Das glauben wir

5. Woche - lebendig sein

Wolfgang-Christian Bayer am 08.04.2019

2019_Exerzitien_Morgenstimmung

In diesen Tagen der "Exerzitien im Alltag" nehmen wir sein Wort auf und lassen es in uns zum LebensWort werden.

1. Impuls: Leben spüren

Wahr­neh­mungs­übung
Ich set­ze mich auf­recht auf einen Stuhl und atme ruhig ein und aus.
Ich rich­te mei­ne Auf­merk­sam­keit auf jeden Bereich mei­nes Lei­bes: die Füße,
die Bei­ne, den Becken­raum, die Wir­bel­säu­le, den Brust­raum, die Schul­tern, die
Arme, die Hän­de, den Nacken, den Hin­ter­kopf, Stirn und Augen, die Mund­par­tie,
den Kie­fer.
Wo füh­le ich Ent­span­nung, Wär­me oder Weich­heit?
Wo spü­re ich Ver­span­nung, Schmerz oder Unbe­weg­lich­keit?
Ich neh­me wahr ohne zu wer­ten.
So ist es im Moment.

Anschlie­ßend stel­le ich mir vor, ich sit­ze in der Gegen­wart Got­tes.
ER ist da in sei­ner lie­ben­den, barm­her­zi­gen Gegen­wart.
Ich atme ruhig ein und aus.
Mit jedem Atem­zug wird mein Leib mehr und mehr erfüllt von Leben­dig­keit und
Lie­be.
Ich blei­be eini­ge Zeit in die­ser Vorstellung.

Dann neh­me ich mei­nen Leib noch ein­mal im Gan­zen wahr.
Hat sich etwas verändert?

Da form­te Gott, der Herr, den Men­schen aus Erde vom Acker­bo­den und blies in sei­ne Nase den Lebens­atem. So wur­de der Mensch zu einem leben­di­gen Wesen.”

Wort für den Tag (Gen 2, 7)

Gebet
Gott, mit jedem Atem­zug
schenkst du mir neu
Leben­dig­keit.
Ich dan­ke dir!

2. Impuls: sterben, um zu leben

Das Wei­zen­korn muss ster­ben, sonst bleibt es ja allein

der eine lebt vom andern, für sich kann kei­ner sein.
Geheim­nis des Glau­bens: Im Tod ist das Leben.

So gab der Herr sein Leben, ver­schenk­te sich wie Brot.
Wer die­ses Brot genom­men, ver­kün­det sei­nen Tod.
Geheim­nis des Glau­bens: Im Tod ist das Leben.

Als Brot für vie­le Men­schen hat uns der Herr erwählt;
wir leben für­ein­an­der, und nur die Lie­be zählt.
Geheim­nis des Glau­bens: Im Tod ist das Leben.
Lothar Zenet­ti, aus dem Got­tes­lob Nr. 210, 1./2./4. Str.

Ster­ben, um zu leben? Eine Dimen­si­on des Glau­bens, die wider­sin­nig erscheint.
Jesus zeigt uns, dass das Los­las­sen des eige­nen Lebens letzt­lich ins gött­li­che
Leben führt.
Nicht das ängst­li­che Fest­hal­ten am eige­nen Ich‘ führt mich zu einem erfüll­ten
Leben, son­dern das sich Ver­schen­ken bringt Leben in Fülle.

Wo spü­re ich, dass etwas in mei­nem Leben ster­ben‘ muss,
damit ich leben­di­ger wer­de?
Was las­se ich los, damit mehr Leben mög­lich wird für mich,
für ande­re und für Gott?

Geheim­nis des Glau­bens: Im Tod ist das Leben.”

Wort für den Tag

Gebet:
Jesus, Brot des Lebens.
Du gibst dein Leben,
damit ich lebe
aus dir.

3. Impuls: Gottes Wille geschehe

Wort Got­tes Lk 22, 3946
Dann ver­ließ Jesus die Stadt und ging, wie er es gewohnt war, zum Ölberg; sei­ne
Jün­ger folg­ten ihm. Als er dort war, sag­te er zu ihnen: Betet, dass ihr nicht in Ver­su­chung
gera­tet! Dann ent­fern­te er sich von ihnen unge­fähr einen Stein­wurf weit,
knie­te nie­der und bete­te: Vater, wenn du willst, nimm die­sen Kelch von mir! Aber
nicht mein, son­dern dein Wil­le soll gesche­hen. Da erschien ihm ein Engel vom
Him­mel und stärk­te ihn. Und er bete­te in sei­ner Angst noch instän­di­ger und sein
Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropf­te. Nach dem Gebet stand er auf, ging
zu den Jün­gern zurück und fand sie schla­fend; denn sie waren vor Kum­mer erschöpft.
Da sag­te er zu ihnen: Wie könnt ihr schla­fen? Steht auf und betet, damit
ihr nicht in Ver­su­chung gera­tet!

Jesus über­win­det am Ölberg sei­ne Angst und gibt sich ganz in die Hän­de sei­nes
Vaters. In sei­nem Rin­gen steht ihm ein Engel Got­tes bei; so kann er Got­tes Wil­len
anneh­men. Das Rin­gen Jesu am Ölberg erle­ben vie­le Men­schen auf ihre eige­ne
Wei­se:

Ein Bei­spiel: Die Welt ist Got­tes so voll. …. In allem will Gott Begeg­nung fei­ern
und fragt und will die anbe­ten­de, hin­ge­ben­de Ant­wort. Dann wird das Leben
frei in der Frei­heit, die wir oft gesucht haben“. So for­mu­lier­te es Alfred Delp (SJ)
1945 kurz vor sei­ner Hin­rich­tung.

Von Jesus ler­ne ich in schwe­ren Situa­tio­nen durch mein JA in die Frei­heit zu
kom­men. Hin­ge­bung und Frei­heit wie passt das für mich zusam­men? Wo schien
mir mein Leben aus­weg­los und doch hat sich eine neue Frei­heit aufgetan?

Steht auf und betet!”

Wort für den Tag (Lk 22, 46)

Gebet
Lie­ben­der Gott,
Dein Wil­le gesche­he, so lehrt mich Jesus.
Leh­re mich, in die­sem Ver­trau­en,
den dunk­len Momen­ten des Lebens zu begeg­nen.
Denn nur Du sen­dest Kraft und Stär­ke
und führst mich in eine neue Freiheit.

4. Impuls: auferstehen

Wort Got­tes Lk 24, 112
Am ers­ten Tag der Woche gin­gen die Frau­en mit den wohl­rie­chen­den Sal­ben, die
sie zube­rei­tet hat­ten, in aller Frü­he zum Grab. Da sahen sie, dass der Stein vom
Grab weg­ge­wälzt war; sie gin­gen hin­ein, aber den Leich­nam Jesu, des Herrn, fan­den
sie nicht. Wäh­rend sie rat­los dastan­den, tra­ten zwei Män­ner in leuch­ten­den
Gewän­dern zu ihnen. Die Frau­en erschra­ken und blick­ten zu Boden. Die Män­ner
aber sag­ten zu ihnen: Was sucht ihr den Leben­den bei den Toten? Er ist nicht hier,
son­dern er ist auf­er­stan­den. Erin­nert euch an das, was er euch gesagt hat, als er
noch in Gali­läa war: Der Men­schen­sohn muss den Sün­dern aus­ge­lie­fert und gekreu­zigt
wer­den und am drit­ten Tag auf­er­ste­hen. Da erin­ner­ten sie sich an sei­ne
Wor­te. Und sie kehr­ten vom Grab in die Stadt zurück und berich­te­ten alles den Elf
und den ande­ren Jün­gern. Es waren Maria Mag­da­le­ne, Johan­na und Maria, die
Mut­ter des Jako­bus; auch die übri­gen Frau­en, die bei ihnen waren, erzähl­ten es
den Apos­teln.

Die Frau­en wol­len dem Leich­nam Jesu den letz­ten Dienst erwei­sen.
Dabei erfah­ren sie, ER ist nicht tot, ER lebt!
Manch­mal suche auch ich den Leben­den bei den Toten!
Nur wenn ich mich wie­der neu an sei­ne Wor­te erin­ne­re, lebt Jesus in mir
und ich kann sei­ne Bot­schaft von sei­ner Auf­er­ste­hung bezeu­gen.
Ich kann ande­ren bezeu­gen, ER lebt!
Dabei erle­be ich, dass auch ande­re an ihn glau­ben und wir uns gegen­sei­tig
stär­ken können.

Was suchst du den Leben­den bei den Toten?”

Wort für den Tag (Lk 24, 5)

Gebet
Jesus, du bist auf­er­stan­den
und du lebst!
In dei­nen Wor­ten wirst du leben­dig -
in mir und in der Gemein­schaft derer,
die an dich glau­ben.
In dei­nem Wort erfah­re ich
die Zusa­ge der Auf­er­ste­hung
und des ewi­gen Lebens.

Rückblick auf die gesamte Exerzitienzeit

Die Lie­be besteht in der Mit­tei­lung von bei­den Sei­ten: näm­lich dar­in, dass der Lie­ben­de dem Gelieb­ten gibt und mit­teilt, was er hat und kann; und genau­so umge­kehrt der Gelieb­te dem Liebenden.”

(Ignatius von Loyola: Betrachtung zur Erlangung der Liebe, EB 231)

• Ich rufe mir die lie­ben­de Zuwen­dung Jesu ins Gedächt­nis, die ich in die­sen Wochen erfah­ren habe und spü­re nach, wie ich dar­auf geant­wor­tet habe?
• Ich bit­te Jesus dar­um, mir das Herz zu öff­nen für das , was jetzt am Ende der Exer­zi­ti­en wich­tig ist?
• Wie habe ich sein WORT in den All­tag mit­ge­nom­men und wel­che Früch­te wur­den mir dabei geschenkt?
• Habe ich zum Wort Got­tes eine neue Bezie­hung und Lie­be gefun­den?
• Wie habe ich das Beten in den All­tag mit hin­ein­ge­nom­men?
• Wie hat sich mein Glau­be und mein lie­ben­des Dasein in mei­nen Bezie­hun­gen, in der Fami­lie, in der Gemein­schaft, in der Arbeit, in der Kir­che, … aus­ge­wirkt?
• Was hat mich gestärkt und mir Mut gemacht?
• Mit wel­chen kon­kre­ten Schrit­ten will ich wei­ter­ge­hen?
• Das, was ich jetzt als Ant­wort auf die Lie­be Got­tes erkannt habe, las­se ich in einem per­sön­li­chen Gebet zum Aus­druck kommen.

2019_Exerzitien_Morgenstimmung

Du Herr,
seg­ne mich,
erfül­le mei­ne Füße mit Tanz
und mei­ne Arme mit Kraft,

erfül­le mein Herz mit Zärt­lich­keit
und mei­ne Augen mit Lachen.

erfül­le mei­ne Ohren mit Musik
und mei­ne Nase mit Wohl­ge­ruch,

erfül­le mei­nen Mund mit Jubel
und mein Herz mit Freu­de.

Du Herr,
schen­ke mir immer neu
Leben­dig­keit,
die aus Dei­ner Lie­be
und Dei­nem Segen kommt.

So seg­ne Du mich,
mein Herr und mein Gott.