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Von Herz zu Herz


Datum: 
05.08.2016

Bischof Stefan Oster hat vor Teenagern beim Internationalen Forum Altötting einen Impulsvortrag über die Beziehung zu Gott gehalten. „Wir dürfen Kind des einen Vaters sein“, so seine Botschaft. Ein Vormittag mit Freude und Tiefgang.

 

 

Freitag, neun Uhr morgens, strömender Regen: Auf dem Kapellplatz platschen Menschen in Richtung Basilika durch die Pfützen. In Sandalen, denn einen Tag zuvor war noch Hochsommer. Trotzdem: Trüb ist nur der Himmel, nicht die Gesichter. Am Eingang sammeln sich die Schirme und Regencapes, vorne beim Altar Frauen und Männer vom Teenager- bis zum Teenager-Eltern-Alter. Bischof Stefan Oster sitzt noch in einer Kirchenbank, schüttelt Hände, tauschte ein paar Worte mit den Gläubigen aus, die auf ihn zugehen. Auf den Stufen zum Altar steht eine junge Frau und geht die Liedblätter auf dem Notenständer vor ihr durch. Lobpreis – damit beginnt jeder der vier vollen Tage des Forums Altötting.

Und auf einmal, als wäre ein Schalter umgelegt worden: Freude. Fast alle stehen, fast alle singen. Viele richten die Handfläche nach oben, schauen dem Nachbar über die Schulter auf die Noten. Sie singen nicht, weil es eben dazugehört, sondern aus dem Herzen. „Bei der Gemeinschaft Emmanuel geht es immer ein bisschen um Glauben ohne Handbremse“, hatte es zuvor zur Begrüßung geheißen. Einfach machen. Natürlich auch der Bischof.

 

„Die schlechte Nachricht ist: Jesus sieht alles. Die gute: Er schaut Dich voller Liebe an!“

Unverstellt ist auch der Impulsvortrag, Stefan Oster im Anschluss im Kultur- und Kongressforum hält. Vor den jungen Zuhörern – die Teilnehmer beim Teenie-Forum der Gemeinschaft Emmanuel sind zwischen 13 und 17 Jahren alt – spricht er frei über die Beziehung zu Gott. Der Bischof beginnt mit dem Apostel Johannes, der vor dem Herrn, der sich ihm offenbart, wie tot zu Boden fällt – überwältigt von der Begegnung. „Stell Dir vor, Du bist eingeladen, heute Jesus zu begegnen“, lädt Stefan Oster die Jugendlichen ein. „Der, vor dem wir auf den Boden fallen, und der, der für uns in den Dreck, in die äußerste Erniedrigung geht, das ist derselbe.“

 

Wir alle, so der Bischof weiter, kennen das Gefühl der Gebrochenheit, wir alle seien nicht ohne Sünde. Was das für Gott heiße, erklärt er mit einem Bespiel mitten aus dem Leben: Von jemandem, der uns sehr wichtig ist, werden wir bei etwas Peinlichem erwischt. Man muss kein Teenager sein, um das Gefühl zu kennen. „Die schlechte Nachricht ist: Jesus sieht alles. Die gute: Er schaut Dich voller Liebe an!“ Die Frage sei nur, ob man es zulässt, wieder in diese Beziehung zu kommen, sagt der Bischof.

Diese Beziehung sei ein bisschen vergleichbar mit einer – hoffentlich glücklichen – Kindheit, in der die Eltern für einen sorgen und man sich geborgen fühlt, auch wenn Mama und Papa nicht in Sichtweite sind. Kind des Vaters sein, das sei ein Wesenszug des Glaubens. „Nur heute sind wir oft als sprichwörtliche Waisenkinder unterwegs“, sagt Oster. Waisenkinder müssten immer schauen, wo sie bleiben, weil niemand für sie sorge – mit der Folge, dass das Ego alles beherrsche.

 

Längst spricht der Bischof nicht mehr von der Bühne aus, sondern steht zwischen den Stuhlreihen. Zeit für Fragen. Wie das geht, Kind des Vaters sein, wenn man sich nicht geliebt fühlt, will ein Mädchen wissen. Der Bischof will es sich nicht leicht machen. „Ich hoffe, dass Du verstehst, dass Du um deinetwillen gut bist“, antwortet er. Und dass die Fragende in eine Gemeinschaft von Christen findet, in der sie sich angenommen fühlt. Die nächste Frage dreht sich um die Anbetung – das stille Gebet. Was tun, wenn einen das nicht erfüllt, wenn die Zeit einfach nicht vergehen mag? Der Bischof lächelt. Das gehe jedem einmal so. „Willkommen im Club“, sagt er, und der Saal lacht. Der Herr wolle uns zur „Liebe umsonst“ erziehen, also dazu, etwas auch einmal dann zu tun, wenn es einem vergebens vorkommt. Die Anbetung könne ein Training dafür sein.

Kurz vor elf Uhr, die richtig schweren Fragen kommen jetzt: Warum kann Gott das Leid auf der Welt zulassen? Wie darf man sich das ewige Leben vorstellen? Bischof Stefan Oster entgegnet: Auf die Frage nach dem Leid habe er keine letzte Antwort, nur die Hoffnung, dass Jesus mit jeder leidenden Kreatur mitleidet. Und das ewige Leben in seiner Vorstellung? „Nicht, dass wir alle auf Wolken sitzen und singen. Es ist ein eher ein Leben in Fülle im Garten des Vaters.“