Mitreißende Predigt von Bischof Oster beim Diözesan-Seniorentag in Bad Füssing – Es gab geweihte Herzen aus Holz als Handschmeichler und Erinnerungsstücke.
Bad Füssing. Die Herzen von rund 200 Gottesdienstbesuchern hat Bischof Dr. Stefan Oster mit seiner aufrüttelnden und mutmachenden Predigt anlässlich des Diözesan-Seniorentags in Europas größtem Kurort berührt. In Anlehnung an das Jahresthema „Sprache des Herzens“ des Seniorenseelsorge-Referats des Bistums würdigte der Passauer Oberhirte Franz von Assisi an dessen Ehrentag mit seiner selbstgewählten materiellen Armut als Vorbild. „Weise hat etwas mit der Herzensqualität zu tun“, sagte der Bischof in der Pfarrkirche Heilig Geist.
Das Herz skizzierte Oster als die innere Mitte einer Person, „wo unser Denken, unser Fühlen, unsere Überzeugungen, unser Wille und Wollen zusammenkommen und, wenn’s gut läuft, einigermaßen geeint sind.“ Wenn ein Mensch etwas von ganzem Herzen mache, dann sei er authentisch, da seien Gefühl, Verstand und Wille dabei – sozusagen „Engagement von ganzem Herzen“. Als eine biblische Aussage im Alten Testament zitierte der Bischof, „wir brauchen ein neues Herz.“ Jesus betone im Evangelium, alle sollen zu ihm kommen, denn „bei mir findet Ihr Ruhe für Eure Seele.“ Stattdessen könnte auch das Wort Herz stehen, fügte er hinzu.
Franz von Assisi beschrieb Oster als einen Menschen „von ganzem Herzen“. Im Gegensatz zu dem Heiligen, der alles lassen und loslassen habe können, hielten die Menschen heute fest an vielem, weil ihr Herz unruhig sei. Dabei bestehe oft auch der Zwang, andere Menschen für sich in Besitz nehmen zu wollen, dabei jedoch den Zugang von Herz zu Herz zu verlieren, den inneren Bezug zum Gegenüber zu gefährden. Gott rufe die Menschen auf zu lernen, innerlich bei ihm zu sein und dadurch eine größere Freiheit im Umgang mit der Welt zu gewinnen, „weil sie den anderen von Herz zu Herz verstehen.“ Das Privileg des Älterwerdens sei eigentlich die Weisheit, basierend auf Lebenserfahrung.
Das Herz beleuchtete der Bischof gedanklich als ein Haus mit vielen Zimmern, als ein Seelenhaus, wo es darum gehe, die tieferen Dimensionen seines Herzens zu erkennen. Oster motivierte die Senioren aus der ganzen Diözese dazu, jeden Tag den Herrn um Hilfe zu bitten, ein „Mensch der Tiefe“ zu werden, der loslassen könne, um bei ihm zuhause zu sein. Diese Gewissheit könne auch die Angst vorm Tod und Sterben nehmen, merkte der Passauer Oberhirte unter Hinweis auf das Tagesevangelium nach Matthäus an mit der zentralen Aussage „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt“ mit dem Versprechen, „ich werde euch Ruhe verschaffen.“
„Christus trägt – durch die bittersten Zeiten unseres Lebens“, hob Oster hervor und stellte fest, dass christliche Hoffnung unabhängig von äußeren Umständen sei. Die größten Beispiele dafür seien Heilige wie Pater Maximilian Kolbe, Dietrich Bonhoeffer oder auch Edith Stein. Als Gebet an Gott formulierte es der Bischof im Jahr der Hoffnung in Erinnerung an Franz von Assisi, „schenke mir ein Herz, das in Dir verankert ist.“ Dann könne kommen, was wolle, denn man habe das Gefühl, „ich bin schon zuhause.“ Als symbolisches Geschenk erhielten die Gottesdienstbesucher vom Bischof gesegnete hölzerne Handschmeichler in Herzform mit der Aufschrift „Von Herzen“. Auf bunten Papierherzen waren persönliche Herzensanliegen aufgeschrieben und vor den Altar gebracht worden.
In seinem Grußwort brachte Bürgermeister Tobias Kurz seine Freude über den Seniorentag in Bad Füssing zum Ausdruck und lobte ausdrücklich die Seniorenseelsorge für ihren Einsatz. „Ihr seid wertvoll, Ihr seid wichtig, Ihr seid nicht allein“, leitete Kurz als Symbolik der Veranstaltung für die Senioren in einem Ort ab, der wegen des hohen Durchschnittsalters der Bevölkerung als „Rentner-Paradies“ – auch dank einer für diese Altersgruppe perfekten Infrastruktur – gerühmt werde. Aber die äußeren Lebensbedingungen allein seien nicht alles. „Menschen brauchen Menschen“, forderte der Bürgermeister und versprach, gerade die zunehmende Vereinsamung der Gesellschaft – auch zusammen mit der Kurseelsorge – verstärkt in den Blick zu nehmen.
Beim anschließenden geselligen Treffen mit kostenloser Bewirtung im Kleinen Kursaal von Bad Füssing suchten und fanden die vor Begeisterung strahlenden Senioren den Kontakt mit dem Bischof, der von Tisch zu Tisch ging und überall ein offenes Ohr für die Anliegen der Gäste zeigte. „Ihre Predigt war so ergreifend“, schwärmte eine ältere Dame mit zufriedenem Lächeln über das ganze Gesicht. So wurde der Slogan auf einem Plakat auf der Bühne geradezu personifiziert: „Älterwerden gestalten, Vielfalt leben.“
Text: Bernhard Brunner


