Menu

Nachgefragt und nachgehakt: Segen, Weihe, Segnung und Einweihung


Datum: 
09.09.2004

Was unterscheidet den Blasiussegen vom Fahrzeugsegen? Warum wird eine Orgel geweiht, das neue Rathaus aber gesegnet? Solche Fragen tauchen in der lokalen Berichterstattung immer wieder auf. Deshalb hier einige grundlegende Erläuterungen für die Praxis vor Ort.

Segen: Der Mensch will Heil, Schutz und Erfüllung seines Lebens
Das Wort „Segen“ ist dem lateinischen Wort „signare“ (bezeichnen) entlehnt und meint im kirchlichen Sprachgebrauch, mit dem Zeichen des Kreuzes versehen. Der Mensch verlangt nach Heil, Schutz, Glück und Erfüllung seines Lebens. So gehört das Segnen zu den Urgesten des Menschen. Es ist in allen Religionen anzutreffen. Nach biblisch-christlichem Verständnis ist Gott allein die Quelle allen Segens, aller guten Gaben. Mittler des göttlichen Segens ist Jesus Christus. Wenn die Kirche segnet, handelt sie im Auftrag des auferstandenen Christus und in der Kraft seines Geistes, den er ihr als bleibenden Beistand verliehen hat. Die Kirche ruft seinen Segen auf die Menschen herab und auf das, was sie schaffen und was ihnen dient. Zentralen Stellenwert hat der Segen am Schluss der Eucharistiefeier oder eines Gottesdienstes. Eine Besonderheit bildet der Segen mit dem „Allerheiligsten“, etwa bei der Fronleichnamsprozession. Die Geistlichen segnen mit der sogenannten „Monstranz“. In diesem kostbaren Schaugefäß ist die „konsekrierte Hostie“, der „Leib Christi“ aufbewahrt. Segnen ist aber nicht nur den Amtsträgern vorbehalten. Alle Getauften und Gefirmten haben die Vollmacht zum Segnen, wie zum Beispiel Eltern für ihre Kinder.

Begriffe und Einteilung: Segnungen – Weihungen – Weihe
Segnungen (Benediktionen, lateinisch bene dicere = gut sprechen über/zu jemand) sind Zeichenhandlungen. Als Zeichen des Heiles setzen sie, um magische Missverständnisse auszuschließen, den Glauben voraus. Segnungen drücken die liebende Sorge Gottes um den Menschen und seine Welt aus. Sie sind Lobpreis Gottes und Bitte um seinen Segen. Die Segnungen im Leben einer Pfarrgemeinde oder Familie deuten die zentralen Glaubensgeheimnisse, bringen Glauben und Leben zusammen.

Wenn es direkt um Menschen geht, spricht man von „Personalbenediktionen“, etwa Kindersegnung, Primizsegen. Bei Dingen spricht man von „Realbenediktionen“. Es geht aber nicht um ein „Taufen“ von Sachen. Der Mensch segnet Dinge, damit sie ihm „zum Segen“ gereichen. Sie sollen auf Gott, den Schöpfer aller guten Gaben, hindeuten. Bei der Segnung von Gegenständen geht es letztlich immer um die Menschen, die diese Dinge nutzen. Manche stehen in Zusammenhang mit der Feier der Sakramente (Taufwasserweihe, Segnung der Ringe) oder mit besonderen Lebensumständen (Krankensegnung).

Mit bestimmten Segnungen ist aber eine Wirkung bleibender Art verbunden, die auch kirchenrechtliche Folgen haben kann. In diesen Fällen spricht man zumeist von einer „Weihe“. So werden Menschen für den besonderen Dienst vor Gott bestimmt, etwa bei der Bischofs-, Priester- oder Diakonenweihe. Oder Dinge wie liturgische Geräte, Glocken, Altäre, Orgeln sowie Kirchenräume werden speziell für den gottesdienstlichen Gebrauch bestimmt. Solche „konstitutiven“ Segnungen, besonders, wenn sie dem Bischof vorbehalten und mit einer Chrisamsalbung verbunden sind, nennt man auch Konsekration (lat. Weihung, Heiligung). Aber auch die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi beim Einsetzungsbericht im eucharistischen Hochgebet wird so genannt. Deshalb der Ausdruck „konsekrierte Hostie“.

Konfessionell und regional unterschiedlicher Sprachgebrauch!
Allerdings gibt es im Bereich der Segnungen sowohl durch konfessionelle als auch durch regionale Prägungen einen sehr unterschiedlichen Sprachgebrauch. Im evangelischen Raum spricht man beispielsweise von Segnung, wenn Menschen für einen besonderen Dienst „eingesegnet“ werden. Im katholischen Sprachgebrauch werden diese Handlungen zumeist Weihe genannt. Findet etwa eine Segensfeier anlässlich der Indienstnahme einer Brücke statt, so wird dies im katholischen Raum mit Segnung bezeichnet, die evangelische Kirche verwendet den Begriff „Einweihung“. Es wird aber nicht die Brücke gesegnet, um eine andere Qualität zu bekommen, sondern die Menschen, denen die Brücke konkret im Leben helfen soll. Grundsätzlich steht dahinter die Überzeugung, dass materielle Dinge gute Gaben Gottes sein können.

Wer oder was wird gesegnet und geweiht?

Als Überblick und Faustformel mag gelten:

Weihe

Weihe ist die Segnung von Personen mit bleibender Wirkung und rechtlichen Folgen (Bischof, Priester, Diakon, Abt).
Weihe ist die konstitutive Segnung von Gegenständen, die speziell für den Gottesdienst bestimmt sind (Altar, Orgel, Kirchenraum, Weihe der heiligen Öle, Friedhof).

Segnung mit Beispielen

Personen (Personalbenediktion) / Dinge (Realbenediktion) auch „invokative Segnung“ genannt, da die Dinge in ihrem natürlichen Gebrauch belassen werden.

Im Leben der Pfarrgemeinde – Kirchenjahr:
Segnung der Sternsinger, Blasiussegen / Speisensegnung (Ostern), Kräutersegen (Mariä Himmelfahrt)

In der Pfarrgemeinde zu besonderen Anlässen:
Segnung der Schulanfänger, Kindersegen, Krankensegnung, Primizsegen / Segnung eines Pfarrzentrums, Segnung religiöser Zeichen (Kreuz, Rosenkranz,Fahne,Kerze)

Im Leben der Familie:
eines Kranken, Verlobte, Ehepaare ... / Wohnung, Haus

Im Leben der Öffentlichkeit:
meist Gegenstände oder Einrichtungen (Realbenediktionen): Krankenhäuser, Sozialstationen, Kindergärten, Schulen, Büchereien, Rathäuser, Geschäftsräume, Sport- und Freizeitanlagen, Brücken, Felder, Einsatzfahrzeuge, Fahrzeuge und Motorräder, Schiffe ...

Wer segnet oder weiht?
Menschen können und sollen sich gegenseitig Gutes wünschen und Segen zusprechen oder ihn von Gott erbitten. Dies können alle Gläubigen für sich und andere. Kraft ihrer Taufe und Firmung haben sie Vollmacht dazu, etwa Eltern für ihre Kinder. Je nach dem, wie eine Segnung oder Weihe auf die Kirche und deren sakramentale Mitte bezogen ist, ist der Vollzug dem betreffenden Amtsträger (Bischof, Priester, Diakon) vorbehalten (Bischof spendet Priesterweihe).

Ablauf der liturgischen Feier
Segnungen sind immer Tun der Kirche und niemals Privathandlungen. Deshalb finden sie in der Regel im Rahmen eines Gottesdienstes oder einer liturgischen Feier in der Gemeinschaft statt. Die Vollform einer Segensfeier umfasst etwa folgende Elemente: 1. Eröffnung mit Gesang, 2. Begrüßung und Einführung, 3. Eröffnungsgebet, 4. Schriftlesung, 5. Antwortgesang, 6. Ansprache, 7. Segnung, 8. Fürbitten, 9. Gebet des Herrn – Vater Unser, 10. Segen und Entlassung.

Begleitende Handlungen
Das Kreuzzeichen als Segensgeste ist unverzichtbar. Das Weihwasser weist hin auf Leben und Reinigung. Es erinnert an die Taufe und wird nach dem Segensgebet ausgesprengt, gegebenenfalls über die ganze Gemeinde. Der Weihrauch ist vor allem ein Ausdruck festlicher Freude und des feierlichen Gebetes und wird nach der Besprengung mit Weihwasser verwendet. Das Auflegen oder Ausbreiten der Hände bei der Segnung von Personen bringt die Bitte um Gottes Segen über sie und die Mitteilung des Segens durch die Kirche besonders stark zum Ausdruck.

Wolfgang Duschl