Foto: NiederbayernTV
Beim Live-Gottesdienst am Tag der Deutschen Einheit hat Pfarrer Michael Witti in der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Sammarei zu Dankbarkeit, aber auch zu einem wachen Blick auf die gesellschaftliche Situation aufgerufen. 36 Jahre nach der Wiedervereinigung sei die friedliche Überwindung der deutschen Teilung ein Grund zur Freude. Zugleich sollte ein jeder sich fragen, was Menschen heute noch zusammenhalte.
Mit Blick auf die zunehmende gesellschaftliche Spaltung und politische Polarisierung betonte Pfarrer Michael Witti, dass politische Auseinandersetzungen zu einer lebendigen Demokratie gehören würden. „Demokratie lebt ja vom gesunden Streiten, aber Demokratie stirbt an der Verachtung“, mahnte Witti. Wer politisch anders denke oder wähle, sei deshalb noch lange kein schlechter Mensch. Der politische Gegner dürfe nicht zum Feind werden.
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Pfarrer Witti verwies auf das Evangelium, in dem Jesus seine Jünger davor warnt, Erfolg und Macht mit dem eigenen Wert zu verwechseln. Auch politische Macht dürfe niemals zum Selbstzweck werden. Einheit bedeute nicht, dass alle Menschen gleich denken oder die gleichen Lebensgeschichten haben müssten. Vielmehr könnten unterschiedliche Erfahrungen, Überzeugungen und Lebensentwürfe ein Land stärken.
Gerade Christen seien aufgerufen, den einzelnen Menschen hinter seiner politischen Position zu sehen: denjenigen, der um seinen Arbeitsplatz fürchtet, eine bezahlbare Wohnung sucht, sich einsam fühlt, vor Krieg geflohen ist oder sich von gesellschaftlichen Veränderungen überfordert fühlt.
Zum Ende seiner Predigt rief Pfarrer Michael Witti dazu auf, dankbar für Einheit, Freiheit und Demokratie zu sein, zugleich aber wachsam zu bleiben. Einheit sei kein dauerhafter Besitz, sondern müsse jeden Tag neu gelebt werden, denn der Wert eines Menschen hänge nicht von Herkunft, Leistung, politischer Überzeugung oder Mehrheitsverhältnissen ab, sondern komme letztlich von Gott.
Für die musikalische Gestaltung des festlichen Gottesdienstes sorgte der Sängerzirkel Sammarei unter der Leitung von Markus Steinhuber.



