licht an, erinnern uns der Verstorbenen und unserer eigenen Endlichkeit. „Alles hat seine Zeit“.
An manchen Tagen in der Klinik bitte ich um Gottes Segen für ein neugeborenes Kind und bete kurz darauf das Sterbegebet für einen verstorbenen Patienten. „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Ausreißen der Pflanzen, …“ so heißt es im alttestamentlichen Buch Kohelet (Koh 3,1-8). „Alles hat seine Zeit“: Lebensweisheit und Lebenserfahrung verdichtet in einem Satz und entfaltet in insgesamt sieben Doppelstrophen, für das ganze Leben also.
„Alles hat seine Zeit“ sagt mir, dass alles ein zeitliches Maß hat. Jede Zeit ist befristet, hat das Ende schon in sich, die Zeit des Glücks wie die Zeit des Unglücks. Das ist das Tröstliche: So ist es nun mal im Leben, auch Trauer und Klage, Abschied und Schmerz gehören dazu, aber nicht nur. Das ermutigt, das Glück des Augenblicks zu erkennen und es auszukosten. Entlastend ist, dass nicht alles gleichzeitig erlebt, getan, geleistet werden muss. Und hoffnungsvoll ist, dass ich in schweren Zeiten der Krankheit und des Leidens darauf vertrauen darf, dass es (wieder) eine andere Zeit geben kann.
Jede Zeit in meinem Leben ist Lebenszeit. Ich kann träumen, planen, gestalten, wie es sein soll, mein Leben. Letztlich aber liegt meine Lebenszeit nur zum Teil in meinen Händen, sie bleibt immer auch unverfügbar. Deshalb füge ich in Gedanken dazu: „Gott, meine Zeit steht in deinen Händen.“    


Barbara Stadlberger
Krankenhausseelsorgerin am Klinikum Passau