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Wo Lachen und Weinen sich die Hände reichen


Datum: 
27.12.2018

  Hilfsorganisation SOLWODI („Solidarity with Women in Distress“), die sich weltweit für Frauen in Not einsetzt.

 

Die vier jungen Frauen teilen sich eine Wohnung, von der kein Fremder wissen darf, dass es sie gibt. Es ist kein Klingelschild neben der Tür befestigt und ihre Namen bleiben geheim. Drinnen ist es gemütlich und warm. Die Frauen haben Papiersterne gebastelt und glitzernde Girlanden   aufgehängt. Auf dem Tisch brennen Kerzen in liebevoll geschmückten Gläsern.
„Die Wohnung ist für die Frauen ein Schutzraum“, sagt Schwester Verena. Die 62-Jährige arbeitet für die Hilfsorganisation SOLWODI („Solidarity with Women in Distress“), die sich weltweit für Frauen in Not einsetzt. Wenn Schwester Verena „Not“ sagt, dann meint sie Menschenhandel, Prostitution, Gewalt und Sklaverei. „Die Frauen, die wir hier in Passau aufnehmen, sind meist noch halbe Kinder“, sagt sie. „Sie kommen überwiegend aus dem Ostblock oder aus afrikanischen Ländern und wurden in den meisten Fällen mit falschen Versprechungen in die Prostitution gelockt.“ Und sie erzählt von sogenannten „Madames“, die mit einem dicken Auto, schönen Kleidern und Geschenken zum Beispiel in Nigeria auftauchen und Mädchen regelrecht rekrutieren – gesteuert von Menschenhändlern aus Europa. „Viele Mädchen, sie sind da oft nicht älter als 14 Jahre, fallen auf die Versprechungen herein, einfach, weil die Perspektivlosigkeit in ihrer Heimat so erdrückend ist.“

Den Mädchen werden von den Zwischenhändlern alle Identitätspapiere abgenommen. Sie erhalten falsche Namen und werden dann von „Zuhälter“ zu „Zuhälter“ weiterverkauft. „In Deutschland ist Prostitution legal“, erklärt Schwester Verena, für Menschenhändler seien das paradiesische Zustände. „Illegal ist lediglich der Aufenthalt.“ Wenn die Frauen bei Kontrollen von der Polizei aufgegriffen werden, bemüht sich SOLWODI daher sofort um die Klärung des Aufenthalt Status. Sie vermitteln den Frauen auch medizinische und juristische Hilfe, verschaffen ihnen ein sicheres, geschütztes Dach über dem Kopf. Schwester Verena und ihre Kollegin sind darüber hinaus zu jeder Tages- und Nachtzeit für die Frauen da. „Wir haben Opfer von Zwangsheirat betreut, die mit 23 Jahren noch nicht aufgeklärt waren“, sagt Schwester Verena. „Die Frauen, die aus Kulturen kommen, in denen schon traditionell Frauen unterdrückt werden, lernen bei uns, dass sie eine Stimme haben, sich frei bewegen können und die Augen nicht niederschlagen müssen, wenn sie mit einem Mann sprechen.“ Sie lernen selbstständig mit Geld umzugehen, besuchen Deutschkurse und bereiten sich auf eine Berufsausbildung vor. Weil die Frauen von ihren ehemaligen Peinigern oft schwanger sind, kümmert sich Schwester Verena auch darum, dass die Kinder einen guten Start ins Leben haben und später einen Platz im Kindergarten finden.

Die Täter kommen in der Regel ungeschoren davon. „Höchstens ein Jahr Gefängnis droht hierzulande einem Menschenhändler – wenn es sichere Beweise gibt“, sagt Schwester Verena. Ein Menschenhandelsring sei mit mafiösen Strukturen vergleichbar, die Polizei erwische, wenn überhaupt, nur einzelne Glieder einer langen Kette. „Den Tätern ist es egal, wenn eine Frau ihren Fängen entkommt, da sie wissen dass die Frauen kaum eine Aussage bei der Polizei machen werden, weil sie Angst haben. Sie finden immer genug Nachschub und die Nachfrage ist offensichtlich vorhanden“, erzählt Schwester Verena. Sie selbst ist als junge Frau dem Orden der Ingenbohler Kreuzschwestern beigetreten und hat viele Jahre als Krankenschwester gearbeitet. Seit 10 Jahren arbeitet sie nun in der SOLWODI-Fachberatungsstelle in Passau. „Schwester Verena ist die Beste – und wie eine Mutter für mich“, sagt eine der jungen Frauen beim Essen.

Bischof Stefan Oster hat die kleine, vom Schicksal zusammengewürfelte Familie besucht. Mit einem Korb voller Weihnachtsgeschenke und einem selbstgekochten Festmahl mit Gerichten aus verschiedensten Teilen der Welt feierten die Frauen mit ihm ihr Überleben. Es wurde viel gelacht, ein paar Tränen flossen auch. „Es wird alles gut“, sagte eine von ihnen mit einem Lächeln und schniefte.
Den Bischof hat dieser Abend sichtlich bewegt: „Unfassbar, wieviel Not hier in nur vier einzelnen Lebenswegen dieser jungen Frauen zusammenkommt“, sagt er. „Aber auch wie großartig, dass es Frauen wie Schwester Verena und ihre Helferinnen gibt, die so für sie da sind – und ihnen das Lachen zurück schenken – und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.“

 

 Frauen in Not: Die Hilfsorganisation SOLWODI holt Frauen aus ihrer Unsichtbarkeit. Symbolfoto: Ian Keefe/Unsplash

 

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