Das glauben wir

Reden ist Gold

Redaktion am 04.09.2026

Info Icon Foto: Bayer / pbp

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ ist ein sehr bekanntes Sprichwort, das in vielen Sprachen und Variationen existiert. So wahr es ist, stimmt es natürlich nicht immer, denn in vielen alltäglichen Situationen ist es wichtig, mit seinen Mitmenschen in einen Dialog zu treten. Und eine ridiküle Entschuldigung ist besser als gar keine, einfach nur, um wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Mehr dazu von Studentenpfarrer Peter Kunz in seinem Impuls zum Sonntag.

Manch­mal ist Schwei­gen beque­mer als Reden. Wir alle ken­nen das: Da hat uns jemand ver­letzt, ent­täuscht oder wütend gemacht. Und statt das Gespräch zu suchen, zie­hen wir uns zurück. Wir hof­fen, dass Gras über die Sache wächst. Oder wir erzäh­len ande­ren davon – nur nicht der Per­son, um die es eigent­lich geht. In einer Zeit, in der man Men­schen mit einem Klick stumm schal­ten oder aus dem eige­nen Leben ver­schwin­den las­sen kann, scheint Distanz oft ein­fa­cher zu sein als Begegnung.

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Genau in die­se Erfah­rung hin­ein spricht Jesus im heu­ti­gen Evan­ge­li­um. Und sei­ne Wor­te über­ra­schen. Er sagt nicht: Lass es auf sich beru­hen. Natür­lich sagt er auch nicht: Kämp­fe auf Bie­gen und Bre­chen um dein Recht. Son­dern: ​„Geh zu dei­nem Bru­der.“ Geh zu dei­ner Schwes­ter. Such das per­sön­li­che Gespräch.

War­um? Nicht, damit am Ende einer gewinnt und der ande­re ver­liert. Nicht, um Recht zu behal­ten. Son­dern – und das ist das Ent­schei­den­de – um den ande­ren zurückzugewinnen.

Ich fin­de die­ses Wort wun­der­schön. Jesus sagt: Gewin­ne den Menschen.

Denn für Jesus ist kein Mensch auf sei­nen Feh­ler fest­ge­legt. Jeder bleibt mehr als das, was er falsch gemacht hat. Des­halb lohnt sich der ers­te Schritt. Des­halb lohnt sich der Mut zum Gespräch. Natür­lich wird nicht jede Bezie­hung heil. Nicht jedes Gespräch endet mit einer Ver­söh­nung. Aber Jesus lädt uns ein, den ers­ten Schritt nicht aus Angst zu unterlassen.

Und dann endet das Evan­ge­li­um mit einem Satz, den vie­le von uns ken­nen: ​„Wo zwei oder drei in mei­nem Namen ver­sam­melt sind, da bin ich mit­ten unter ihnen.“

Die­sen Satz hören wir oft bei Got­tes­diens­ten oder Tref­fen. Aber eigent­lich gehört er mit­ten in einen Kon­flikt. Jesus sagt ihn genau dort, wo Men­schen sich ehr­lich begeg­nen, ein­an­der zuhö­ren, um Ver­ge­bung rin­gen und die Bezie­hung wich­ti­ger neh­men als den eige­nen Stolz.

Das ver­än­dert den Blick auf Gott. Gott war­tet nicht erst dort, wo alles wie­der per­fekt ist. Er ist schon da, wo Men­schen den Mut fin­den, den ers­ten Schritt zu gehen. Er ist gegen­wär­tig in der ehr­li­chen Aus­spra­che, in der aus­ge­streck­ten Hand, im ers­ten Wort nach lan­gem Schweigen.

Und jetzt? Gibt es einen Men­schen, dem ich lie­ber aus dem Weg gehe? Eine Nach­richt, die ich längst schrei­ben könn­te? Ein Gespräch, das ich immer wie­der verschiebe?

Es stimmt wohl: Ver­söh­nung beginnt sel­ten mit gro­ßen Ges­ten. Meist beginnt sie mit einem ein­zi­gen Schritt. Es könn­te dein nächs­ter Schritt sein.

Stu­den­ten­pfar­rer Peter Kunz

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