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„Diese Beziehung bleibt“


Datum: 
07.11.2018

Erwachsenenfirmung im Haus Spektrum Kirche. Unter den Empfängern des Sakraments ist auch ein konvertierter ehemaliger Imam aus Afghanistan

 

 


Nach der Spende des Sakraments der Firmung während des Festgottesdienstes in der Hauskapelle Heilig-Geist des Spectrums Kirche in Passau-Mariahilf fand der Bischof für jeden einzelnen der acht Erwachsenen auch persönliche Worte.


Unter den erwachsenen Firmlingen, denen Bischof Oster das Sakrament spendete, befand sich auch Paul-Alhaji Mansaray aus Fürstenzell, ein Geflüchteter aus Sierra Leone in Westafrika, wo er als Sozialarbeiter tätig war und mehrere Monate im Gefängnis saß. Fotos: Brunner

„Diese Beziehung bleibt“

Erwachsenenfirmung im Haus Spektrum Kirche. Unter den Empfängern des Sakraments ist auch ein konvertierter ehemaliger Imam aus Afghanistan        
 
Mohammad Rafee Tajik heißt seit eineinhalb Jahren auch David. Diesen Vornamen hat sich der heute 31-Jährige für seine Taufe in der Osternacht 2017 in der Pfarrei Passau-Heining ausgesucht. Jetzt machte der Geflüchtete den nächsten Schritt: Im Kreis von acht Erwachsenen ließ sich der aus Afghanistan stammende junge Mann am Samstag durch Bischof Stefan Oster firmen. Das Außergewöhnliche daran: Tajik ist in seiner früheren Heimat Imam gewesen und dann zum Katholizismus konvertiert. „Ich bin stolz darauf“, bekundete er am Rande der Feier.

Vielfältig sind die Gründe, warum die acht Firmanwärter – wie allgemein üblich – nicht schon im Kindes- oder Jugendalter dieses Sakrament empfangen haben. Der wohl naheliegendste trifft auf Mohammad Rafee Tajik zu. Als Imam hat er nach dem Studium islamischer TheoIogie einst sogar im Fernsehen über den Islam geredet. Als er sich später jedoch dem Christentum zuwandte, landete er in Dubai deshalb im Gefängnis. Die Tatsache, die Bibel und ein Kreuz in seiner Wohnung gefunden zu haben, reichte für die Behörden aus, ihn zu lebenslanger Haft zu verurteilen.

Aufgefallen war Tajik in dem Emirat am Persischen Golf dadurch, mit einer Gruppe Katholiken in die katholische Kirche gegangen zu sein. „Die Regierung wusste, dass ich meinen Glauben geändert habe“, erzählte der Geflüchtete nach der Erwachsenenfirmung in der Hauskapelle Heilig-Geist des Spectrums Kirche in Passau-Mariahilf. Nun versucht er, hier die Hürden des Asylverfahrens zu nehmen, damit er keinesfalls nach Afghanistan zurückkehren muss, wo ihm als Konvertit nach eigenen Worten Schlimmstes droht: „Jeder hasst mich dort und will mich töten.“

Den sehr gut deutsch sprechenden Pfarrangehörigen begleitete zu dem großen Augenblick Ministrantin Katharina Karlstetter, die ihm nach der Patenschaft bei seiner Erwachsenentaufe jetzt auch als Firmpatin zur Seite stand. Die 17-Jährige hofft wie viele Mitmenschen in der Pfarrei Heining, dass Mohammad Rafee zunächst wenigstens eine Aufenthaltsduldung bekommt und sich seinen Wunsch erfüllen kann, eine Ausbildung als Hotelfachmann zu machen. Bislang wird ihm dies vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verwehrt. „Ich habe den Führerschein gemacht, ich will arbeiten“, betont der frisch gefirmte Christ.

Bischof Oster zeigte sich hoch erfreut darüber, dass sich Tajik und sieben weitere Gläubige durch die Firmung stärken ließen. Der Glaube an den Heiligen Geist bewirke, in die Beziehung zu Christus und zu Gott, dem Vater, näher hineinzufinden. Während alle anderen Beziehungen endlich seien, blieben die Menschen mit dem treuen Gott immer verbunden. Allerdings brauche es, wie bei allen Beziehungen, deren Pflege – unter anderem im Gebet, um das Herz auf Jesus hin zu öffnen und mit ihm in enger Kommunikation zu sein. Oster wünschte den Firmlingen zu spüren: „Das ist die eigentliche Beziehung, die mich trägt.“

Mit dem Zeichnen eines Kreuzes aus Chrisam auf die Stirn wurden die acht Frauen und Männer vom Bischof gefirmt. Vorausgegangen war die Erneuerung des Taufversprechens. Eine der Fürbitten, die Gerhard Eckmüller vom Bischöflichen Seelsorgeamt Sakramentenpastoral vortrug, war den Neugefirmten gewidmet: „Lass sie immer wieder Menschen treffen, die ihr Leben aus dem Glauben überzeugend gestalten, und lass sie selbst immer tiefer in die Freundschaft mit Dir finden.“ Eine weitere hatte zur Intention, dass die Verantwortlichen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft die richtigen Ideen und das notwendige Durchsetzungsvermögen finden, um Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit zu sichern und nachhaltiges Wirtschaften zu fördern.

Nach den Worten Eckmüllers findet einmal jährlich – immer im Herbst – eine Erwachsenenfirmung für das gesamte Bistum statt. Grundsätzlich spendet dabei der Bischof dieses Sakrament in Fortführung der Taufe. „Das ist ihm eine Herzensangelegenheit“, unterstreicht Gerhard Eckmüller. Die Teilnehmer, darunter auch Konvertiten aus der evangelischen Kirche, bereiten sich über Wochen und Monate auf diesen bedeutsamen Tag vor. Die diesjährigen Firmlinge kamen aus den Pfarreien Aicha bei Osterhofen, Burghausen-St. Konrad, Falkenberg, Fürstenzell, Passau-Heining, Ruhstorf an der Rott, Simbach am Inn und Untergriesbach.

 

>>>Bernhard Brunner