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„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ ist ein sehr bekanntes Sprichwort, das in vielen Sprachen und Variationen existiert. So wahr es ist, stimmt es natürlich nicht immer, denn in vielen alltäglichen Situationen ist es wichtig, mit seinen Mitmenschen in einen Dialog zu treten. Und eine ridiküle Entschuldigung ist besser als gar keine, einfach nur, um wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Mehr dazu von Studentenpfarrer Peter Kunz in seinem Impuls zum Sonntag.
Manchmal ist Schweigen bequemer als Reden. Wir alle kennen das: Da hat uns jemand verletzt, enttäuscht oder wütend gemacht. Und statt das Gespräch zu suchen, ziehen wir uns zurück. Wir hoffen, dass Gras über die Sache wächst. Oder wir erzählen anderen davon – nur nicht der Person, um die es eigentlich geht. In einer Zeit, in der man Menschen mit einem Klick stumm schalten oder aus dem eigenen Leben verschwinden lassen kann, scheint Distanz oft einfacher zu sein als Begegnung.
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Genau in diese Erfahrung hinein spricht Jesus im heutigen Evangelium. Und seine Worte überraschen. Er sagt nicht: Lass es auf sich beruhen. Natürlich sagt er auch nicht: Kämpfe auf Biegen und Brechen um dein Recht. Sondern: „Geh zu deinem Bruder.“ Geh zu deiner Schwester. Such das persönliche Gespräch.
Warum? Nicht, damit am Ende einer gewinnt und der andere verliert. Nicht, um Recht zu behalten. Sondern – und das ist das Entscheidende – um den anderen zurückzugewinnen.
Ich finde dieses Wort wunderschön. Jesus sagt: Gewinne den Menschen.
Denn für Jesus ist kein Mensch auf seinen Fehler festgelegt. Jeder bleibt mehr als das, was er falsch gemacht hat. Deshalb lohnt sich der erste Schritt. Deshalb lohnt sich der Mut zum Gespräch. Natürlich wird nicht jede Beziehung heil. Nicht jedes Gespräch endet mit einer Versöhnung. Aber Jesus lädt uns ein, den ersten Schritt nicht aus Angst zu unterlassen.
Und dann endet das Evangelium mit einem Satz, den viele von uns kennen: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
Diesen Satz hören wir oft bei Gottesdiensten oder Treffen. Aber eigentlich gehört er mitten in einen Konflikt. Jesus sagt ihn genau dort, wo Menschen sich ehrlich begegnen, einander zuhören, um Vergebung ringen und die Beziehung wichtiger nehmen als den eigenen Stolz.
Das verändert den Blick auf Gott. Gott wartet nicht erst dort, wo alles wieder perfekt ist. Er ist schon da, wo Menschen den Mut finden, den ersten Schritt zu gehen. Er ist gegenwärtig in der ehrlichen Aussprache, in der ausgestreckten Hand, im ersten Wort nach langem Schweigen.
Und jetzt? Gibt es einen Menschen, dem ich lieber aus dem Weg gehe? Eine Nachricht, die ich längst schreiben könnte? Ein Gespräch, das ich immer wieder verschiebe?
Es stimmt wohl: Versöhnung beginnt selten mit großen Gesten. Meist beginnt sie mit einem einzigen Schritt. Es könnte dein nächster Schritt sein.
Studentenpfarrer Peter Kunz



