BIld: Thomas König
Alljährlich am 2. Sonntag im September (heuer 13. September) feiern die Bewohner des Marktes Kößlarn nach altem Brauch das weithin bekannte Arntfest, das Erntedankfest des Rottals, mit Festgottesdienst und Prozession. Jetzt war erste Kostümprobe für das historische Spektakel.
Das Arntfest in Kößlarn ist in seiner Art bestimmt einmalig. Der ganze Markt ist dann auf den Beinen, die Vorbereitungen für das historische Spektakel laufen bereits Monate vor dem Termin an. Im Mittelpunkt des Festes steht die Erntedankprozession durch den Markt im Anschluss an den Festgottesdienst. Rund 250 Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene stellen in farbenfrohen traditionellen Trachten und Kostümen und mit typischen Gerätschaften das frühere Erwerbsleben auf dem Lande dar. Im Erntedankfest soll der Dank der Menschen für die Ernte, für die Arbeit und für die Lebensgrundlagen an den Schöpfer zum Ausdruck kommen.
Dass zum Termin alle festlich und historisch gekleidet auflaufen können, treffen sich die Teilnehmer in den Wochen davor immer wieder auf dem Dachboden des ebenso historischen Benefiziatenhauses. Hier lagern die Requisiten für das Arntfest. Handwerkstrachten von Kopf bis Fuß, in allen möglichen Größen, vom Strumpf bis zur Kappe – aber auch Gerätschaften und dergleichen sind hier zu finden.
Im Radiointerview zum Arntfest in Kößlarn mit Bürgermeister Willi Lindner, Pfarrer Jörg Fleischer und Requisitenmeister Walter Plattner, blicken wir auf die Geschichte des „Arntfests“ und auch hinter die Kulissen:
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Eine Prozession voller Leben und Geschichte: Beim Arntfest führen Hirten lebende Schafe und Ziegen mit. Da zeigen Schnitter und Schnitterinnen mit Sensen, Sicheln, Gabeln und Dreschflegeln das frühere Erntegeschehen. Da tragen Bauern und Bäuerinnen in Steigen Kleinvieh wie Hühner, Enten und Gänse mit. Auch das Gewerbe und Handwerk sind mit Müllern, Bäckern, Metzgern, Brauern, Gärtnern, Jägern und Holzfällern vertreten. Bäuerinnen und Köchinnen zeigen typische bäuerliche Speisen wie Geselchtes und Schmalzgebackenes. Das religiöse Anliegen des Festes verdeutlichen Kreuz, Fahne, Prozessionsstangen, Heiligenfiguren und nicht zuletzt das Allerheiligste, die mitgetragen werden.
Arntfest in Kößlarn
Geschichtlicher Hintergrund:
Der frühe Termin steht im Zusammenhang mit den Marienfesten Mariä Geburt (8. September) und Mariä Namen (12. September), die früher eine große Bedeutung in der Marianischen Wallfahrt hatten. Im Erntedankfest soll der Dank der Menschen für die Ernte, für die Arbeit und für die Lebensgrundlagen an den Schöpfer augenfällig zum Ausdruck kommen. Gerade in den Zeiten schwerster Bedrängnis, wenn unsere Vorfahren von Wasserflut und Feuersbrunst, Hungersnot und Kriegsgeschrei heimgesucht wurden, haben sie den Segen der Felder, Wiesen und Wälder schätzen gelernt. So dürfen wir wohl das Ende des Dreißigjährigen Krieges und als Folge das Aufleben der Menschen im Zeitalter des Barocks als Ursprung des Erntedankfestes ansehen.
Eine erste schriftliche Erwähnung ist in der Wallfahrtsgeschichte „Der Herrgott von Tann“ aus dem Jahre 1695 zu finden, in der (unangemeldet) Kößlarner Wallfahrer in Tann an ihrer Fahne und ihrer Sprache vom letzten Erntedankfest erkannt wurden. Die Pfarrgemeinde nahm dieses Ereignis 1995 zum Anlass, das 300-jährige Bestehen des Erntedankfestes u.a. mit einer großen Ausstellung zu feiern.
(Quelle & Text: Webseite Markt Kößlarn / pbp Thomas König)



